Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIV (1919)
- Issue
- Heft 6 (24.1.1919)
- Date
- 1919-01-24
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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•*«■*׳'״״‘IE 1 1 \M J ■|\ V. \/* ״ \ \ \ IXT i 1 \ 1 2■-^ Q.lJ ''■׳׳. Redaktion u Vcvlag W. IS, Sädtuvche Str.8. jede» Die״!-tm: u. Freit»״. Abonnem. bei der Eipi-d vi. d PoHtürnlem vierteljd'rl. Mk. 4,50 in Deutschland, im Ausland Mit. ( .50 Nummer 0 Benin, .'4, I. 1919 A1uci׳?en-Verwnltunyi WeH-Vcrla״ (J. 111. b H, Bcrlit» V/. 35, Kurfürstcnstraße 150. Anzeigenpreis für die scchsjfcspaltena Nonpareillezeile 75 Pf., Tcuerungszusddng 20 ״/(,. Telcpbon: Amt Uliland 815 u 816. Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392. Für Oesterrenh : Postsparknssenamt Sdicckkonto Nr. 156030. Redakt ions Schluß Sonnt»;{ u M it twodi nachm. bkäs.1 2i i>e1>’bat 079צ XXIV. Jahrg. 1 י } i I '1 l I 1 1 Die Ostjuden j und der jüdische Kongreß Böe Einheit des jüdischen Volkstums ist für ut't Wn uiumjriittcrliches Grundpiiii/ip. D.iran an- ן derl alle soziale, kulturelle und räumliche Dif.'cj renzkrung nichts. Wo Juden in aller Welt leben, <c:e verschiedenartig ihre Zeitscliicksale sich auch :gestaltet haben mögen, wie sc Iw auch ihre geidigv Physio״r.o1r,ic in den einzelnen Ländern dit eruieren mag׳ sie gclu'ken alle der ״roßen, diu'i'li dt1;׳ gesclrichtiiclren Werdegang geformten, «celtsch verankerten JuJengcir.cinsehaft an. Deutnach iK-steht für uns keine j>rin/ig.jcilc Trennung /wischen Ost- und Westjudcn. Wir kamen nur ein Judentum; das Judcnvolk in seiner 10t.iliiäi; eine Nationalsprache: tue Sprache der Hehräer; ein Judenland: Erez Jisracl. Allein, dic:c prinzipielle Giunderkeuntnis von der j Nalionalciriheit des jüdischen Volkstums schließt nidit aus, daß wir die fakliscircii Abwdclvtmgen der einzelnen Volknglicdcr klar ins Auge fassen und die aus ihnen resultierenden praktisciren Folges'uugcn /Liren. Die erste und von1cIr:nlid1:te Folgcruiig muß aber das Bestreben sein, diese, durch äußere Umstände erzeugten 'Abweichungen nach Möglichkeit zu mildern und auszughlchcn. 'Dies gilt munciiilich bei der Behandlung des Problems: Ost- und Westjuden. Die Tatsache läßt sich nicht bestreiten, daß zwischen diesen beiden Volkshälfteil sclir crhcbüdie Unterschiede, wenn auch nicht des Grundwcscus, so doch der Entwickclungsart und des rntdkicüiclfcn Gq>räges existieren. Ein Jahrlwindeit Emanzipation der Juden im curopüi- «hen Westen genügte, um diese von den Urquellen ckr jüdischen Eigenkultur himvcgvttiüluxn, die Geschlossen!»: it ihres Sondcrmilkus aufzulösen, ihre nationale Geistesphy&iognomic verblassen zu lassen. Währenddessen erlrieli sich die ostcuropäiseix־ Judenlicit, ungeachtet gewisrer Wandlungen und des Eindringens westlicher Kuitureinflüssc, im großen Ganzen ihre geistige und kulturelle Eigenart, ihren intellektuellen Nalionaltypus, ihr unverfälschtes Miliculebcn. Soll nun unsere nationale Einheit nicht allein ein Prinzip, eine Theorie, eine Anschauung sein, sondern eine lebendige Wirklichkeit darstellen, so muß diese Kluft nicht bloß in «Jcr Erkenntnis, sondern auch faktischüberbrückt werden. Eine Steigerung und Intensivierung der un-mittelbaren Wechselwirkung kann (uns dabei nach und nach dem Ziele näherbringvn. Beide Teile können einander viel Wertvolles bieten. Die Ostju'.lcn haben längst aufgehört, sich mit der Rolle eines Objektes für das Mitleid und philanthropische Gönnertum ihrer ״reichen Onkel‘1 im Westen abzu find c־n. Im Bewußtsein der in ihnen lebendig wirkenden nationalen Schaffenskräfte erkennen sie die ihnen obliegende große Aufgabe, die nationalen Impulse in den geschwächten Gliedern des Volksganzen neuzubelebcn, als Bildner am Zukunftsgebiiuric der jüdischen Nation in den Reihen der Pioniere zu wirken, den historischen Prozeß der jüdischen Kullurentwickehing f-ortzusetzen und ihr neue Wege zu ebnen. Wie aber wirkende Kräfte zusammengefaßt, gegliedert, in geordnete Bahnen .gelenkt, in praktisclicFormcngcstaltung gebracht werden, das können sic mit Nutzen bei den Brüdern im Westen, namentlich in Deutschland erfahren. Hinsicht ich der atrg.d ׳uteten Wechselwirkung fällt den in Deutschland lebenden Ostjuden eine besondere Aufgabe zu. Sie bilden hier gleichsam ׳ das Bindeglied zwischen dem Ost- und Westjudentum. Die räumliche Nähe erleichtert auch die inncre Annäherung; das Leben unter den nämlichen staatlichen, politischen und sozialen Bedingungen bahnt eine Nivellierung der ursprünglichen Unterschiede an. Die Verhältnisse haben hier den Boden vorbereitet, auf dem die ausgleichenden Bestrebungen fruchtbringend, erfolgreich cimvirken köuneu und sollen. Eine unmit.clb.irc Fühlungnahme, ein ständiger Kontakt mit den in Deutschland lebenden Ostjuden gehört zu den bedeutsamsten Aufgaben der deutschen Zionisten. Da eröffne', sich ihnen ein weiteres, eminent wichtiges Arbeitsfeld. In den osfjiidischen Massen leben jene von keiner Assimilierung verfälschten nationalen Urkräfte, deren wir für die Wiedergeburt unseres Volkes nicht entraten können. Von aktuellster Bedeutung --- - ׳־׳.....״ — - — ■ ■ 1 ״Der Zionismus erstrebt für du» JUdtichc Vo'k ] die Schaffung einer ö״< nilidi-rechilldi gcilchcricn | Hciinsi.iite in Palästina." Baseler Programm. Aufruf! Der XV. Dilcgiertentng dtr deutschen Zionisten hat cimtimmif; beschlossen, .׳die Kräfte in den Dienst der Kniigreßbcwcgung zu stellen. Der Kongreß soll alle in Deutschland lebenden Juden umfa'scii, die 1111 Bewußtsein ihrer Zugehörigkeit zum jüdlstlien Volk nn der LuiwicUiing eines lebendigen Juiicimnns mbmbdu-n «Ollen. Semit ist die Korgreßbewegung zmu Inhalt 7.10• nistiscHer Tätigkeit geworden Der jiidLch« Kongressgedanlie wird die nächste I'Imsc des deiitsch/n Zionismns In i1rirjv.li-. il Lrinuß und wird in drn kommenden Wochen int Mittcl(>u»kt des g»־baiutcn jüdischen Lebuns in Deutschland stehen. Zum ersten Maie stellt der deutsche Zionismus seine Kräfte in de» Dienst einer Aktion, die kiine zionijüielie ist. (Iriindv Sirkwerwlegcndcr Art haben die f.rtschc’dotg des Delegtertcntsges bestimmt. Die K01iRrc5be«r;(i;11»1; ist ein Krjelmls der neuen Situation, die der Krieg herbeigeführt tut. Die Jaden der gan- 7en Welt haben d iroä Aufstellung einheitlicher Forder*»gen ihr Volhstnm manifestiert, und sie sind weit• •poiiüxh als Volk *«erkannt worden. Dieser Prozeß verlangt nach circm poliiisctien und 0rgan1».1t״r11chc11 Ausdruck Das jüdische Volk muß sich seine Oignni- 1*tion nnd Reprisentanz schaffe«, um seine nationale Politik führen ta können Dies «oll durch den Weltkongreß gescheht״, drssen Vorboten die jüdischen Kftnjr-'fle in den emrelnen Lündern sind, «tessrn Vorbäte <ter jldisclie Kongreß in Deutschland sein toll. Dir» tat die eine webpolllische Aufgabe des Kon. greßt-% die *ndere ist c>ne spezifisch deiuscb-jüdisclte, Ls gebt nicht iingcr aa, dsß *ich die deutsche Judenbtit gigen die Anerkennung de* jüdischen Volksgedsnkenc sträabt, taf destea Basis sich das gesamte jiidhetie Volk geeint k*t. Die Urfahr der Isolierung des deatschen Judentums, *einer Selbstausschaltiing hei der Mitarbeit an den großen j-ldisrhen Aufgaben der Zukunft ist dringend. Der Kongreß soll die deutsche Jndtnheit aaf der Hat!» de» jüdischen Volksgedankens einigen, er soll Ihren Anschluß an die Cesamijudrnlielt kerheiföhrea, er soll sie tfir alte Aufgaben der jüdischen Zi-ktnft *Üblere• Schon beweise« rahlrriclie An- Zeichen, daß In weilcu Kreisen der deutschen Juden* heit, die ans bisher ferusiaoden. das Versiindnis iür de• jtaiiCbsn Volksfrdar.lien wachst. Die Kongreßhcseegnng ist der VA-g zar Umgesialiung uad zur Ernenernng des jidiichrn Lebens in Deutschland. Auf diese» Wege müssen wir Zionisten den Juden in Deutschland rorangihea Die Aufgabe Dt schwer, aber d*1 Ziel ist großer Milte wert. Es kann nur durchintensleehnspann •gallerKrifleerrelcktwerden. Deutsche Zionisten 1 Wir fordern Euch auf, Euch mit größter Energie der Arbeit für dm Kongreß zu widmen. Werbet für den Koiigrcßgcd.inktn wo immer Ihr könnt. Die Arbeit darf nicht den Organisator- Ischen lastanzen allein überlassen werden. Jeder Einzelne muß Mitwirken,! Die Arbeit mnß getragen sein von der Erkenntnis, daß es sich ln Wahrheit am eine historische Aufgabe bandelt,sie muß beherrscht sein von dem neuen OeKt der Einigung, der das Judentum der ganzen Welt durchzieht. Jeder Jude und jede Jüdin In Deutschland muß zur Stellungnahme zum Kongreß und damit zur Entschcl dnng tür oder gegen den Jüdischen Volksgedsnken ntifgrrufen werden. In den nüchslen Wochen müssen alle Zionisten, wo immer es nur möglich ist, dm Kongreßgedanken verireten und propagieren. In Vcr• einen und in persönlichen Kreisen, überall wo Juden sich zusammenfinden, muß die entscheidende Bedcutung des Kongrcßgcdankens dargclegt werdrn. Deutsche Zionisten! Wirkt mit an dem großen Werk der jüdischen Kongreß jewegung in Deusschland. Zionistische Vereinigung f. Deutschland Der OcschSftsfülircnde Ausschuß. Itantke. ׳' Kongreßarbeit. Der Kongrcßausschuß hat den lokalen Kongreßkomltccs und den zionistischen Ortsgruppen Propaganda material In großer Menge zur Verfügung gestellt. Wahllose Versendung der Flugschritten und Bro schüren ist erfahrungsgemäß weniger wertvoll als persönliche Verbreitung durch Mitwirkung vieler freiwilliger Helfer in ihren Kreisen. Deutsche Zionisten! Stellt Euch Euren Ortsgruppen zur Verfügung! Verlangt von Euren Onsgruppcn Propagandamaterial. Verwendet das Material zur Unterstützung Eurer persönlichen Werbetätigkeit! Sorgt, daß es überall dorthin gelangt, wo Ihr ln• Grosse für die Kongreßbewegung erweckt habt. Das Büro des Kongrcßausschußcs. k~^ää=^'S^==ar־j5i5gtS!aäi-: :■:;•=====B ist diese Aufgabe;׳■erack: j?oj׳cnwä11i}j, in 'der SdiidcsalsHtunle des jüdischen Volkes, ,ms deren Ivrkcnntnis die jüdUche Ko 11 g re ß bc we ff u 11 g in Dcutsdilarul b.-mirHepaiigen c t. IX׳r Koiifirell soll alle in De utä ch tan cl ich in de 11 Juden n j.rä -aitier.n, die sich 7a ni jüdisdien Volkstum bekennen. Ihnen aKvn, den Ocstliclu-n und den Westlichen, wird damit zum crsta11n.il Gelegenheit geboten werden, sich unter dem nationalen- Banner zu vereinen, zu einem einheit,ich: n, kbcmlijfen Organismus 7us unmen/usclilielleii und so für ihren Teil die Einheit des jüdischen Volkstums zu dokumentieren. Der Kon-!;!,eil wird j!n Zeidieri der lebendigen Verwirklicluui[׳ dieses Cm1mlprir.z.ij:es stellen. Von dksem (k-Lst ist auch das zionist isein- Ko n [j re 1» projfram m erfüllt. Es bcftchriiiikt sich nicht auf Angelegenheiten der dititscliai Judcnlieit, sondern umfaßt pesamtjüdische Grundf-ordi-nin^cn. Es gibt für uns keine jüdisei un Teiiintcäxssen, die nicht die jüdische Volks- Resaiiillieit berülrriai. Auch die im Programm enthaltaien IAmkte, die vornehmlich die Ostjudai l>ctreffen, wie rite Forderung nach ״Beseitigung aller Ausnahmebestimmungen gegen ausiäiidisdve Juden, insbesondere sofortige Aufhebung der »11 De »t sc h la nd beste he rtden Grenzsperre gegen die Juden“, auch diese Spezialfortlcruiigen sind vom Bewußtsein der jüdi-elien Geineinsainkeit getragen und beieelt. Jede Beschränkung, der irgend ein jüdisclier Volksteil wegen seines Judentums unterworfen ist, berührt die nationale Ehre des ganzen jüdisclien Volkes. Nicht als Versuchsobjekte fär gönnerhafte Experimente, nicht als Mitkiderwedcer und Hilfesuchende werden die Ostjuden auf dem Kongreße erscheinen, sondern als Träger des nationalen Bannc-rs werden sie in inniger Gemeinschaft mit ihren deutschen Brüdern -an dem großen Werk der jüdäsehen Volksrenaissance mitscliaffen. Josef Litt. Auswanderung und Vorbereitung Die zionistischen Organisationen in Ostcurojza und ia geringeren» Maße auch die in Deutschland stehen vor der immer dringender werdenden Frage, wie sie sich zu der Auswandcrungsbewegung nacli Palästina stellen sollen. Jm Osten handelt es sich um Massen, in Deutsch-!and 1111» eine große Zahl von Einzelpersonen, die stürmisch nach einer Möglichkeit verlangen, sehr bald nach Palästina gelten und dort leben zu können. Die prinzipielle Seite der Frage, ob wir uns überhaupt auf eine Alasscneinwanderung nach Palästina einrichten köu• nun öder sollen, braucht hier nicht berührt zu werden. Es genügt, wenn ich meiner Ucbcrzeugung Ausdruck gebe, daß wir aus Gründen der Notwendigkeiten de« Landes wie des Volkes, aus moralischen ebenso wie aus politischen, alles tim müssen, um dk• Tür nach Palästina ,so weit aufzumachcn wie nur eben möglieh, um von Anfang an die zionistische Bewegung f ü r Palästina in diesem Augenblick zu einer Bewegung des jüdischen Volkes, nach Palästina zu machen. I Ik-r ',seien lediglich einige Momente praktisclx-r Natur aufgeviesen, die für die Arbeiten der zionistischen Or• gnnisntionen ,und Institutionen in diesem bedeutsamen Augenblick Von Belang sein mögen. Ich glaube nicht, daß wir jetzt imstande sind, eine (großzügige Informationsarbeit zu leisten. Alle Aiiskiinfie, idic wir über Palästina haben, alles Material, das vorliegt, ist durch den Krieg überliolt oder gegenstandslos geworden. Nicht einmal die Zahlen über den Umfang des Landes stehen fest, solange wir nicht Wissen, welche Grenzen das jüdische Palästina haben wird. Gar keine Rede kann davon sein, daß wir etwas über die Produktious- und Absatzmöglichkeilen in Palästina wissen, ehe nicht die politische und administrative Gestaltung des Landes feststellt. Alle aus dem Frieden überkommenen Daten können bestenfalls nur als höchst vage Grundlagen betrachtet werden, auf denen Auskünfte oder gar Projekte aufzubaucn ausgeschlossen sein Rollte, Was bei der in jeder Hinsicht grundlegenden Neuordnung der Vcrliälliiisse ru Palästina unverändert* bleibt, dürfte vor• ׳ liititig allein die geographische Gestaltung des Landes sein. Aber auch daraus können Schlüsse aul die zu• künftige Sicdelimg unter den obwaltenden Umständenr mir cum grau« sali« gezogen werden. Die In foruiationen, die jetzt über Palästina gegeben werden können, sollten daher immer unter nachdrücklicher Be• tomaig ihres durch den Krieg und den Kommenden Frieden bedingten inneren Unwertes erteilt werden. Insofern Schlüsse für zukünftige Möglichkeiten gezogen oder