Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1919-03-11 · Heft 18 (11.3.1919) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIV (1919)
Issue
Heft 18 (11.3.1919)
Date
1919-03-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2651273-2652135-2652153--12080-2669673
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

JÜDISCHE RUNDSCHAU Redaktion u. Verlag W.15, Säehsi«fce Str. 8. Erscheint jeden Dienstag u. Freitag. Abonnem. bei der Eaped. u■ d. Postämtern vierteljährlich Mk. 4 50 in Deutschland, im Ausland MIc. 6,50 Nummer ]8 Berlin, 11. 111. 1919 An»eltM»V«rw«ltBng: Welt-Verlag G. m. b. H.t Berlin W. 35, Kwforatenktra&e 150, Anzeigenpreis für die sedhsgeapaltane Nonpareillezeile 75 Pf., Teuerungssuschlag 20 °/0. Telephon: Amt Uhland 845 u. 846. Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392. Für Oesterreich: Postsparkassen•mt Seheekkonto Nr. 156030 RedaktionsschluB Sonntag u. Mittwoch nachm. 9. Adtr 11 5619 ( XXIV. Jahrg Dm* Zioninmun erstrebt für das Jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baselm• Programm* Palästina wird jüdisch Anerkennung der nationalen jüdischen Heimstätte in Palästina durch die Mächte. - Freudige Zustimmung der arabischen Delegation. London, den 3. März 1919. 11» der heutigen Sitzung der Londoner Zionisten-Konferenz berichtete Dr. Weizmann über die Verhandungen der Friedenskonferenz in Paris mit der zionistischen Delegation. Er teilte mit, daß die Forderung der jüdischen nationalen Heimstätte in Palästina von den Mächten angenommen worden sei. Auf dieser Sitzung der Friedenskonferenz waren vertreten: England durch B a 1 f o u r und Milner, Frankreich durch P i c h o n und Tardieu, Amerika durch L a n s i n g und White, Italien durch Sonnino. Die zionistische Delegation wurde nach Schluß der Verhandlungen von Balfour und Sonnino zu ihrem wirkungsvollen Auftreten beglückwünscht. Tardieu teilte gleichzeitig der Presse mit, dass in Frankreich kein Einwand gegen Englands Sachwalterschaft über Palästina erhoben werde. Die Friedenskonferenz überwies die zionistischen Forderungen einer Kommission zur Sendung der Einzelheiten. Professor Felix Frankfurter, der bekannte amerikanische Zionist, wurde beauftragt, die juristische Seite der Frage bei den Verhandlungen dieser Kommission zu bearbeiten. Die historische Sitzung. Aus einem weiteren Telegramm erfahren wir noch folgende Einzelheiten über den Verlauf der Sitzung der Friedenskoifcre®**. Weit**na safte daiAer bei •tanem Bericht ־וויו konnten die amerikanischenDelegierten nicht im Flugzeuge kommen. Zu den Eingeladenen gehörten Sokolow, Ussischkin, der Führer der französischen Zionisten Andre S p i r e, sowie der Vertreter der französischen nichtzionistischen Juden Silvain L e v i. Vor der Konferenz hatte Sokolow eine Unterredung mit Levi, der erklärte, er sei mit unseren Forderungen ganz einverstanden. Die Konferenz begann um 7*4 Uhr unter dem Vorsitz von Pi c hon. Auch Clemenceäu war anwesend, während eines Teiles der Sitzung unter anderen Balfour, Milner, Lansing, White, Sonnino. Sokolow hielt die erste Rede in französischer Sprache. Sie war kurz und klar und wies das historische und moralische Anrecht des jüdischen Volkes auf Palästina nach. Während Sokolow redete, war es, als ob das zweitausendjährige Leid des jüdischen Volkes aus ihm sprach. Dann sprach ich englisch, schilderte die ökonomische Lage der Juden, die vom Kriege mehr betroffen worden seien, als andere Völker und sagte, die Regierungen müßten das jüdische Volk in seinem Bestreben unterstützen, Palästina zu seiner nationalen Heimstätte zu machen. Darauf sprach Ussischkin hebräisch. Seine Ansprache hinterließ einen tiefen Eindruck. Andre S p i r e unterstützte dann unsere Forderungen namens der französischen Zionisten und appellierte an die französischen Delegierten, die so viel Verständnis für die hohen Ideale der jüdischen Forderungen hätten. Sodann sprach namens der nichtzionistischen, französischen Juden Silvain Levi. Im ersten Teil seiner Rede beschrieb er die Wichtigkeit der jüdischen Kolonisation in Palästina und den Anteil der Chowewe Zion, Rothschilds, und der ״Alliance“. Dann erklärte er, daß der Zionismus einen großen Wert für die Wiederbelebung der jüdischen Massen habe, versuchte ihn aber zu bekämpfen, da Palästina zu klein sei, und die Araber unter der Kolonisation leiden würden. Er behauptete ferner, daß die russischen Juden einen explosiven Charakter hätten, und daß die Zionisten offensichtlich zweifache Bürgerrechte forderten, in Palästina und ihrem Heimatland. Wir beschlossen, auf Levis Rede, die wir als einen Chillul Haschern empfanden, nicht zu antworten. Da erhob sich Lansing und gab durch seine Frage, was man unter einem nationalen Heim zu verstehen habe, Gelegenheit zu einer ausführlichen Antwort meinerseits. Ich erklärte, wir forderten Bedingungen, die es zunächst jährlich etwa 60000 Juden ermöglichen, in Palästina einzuwandern, sowie eine Weiterentwicklung der Kolonisation, Sprache, Schule und Verwaltung, die dazu führen, daß Palästina jüdisch werde. Wir fordern: Palästina den Juden, wie England den Engländern, Amerika den Amerikanern. Lansing drückte seine Zufriedenheit mit der Antwort aus. Ich wies dann die Einwände Levis zurück, indem ich sagte, die Kolonisation sei schwierig, aber durchaus möglich, wobei ich auf die erfolgreiche französische Kolonisation in Tunis hindeutete. Es sei unwahr, daß wir die Forderung doppelter Bürgerrechte erheben, diese Behauptung sei nur ein Angstprodukt gewisser jüdischer Kreise, werde aber nicht von den 95 Prozent des jüdischen Volkes geteilt, die die zionistischen Forderungen vertreten. Die Angst vor den russischen Juden sei unbegründet, gerade die russischen Juden hätten die Kolonien gegründet, die Levi so gelobt habe. Die Stimmung auf der Konferenz war durchaus für uns. Sonnino drückte uns die Hand, Balfour beauftragte seinen Sekretär uns zu beglückwünschen und uns zu sagen, daß meine Rede wie Schwertgeklirr über dem Haupt des Gegners geklungen habe. Als wir die Konferenz verließen, wollte mir Levi die Hand reichen, aber ich, ebenso wie Sokolow wandten uns instinktiv ab. Weizmann schloß seinen Bericht vor der Londoner Zionisten-Konferenz mit dem Segensspruch ״schehechejonu“ unter stürmischem Beifall der Versammlung.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.