Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIV (1919)
- Issue
- Heft 16 (28.2.1919)
- Date
- 1919-02-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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i mr^ym d...Jxgf?4£ ״&* «c Redaktion u. Verlag W. IS, Sächsische Str. 8. Erscheint jeden Dienstag »icrtelj Anzelgen-V crwnltung! Telephon: Amt Uhland 845 u, 846. Postscheckkonto: Berlin ,g u. Freitag. Abonnem. bei der Exped. u d. Postämtern I to v , r , W « 1Kft 1 Nr- 12(י3ל. Für Oesterreich: PosUparkassenamt Scheckkonto ihrlich Mk. 4 50 in Deutschland, im Ausland Mk. 6,50 1 Wc״ VerI"£ O. m. b. H., Berka W.35, Kurfur»t«n»tr»Ba 160. I Nr> 156030 Redaktion«cl,t״& Sonntag n. Mitt-wodi nachra^ Nummer 16 I Berlin, 28. II. 1919 . —_ — 1!־יו■ in•!1 ■ 11■׳— ■.■.«וו ן 1 ו nrn™!—■■1—11—1!!— וו ■n—1 ■»II «—iwoanmi c I am 1< 1 וו• rinn me 1 Auzeigenprcia für die aechigespaltena NonpareQIezeils 75 Pf., Teneruugsruichlag 20%. 28. Adar I 5679 XXIV. Jabrg. Imperialismus oder Nationalismus? Ein übliches Argument gegen den Zionismus lautet: Die Juden sind kein Volk, sondern nur eine Rcligiousgcineinschaft. Diese die Eigenart des Judentums leugnende und eine Art von jüdischer Küche proklamierende Auffassung ist in letzter Zeit variiert worden. Man will iti der von uns behauptetcii Volkseigcnschaft der jüdischen Gemeinschalt eine Herabwürdigung des Judentums selten. Neuerdings wird in gegnerischen Kreisen mit dem Argument gearbeitet, daß ״derjenige, der aus dem Judentum ein Wald- und Wicscnvolk, ein nach völkischer Macht strebendes chauvinistisches, impcrialistisches, von Volksleidenschaften getriebenes Volk macht, nicht voll den Begriff des Judentums erfaßt habe“. Man kann füglich zweifeln, ob dieses von allen Greueln des Militarismus Und der Völkerkneebtung starrende Bild die von den Zionisten erstrebte jüdische Gemeinschaft in Palästina ist. Es ist von unserer Seite schon wiederholt ausgeführt worden, daß der jüdische Nationalismus in wesentlichen Momenten verschieden vom Nationalismus anderer Völker ist. Das jüdische Volk hat der Menschheit in seinen geistigen Leistungen Kulturgüter von höchsten Werten geschaffen, und es kann und wird nie so tief sinken, daß es den Geist verleugnet und die Herrschaft der Macht proklamiert. Nie hat sich in unseren Reihen ein Vertreter jenes verbrecherischen Imperialismus gefunden, der glaubt, das Glück des eigenen Volkes auf den Trümmern der Nachbarn aufbauen zu müssen, der an Stelle der Liebe, die nach jüdischer Auffassung alle Menschen verbinden soll, den Haß eines Volkes gegen das andere setzen will. Es hätte nicht der entsetzlichen Katastrophe des Weltkrieges bedurft, um uns klar zu zeigen, wohin ein so verstandener Nationalismus naturgemäß füllren mußte. Was aber für uns feststeht, ist folgendes: Die Lehren unserer Propheten, daß wir alle Kinder eines Gottes sind und daß die Menschen sich deshalb lieben sollen, war niemals so zu verstehen, wie unsere assimilantischcn Gegner cs tun, daß der Unterschied, der die Nationen in ihrer Eigenart voneinander trennt, völlig verwischt werden sollte, und daß an Stelle der verschiedenen Völker eine völlig einheitliche, in keiner Beziehung differenzierte Menschheit entstehen soll. Wir glauben vielmehr, daß der Fortschritt der menschlichen Kultur abhängig ist von dem Nebeneinander der verschicdenen Völker, verschieden an Kulturbcgabung und Eigenart. Unser Volk, von allem Imperialismus unendlich entfernt, wird nur streben, der Menschheit wiederum Kulturgüter von der Art zu geben, wie es das jüdische Volk in jener Zeit getan hat, da es noch auf der eigenen Scholle saß. Wir wissen wohl, daß wir ein Volk besonderer Art sind, wissen wohl, daß das, was uns zur Nation macht, im Geistigen liegt, aber dieses geistige Wesen selbst ist wiederum unlösbar an die Idee der Existenz der Juden als Volk gebunden. Nichts sei uns ferner, als die geistige Eigenart unseres Volkes durch ein ödes Machtstreben nach Art anderer Völker verdrängen zu wollen. Weil wir aber glauben, daß das jüdische Volk nur dann wieder kulturscböpferisch sein wird, wenn es unbehindert von seiner ,Umgebung auf eigenem Boden, mit eigener Sprache leben kann, deshalb erstreben wir für unser Volk die nationale Freiheit auf dem Boden der Väter. In diesem Streben erfüllt sich immer wieder der Sinn der jüdischen Geschichte. Es liegt uns nichts ferner, als einen Streit um Worte zu beginnen. Es ist ganz richtig, daß weder Religionsgemeinschaft, noch Volk dein Wesen der jüdisehen Gemeinschaft ganz gerecht werden. Aber es muß doch gesagt werden, daß das Charakteristische des Begriffs ״Religionsgemeinschaft“, wie er heute Von unseren jüdischen Oegnem angewandt wird, in dem Negativen liegt, in der Behauptung nämlieh, daß n u r die Religion die Söhne des jüdischen Volkes verbinde. Und es ist auch nicht viel damit gewonnen, wenn man, wie es neuerdings geschieht, behauptet, wir seien jüdischen Glaubens und jüdischen Stammes, aber deutsehen Volkstums und deutschnational. Der jüdische Stamm deutet fci die Vergangenheit. Der jüdische Volksbegriff aber deutet aus gemeinsamer Geschichte und Kultur ״Der Zionismus erstrebt für da* jüdlidie Volk die Schaffung einer fiffeniiich-rediiUdi gesicherten Hcimiiülto in PaUUUna." Bareier Programm. der ׳Vergangenheit, aus gemeinsamem Leid und Streben in der Gegenwart auf gemeinsame Arbeit in der Zukunft, eine Arbeit, die, wie wir hervorheben, in ihrer Art zugleich für das jüdische Volk und für den Mcnschhcitsgcdankcn wirken wird. Man sollte erwarten, daß diejenigen, denen der Allineiischlicitsgcdanke so wertvoll ist, daß sie der jüdischen Gemeinschaft die Volkseigenschaft absprechen, in der Tat in allen Lagern die schärfsten Feinde des Chauvinismus sind und überall im Sinne des jüdischen Geistes für die Versöhnung der Gegensätze!unter den Völkern cintreten. Was soll man aber sagen, wenn uns neuerdings in ׳unseren Versammlungen unter Berufung auf angebliche Aeußerungen führender deutscher Juden immer wieder ciitgcgcngchalten wird: ״Wir haben mit den französischen und englischen Juden keine Volksgemcinscliaft und wollen mit ihnen keine haben, wir!lassen sie ebenso, wie wir den französischen und englischen Christen hassen und werden erst anfangen, sie zu lieben, wenn Völkerbund und Völkerfriede die nationalen Gegensätze verwischt haben werden.“ In einer Zeit also, wo die geistigen Führer aller Völker die Arme nacheinander ausstrecken, um die Versöhnung der zerrissenen Menschheit herbeizuführen, predigen Juden, die den jüdischen Volksbegriff als chauvinistisch und imperialistisch abgclclint haben, den Völkerhaß. Und sie glauben, daß dieser Haß durch die Statuten des Völkerbundes verwischt werden könne, wenn nicht vorher die Seelen der Menschen sich für den Völkerbund bereitet haben. Wir aber glauben, daß man sogar ein besserer Deutscher ist, wenn man den Haß zu überwinden sich bemüht. Und wir sehen gerade in dem engen nationalen Band, das die Juden der heute noch feindlichen Lander umschlingt, eine Gewähr dafür, daß der Geist in der Menschheit Platz greifen wird, aus Idem heraus allein der Völkerbund möglich ist. Das jüdische Volk fühlt sich einig mit den besten Öcistern aller Nationen. Es hofft, daß Üie Zeiten bald kommen werden, da es im friedlichen Wettstreit mit den versöhnten Völkern am Fortschritt!der Menschheit arbeiten darf. F. L. Die ungarische Regierung für den Zionismus Die ungarische Volksrcgicrung hat, der ״Wiener Morgcnzcitung“ zufolge, an die ungarische Zionistenpartei folgendes Schreiben gerichtet; ״Die ungarische Regierung steht der zionistischen Bewegung, die für die Juden ein nationales Heim! in Palästina errichten will, mit Sympathie gegenüber und findet den Wunsch berechtigt, daß die jüdische Frage nach den Forderungen der Gerechtigkeit und der K u I - tur gelöst werde. Die ungarische Volksrcgicrung steht auf dem Standpunkte der Selbstbcstimmuiigder Völker ■und will die ungarischen Juden, die unter ungarischer Verwaltung leben, als Volksgenossen betrachten." Ein kanadisch-jüdischer Kongreß Laut telegraphischen Nachrichten findet am 16. März der erste Kongreß der kanadischen Juden in Montreal statt. 200 Delegierte werden daran tealnehmen. Eine Palästina-Aktion der sfidslavisclien Zionisten Die ״Zionistische Organisation“ in den südslavischcn Ländern hat eine Palästina-Erueuerungsaktion ins Leben gerufen. Von der Voraussetzung ausgehend, daß die Juden an der Aufrichtung Palästinas mindestens das gleiche Interesse hätten, wie an der des südslavischcn Staates, verlangt die Zionistische Organisation deshalb, daß jeder national gesonnene Jude dieselbe Summe, die er für die Nationalsteuer, die zur Organisierung des neuen jugoslavischen Staates erhoben winl, zahlt, auch für den Palästinafonds zu zahlen hat. Die eingehenden Beträge werden denn Nationalfondsbüro überwiesen. Palästina -Delegiertentag. Der Palästina־ Dclcgiertentog der Zionistischen Vereinigung für Deutschland findet vom 20. bis 24. März 1919 in Berlin, im Kaisersaal des ״Rheingold“, Bellevuestr., statt. Palästinafragen Notstandsarbeiten ln Palästina Von Dr. N. Honig. Wir erleben heute die eigenartige Erscheinung, daß statt der Freude, die wir alle über die bevorstehende Masscneinwanderung nach Palästina empfinden sollten, ängstliche Gemüter in Furcht׳ vor einer Zertretung unseres Kolonisationswerkes durch ein cinwanderridcs Massenelend aufgehen. Man wird solchen kleinmütigen Leuten wirksam entgegentreten können, wenn wir ihnen folgende Möglichkeiten für eine großzügig« Notstandsaktion in Palästina vor Augen halten: 1. Die ungeheuere Ausdehnung brachliegenden Bodens stellt uns vor die Notwendigkeit, noch vor Aus arbeitung von Gesamtplänen für neue Kolonien dieselben durch Okkupation- und Pachtgenosscnsehaften, die mit den unbedingt notwendigen Mitteln und dem als National cigentum zu erklärenden Boden durch den Nationalfonds und die nationalen Gesellschaften versehen werden müssen, provisorisch unter den Pflug• zu nehmen. Die Einwandererzahl, die durch solche, über das ganze Land auszudehnenden Genosseaschaffen Beschäftigung finden wird, dürfte eine ganz beträchtliche sein. Die mit der Anlernling der aus städtischen Berufen stammenden Einwanderern verbundenen Schwierigkeiten könnten durch Heranziehung von Vorarbeitern aus er fahrenen Landwirten und Landarbeitern überwunden werden. 2. Die Aufforstung der für die Bodenkultur ungeeigneten Gebiete, die Bewässerung des Jordantals und der in der Küstcncbenc gelegenen Fluitgegcndcn, die Entwässerung der versumpften Landstrecken am Hulesce und in der Küstencbcne könnten schon in den ersten Jahren Hand in Hand mit der Anlegung neuer Kolonien oder noch vorher mit Arbeitergenossenschaften in An griff genommen werden. Die damit zu schaffende Arbeitsgclegcnheit dürfte ebenfalls eine gans׳ beträcht liehe sein, 3. Trotz des während des Krieges erfolgten Ausbmics des Verkehrswesens dürften noch so manche Straßen und Wege, Klein- und Nebenbahnen aimtlcgen sein. Die Anlage von modernen Häfen in Jaffa und Haifa (vielleicht auch in Akaha, sobald dieser Ort mit dem Eisenbahnnetz Palästinas verbunden sein wird) wird keinen Aufschub mehr erleiden. Die alsbaldige Vornahme sämtlicher notwendiger Verkchrsarbeitcn wird ebenfalls einen beträchtlichen Teil zur Hebung der durch Masscneinwanderung entstandenen Arbeitslosigkeit beitragen. 4. Großes Interesse für die Vornahme von Noistandsarbeiten verlangt der Häuserbau. Nicht nur für die unbemittelten Schichten, die den größten Teil der Einwanderer stellen werden, sondern auch für vermögende Familien, deren Einwanderung aus nahelic gciiden Gründen mit größter Energie erstrebt werden müßte, werden tausende neuer Häuser erbaut werden müssen. Unter Bildung von Baugenossenschaften und Ballgesellschaften sowie durch Uetvertragung der Aehusaidee auf den Hänserbau (indem vermögende, zur Ucber- Siedlung bereite Familien sich zwecks Errichtung eigener Wohnviertel zusnmmcntun) würde die Bautätigkeit einen bedeutenden Umfang annehmen. 5. Ein wirksames Mittel zur Heranziehung vermögender Familien und vor allem zur Hebung des Fremdenverkehrs und in dessen Folge zur Hebung des Gewerbes ist die Anlage von Badeorten an den Heilquellen am Tibcriassee, im Jordantal und vor allem am Toten Meer, dessen bromhaltiges Wasser bekanntlieb große Heilkraft besitzt. Durch Errichtung von Radeort- und Baugesellschaften sowie durch entsprechenden Ausbau des Verkehrswesens würde ein bedeutsanier Faktor zur Behebung der Arbeitslosigkeit gewonneu werden. (). Die Mincralschätzc Palästinas wurden, obgleich sic nicht zu übertriebenen Erwartungen berechtigen, Arbeitgebern und Arbeitern zur lohnenden Beschäftigung verhelfen. Der zu erwartende große Bedarf an Düngungsmitteln, deren verhältnismäßig hoher Preis und der heute schon befriedigende Stand des Transportwesens wird die bisher als unrentabel erachtete Ausbeutung der Phosphatlagcr, besonders bei Es-Sait, nunmehr gewinnbringemi gestalten. De bedeutenden Lager an Asphaltkalk bei Ncbi Mussa würde erfolgreich zur Straßenpflasterung, wofür gleichfalls ein großer Bedarf im Lande entstehen wird, Verwendung finden. Ehe Gewinnung von Asphalt und Bitumen sowie von Staßfurtcr Produkten aus dem Salz.wasser des Toten Meeres verdient ebenfalls in diesem Rahmen unsere Aufmerksamkeit. Vielleicht werden die mit aller Energie vorzunehmenden Bohrungen nach den vermutlich vorhandenen Erdölquellen am Toten Meer und im Adschlu» eine ganz neue Phase in die Industrie Palästinas hineintragen. 7, Zu den größten Erwartungen berechtigen uns die h> den Wasserkräften Palästinas ruhenden Energie-