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Jüdische Rundschau · 1919-03-04 · Heft 17 (4.3.1919) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIV (1919)
Issue
Heft 17 (4.3.1919)
Date
1919-03-04
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Redaktion u. Verlag W. 15, Sächsische Sir. 8. Erscheint jeden | Dienstag u. Freitag. Abonnem. bei der Exped, u. d. Postämtern 1 vierteljährlich Mk. 4,50 in Deutschland, im Ausland Mk, 6,50 1 Nummer 17 I Berlin, 4. III. 1919 j Anse eigen- Verwaltung; Welt-Verlag G. in. b. H-, Berlin W. 35, KurfurstenstraBa 160, Ansoigcnpreia für die •edisgespalteno Nonpareillexaila 75 Pf., TcuerungsxuschUg 20 %, ~nrn־״ir1 ITIIIII | III 1111 || ־I1II1M1 1MII Ull IHlMIIIIWIBWWIIIIilirMIMIB lMWBMWB^MMMMMMuiijnililJ- Telephon: Amt Uhland 845 u. 846. Postscheckkonto; Berlin Nr. 17392. Für Oesterreich: Postsparkassenamt Scheckkooto Nr. 156030 Redaktionsschluß Sonntag u. Mittwoch nachm. 2. Adar 11 5679 i 5007־Jahr^• Per Zloniamn■ oratxobt fSr daajädiacho Volk die Schaffung einer 5if oiiUlcli-roctitllch genlchorten Heimstätte la PaltUttnn. ״Baseler Progrsrnm« *T/m öle Vertreter des Zionismus vor dem Zehnerausschuß in Paris — Die Londoner Zionistenkonferenz Der Entscheidung entgegen Der Zionismus auf der Friedenskonferenz Die Verhandlungen stehen günstig Kopenhagen, den I.MIrz. Da» ״Kopen hagener Zionistische Büro“ teilt mit: Am 27.Februar wurde die zionistische Delegation von der Friedenskonferenz empfangen. Namens der Zionistischen Organisation unter• breiteten Sokolo w und Welz mann die Vorschläge für l’allstina. Danach toll Palästina zunächst vom Völkerbund verwaltet werden, Großbritannien soll das Mandat zur Verwaltung erhalten, mit dem Aufträge, In Palästina ein jüdisches Gemeinwesen zu schaffen. Die Rechte der nichtjüdischen Bewohner sollen gewahrt werden. Utsischkin als Vertreter der russischen Judcnhcit richtete eine hebräische Ansprache an die Konferenz. Ferner sprachen Andrä Spire, als Vertreter der französischen Zionlstcnfödcration, und Professor Syivain L6 vy vom College de France. Die Verhand- Jungen dauerten fast zwei Stnnden. Die zionistischen Führer erklärten sich von dem Verlauf der Verhandlungen sehr befriedigt. Paris, 28. Fcbraar (llavas). Der heutige diplomatische Situationsbericht besagt: Der Zehner-AusschuB beschloß auf Vorschlag der amerikanischen Vertreter eine Sonderkonimission für die Gebietsprobleme zu schaffen. Im zweiten Teil der Verhandlungen sprachen die amerikanischen, englischen, französischen and russischen (?) Delegierten über den Zionismus. Sokolow und Weizmann behandelten die Notwendigkeit der Schaffung eines souveränen israelitischen Staates In Palästina. Mit der Durchführung dieses Plana soll der Völkerbund Großbritannien betrauen. Professor Levy vom College de France wies auf die Schwierigkeiten da Problems hin und erklärte, dafür Eintreten zu wollen, daB Palästina eine Internationale Heimstätte für diejenigen Juden werde, die aus ihrem gegenwärtigen Heimatland auszuwandern wünschten. Er meinte, die christlichen und mohammedanischen Bewohner Palästinas würden sich oitne Schwierigkeit einem europäischen Regime fügen, da dasselbe geeignet wäre, das Gleichgewicht unter den verschiedenartigen Faktoren zu erhalten. Dagegen würde sich die einheimische Bevölkerung wohl der Vormundschaft eines anderen religiösen Elements widersetzen. Paris, 27. Februar. (Meldung da Reuter-Büros.) An der Besprechung der Minister der verbündeten Mächte, die am Donnerstag Nachmittag die Bildung elna Zentralausschusses für Gebietsfragen und zionistische Angclegenhciten betraf, nahm Ciemenceau teil. London, 27, Februar. Reuter erfährt, daß die zionistischen Vertreter heute auf der Friedenskonferenz für die jaden das Recht forderten, Palästina als nationale Heimat der Juden wieder zu errichten, und zwar unter der Verwaitung Großbritanniens als beauftragte Macht des Völkerbundes. Paris, 28. Februar (Havas). Tard leu erklärte bei der offiziellen Berichterstattung für die Presse, die Frage da jüdischen Staates in Palästina sei behandelt worden and stehe günstig. Die Londoner ZionistenSconferenz 5? Delegierte aus 16 Ländern anwesend Kopenhagen, den27.Februar. Das ״Kopenhagener Zionistische Büro“ berichtet: Die Londoner Zionistenkonferenz wurde am 24. Februar eröffnet (Jeber 50 Delegierte aus England, Frankreich, Palästina, Rußland, Polen, Südafrika, Italien, Belgien, Aegypten, Argentinien, Holland, Tschechoslovakien, Jugoslavien, Griechenland, Schweiz, Skandinavien und von den Sonderverbänden Ponte Zion und Misrachi sind anwesend. Weizmann und Sokolow erstatteten politische Berichte über die Lage in Palästina und die Forderungen an die Friedenskonferenz, deren Besprechung ln Paris für Freitag, den 27. Februar angesetzt ist. Weizmann reiste am Montag, den 24. Februar unmittelbar nach Er- Öffnung der Konferenz wieder nach Paris. Am Dienstag wurde die Diskussion der politischen Fragen fortgesetzt. Sokolow teilte im Schlußwort mit, daß er soeben vom französischen Minister da Aeußern, Pichon, eine Vorrede für seine ״Geschichte da Zionismus“ erhalten habe, In der Pichon seine Sympathien für den Zionismus ausdrückt. Am Dienstag Nachmittag wurde über die nationalen Forderungen und über die allgemein-jüdische sowie die baondere zionistische Politik auf der Friedenskonferenz debattiert. Sokolow erklärte, daß jüdische Delegierte aus vielen Ländern sich in Paris oder auf dem Wege dorthin befinden, die im Einvernehmen mit der zionistischen Delegation bezüglich der geplanten Konferenz der jüdischen NaÜonalrätc stehen. Am Mittwoch reiste Sokolow ebenfalls nach Pari» ab. In der Sitzung vom Mittwoch, den 26. Februar, in welcher Dr. Schmnrja Levfn den Vorsitz führte, erstattete Dr. Eder den Bericht der Palästinakommission. Dann hielt Julius Simon, Haag, ein Referat über die zukünftige organisatorische Arbeit auf dem Gebiet der Einwanderung und Kolonisation. Die Konferenz faßte eine Resolution, in welcher die Anerkennung der bisher getanen Arbeit der jüdischen Führer ausgesprochen wird. Die Konferenz wurde dann bis zum nächsten Montag vertagt, wo Weizmann, Sokolow und Ussischkin aus Paris zurückkehren werden. Auf Vorschlag der aus den Herren J e 11 i n, Julius Simon, Leo Herrmann, Schochat, Farbstein, Baron es, Berlin bestehenden Agendenkommission wurden 7 Kommissionen gewählt, nämlich für Politik, Finanzen, Organisation, zukünftige kolonisatorische Tätigkeit, Auswanderung, Erziehung und nationale Rechte. Diae Kommissionen sollen von Donnerstag bis Montag arbeiten, wo die Wiederaufnahme der Vollsitzungen stattfinden wird. VölKierbund und Zionismus Das ״Kopenhog.ener Zionistische Büro“ verbreitet die folgende Veröffentlichung des Londoner Zionistlschen Büros: Die Zionistische Organisation stellt fest, daß die Entscheidung der Friedenskonferenz, die Herrschaft über Palästina der Liga der Nationen za Obergeben, Im Einklang mit den zionistischen Wünschen steht. In Osteuropa herrscht lebhafte Erregung unter den Juden, da die Entscheidung über das Schicksal da jüdischen Volka bevorsteht and der Traum zweier Jahrtausende sich seiner Erfüllung nähert. Die Zionistische Organisation blickt mit Vertrauen auf die Ent- Scheidung der Friedenskonferenz über die Bedingungen, die eine gaunde Grundlage für die Errichtung der jüdischen nationalen Heimstätte In Palästina sichern werden. Die Pariser Konferenz hat vor einigen Wodien den Beschluß gefaßt, die Lösung1 der Palästinafrage mit anderen Gebietsfraßen dem Völkerbund zu überweisen. Diese Entscheidung wurde von uns begrüßt; denn mit Zustimmung aller Nationen, unter der Aufsidit der öffentlichen Meinung der ganzen Welt will das jüdische Volk seine Heimat in Palästina von neuem begründen. Der Völkerbund muß das Recht des, jüdischen Volkes auf Palästinu anerkennen, unter seiner Garantie muß die Großmacht, der die Verwaltung Palästinas zufällt, die Errichtung der nationalen Heimstatte fördern. Das Völkerbiiiidsstaüit ist inzwischen in Paris entworfen worden und Wilson ist nach Amerika gereist, um sich die Zustimmung des Senats und des Repräsentantenhauses der Vereinigten Staaten zu sichern. Gelingt ihm dies, so wird der Vöikc! bund vermutlich schon in wenigen Wochen — zunächst ohne Zuziehung Deutschlands und der neutralen Staaten —■ in Paris gegründet werden. Von diesem provisorischen Völkerbund wird dann die Palästinaforderung des Zionismus endgültig entschieden weiden. Die in Paris gebildete Völkerbunds - Ko m in i s s i o n , die als Vorläuferin des Völkerbundes selbst betrachtet werden kann, ist so zusammengesetzt, daß wir auf günstige Beurteiluug unserer .Forderungen rechnen dürfen. Noch aber ist der Völkerbund nicht zustande gekommen, noch kämpft Wilson , um die Zustimmung seiner Landsleute. Inzwischen gehen auf der Pariser Konferenz die Beratungen über alle Friedensprüblcme weiter. Die zentrale Instanz der Konferenz ist der Zchneraussclntß. Er bestellt aus den Premierministern und Ministern des Aeußern der verbündeten Großmächte Amerika, England, Frankreich, Italien und Japan. Alle kleineren Staaten müssen sich zusammen mit 4 Vertretern begniigen, die nur gelegentlich zu den Verhandlungen zuge/ogen werden. Vor diesem höchsten Tribunal der siegreichen Mächte haben am Donnerstag, den 27. Februar d. J. die Vertreter der Zionistischen Organisation den Anspruch des jüdischen Volkes auf Palästina bcgründet. Das englische ״Reuterbüro“ teilt die Tatsache kurz mit. Das offiziöse französische Nachrichtenbiino, die ״A ge nee Havas“, Ist gcsprachiger, doch erscheint sein Bericht ungenau und ein wenig tendenziös. Wir müssen zuvcrliissige Berichte darüber abwarten, oh Professor Silvain Ldvy vom ״College de F-rance“ sich tatsächlich so geäußert hat, wie ,,Havas“ meldet. Sollte Herr Levy wirklich so klägliche Einwände in der denkwürdigen Stunde vorgebracht haben, da Weizmann und Sokolow als Vertreter des Zionismus im Namen von Millionen von Juden nach einer zweitausendjährigen Diasporagcschichte den Anspruch des jüdischen Volkes auf Palästina vor dem gewaltigsten Mächtebund aller Zeiten verteidigten, da Ussischkins hebräische Anspräche an die Friedenskonferenz vor der ganzen Welt die wunderbare Wiedergeburt der Juden als Nation, ihren Wiedereintritt in die moderne Geschichte verkündete? Das offizielle Frankreich, Ciemenceau und Pichon, scheinen dem Gedanken der Wiedergehurt des jüdischen Volkes in Palästina nicht mehr entgvgcntreten zu wollen. Das neueste Anzeichen hierfür ist die von Sokolow auf der Londoner Zionistentagung mitgeteiltc Tatsache, daß nach Balfour, dem Lenker der auswärtigen Politik Englands, nun audi Pichon, der Minister des Aeußern Frankreichs, eine Vorrede zu Sokolows ״Geschichte des Zionismus“ schreiben will. Balfours Vorrede• ist schon im September 1918 geschrieben worden, Pichon schließt sich ihm im Februar 1919 an. Immerhin sind in Frankreich noch Gegenkräfte am Werk. Die klerikalen Kreise und ein großer Teil der Presse wollen auf die ,Annexion Palästinas oder wenigstens eines Teiles von- Palästina noch immer nicht verzichten. Lieber das Verludten der nichtzionistischen jüdischen Kreise liegen in letzter Zeit keine genaueren Mitteilungen vor. Die Alliance-Männer haben sich vor längerer Zeit verpflichtet, die zionistischen Verhandlungen nicht zu stören. An dem guten Ausgang der Verhandlungen zweifeln wir nicht. Eine Reutermeldung sagt, der Zehncrausschuß habe schon vor Anhörung der zionistischen Vertreter die Einsetzung einer besonderen Kommission für die Gebietsfragen bcschlosscn. Nach inoffiziellen Pressemeldungen gehören dieser Kommission für Amerika Lansing, für Eng- Iand Balfour, für Italien Sonnino, für Frankreich Tardicu an. Ein weiteres Havas tc leg ramm meldet, Tardieu habe den Pressevertretern erklärt, die Frage des ״jüdischen Staates“ in Palä־ strna stelle günstig. Von den anderen Mitgliedern dieser viergliedrigen Kommission hat die zionistische Sache gewiß nur Förderung zu erwarten. Ueber das Ergebnis der Verhandlungen vor dem Zehncrausschuß haben Weizmann und Sokolow sich sehr bc friedigt geäußert. England und Amerika werden unsere Forderungen gewiß nach wie vor unterstützen, und demgegenüber wird der französische Widerstand, soweit er vorhanden sein sollte, wohl immer scliwäeher werden. Italien und Japan haben schon früher der BaJfour’schen Erklärung zu gestimmt und werden in dieser Frage, die ihre1 eigenen Interessen kaum berührt, sicherlich mit England gehen. Eine Wendung in der Lage könnte nur eintreten, wenn es Wilson nicht gelingt, seine Absichten in Amerika durchzusetzen. Unterliegt er in der Frage des Völkerbundes, so könnte dies in Paris zu neuen politischen Konstellationen führen,

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