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Jüdische Rundschau · 1919-04-04 · Heft 25 (4.4.1919) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIV (1919)
Issue
Heft 25 (4.4.1919)
Date
1919-04-04
Page
– (sequence 1)
Language
German
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5 i , t X 1־ 1 ׳. / $ i•) 11;!1;1 :: 1 ^״״״^» ףי״י״ן» ^\^1 mr ״־1»«ל- V .Redaktion u. Verlag; W. 15, SSchiische Str, 8 Erscheint jeden Dienstag u.Frcilag. Abonn.bei d.Exp. u. d, Postämtern viertelj. J|.6t— in Deutschland, in Oesterreich Kr. 12,!.Ausland M. 10,— Nummer 25 Berlin, 4. IV. 1919 Anzeigen ־Verwaltung; Welt-Verlag G tn. b. H , Berlin NW. 7, Dorothecnstraüe 35. Telephon: Amt Zentrum ■4814 u. 4815. Anielgcnpr ei* für die aechsge*p*ltene Nonpareillezeile 75 Pf., Teuerungszuschlag 20%. Telephon! Amt Uhland 84S u. 486. Postscheckkonto! Berli» Nr. 17392. Für Oesterreich: Pottsparkassenamt Scticckkonto Nr. 156030. Redaktionsschluß Sonntag u. Mittwoch nachm. I fT'*- ־־.־- 4. Nissan 5679 XXIV. Jabrg. Gemeinsame Arbeit Zum ersten Mal seit Bestehen der Diaspora schickt sich■ das Gcsamtjudenlum an, ein Werk von bleibendem Werte zu schaffen, in Palästina eine Heimstätte für das jüdische Volk zu schaffen, die dein heimatlosen Volke ein Heim, der wurzellosen jüdischen Kultur den festen Untergrund geben soll. Daß wir heute am Beginn des Aufbaues stehen, ist Aas Verdienst der Zionistischen Organisation. Sie hat in die Massen den nationalen Gedanken und <k׳tt Palästinawiilen getragen, der seit dem Kriege mit so elementarer Wucht zum Ausdruck gekommen ist. Sie hat die politischen Vorbedingungen geschaffen, ohne die das Werk undurchführbar wäre, und sic hat die praktischen Vorbereitungen getroffen, die das Gelingen des schweren Werkes verbürgen. Aber der Aufbau selbst muß das Werk des gesamten jüdischen Volkes sein. Jede jüdische Organisation und jede jüdische Gruppe, die ehrlich am jüdischen Palästina mitarbeiten will, soll und mtift uns willkommen sein. Auch diejenigen, die sich erst jetzt zu uns finden, wo uns der politische Erfolg gesichert ist, begrüßen wir als willkommene Brüder beim Werk. Es in nein den Eindruck, als ob das gesamte deutsche Judentum von diesem Palästinawillen bescelt ist. Der ״Zentralverein Deutscher Staatsbürger Jüdischen Glaubens“ hat wiederholt zum Ausdruck gebracht, daß er sich für das jüdische Palästina einsetzt, und in unserer letzten Nummer konnten wir die Vorschläge der jüdischen Sachverständigenkommission mitteilen, die diese der deutschen Friedensdelcgation gemacht hat und unter denen sich die Errichtung des jüdisehen Gemeinwesens in Palästina befindet. Es muß freilich merkwürdig berühren, wenn man bei der Lektüre der nicl1tz.ionistischen jüdischen Zcihingen Deutschlands beobachtet, daß in auffallender Weise diejenigen Nachrichten politischer Natur, die günstig lauten, ungern oder garnicht gebracht werden, während umgekehrt alle auch noch so ■unwahrscheinlichen und unrichtigen Nachrichten, die irgendeinen Schluß auf Schwierigkeiten bei dem Palästinawerk zulassen, gebracht werden. Es ändert nichts daran, wenn man "derartige Artikel mit der einleitenden Bemerkung versieht, daß den Zionisten die von ihnen verbreiteten Erfolge im Interesse des JiscJmw Erez Israel wohl zu gönnen seien. JEs /nuß den ernstesten Zweifel am ehrliehen Palästinawillen mancher Kreise auslösen, wenn in dieser einseitigen Weise ungünstig sclieinende Nachrichten verbreitet werden. Die in Regensburg erscheinende ״Deutsche Israelitische Zeitung“ z. B. bringt in ihrer Nummer vom 20. März einige Tafarenmchrichtcn über Palästina, über die hier nur folgendes gesagt sei: Wenn hervorgehoben wird, die Autonomie der Juden in Palästina bestehe in Wirklichkeit nur in einigen Sdiicdsgerichten, deren Entscheidungen keine Rechtskraft habe, so muß man sich wirklich fragen, ob der Redaktion der ״Deutschen Isracliti- «dien Zeitung“ nicht bekannt ist, daß die Entwicklung Palästinas zu einem autonomen jüdischen Gemeinwesen eine Forderung ist, aber nicht eine schon jetzt durchgeführte Wirk- Uchkeit, um so weniger, als heute Palästina unter der Herrschaft der militärischen Okkupations- Behörden steht. Durch diesen Hinweis erledigen sich auch Bemerkungen, wie die, daß jüdische Kauflcute keine Handelsniederlassung errichten dürfen. Diese Behauptung ist völlig unrichtig, wohl aber wäre möglich׳ — das können wir im Augenblick von hier aus nicht nachprüfen —, daß für die Zeit der militärischen Okkupation überhaupt neue Handelsniederlassungen nicht errichtet werden dürfen. Dieses eine Beispiel mag statt vieler dienen. Wir hoffen, daß die Entwicklung der nächsten Wochen ,auch* denjenigen, die bisher unbelehrbar und skeptisch gewesen sind, in einleuchtender ,Weise dartun werden,־ daß die jüdische Zukunft Palästinas gesichert ist. Mit um so größerem Recht können wir heute die Frage aufwerfen, wer am Aufbau Palästinas teiljachmcfi wird. Die Londoner ,zionistische Konferenz hat dem •Aktions-Komitee den 'Auftrag ge¬ ״Der Zionismus erstrebt für da» JOdüthe Volk die Schaffung einer OffculUds-redstUda gesicherten Heimstätte in Palästina." Baseler Programm. geben, Richtlinien für die Mitarbeit anderer jüdischer Organisationen auszuarbeiten. Diese Riehtlinien liegen heute noch nicht vor, aber es kann doch schon einiges gesagt werden, was vom Standpunkt des nationalen Judentums aus als unumgängliehe Voraussetzung angesehen werden muß. Che Zusammenarbeit der verschiedenen jüdischen Riehtungen am Aufbau des jüdischen Palästina hat zur Voraussetzung, daß niemand aus anderem Interesse im Lande arbeitet und andere Interessen im Lande vertritt als jüdische. Das Judentum der Diaspora ist nur zu oft!genötigt, bei seinen Aktionen Rücksicht auf nichtjüdische Interessen zu nehmen, denn der einzelne Jude handelt ja nicht nur als Glied des jüdischen Volkes, sondern auch als Glied eines bestimmten Staates. Das ist eine traurige, aber unvermeidliche Folge der Galuthexistenz. In Palästina aber dürfen derartige Tendenzen nicht verewigt werden. Wenn z. B. im ״Hamburger Israelitischen Familienblatt“ vom 20. März unter der Ucbcrschrift ״Das neue Programm des Zcntralvereins“ ein Vortrag von Geheimrat Fuchs wicdcrgcgcbcn wird und in diesem Vortrag folgende Worte stehen: ״Ein gemeinsames Arbeitsfeld ist ferner die Palästinasiedlung. Hier sollen wir nicht nur als Juden, sondern vor allem als Deutsche für die Erhaltung des deutschen Einflusses in Palästina arbeiten“, so muß gesagt werden, daß mit einer derartigen Gesinnung allerdings die Mitarbeit unmöglich gemacht wird. Wie kann man cs einem1 russischen, englischen oder amerikanischen Juden zuimiten, zusammen mit einem deutschen Juden in Palästina jüdische Arbeit zu leisten, wenn der deutsche Jude nicht aus jüdischen Motiven Iran.־ delt, sondern um den deutschen Einfluß in Palästina zu sichern? Es ist richtig, und wir Zionisten haben es oft genug betont, daß ein jüdisches Palästina keiner Madit schädlich ist, und wir sind überzeugt, daß ein jüdisches Palästina unter der Souveränität des Völkerbundes und der Mandatar- Schaft Großbritanniens auch׳ für deutsche Interessen keinen Schaden bedeutet, sondern für die mcnsdiliehe Kultur, die Zivilisation der ganzen Menschheit Werte schafft, die allen Völkern zugute kommen ,werden. Wir müssen es aber ablehnen, bei der praktischen Arbeit in Palästina andere Tendenzen zu verfolgen, als die Interessen der jüdischen Gemein- Schaft, die für sich und nur für sich ihre Zukunft in Palästina zimmern wird. Es ist selbst verstandlieh, daß dieser Grundsatz nach jeder Seite hin gilt. Aus diesem Grunde erwarten wir auch, daß die deutschen Juden beim Aufbau Palästinas in gleicher .Weise wie die Juden der Entente teilnehmen werden, — und zwar in aufrichtiger Loyalität gegenüber dem Völkerbund und der in seinem Aufträge handelnden Mandatarmacht. Nur dann werden wir imstande sein, in Palästina eine Zusammenarbeit der Juden aller Gruppen und aller Länder herbeizufithren, wenn sie alle von der Ucberzcugung durchdrungen sind, daß jeder andere Teil die Interessen der jüdischen Gemeinschaft und nur diese wahrzunehmen: gewillt ist. Noch eine andere Voraussetzung für gemeinsame Arbeit muß hier betont werden. Noch immer finden wir hier in Deutschland den Standpunkt vertreten, daß man im Interesse des armen und unterdrückten Ostjudcntums am Aufbau Palästinas teilnehmen müsse. Dieser Gedanke der Philanthropie muß ein für allemal zurückgewiesen werden. Nur diejenigen können bestimmenden Anteil an dem jüdischen Palästinawerk nehmen, die für sich selber arbeiten wollen, die sich als Glied der jüdischen Gemeinschaft fühlen und für diese Gemeinschaft in Palästina ein Weile von Dauer errichten wollen. Wer sich selbst ausschließt, und nur aus Mitleid für andere arbeitet, der wird niemals die jüdische Heimstätte errichten helfen, der wird einen Riß in das Werk hineintragen und wird unserer Sache nicht nützen, sondern schaden. Wer kann übrigens wissen, ob nicht das deutsche Judentum einmal ebenso arm und hilfsbedürftig sein wird, wie heute das üstlidic Judentum manchen Westjuden erscheinen mag. Das Gstjudentum hat in diesem Kriege gezeigt, daß trotz aller materiellen Not, in der cs lebt, in ihm seelische Energien schlummern, die dem Judentum des Westens zum großen Teil verloren gegangen sind. Der Kampf des russischen Judentums um seine nationale und bürgerliche Gleich- Berechtigung hat jedem, der sehen kann, zur Eviden/ bewiesen, daß das Bild des geknechteten und verkommenen Ostjudentums nur in der Phantasic einiger Westjuden existiert. Das Judentum des Ostens wird für unsere Kolonisation das bei weitem wertvollste und wichtigste zu leisten haben und nicht nur die Masse, die die Grundläge der Siedlung bilden wird, sondern auch den größten Teil der Führer wird das Judentum des Ostens zu stellen haben. Die Aufgabe der Westjuden ist es, nach ihren Fälligkeiten und ihren Mitteln am gemeinsamen Werk des. jüdischen Volkes mitzuwirken. F. L. Der jfidlsch-nationale Wahlsieg in Posen Der 23, März 1919 war für die Juden der Stadt Posen ein Tag von entscheidender Bedeutung. Die ־Wahlen zum Poscner Stadtparlmncnt sollten zum crstcu Male eine Klarstellung ermöglichen, wie stark die hinter dem jüdischen Volksrat stehenden Elemente tat sächlich sind. Zum ersten Maie wurde daher bei einer Wahl für eine öffentliche Körperschaft eine rein jüdische Liste vorgcschlagcn. Der Entschluß hierzu ist unseren Freunden nicht leicht geworden, hatten sie doch sowohl bei den Wahlen zur deutschen National Versammlung, wie zur preußischen Landesvcrsammhmg von einem selbständigen Vorgehen Abstand genommen, weil bei diesen Wahlen die Vorschlagslisten nach partei politischen Gesichtspunkten aufgestellt waren, 90 daß die Repräsentanz des Posencr Judentums es dem Ein zclncn freistcllcn konnte, von seinem Wahlrecht im Sinne seiner parteipolitischen Ueberzcugung Gebrauch zu machen. Weser Weg wurde jedoch! bei den Wahlen für das Stadtparlamcnt verlassen, trotzdem unsere Freunde eindringlichst davor gewarnt hatten. Vielmehr bestanden außer den Wahlvorschlägcn der beiden sozia listischcn Parteien, die eine besondere Chance nicht hatten, nur zwei große Wahllisten, nämlich eine solche der polnischen, nicht-sozialistischen Parteien, und eine der bürgerlichen deutschen Parteien. Sollte daher die jüdische Wählerschaft nicht gezwungen werden, mit einer unwahren Wahlparole an die Wahlurne zu gehen, so blich keine andere Möglichkeit, als den deutsch-nntionalen und den polnisch-nationalen Listen eine jüdischnationale gegenüber z.u stellen. Die Verpflichtung bier/m war um so zwingender, als die deutsche Liste nicht nur Kandidaten enthielt, die als Mitglieder der deutschnationalen Volkspartei judenfeindlicher Gesinnung in hohem Maße verdächtig waren, sondern auch Männer präsentierte, die, wie der Stadtverordnete Bahr, noch vor ganz, kurzer Zeit in der Sfacltvcnordrieten-Versammlung sich in antisemitischen Hetzereien schlimmster Art ergangen hatten. So war nicht nur aus grundsätzlichen Erwägungen heraus, sondern auch wegen der Unmög lichkeit für die jüdischen Wähler, einer derartigen Vor schlagsliste ihre Stimme zu geben, der Boden für ein selbständiges jüdisch-nationales Vorgehen wohl vorbereitet, und wenn es auch über die Absicht des jüdischen Wahlausschusses zweifellos hinausging, so sorgten doch schon die sogenannten ״deutsch-nationalen Juden“ daiür, daß der Wahlkampf sich zu einer grundsätzlichen Aus einandersetzung zwischen den aufrechten jüdischen Bür gern Poscns und denen, die nach wie vor unter einer falschen Flagge segeln wollen, gestaltete. I>er Boden war allerdings für einen derartigen Entscheidungskampf seit Monaten wohl vorbereitet. De gewaltige Umwäl zung, die in Posen ja nicht nur sozialen und politischen Charakter aufwics, sondern durch eine zweite gewaltige Erschütterung abgclöst wurde, die die national-politischen Besitzverhältnisse von Grund auf veränderte, hatte sehr bald dem in den ersten Revoluticmstagen auf An re gung von zionistischer Seite gewählten jüdischen Volksrat eine außerordentlich bedeu tungsvoilc Position verschafft. Der Umstand, daß viele hunderte jüdischer Bürger Poscns diesen Volksrat anerkennen, und daß nicht wc niger als 47 Synagogen-Gcmcindcn der Provinz sich ihm bereits angcschlossen haben, ist ein Beweis für das weitgehende Vertrauen, das seine Wirksamkeit in relativ kurzer Zeit errungen hat. War doch erst wenige Tage vor der Wahl eine Abordnung des jüdischen Volksrats durch die in Posen weilende Entente-Kommission empfangen worden. (Hierüber ist bereits in der letzten Nummer der ״Jüdischen Rundschau“ berichtet worden.) Der jüdische Volks rat hat eine Sonderausgabe seines Mitteilungsblattes veranstaltet, in der diese Eingaben niedergelegt sind, und die besonder* wegen der darin enthaltenen ״Forderungen der Juden 1־ /

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