Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIV (1919)
- Issue
- Heft 12 (14.2.1919)
- Date
- 1919-02-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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|43 .«א f »SV.fleraL d.'.Rrauj Heymaof 2.+-, 1J »«0. :17; harn 6.« ardt 2.0| >9aa 30.i| 1en 1WÖ Redaktion u Verlag W 1', Sächsische Str. A Ersehe •nt irden Dienstag■ u, Freitag■. Abonnrm. bri der Exped u d P״s1wnnt־׳rn viertelj'i irlich Wk. 4 50 in Deutschland, im Ausland Mk. 6,30 Nummer 12 Berlin, 14. II. 1919 Aruei״en - V<» rwm I tun?; Welt*Verlag G. in. b. H., Berlin W, 35, KurfurstensiraSe 150, Anzeigenpreis für die *echsgeapaltene Nonpareillexeilo 75 Pf., TeuerungTsrusdilag 20 °/g. Telephon: Amt Uhland 845 u. X46. Postscheckkonto: Berlin Nr. 1734?. I Br Oesterreich: Pastsparkassenamt Sdieckkonto Nr. 1560!0 RedaktionsschluB Sonntag a. Mittwoch nachn. 14, Atlar 5^76 I XXIV. Jahrg. 011 8 in! 24 ,6!t« äi ׳,-*-.18 |.158 Ab 11־,»2! Gewten! '׳»181 . .• MHfcS , IS. ־sabtSsur,,, Zion 59.-I ki d. rfaj , ges. ». ‘ 4 Hoich Sukkoth Varschaw •Ertrag 08.70, U letaacht . «rar 308.1 *Kon Stal . .40791 , JBori»!!bin 91M 16.09, Nod —, jhuffll ... . 68911 1 s Skala . Z. 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Was Ist es nun, was noch kiele deutsche Juden lindert, das Bekenntnis zum jüdischen Volkstum sbzulegen und sich damit auf "die Plattform des Kongresses zu stellen? Es gibt eigentlich nur ein Argument, dasjenige des Patriotismus. Der deutsche Jude glaubt, sich an seinem Staatsbürger-!tehen Pflichten zu versündigen, glaubt als Glied der deutschen Staats- und KuIturgemernschaff, glaubt als Deutscher nicht das Recht ku haben, ״kh zum jüdischen Volke zu bekennen. Eine kurze Darlegung wird genügen, um zu zeigen» daß• dieses Ar!־׳u ment nicht zu Recht besteht, daß es vielmehr mit der Zugehörigkeit zum deutschen Staatsbürger- :um ohne weiteres vereinbar ist, sich jrkichzeitig its Glied der jüdischen Volksgemeinschaft zu fülllen. Vor allem muß betont werden, daß Staat and Volk zwei durchaus wesensverscliiedene Bejriffe sind. Die Identifizierung beider ist vom Standpunkt der Logik, wie vom sittliche« Amd politi- .)theii Standpunkt ,ebenso falsch, wie es zur Zeit der Reformation die Gleidisetzung von Staat und Religion war. Wie es das große Ergebnis tter Reitgionskämpfe war, daß der Grundsatz des RcformationszeitaJters: cuius regio ejus religio endgültig beseitigt wurde, so ist auch jetzt gerade durch das ׳Ergebnis des Krieges und die Anerkennung der Rechte der nationalen Minderheiten der Satz: cuius regio ejus natio endgültig aus der Welt geschafft. Lediglich der Umstand, daß in einer Anzahl von westeuropäischen Staaten die große Majorität der Bevölkerung einer bestimmten Nation an .geh orte, hat m dieser Identifizierung von Staat und Volk .erführt, ■deren Folge eine unsittliche Unterdriik» kung der Mimlerheitsnationen war, eine Politik, die in diesem Kriege in der Türkei, wie in Oesterreich ihren völligen Zusammenbruch erlebt hat. Oesterreich ist ja an nichts anderem zu Grunde gegangen, als an der Vertretung dieses 'wjdernatürliehen Grundsatzes der Gteichsetzung von Volk und Staat. In Wahrheit sind Volk und Staat zwei völlig verschiedene Gemeinschaften: der Staat ist ein Redifcwerband, der Zusammenschluß von Men-;»eben, die auf einem bestimmten Territorium leben, 7u gemeinsamen politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Zwecken. Volk aber ist die Naturgegebenheit einer durch die Bande biutsmäßiger Verwandtschaft und gemeinsamen hrstorisclreu Erlebens verbundenen Gemeinschaft. Staat uni Volk sind also zwei ganz verschiedene Sphären. Diese Erkenntnis, die für den Juden, der sich theoretisch über die beiden Begriffe klar war, schon immer feststand, hat in diesem Kriege auch in der praktisch politischen Geltung einen vollen Sieg errungen. Der Grundsatz der nationalen Autononue, d. h. des Rechtes der Minderlieitsnationen auf freie Entwicklung ihrer Eigenart, bedeutet den Triumph des Volksgedankens, Die Identifizierung von Volk und Staat soll verschwinden, und unbe- «badet der gemeinsamen staatlichen Aufgaben und Pflichten aller Bürger wird die einzelne nationale Ciemetnachaft innerhalb des Staates das volle Recht der Wahrung und Pflege ihrer eigenen Interessen mul ihrer eigenen Kultur haben. Alle diese Oedanken waren in den meisten »«deren Staaten «:hon lange selbstverständlicher Gemeinbesitz und es erklärt sich daraus, weshalb י» den anderen Ländern die Masse der Juden die Aneignung des jüdischen Volksgedankems leichter und hemmungsloser vollzogen hat, als es in Deutschland der Fall war. Denn im bisherigen Deutschland ist in der gesamten staaapolitischen Denkweise, in der beherrschenden Atmosphäre des politischen Lebens die Trennung von Staat und Volk t»1d die Anerkennung des Rechtes jedes Staats* ״Der Zloniimu* erstrebt für das jüdbehe Volk J die Schaffung einer üfienilich-rediiticb gesicherten j Heimstätte In PaliLfina." Baseler Programm. bürgers auf freies Bekenntnis zu seinem Volkstum noch nicht herrschend gewesen. Der bisherige deutsche Staatsbegriff verlangte den Staatsbürger ausschließlich für sich und gestattete ihm keinerlei Bindungen, die über seine Grenzen hinausgingen. So unterdrückte man im alten Deutschland Polen, Franzosen und Dänen und so bezeichnet!‘ man Sozialdcmokraten und Pazifisten als schlechte Patrioten. Das alles hat sich aber durch die deutsche Revolution radikal geändert, denn es ist eine ihrer entscheidenden und wichtigsten, geistesgvschichtliehen Wirkungen, daß■ sie diesen Staatsbegriff überwunden hat, daß das neue Deutschland an seine Steile einen freierem, humaneren und sittlicheren Staatsbegrüf gesetzt hat. Der Umstand, daß diejenigen Parteien, die das neue Deutschland erbauen werden, nämlich die Sozialdemokraten und die radikale bürgerliche Demokratie, von internationalen Tendenz(.־« getragen sind, bildet den stärksten Ausdruck dieser Wandlung. Im neuen Deutschland wird es nicht möglich sein, daß ein Jude, der sich zu seinem Volkstum bekennt, als schlechter Patriot «»gesprochen wird. Wie der Katholik sich als Glied der internationalen katholischen Kirche, der Sozialist als Teil des internationalen Proletariats empfinden darf, so wird es der Jude für sich in Anspruch nehmen dürfen, Glied der internationalen jüdische» Volksgemeinschaft zu sein. Aus dem Vorhergehenden ergibt sich schon,;daß dieses Bekennt»is die innere positive Beziehung zuni Deutschtum und zur deutschen Staatsgemeinschaft nicht berührt. Sich als nationaler Jude zu bekennen, heißt nicht im mindesten die innere Beziehung zum dcutsehen Staate zu negieren. Wie in anderen Minderheitsnationen. die nicht zum eigenen Staat gekomim «ind6 ׳״,׳«J1eid€l׳.sieh.״'suct1..t*2l.1»׳»’c4le>'Vsfc®c-:׳ meinschnft von der Staatsgemeinschaft Als aufrechte und ehrliche Menschen müssen wir sehen, daß wir zu beidem gehören und mit beidem verwachsen sind: mit der deutschen Staatsgemeinschaff und der jüdischen Volksgemeinschaft. Die amerikanischen Juden für die jüdische Heimstätte unter englischer Sachwalterschaft Die ״Föderation amerikanischer Zionisten“ ist dabei, eine Million Unterschriften für eine Petition an die Mächte zu sammeln, in der diese aufgefordert werden, dem Projekt eines jüdischen Gemeinwesens unter der Sachwalterschaft der britischen Regierung iiri Namen der Liga der Nationen Unterstützung zu leihen. Ueberall in den Vereinigten Staaten wurden Büros eingerichtet, in denen Unterschriften für die Petition angenommen werden. Außerdem soll jedes der hunderttausend eingetragenen Mitglieder der amerikanischen Föderation mindestens 25 Unterschriften für die am 17. Dez. vom amerikanischjüdischen Kongreß angenommene Resolution beschatten. Tardieu über Frankreichs Stellung in der Palastinafrage Das ״Jüdische Korrespondenzbüro Zürich״ teilt mit: Der Vizepräsident der zionistiselten Organisation in Amerika, Rabbi Dr. W i s e, der gegenwärtig in Paris weilt, hatte außer anderen Bespreclrungen auch eine Unterhaltung mit dem französisehen Bevollmächtigten in den Vereinigten Staaten, Herrn Tardieu. Dr, Wisc äußerte sich über diese Unterredung״ :־Es ist sicher, daß es in allen Fragen var der Friedenskonferenz zu einem Uebereinkommen zwischen Frankreich, Großbritannien, Amerika und Italien kommen wird. Es darf sicher vorausgesetzt werden, daß F r a n k re ich der Entscheidung der üga der Nationen zustimmen wird, welche das Mandat für Palästina Großbritannien erteilen wird, ebenso wie Britannien und Amerika Frankreich darin unterstützen werden, Mandatar über das benachbarte Syrien zu werden.“ Die Vertreter d״s jüdischen Volkes auf der internationalen Sozial istenkonferenz in Bern bereits in Nr. 11 Februar eine kurze Sozialistenkonferenz, über die wir der ״Jüdischer! Rundschau“ vom 12. Mitteilung gebracht haben ,,Auf der Berner Soziaii^ienkonicren/ iuiben du.־ Delegierte» der ״Poalc Zion‘‘ dir jüdischer! Forderungen vertreten. Der ifvlegation der ״Poalt Zio»‘• gehörter? w i t < c!1 und Büro der ״!,or.11׳ für de» tsrherh.! gaäi/ien und Sin; Bum! war vertre׳ um! K 1■ 1׳ s '׳, \. I וי c k e r ein» R nationaler Milrfcrl! die Herren Leon Chasanö Bert Lock c r vain Verbands Zion" 1:1 Stockboini, Rudolf Kohu ׳.'Livj1kisd'1e.11 Staat, Herz für Ost- .:er für De1!tsch-Oe־temich an. Der en thirch die Herren Kosowsky lAi dir \'ü!kcrh;ü1;!del>attr Iiu-it et!׳!: itlH'r tk'11 internationalen Schutz eiten iBuf die Juden :'rage insbesondere. m.!sfft!!rl!d'1 de» Zionismus!' o r 111׳ r u 11 g c u des j ü - Der Redner hegriiiuU'U. und die in 1 i u;1;11 e; d i s c h e!1 V ״o i k c ■- i ü r d i e Di a sp o r a um! brandmarkte die Poganiu: und! ־A!r alle» Öugei! die Haltung der Atehrlieit der jxilnischen Sozialisten. Rudolf Kohu brachte einen gemeinsamen Antrag der ״Poale-ZKUi“ uikS der armenischen IX'legation, ein, einen internatio- »a!c!1 üt-ridirsiK» für uationale A)1gelcgei>heitet1 einzuset/eii, dessen Kom|X*te־nz sich auf Fälle von Unterdrüdauig naikniaieu Bekejuitnisses und nationaler Kultur, Schmälerung bürgerlicher Rechte, wirtschaftüdmi Bedrängung find physische Verfolgung e: 'K lutinn, die Miniimmis physische Verfolgung erstredete. Dieser Zu!-a:z׳a׳!i1׳a״ zu H u y!י m ans Resov(Mn Vötkcrtmiul die Sicherstellung eines nationaler Rechte für alle Mehrheiten und Mimlerheitcii Ruderte, angenommen. Bei dem Punkte territoriale Fragen begründete Locker die Forderungen des jüdischen Volkes für Palästina und für die Länder der IAiasjrora und forderte für Rumänien und!Allen besondere Rc-sjolutioiu-n, tfesgleiclren beantragte er die Vertretung des jüdische» Volkes im Völkerbund. Die Forderungen der poale-zionistischen Partei wurden von der Konferenz mit Sympathie aufgvnonune«. ״Jüdische Preßbfl ro‘‘ in Stockholm berichtet telegraphisch über den Veriauf der Berner Hienut!) reagierten einer ErU,mut.g, <1 Ländern mit jtidi■ Vcnvirklirtum»/ tk me B11 n d i s t e ti mit der Verlesung ß die Lösung der judenfrage in den Hier Vlassetisiedhttig nur durch die י Sozialitanus mögiidi sei. Wegen Zeitmangels wimle« die Resolutionen, die die einzelnen Völker (einschließlich des jüdischen) betrafen, einer überwiesen, Delegierte M i 8׳ t r a t verwies kl die Anträge der ״Poale-Zion‘־ Konferenzbüro die jüdischen For- ,vohlwollend betvadite. Der Führer der fransozialistischen Melirheitspartei Longuet ״PerijijuicMkoauiiission I>er französische seinem Referate sevf und erklärte, daß das derungeti zösischen Welt eine scharfe Rede gegen ehe rumänische Judenpolitik. Zinn JPunkte Arbetterschtitz hegründefe Chas a u o w i t s c! h , der erst einige Tage später in Bern eintreff en konnte, die Zusatzanträge vier ״Poale-Zian“ bezüglich Sabbatsruhe umi Emigration und forderte hinsichtlich der Sonntagsruhe ciie Verlcgutig der Ruhetage in den Ländern oder bei den Völkergruppen, die andere Rultetage als den Sonntag haben; er verwies dabei auf Polen, wo die Sonntagsruhe zu einet« antisemitischen Kampfmittel geworden sei. Im Gegensatz zu den Vorscfilägen der Kommission forderte er, daß die Emigratioitsgesetzgebung unter 'Jurisdiktion und Kontrolle des Völkerbundes gestellt werden solle. Beide Anträge wurden angenommen. Zu der Frage: ״Diktatur des Proletariats Und Demokratie“ erklärte CKa»- nowitsch, daß die ״Poale-Zkon.״ tlas Prinzip der Demokratie und der RevoJutkmierong der Massen vertrete. Für die Perniaiicnziomtnission, dem provisorischen Zentrum der erneuerten Internationale, wurden von der ״I*oale-Zion“ C h a s a!1 o w i t s C h und Locker nominiert; In der konstituierenden Sitzung dieser Permanenzkommission traten die Bund ist en in einer unerhört unwürdigen und empörenden Weise auf, indem sie behaupteten, daß de*1 Appel! der ״IMale-Zion“ an das polnische Proletariat eine ungerechtfertigte Brandmarkitng sei, da die Haltung des polnischen Soziahsmus durchaus eimvandsfrei gewesen sei. Die Vertreter der ״Poale-Zk»“ erunderten, die Behauptung, daß Polen mit den anderen Ländern auf gleiche Stufe zu stellen sei, Charakterisiere wohl angesichts der Tat- Sache, daß die Pogrome in Polen von der* Behörden organisiert seien umi die polnische Sozialdemokratie an ihnen mitschuldig sei, den ״Bund“ voll und ganz. Obgleich die Bundisten auf der Konferenz eine ganz untergeordnete Rolle spielten, wirkte diese Vertuschung» taktik als Aussagen jüdischer Augenzeugen tatsächlich verwirrend. So kam es, daß die K«nmisfik>nsmitglieder als Bedingung für die Annahme der Resolution die Einigung der jüdischen Delegationen forderte und die Ver treter der ״Poale-Zion“ zu einer Verallgemeinerung der Resolution gezwungen wurden; sie erklärten jedoch, daß sie den ״Bund“ vor dem jüdischen Proletariat zur Verantwortung ziehen würden. Schließlich kündigte Chasanowitsch an, daß er eine motivierte Anklage gegen die polnische Sozialdemokratie Galiziens zwecks Aburteilung durch die Internationale unterbreitet! werde.