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Jüdische Rundschau · 1919-03-18 · Heft 20 (18.3.1919) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIV (1919)
Issue
Heft 20 (18.3.1919)
Date
1919-03-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Jahr^ De» Zionismus erstrebt fßr das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina. ״Baseler Programm*1 Zur Beachtung! Str. 401 Infolge der Gas-Sperrstunden kann die Itfoatagausgabe der ״Jüdischen Rundschau" Ibis auf weitere « erst am Dienstag erscheinen. [Die Agudah-Konferenz in Zürich Nach den Erklärungen, die den zionistischen I Dääegierten von dein Rat der Zehn in Paris gegeben worden sind, kann mit hoher Befriedigung gesagt werden, daß die Hauptetappe auf unserem Wege nach Palästina zu rückigelegt worden ist. Das jüdische Volk befindet sich auf dem Marsch nach Eftez Jisroel, und das Gohis wird authören, die führende Rolle in der jüdischen Geschichte zu spielen. Der Zionismus, der für diese Entwicklang seit seinem Bestehen mit aller Kraft ge- I kämpft hat, sieht nun neue, große Aufgaben in sein Gesichtsfeld gerückt; die innere Einrichtung (des Heimes für das jüdische Volk ist es, der sich jetzt seine Energien zuwenden müssen. Die Kundgebungen aus den Kreisen des orthodosen Judentums der ganzen Welt haben in der letzten Zeit immer deutlicher gezeigt, daß die religiösen Massen hinter den Forderungen stehen, die die Zionisten seit Jahrzehnten vertreten haben. Das ging nicht mir aus den Aeußerungen ihrer Führer hervor, sondern noch viel deutlicher aus den Wahlen zu *den jüdischen Vertretungskörpern jn den Ländern jüdischer Massensiedlungen. Hier kam das Bekenntnis zu dem, wofür wir seit den ersten Kongressen unermüdlich kämpfen, zum deutlichsten Ausdruck. Fast a«tsd1%ifch,die Kreise um den ,,Israelit1‘, die den ganzen Krieg hindurch ihren Einfluß ®»!geboten hatten, um diese Anschauungen zu bekämpfen, suchten, solange es möglich war, diesen Strom einzudämmen. Wenn aber nun die Agudas jisroel jpine ,,Weltkonferenz der orthodoxen Verbände“ einberief, so mußte es sich zeigen, daß die bisher von Frankfurt aus verkündete angebliche Stimmung des orthodoxen Judentums von den maßgebenden Kreisen der Orthodoxie nicht geteilt wird. Der Beschluß, sich über die Möglichkeit der Zusammenarbeit mit ider zionistischen Organisation in Bezug auf das Palästina-Programm mit dieser in Verbindung zu setzen, entspricht auch den Er- Wartungen, die!wir an eine Beratung geknüpft haben, bei der auch die Vertreter des Ost- Judentums ein Wort mitzureden hatten. Charakteristisch Ist der Widerstand, den dieser Vorschlag in den Reihen deutscher Delegierter fand. Wenn di« Konferenz nicht so deutlich, wie inan es bei der Stimmung der religiösen Massen schließen mußte, die Zionistischen Forderungen sich zu eigen gemacht hatte, so lag das daran, daß die Besprechung nur dem Namen nach eine Weltkonferenz der jüdisch-orthodoxen Verbände war, t a t s ä c h - lieh aber diese Bezeichnung keineswegs verdiente. Seitens der Agudas Jisraei hatte man mit keiner anderen außerdeutschen jüdisch-orthodoxen Organisation über die Vorbereitung der Züricher Tagung und über den Modus der Beteiligung an ihr verhandelt. Unter den etwa achtzig Delegierten gehörte somit der weitaus größte Teil den verschiedenen Agudah-Gruppen und den ihr befreundeten kleinen Organisationen in Deutschland und einem Teile des neutralen Aus- Landes art. Die amerikanischen Juden waren überhaupt nicht vertreten, die Ach dus Jisroei, durch welche die ganze, zwei bis drei Millionen zählende Judenheit d«r Ukraine repräsentiert sein Sollte, hatte nur eine« Herrn Horenstein als Sprecher, der nach seiner eigenen Aussage flicht einmal Vollmacht besaß. Dagegen hatte der Bund jüdischer Akademiker Deutschlands mit 300 Mitgliedern drei Delegierte! Ein Büro des allweltlichen Rabbinerverbandes mit dem Sitz in Kairo (?) wird ebenfalls unter den teilnehmenden Verbänden aufgezählt. Von den westgalizi sehen Juden war kein einziger Vertreter erschienen, ebensowenig aus M äh reu, den südslawischen ländern, Rumänien, Großruß!and usw., von Westeuropa außer Deutschland und der Schweiz mir Italien. Auch die Beteiligung der englischen Judenheit, von der Die letzten Sitzungen der Londoner Zionistenkonferenz. Wichtige Kolonisatorische und organisatorische Maßnahmen. — Ein Landfonds gebildet. — Die Nationalisierung des Bodens — Einberufung des ordentliehen Kongresses auf den 1. Ellul. —• Das Aktions-Komitee in Permanenz. Die Dienstagsnachmittagssitzung der Londoner Konferenz war mit der Debatte über das Kolonisationsprogramm ausgefüllt. Weizmann erklärte in seiner Schlußrede, die Hauptarbeit sei die Vorbereitung auf den Beginn der Tätigkeit sofort nach der Friedenskonferenz, soweit Arbeitsmöglichkeiten vorhanden sind. Die Arbeit müsse in Uebereinstimmung mit den Erfordernissen der Bewegung erfolgen. Sie müsse großzügige Methoden anwenden und könne nicht mehr im bisherigen Maßstabe weitergeführt werden. Er erwarte eine lebhafte Tätigkeit, insbesondere in Palästina. Er messe der Aufnahme öffentlicher Arbeiten großen Wert als Arbeitsgelegenheit für Einwanderer bei. Er betonte dann die kulturelle und politische Bedeutung des Baues der hebräischen Universität. Für alle Juden ständen nunmehr große Aufgaben bevor. Vor allem würden die Juden Palästinas beim Aufbau durch ihre praktischen Erfahrungen nützen können, besonders groß seien auch die Aufgaben für die amerikanischen Juden. Die Konferenz beschloß dann einige Resolutionen, die die Kolonisationskommission vorgelegt hatte, dem Aktions-Komitee, andere dem Kongreß zu überweisen. Die dringendsten Anträge wurden von der Konferenz angenommen. Sie haben folgenden Wortlaut: ״Ein jüdischer Landfonds wird gebildet, der für die nationale jüdische Kolonisation alle Ländereien übernimmt, die nicht in Privateigentum stehen, ferner andere erhältliche Ländereien unter sorgfältiger Berücksichtigung der Rechte der arabischen Besitzer.“ Die Ländereien des Landfonds können nicht in Privateigentum übergehen, sondern gehören dem jüdischen Volke. ״Der Jüdische Rat erhält das Prioritätsrecht zur Uebernahme öffentlicher Arbeiten“. In der Sitzung vom Mittwoch, den 12. März erstattete Dr. Jacobson den Bericht der Organisationskommission. Die Konferenz faßte folgende Beschlüsse: 1. Zum 1. Etlul ist der Ordentliche Zionistische Kongreß einzuberufen, derart, daß alle Organisationen an diesem teilnehmen können. Das Aktions-Komitee bestimmt den Ort, an dem-def'^^JCoSfj^ft^Äpameolritt.־-׳.. 2. Wenn nach 2 Monaten die Abhaltung des Kongresses unmöglich erscheint, muß binnen höchstens einem weiteren Monat die Jahreskonferenz in einer Form einberufen werden, daß alle Organisationen Delegierte entsenden können. 3. Eine Woche nach Pessach findet im Haag eine Sitzung des Großen Aktions- Komitees statt. 4. Das große Aktions-Komitee erklärt sich in Permanenz unter Teilnahme aller erreichbarer Mitglieder und unter Zuziehung von drei amerikanischen Mitgliedern, zwei Palästinensern und je einem Vertreter der Poalezion und des Misrachi. Bei Meinungsverschiedenheiten hat das Aktions- Komitee ein Vetorecht. 5. Bei Zusammensetzung der Palästinakommission erhalten die Palästinenser, die Poalezion und der Misrachi entsprechende Vertretungen. Das vergrößerte Aktions-Komitee bestimmt die künftige Zusammensetzung aller Kommissionen. 6. ln Verbindung mit der Bildung eines provisorischen Palästinakomitecs, dessen Konstituierung in den Vorschlägen über die Zusammenarbeit mit den jüdischen Organisationen enthalten war, vereinbarte die Konferenz Grundsätze, nach denen das Aktions-Komitee dem nächsten Kongreß konkrete Vorschläge machen soll. 7. Zufolge dieser Grundsätze sollen jüdische Organisationen, die schon in oder für Palästina gearbeitet haben, oder arbeiten, eingeladen werden, ferner solche Organisationen, die die Judenschaft irgend eines Landes vertreten, sowie Organisationen, deren Hilfe für die Entwicklung der jüdischen Heimstätte in Palästina besonders wichtig ist. 8. Die Konferenz delegierte die Herren Motzkin und Rosow als Vertreter der Zionistischen Organisation in der Frage der nationalen Rechte nach Paris zur Zusammenarbeit mit den Vertretern der jüdischen Nationalräte. Julius Simon erstattete den Finanzbericht. Er schlug ein Budget vor, durch das die Angaben zunächst auf £ 235 000 festgesetzt werden. Falls die Einnahmen es gestatten, ist eine Erhöhung der Ausgaben um weitere £ 117000 in Aussicht genommen. Das Budget wurde einstimmig angenommen. In der Schlußsitzung bedauerte Weizmann, daß Professor Warburg und Dr. Hantke aus technischen Gründen abwesend wären und erklärte den Abwesenden das unbedingte Vertrauen. Er verwies auf die Vollsitzung des Aktionskomitees, die nach Pessach im Haag stattfinden werde. Er betonte dann die historische Bedeutung der Konferenz, widerholte, daß im Prinzip das nationale jüdische Heim anerkannt sei und durch die Arbeit des jüdischen Volkes verwirklicht werden müsse. Er forderte die Delegierten auf, bei ihrer Heimkehr die ganze Organisation zu energischer Mitarbeit aufzurufen. Dann sprach Dr. Jacobson. Er betonte, daß nunmehr die Möglichkeit bestehe, durch große Arbeit dauernde Werte zu schaffen. Er sprach Brandeis, Warburg, Hantke, und Max Nordau seine Grüße aus und dankte der Konferenz für die von ihr geleistete harmonische Arbeit. Dann sprachen Yellin und Ussischkin in hebräischer Sprache. Schmarja Lewin gratulierte der Konferenz und den Führern zu den großen Erfolgen und betonte die Macht der demokratischen zionistischen Bewegung, ihren Einfluß auf die Geschichte und die Bedeutung der jetzigen Epoche. Eisenberg- Rechoboth sprach namens der Palästinapioniere. Mit dem Gesang der ״Hatikwah“ schloß die Konferenz nach sechzehntägiger Dauer. Die Konferenz sandte Telegramme an die Palästinensische Judenheit, an Professor Warburg, Dr. Hantke, Brandeis, Nordau und das Armenierkomitee in Paris, das Glückwünsche übermittelt hatte

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