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Jüdische Rundschau · 1919-03-14 · Heft 19 (14.3.1919) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIV (1919)
Issue
Heft 19 (14.3.1919)
Date
1919-03-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Verwaltung Anz ei?en :odien « ■rlrfcdiaft tigea B«. A. 11 15«. sind nfcst Fiktion a Verlag W. 15, Sächsische Str. 8. Erscheint jeden lienstag u, Freitag. Abonnem. bei derExped. 11 d Postämtern iertelj'iirlich Mit. 4 50 in Deutschland, im Ausland Mk. 6,50 Nummer!9 Berlin, 14. III. 1919 Welt-Verlag G. m. b. H., Berlin W. 35, KurfurstenstraBa 160. Anzeigenpreis für die sedngeapaltene Nonpareillexeile 75 P{., TeoerungaxuaAlag 20°/0. Telephon: Amt Uhland 845 u. 846. Postscheckkonto: Berlin Nr. 17307. Für Oesterreich: Postsparkassenamt SAeckkonto Nr. 156030 RedaktionssdiluB Sonntag 11. Mittwoch naAm. 12 Adar II 5679 XXIV. Jahrg. 0er Zionismus erstrebt für das jüdische Volk «Ile Schaffung einer Öffentlicb-recbtHcb gesicherten Heimstätte in Palästina, ״Baseler Programm" reu (ie- Sammeligblätter entaeher gong, im Biiro istischen in C. 2, ts Börse, und bei?Isasser- 287 zu Hsdbe 1■ t im öroj$. mter« , &as nalen r 11110. neuen Das »mal. lern#■! ־öltet 7,50. lilbett n bei 191*. ®tob, ) f«t fta tat*. ikifcbe •#&Üt mbet I btm ®reis nanu־ «tau* «aut« fpielev tädtig eine iebern Stabe(. I non »düng S*te4t mtato- .1,90. g. - lie fite an* faiföe unb «oft־ lettett tungi* tehtöe: t So« en bet bient*. g DOtt el au« «fliges! *Ö 8.־ Der Brief des Emirs Faisul | Von Dr. Arthur Ruppin. Der Brief des Emirs Faisul, den die Jüdische Rundschau“ in ihrer letzten Nummer >h redruckt hatte, ist für die jüdische Palästinatrlieit ein Dokument von historischer Bedeutung,?um ersten Mate klingt aus den Reihen der Araber a uns eine Stimme des Verständnisses und warmen Empfindens für die nationaljüdischen Bestrebunjeu herüber. Jfs verleiht dieser Kundgebung besonderen Wert, daß sie von dem Manne ausgeht, ler als der Sohn des Königs von Hedjas an lern Feldzuge in Palästina hervorragenden Anteil!ahm, an der Spitze der arabischen Truppen in Da - maskus einzog und jetzt als Vorsitzender der Friedensdelegation des neuen arabischen Reiches *n den Friedensverhandlungen in Paris teilnimmt. Emir Faisul hat sich im Kriege nicht nur den Ruf eines tapferen Heerführers, sondern auch den eines weitsichtigen Staatsmannes erworben und wird vermutlich auf Jahre hinaus die führende politische Persönlichkeit unter den Arabern sein. Noch vor wenigen Jahren wäre es uns wie ein Märchen erschienen, wenn man uns gesagt hätte, daß in führenden arabischen Kreisen eine so klare Einsicht über die notwendig« Zusammenarbeit von Juden und Arabern an der Wiedererweckung des Vorderen Orients aufdämmern würde. Wir hatten uns in Palästina immer wieder bemüht, mit den fahrenden Arabern Fühlung zu gewinnen und sie von der Nützlichkeit unserer kolonisatorischen Arheit zu überzeugen. Aber wir kamen von solchen Versuchen immer verzweifelt und hoffnungslos zurück. Was das eigentlich Betrübende dabei war, das war nicht etwa, daß wir auf eine wirkliche Gegnerschaft stießen, daß man unseren Gründen andere Gründe entgegensetzte, es war vielmehr der!'instand, daß auf der anderen Seite überhaupt für prinzipielle Auseinandersetzungen keine Neigung bestand.. Es zeigte sich, sobald man versuchte, den Dingen einen über das alltägliche hinausgehenden Aspekt zu geben, daß eine gemeinsame Grundlage für prinzipielle Diskussionen fehlte. Wie sollten wir bei den Arabern Verständnis für u n s e re eigenen nationalen Wünsche finden, wenn bei ihnen selbst das Nationalgefühl und das soziale Empfinden fehlte und der Einzelne über kleinliche egoistische Erwägungen nicht hinauskam! Die führenden Araber, die in Palästina meistens aus den Großgrundbesitzern und reichen städtischen Effendis bestehen, taten ja nichts für ihr eigenes Volk, das sie in Unwissenheit und Armut verschmachten ließen und das sie als Großgrundbesitzer idurch hohe Pachtfordeningen ausbeuteten. Da konnte es nicht Wunder nehmen, daß sie den Wünschen eines anderen Volkes ganz fremd gegenüberstanden. Je klarer uns vor Augen stand, daß unser ganzes Kolonisationswerk in Palästina so lange nicht fest verankert sei, als wir nicht mit den Arabern zu freundschaftlichen Beziehungen gelangt seien, die nicht auf materiellen Interessen, sondern auf wirkliciier innerer Ueberzeugung von der Nützlichkeit der Zusammenarbeit gegründet waren, um so schmerzlicher empfanden wir die Unmöglichkeit, mit den bisherigen Führern solche freundschaftlichen Beziehungen herzustellen. Da kommt der Brief des Emir, Faisul und zeigt uns, daß dieser Weltkrieg doch Persönlichkeiten an die Spitze des arabischen Volkes gebracht hat, welche die zionistische Bewegung anders zu werten verstehen als eigensüchtige Großgmndbesitzer und städtische Händler. Der Brief! des Emirs zeigt eine so klare Einsicht für die Bedingungen und die Ziele einer gemeinschaftlichen Arbeit von Juden und Arabern, wie sie klarer nicht gedacht werden kann. Seine Worte ,,Wir arbeiten zus a m m e n für einen neugestalteten und Wieder auflebenden Orient, und unserebeiden Bewegungen ergänzen einander“ sollten als Leitsatz iur die gesamte zukünftige Arbeit von Arabern und Juden gelten. De Vorteile, welche die Besiedlung Palästinas mit Juden den Arabern bietet, sind dreifacher Art: wirtschaftliche, kulturelle und politische. Die wir tschaftlichen Vorteile werden sehr groß sein, in erster Linie durch die Hafen- und Eisenbahnbauten. Ohne eine große jüdische Kokmisatyu Die Londoner Zionistenkonferenz. Die Autonomiedebatte. Über die Sitzung der Londoner zionistischen Konferenz vom Dienstag, den 4. März 1919, in der man sich mit der Frage der nationalen Rechte in der Diaspora beschäftigte, erfahren wir folgende Einzelheiten: Leo Motzkin erstattete den Bericht der Kommission für die nationalen Rechte. Er führte aus, daß selbst bei einer Einwanderung von jährlich 100000 Juden nach Palästina, die ein Maximum darstelle, sich die Zahl der Juden in der Diaspora nicht vermindere. Das Judenproblem in der Diaspora würde nach dem Kriege schwieriger sein, als vorher. Er beklagte, daß Zionisten und Nichtzionisten diese Frage in Paris vollständig vernachlässigten. Herr Lucien Wolf hätte der Friedenskonferenz diesbezüglich ein Memorandum unterbreitet, das aber die nationalen Rechte der Juden völlig ignoriere. Diese Handlungsweise sei verräterisch nnd schändlich. Sie wiederspreche den Resolutionen aller maßgebenden jüdischen Kongresse. Sein Memorandum müsse auf das entschiedenste zurückgewiesen werden, Motzkin legte dann der Konferenz Resolutionen zur Beschlußfassung vor, die forderten, daß die Friedenskonferenz in die Konstitution von Rußland, Polen, der Ukraine, Litauen, Rumänien, Tschechoslowakien, Jugoslawien, Deutschösterreich, Saloniki und der Krim Bestimmungen über die Anerkennung der jüdischen Nationalität und über die Sicherstellung der nationalen Minderheitsrechte der Juden in Sprache, Schule und politischer Repräsentation einschalte. Weitere Resolutionen fordern die Aufnahme der jüdischen Nation, vertreten durch den jüdischen Weltkongreß, in den Völkerbund. Ferner, unter internationaler Kontrolle, eine Entschädigung für die Kriegsschäden der Juden im Verhältnis zu den allgemeinen Verlusten, weiter: Schadloshaltung der Progromopfer durch die betreffenden Staaten; Wahl einer Delegation nach Paris zum Zweck der Organisierung der jüdischen Delegation verschiedener Länder; unmittelbare Einberufung einer Palästinakonferenz und Etablierung eines Büros, das energisch für die Verwirklichung der nationalen Forderungen arbei|^|oll. An Motzkins Referat schloß sich eine die den ganzen Tag dauerte und an der sich u. a. Schmarja Levin, Kaplanski, Syrkin, Barondess und Farbstein beteiligten. Die vorgeschlagenen Resolutionen wurden mit geringfügigen Änderungen angenommen. •״• v..■ Die weiteren Sitzungen. , . Nach Weizmanns Bericht in der historischen Mittwoch-Sitzung referierte abends Farbstein für die Emigrations-Kommission. Am Donnerstag wurde die Aussprache darüber fortgesetzt und alle von ihm vorgeschlagenen Resolutionen über die Regelung der Auswanderung und die Errichtung der Auswanderungsämter angenommen. Es wurde beschlossen, das Emigrationszentrum nach London zu legen und ein zweites Zentrum in ein neutrales Land. Am Donnerstag Nachmittag berichtete Eisenberg-Rechoboth über den Zustand der jüdischen Kolonien Palästinas und Dlzengoff über ihre Entwicklung im Kriege. Am Freitag morgen referierte Wilkansky über die Grundlagen der Kolonisation. Dann sprach Jean Fischer über die Grundsätze, die die von der Zionistenkonferenz eingesetzte politische Kommission zu den der Friedenskonferenz vorgelegten zionistischen Forderungen aufgestelit hatte. Weizmann wies auf den Einfluß der politischen Lage auf die zionistischen Forderungen hin. Am Samstag Abend und den ganzen Sonntag wurde die Diskussion über die prinzipiellen und speziellen Fragen der Politik fortgesetzt. An der Diskussion beteiligten sich: Yellin, Berlin, Wilkansky, Ussischkin, Simon, Motzkin, Podlischewsky, Farbstein, Rozoff, Barondess, Syrkin, Rosenblatt, Podlischewsky, Sonne, Herrmann. Zum Schluß der Aussprache wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: ״Die zionistische Konferenz spricht den zionistischen Führern für ihre schwere Arbeit ihre Dankbarkeit und ihr Vertrauen aus. Eingedenk der gerechten und historischen Ansprüche des jüdischen Volkes, ausgedrückt in der historischen Tradition und in vielen jüdischen Erklärungen, ersucht die Konferenz die zionistischen Führer bei der weiteren politischen Arbeit, die Resolution über die Vorschläge als Basis zu benutzen.“ Diese Resolution war durch die von der Konferenz gewählte politische Kommission ausgearbeitet und der Konferenz vorgelegt worden.“ Am Montag, den 11. März, begannen de Lieme und Kaplansky ihren Bericht im Namen der Kolonisationskommission. Die Schweizer Völkerbundkonferenz erkennt das jüdische Volk an. ln der jetzt in Bern tagenden internationalen Völkerbundskonferenz beschloß die Kommission für den Umfang des Völkerbundes auf den Antrag von Goetschei, dem Vertreter des Schweizerischen Zionistenverbandes, daß dem jüdischen Volk der Eintritt in den Völkerbund als gleichberechtigtes Mitglied zu gewähren sei. Die Kommission für das Nationalitätenprogramm beschloß auf den Antrag von Dr. Klatzkin, dem Vertreter der Zionistischen Organisation, daß das jüdische Volk zu denjenigen Völkern gehören j müsse, denen das nationale Selbstbestimmungsrecht zuzuerkennen sei. Dieselbe Kommission faßte Entschlüsse gegen den nationalen und wirtschaftlichen Boykott. würden di« Unternehmungen, weil unrentabel, wahr! scheinlich auf Jahrzehnte hinaus verschoben werden müssen. Wenn dank der jüdischen Kolonisation sie schon jetzt in Angriff genommen werden, so erfährt Palästina dadurch eine Bereicherung der Verkehrsmittel, die der ganzen Bevölkerung zugute kommt, nicht zum wenigsten auch dem Fellachen, der für seine landwirtschaftlichen Produkte Infolge leichteren und billigeren Absatzes höhere Preise erzielen wird. Hier kommt der Nutzen der jüdisehen Kolonisation für die arabische Bevölkerung sofort in klingender Münze zum Ausdruck. Von Bedeutung wird auch sein, daß die jüdischen Bankinstitute im Rahmen ihrer Mittel den Arabern für Kredite offen stehen werden. Einen kulturellen Nutzen sollen wir den Arabern dadurch bringen, daß wir uns bemühen, das sehr im Argen liegende Schulwesen der Araber I.!

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