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Jüdische Rundschau · 1919-02-18 · Heft 13 (18.2.1919) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIV (1919)
Issue
Heft 13 (18.2.1919)
Date
1919-02-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 12 ׳»de, Her1 id betont,! jüdisch >c*le1M 0* ebruar, p wc, Nacti׳‘ Telephon׳ g»körpera 5s© 59, Art mn )823 iriefe. 2 ®fte. einem n «»o;ammt, '«״«fl• iflwft••!W^ie ■rmig. 11ti1>n. 0. t »e« Weit. u Sc8 nifßeti . 9,-~. fcftaft. ®öfter Safte« jaffen» Sißfeit ..®re ®irt־ n. 0 für 3«w.!tntfto־ »äftu, rmtScr amt I Seift Hnäft), fc»l aafeto t. m fOttiKV Salf. *♦ Rerlaktion u. Verlag W. 1% Sächsische Str. 8. Erscheint jeden Dienstag u. Freitag. Abounem. bei d.־r Espe i u d. Postämtern vierteljährlich Mk. 4 50 in Deutschland, im Ausland Mk. 6,50 Nummer 13 Berlin, 18. ii. 1919 Anzeloen-Verwaltimg; Welt-Verlag G. m. b. H., Berlin W.35, Kurfurstenstraße 160. Anzeigenpreis für die aechsgespaltene Nonpareillezeile 75 Pf., Teucrungszuschlag 20%. Telephon: Amt Uhland 845 u. 846. Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392. Für Oesterreich: Postsparkassenamt Scheckkonto Nr. 156030 Redaktionsschluß Sonntag u. Mittwoch nachm. 18. Adar I 5679 XXIV. Jahrg. Der Völkerbundsplan Am 11. Februar hat Präsident Wilson ia der Vollsitzung de: Fried.nskonf. r.n<: d n Entwurf des Vertrages über die Gründung des Völkerbundes vorgelegt. Der Entwurf enthält in § 19 Bestimmungen, die für den Zionismus von höchster Wichtigkeit sind. Der Entwurt unterscheidet drei Arten von Kolonialgebietcn, die in höheren! oder geringerem Maße durch die Beauftragten des Völkerbundes kontrolliert werden sollen. Es ist zunächst von den Kolonien und Gebieten die Rede, die ״infolge des Krieges nicht mehr unter der Oberherrschaft der Staaten stehen, die sie vorher regiert haben und die von Völkern bewohnt sind, die nicht fähig sind, sicli unter den besonders schwierigen Bedingungen der modernen Welt selbst zu lenken“. Hiermit sind offenbar die deutschen Kolonien gemeint, und es wird vorgeschlagen, d.n Schutz dieser Gebiete den ״fortgeschrittenen Nationen“ anzuvertraucn, die am besten geeignet sind, die Verantwortung zu übernehmen. Diese Nationen sollen den Schutz der betreffenden Gebiete als Beauftragte und im׳ Namen des Völkerbundes ausüben. Eine zweite Kategorie bilden diejenigen Völker, besonders in Zentralafrika, die durch eine beauffragte Macht verwalt.t werden sollen, welche Mißbrauche, wie Sklaverei und Waffenhandel, zu verhindern hat. Hiermit sind offenbar diejenigen afrikanisdien Kolonialgebiete gemeint, die nicht eiiemals deutsches Gebiet waren, sondern noch der Aufteilung in die Interessensphären der siegreichen Staaten harren. Der dritte und für Uns wichtige Punkt behandelt ehemals türkische Gebiete. Der Entwurf sagt darüber: ״Einige Gebiete, die vorher zum osmanisdien Reiche gehörten, haben einen Enlwlddungsgrad erreicht, daß ihr Bestehen als unabhängige Völker anerkannt werden kann und zwar vorlaut g mit dem Rat und der Hilfe einer beauftragten Macht, die die Verwaltung bis zu dem Augenblick führen wird, wo sie sieh selbst werden leiten können. Die Wünsche dieser Gemeinwesen werden für die Wahl der zu beauftragenden Macht bestimmend sein.“ Diese Formulierung entspricht durchaus den Erwartungen, die wir an dieser Stelle wiederholt zum Ausdruck gebracht haben. Es wurde kürzlieh hier dargelegt, •daß die Friedenskonferenz höchstwahrscheinlich die Palästinafrage mit vielen anderen Gebiets- und Kolonialfragen dem V ö 1 - kerbund zur Erledigung überweisen, und daß der Völkerbund eine der Großmächte mit der Verwaltung der fraglichen Gebiete beauftragen würde. Soweit Palästina in Betracht kommt, kann es beim heutigen Stand der Dinge kaum noch zweifeihaft sein, daß mit dieser Macht England gemeint ist. Es ist in hohem Grade wichtig, daß der Entwurf anerkennt, daß es sich um Gebiete handelt, deren Bewohner als ״unabhängige Völker“ atierkannt werden können. Das will besagen, daß diese Gebiete nicht einfach als Kolonialbesitz, wie etwa die afrikanischen Kolonien, verwaltet werden sollen, sondern daß von vornherein die Bewohner des Gebietes das Recht auf volle Selbständigkeit zugebilligt erhalten. Diese Selbständigkeit soll nur vorübergehend durch die Aufsicht einer Machit eingeschränkt werden, die der betreffenden Nation so lange Schutz und Hilfe angedeihen läßt, bis sie zur vollen Selbständigkeit reif ist. Unzweifelhaft sind mit diesen Bestimmungen die Gebiete Armeniens und des neuen arabischen Königreichs gemeint, dessen Sitz in Mekka, und dessen politischer Repräsentant in Paris der Emir Faisul ist. Wir glauben aber auch1 mit ziemlicher Bestimmtheit schließen zu können, daß auch P a 1 ä - s t i n a zu diesen Gebieten gerechnet werden wird. Die Pariser Konferenz hat bereits beschlossen, daß Palästina nicht einen Teil Arabiens, sondern ein selbständiges Gebiet bilden soll. Dieser Beschluß ist sicherlich unter Berücksichtigung der jüdischen Wünsche gefaßt worden. Stellt der Völkerbund sich auf den Standpunkt, daß Palästina in irgend einer Form dem jüdischen Volke zurückgegeben werden soll, so werden die Bestimmungen des erwähnten § 19 sicherlich auch auf das neue jü- ״Der Zionlunu« erstrebt für da» jfiditdie Volk die Schaffung einer 5f1'entlidwcchüid1 gctidterlen HeimtiSiie in FatSsüna." Baseler Programm. dische Palästina analoge Anwendung finden. Das würde praktisch besagen, daß das palästinensische Judentum als unabhängiges Volk anerkannt wird, und daß bis zu dein Zeitpunkt, in dem es durch seine Zahl und Leistung imstande ist, Sein Schicksal durch Selbstrcgierung za bestimmen, eine Großmacht (England) die Auf;i •fit über Palästina erhält. Höchst wichtig ist auch di; Bestimmung, daß die ״Wünsche dieser Gemeinwesen“ für die Wahl der zu beauftragenden Macht bestimmend sein sollen. Im Gegensatz zu der Art, in der die afrikanisclten Kolonialgebiete behandelt werden, wird hier den neu entstehenden oder befreiten Nationen des ehemals türkischen Gebietes das Recht eingeräumt, ihre Stimme bei der Wahl der Schutzmacht durch den Völkerbund zur Geltung zu bringen. Es ist klar, daß auch diese Bestimmung in der Richtung der von England geförderten Politik der Schaffung eines jüdischen Palästina liegt. England weiß, daß sowohl die Bevölkerung des jungen arabischen Reiches, wie die Juden Palästinas und aller anderen Länder das englische Protektorat jedem anderen Protektorat vorziehen. Neigt der Völkerbund, wofür jetzt die höchste Wahrscheinlichkeit spricht, zur grundsätzlichen Anerkennung der fdec eines jüdischen Palästina, so wird demgemäß das jüdische Volk seine Meinung darüber zu äußern haben, welcher Macht es Palästina anvertraut sehen will. Die alliierten Regierungen haben in richtiger Erkenntnis der Sachläge für alle palästinensischen jüdischen Angelegenheiten die Zionistische Organisation als legitime Vertretung der jüdischen Ansprüche anerkannt. Der zionistischen Abordnung, die aus den Herren Weizmann und Sokolow besteht, ist von den Juden in Palästina das Mandat übertragen worden, ihre Interessen zu vertreten. Es ist kein Zweifel, daß die zionistische Abordnung sich für die Idee der englischen Sachwalter'schaft (trns'eeship) über Palästina aussprechen wird. Sie wird sich dabei sowohl auf die Wünsche der zionistischen Organisation und der palästinensischen J-udenheit, wie auch auf die Wünsche der jüdischen Nationalräte Osteuropas und auf die Beschlüsse des amerikanischjüdischen Kongresses beziehen können, da alle diese Körperschaften das kommende jüdische Gemeinwesen unter Englands Kontrolle gefördert zü sehen wünschen. Es bleibt noch die Frage offen, welche Step lung das jüdische Volk künftig innerhalb des Völkerbundes einnehmen wird. In § 7 des Entwurfes wird gesagt, daß zu dem Völkerbund ״nur Länder zugelassen werden können, die Selbatregierung besitzen.“ Es ist nach dem vorliegenden Texte nicht völlig klar, ob djq Völker der ehemals türkischen Gebiete zu denjenigen gerechnet werden, die Selbstregierung besitzen oder nicht. Die Stellung dieser Völker ist, wie aus den obigen Darlegungen hervorgeht, zweifellos von vornherein eine ganz andere als die der afrikanischen Kolonialgebiete. Diese Völker, also vor allem Araber, Armenier und Juden, sollen als ״unabhängige Völker“ anerkannt werden, denen nur vorläufig Rat und Hilfe einer beauftragten Macht zur Verfügung gestellt wird. Nach diesem Text könnte man annehmen, daß Araber, Armenier und Juden zum Völkerbund zugelassen werden, obwohl sie noch nicht!volle Selbstregierung besitzen. Immerhin besteht über diese wichtige Frage noch keine Klarheit. Sollte sie in dem Sinne entschieden werden, daß die genannten Völker schon jetzt, bevor sie volle ״Selbstregierung*‘ besitzen, in ihrer Eigenschaft als ״unabhängige Völker“ dem Völkerbund beitreten können, so wird es sich in dem Fall det* Juden unzweifelhaft darum handeln, daß das jüdische Volk Palästinas zum Völkerbund zugelassen wird. Da aber der Begriff des ״jüdischen Palästina“ infolge der zur Zeit noch geringen jüdischen Bewohnerschaft des Landes gleichsam eine Vorwegnahme eines künftigen Zustandes bedeutet, so wird bei (der Schaffung der Repräsentanz des jüdischen Volkes im Völkerbund vermutlich die gesamte Judenheit, soweit sie Träger des palästinensisch-jüdisehen Nationalgedankens ist, in der einen oder anderen Weise berücksichtigt werden. Man könnte sich dies so vorstellen, daß die palästinensischen Juden in Gemeinschaft mit der Zionistischen Organisation, und vielleicht darüber hinaus in Gemeinschaft mit anderen neu hinzutretenden, auf das nationaljüdische palästinensische Programm verpflichteten jüdischen Gruppen der ganzen Welt, eine solche Vertretung erhalte«. Es ist dabei zu beachten, daß die Zubilligung der Vertretung im Völkerbund: immer an, d e Idee gebunden bleibt, daß die Vertretung ein sich! selbst regierendes, also territorial geeintes Volk repräsentieren soll. Das jüdische Volk in Palästina, das auf dem Wege der Einwanderung und Kolonisation, der Ent- Wicklung seiner Verwaltungs- und Kuitureinrichtungen zur Selbstregierang reif werden soll, wird unzweifelhaft im künftigen Völkerrat Sitz und Stimme erhalten. Erhält es diesen Sitz heute schon, so geschieht dies in der Erwartung, daß das jüdische Volk in Palästina den Weg zur Selbstständigkeit finden wird, ln einer solchen Anerkennung unserer Ziele und Hoffnungen liegt für uns gewiß eine große Ermutigung. R. L. Wahlsieg der Jüdisch •Nationalen in Wien Stricker in die deutsch-österreichische Nationalversammlung gewählt. Bei den Wahlen zur deutsch-österreichischen Nationalversammlung wurde im vierten Wiener Wahl kreis der erste Kandidat der jüdisch-nationalen Liste, der Zionist, Oberingenieur Robert S t ri k - ker mit 7005 Stimmen gewählt. Die Wahl Strickers ist umso mehr zu begrüßen, als die Kandidatur der Jüdisch-nationalen von den Sozialdemokraten und be* sonders von den Deutschdemokraten, die den radikalen, jüdischen Assimilanten Dr. Julius Ofner an die Spitze ihrer Liste gestellt hatten, aufs heftigste bekämpft worden war. Dr. Ofner, der in dem alten österreichischen Reichsrat oft hervorgetreten war, ist nicht wiedergewählt. Ein überwiegender Teil der Wiener Juden hat durch die Wahl der Liste Strik ker deutlich seiner Ueberzeugung Ausdruck gegeben, daß die wahre Vertretung der jüdischen Interessen in Deutsch-Oesterreich nur durch einen jüdisch-nationalen Abgeordneten erfolgen könne. Man muß die Wiener Nationaljuden zu diesem Sieg der Idee des jüdischen Volkstums von Herzen beglückwünschen. Die Londoner Zionistenkonferenz Die Zionistische Konferenz in London, welche ursprünglich vom 11. bis 14. Februar stattfinden sollte und daun verschoben wurde, ist nunmehr auf den 25. bis 27. Februar angesetzt worden. Außer den in London anwesenden Mitgliedern des Engeren und des Großen Aktionskomitees werden eine ganze Anzahl zionistischer Führer aus den verschiedensten Ländern an der Konferenz Veilnehmen. Wie schon früher mitgeteilt, sind die amerikanischen Delegierten bereits vor längerer Zeit in London eingetroffen und hielten sich in den letzten Wochen in Paris auf. Die amerikanische Delegation besteht aus den Herren Jacob de Haas. Stephen S. Wise und Julian Mack. Die ukrainischen Delegierten sind über Odessa bereits per Schiff nach London abgereist. Unter dieser Gruppe befindet sich auch Herr U s s i s c h k i n. Von Petersburg beabsichtigen ebenfalls mehrere bekannte russische Zionisten die Reise anzutreten und sind vermutlich schon auf dem Wege. Herr Rosoff befindet sich seit längerer Zeit in London. Aus Warschau sind die Herren Pod - lisebewsky, Farbstein und Le vite in London eingetroffen. Aus Galizien sind die Herren Dr, Reich und Ringel auf dem Wege zur Konferenz. Diese beiden Herren erhielten, ebenso wie die zionistischen Führer Dr. Hausmann und Tennenblatt, auf Grund englischer Intervention die Erlaubnis zur Reise ins Ausland. (Bisher waren diese vier Herren von den Polen als Geiseln festgehalten worden.) Das Hauptbüro des Jüdischen Nationalfonds irn Haag ist durch Herrn de Lieme vertreten, die Poale-Zion durch Flerru Kaplansky. Die holländischen und belgischen Föderationen haben keine Delegierten nominiert. Von den Delegierten des neugebildeten tsche choslovakischen Staates befindet sich Herr Leo Herr mann auf dem Wege nach London; desgleichen sind die Herren Dr. David A1 b a 13 und Law Stern als Vertreter der zionistischen Föderation des neuen jugoslavischen Staates nach London abgereist. Das palästinensische Judentum hat ebenfalls eine besondere zionistische Delegation zur Teilnahme aii der Konferenz entsandt. Diese Delegation, bestehend aus den Herren Berlin, Dizengoff, Eisenb c r g . J e 11 i 11 und W i 1 k a n s k y, ist auf der Durchreise nach London in Paris eingetroffen.

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