Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIV (1919)
- Issue
- Heft 5 (21.1.1919)
- Date
- 1919-01-21
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 44 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 5 glied des Zentralkomitees der ״Vereinig t en‘׳, einer der bewährtesten Führer der S,$., Oergel, veröffentlichte vor kurzem im Zentralorgan der ״Vereinigten“, ״Die neue Zeit“, einen Brief an das Zentralkomitee, in dem er seinen Austritt aus. dem Zentralkomitee bekannt gibt, unter der Begründung, daß die ״Vereinigten“ tatsächlich ihren Territorialismus aufgcgeben haben und mehr zum ,.Bund“ neigen, während inan sich poalc-zionistisch orientieren müsse. Der Geula-Schekei in Rußland Das Zentralkomitee der Zionisten in Rußland beschloß in diesem Jahr, das die Aussicht auf die Verwirklichung des Zionismus eröffnet, einen besonderen Schekel, den Oeufa-Schekcl, herauszugeben, der die Zustimmung des jüdischen Volkes zur jüdischen Wiedergeburt in Palästina bekunden soll. Dieser Schekel, der in Rußland erscheinen wird, wird auch in der Ukraine verkauft werden. ׳Der Preis des Schekels beträgt 2 Rubel. Die Organisation der Juden in der Krim Als die neuen demokratischen Gemeindeverwaltungen in der Krim ihre Tätigkeit begannen, glaubte man noch rest an die Möglichkeit der baldigen Einberufung eines jüdischen Kongresses des gesamten Rußlands. Die Gemeinden hatten daher sicli lediglich mit den lokalen Angelegenheiten des Judentums zu befassen, die Lösung der allgemeinen Fragen dagegen der Vertretung des Gesamtjudentums Rußlands zu überlassen. Die Selbständigkeit der Krim machte es aber notwendig, daß die Judcnheit der Gemeinden in der Krim sich mit der Regelung der allgemeinen Fragen zu befassen sich verpflichtet fühlte. Die demokratisch gewählten Gemeinden stellten naturgemäß die einzig berechtigte Instanz dar, die zu einer Organisierung des Judentums in der Krim berufen waren. Die Initiative ging von der Verwaltung der Gemeinde von Sinfcropol aus, an deren Spitze der Zionist E. S. J a q u e s steht. An der KonferenzderjüdischenGemeinden der Krim, die in Sinferopol stattfand, nahmen 24 Delegierte teil, Vertreter der 13 neugewählten größeren jüdischen Gemeinden der Krim. Ins Präsidium wurden gewählt die Zionisten E. S. J a q u e s (Vorsitzender), Dr. Lapidus und M. Selig mann, der ״Vereinigte“ V L a t z k i, der Poale-Zionist A. 11 k i n und der Kriii.jiide Kaja. 11t einer Resolution, die im Anschluß an einen Vortrag über die Lage der Gemeinden angenommen wurde, heißt es: ״Die Konferenz der Gemeinden in der Krim vertritt das Prinzip, daß die einzige Form des Zusammenlebens der verschiedenen Völker der Krim die national-personale Autonomie ist• Die Vertretung des Judentums in der Krim ist der Waad de* Gesamtjuderitums in der Krim, der in den lokalen Gemeindekomitees seine Exekutivorgane hat. Bis zur Wahl dieses Waad, der vom national-jüdischen Sejin gewählt werden kann, wird, von der Konferenz ein provisorischer Nationalrat eingesetzt, der gegenwärtig das höchste Nationalorgan des Judentums in der Krim darstellt. Dieser Nationalrat hat die Aufgäbe, so schnell wie möglich den national-jüdischen Sejm in der Krim auf Grund des allgemeinen, gleichen, direkten, geheimen und proportionellen Wanirecnueinzuberufen, und bis dahin mit der Regierung in der Krim über die Anerkennung der jüdischen Nationalität zu verhandeln. Dieser Nationalrat hat auch für die Neubildung der demokratischen Gemeindeorganisationen in den Städten, in denen die Wahlen noch nicht stattgefunden haben, zu sorgen. Das Bestreben der linksstehenden Partei, die religiosen Angelegenheiten aus der Kompetenz der Gemeinden auszuschalten, hatte keinen Erfolg. Das Wahlrecht wurde allen Juden und Jüdinnen, die älter als 20 Jahre sind, zugestanden. Getaufte Juden werden als zu der jüdischen Gemeinde nicht zugehörig״ betrachtet. Die Konferenz beschloß auch, ein jüdisches Organ, die ״Jüdische Gemein d c“ herauszugeben, die vom Nationalrat geleitet werden wird. In den Nationalrat, der in Sinferopol seinen Wohnsitz hat, wurden gewählt: 5 Zionisten, 1 Vereinigter und 1 Poale-Zionist. Gleichzeitig wird auch mitgeteüt, daß die Regierung der Krim dem bekannten zionistischen Schriftsteiler und Mitglied des jüdischen Nationalrates in der Krim, Dr. Daniel Pasinanik, das Portefeuille eines Bildungsministers für die Krim angetragen hat, der aber dieses Anerbieten ablehnte. Die jüdisch-nationale Bewegung in Ungarn Das Jüdische Pressebüro in Budapest teilt mit: Dem S i e b e n b ü r g i s c h c!1 jüdischen Nat io n a I v e r b a n d e schlossen sich u. a. noch folgende Oeineiiuien off .'ziel! an: B e s 4 e r c e , Eueres, Des Dicsöszcnt m ä-rto n , Na g y e n y cd Szäszre- /gen, Beilen, Hida Linas, Porgopritnd, I Ba n H f y - H 11 n v ad, O y u 1 a f e h e r v ä r. D e angeführten Städte bilden die führenden jüdischen Gemeinden Siebenbürgens. In Nagyszeben (Hennannstadt), dem S'tze der Exekutive des Nat'onalrates für das riiuiän'sche Imperium der rumänischen Gebiete Ungarns, entwickelt sich ein intensives jüdisch-nationales Leben. Die Hcrmannstüdter Judenschaft schloß sich dem Siebenbürgischen Jüdisehen Volksverbaud an und arbeitet im besten Eitivernehmen mit den dort gen rumänischen, siichs’sdien und ungarischen Nat’onalräten, welche die jüdisch-nationalen Forderungen a 11-erkennen. ln Marämarossziget wurde durch die intensive Arbeit ׳ der zionistischen Organisation erzielt, daß sich ein aus sämtlichen jüdischen Parteien bestehender 21-gh'edriger Ausschuß auf jüdisch-nationalem Programm zur Vertretung der Interessen des ostungarischen Judentums gebildet hat. Einer intensiven Propaganda der zionistischen Jugend ist es zu verdanken, daß in G y ö r, dessen 6000 Seelen zählende Judenschaft fast ganz assimiliert ist, neues jüdisch es Leben zu blühen beginnt. Einen erfreulichen Impuls erhielt diese Regencrierungsarbeit durch deq großzügigen und schwungvollen Vortrag von Professor Adolf Strauß, dem Präsidenten der Ungarischen Landes- Organisation. In Nagyvärad wurde ein Verein ״J i s c h u w Ercz Israel“ gegründet, an dem sich alle Schichten der 15 000 Seelen zählenden orthodoxen Gemeinde beteiligen. Die nationale Bewegung in Mähren Unter dem Eindruck der letzten politischen Ereignisse hat die jüdischnationale Bewegung in M ä 11 r e 11 einen rapiden Aufschwung genommen. Der Verband der mährischen Kultusgemeinden hat, wie bereits berichtet, in seiner konstituicrenden Versammlung am 3. Oktober eine Resolution angenommen, die die Anerkennungder Juden als Nation und die Errichtung einer nationalen Heimstätte in Palästina fordert. Ende vorigen Jahres haben in Brünn zwei ם Montag, 27. Januar □ Großer Saal des Brüdervereinshauses Kurfürstenstraße 115-16 Offentl. Versammlung des Kongreßausschusses Massenversammlungen im größten Stile stattgefunden, bei welchen Rabbiner Dr. Lewy, Dr. Hugo Herrmann und Dr. S o n n e n f e 1 d sprachen. Es wurde ein Volks rat in Brünn als lokales Organ des Jüdischen Nationalrates gewählt. Der Volksrat wurde vom Narodni vybor empfangen und die E r f ü 1 - lung der nationalen Forderungen zugesagt. Der Narodni vybor erkennt in jüdischen Angelegenheiten ausschließlich die nationalen Institutionen an, und zwar den Vo 1 k s r a t für lokale Angelegenheiten, den Verband für Kultusange legenheiten für mährische Angelegenheiten und den Jüdischen Soldatenrat für in i 1 i t ä r i s c h e Angelegenheiten. In den anderen mährischen Städten wurden ebenfalls im Laufe der letzten Wochen überall große Ver- Sammlungen abgehalten, die sich ausnahmslos auf den Boden des nationalen Programms steifen. In den meisten Städten haben sich lokale jüdische Nat io na 1 rate konstituiert. Die mährische Judenschaft im tschechischen Sprachgebiet arbeitet im Einvernehmen mit dem Jüdischen Nationalrat in Prag. In die Vcrbandsleitung der Jüdischen Kultusgemeinden wurden gewählt: Präsident: Dr. Hilf (Ostrau), Vizepräsident: Rabbiner Dr. Lewy (Brünn), Schriftführer: Dr. Fuchs (Ostrau). Weitere Mitglieder: Bürgermeister Dr. Zweig (Prossnitz), Rabbiner Dr. Goldschmidt (Prossnitz), Dr. Haas (Brünn), Dr. Schreier (Brünn), Dr. Sonnenfeld,^(Brünii). Zionistische Bewegung Australien. (Zusammenschluß der zionistischen Oe- Seilschaften in Sydney.) Verhandlungen zwischen der Sydney Zionist Society und der Young Men’s Zionist Association haben zu einer Verschmelzung der Körperschaften geführt. Die aus ihnen entstandene neue Gesellschaft trägt den Namen ״The Union of Syd- 11 ey Zionisis“. Eine Vorstandschaft, bestehend aus Mitgliedern der beiden alten Körperschaften unter Hin- Zuziehung einiger weiterer bekannter Persönlichkeiten wurde gewählt. Der Präsident der neuen Vorstandschaff ist Herr Aaron Blashki, als Schatzmeister wurde Herr M. B. Michclson, als Sekretär Herr S. S t c i g r a d gewählt. Griechenland. (Zionistische Arbeit) Die Aktion der Zionisten in Griechenland zugunsten des Erwerbs der neuen Aktien der Jüdischen Ko- 1 o n 1 a 1 b a n k bat einen außerordentlich zufriedenstellen■ den Erfolg gehabt. In Saloniki wurden 7000, in Athen 3000 Aktien verkauft. Hunderte von Zionisten in Griechenland beschäftigen sich ernstlich mit der Vorhcreitungsarbeit für Palästina, um sofort nach dem Kriege dorthin überzusiedeln. Die Zionistische Organisation in Griechenland steht zu dieseni Zweck bereits in Unterhandlung mit dem Palästina-Amt in Jaffa. Persien Die jüdischnationale Bewegung hat in Persien, wo es ca. 100000 Juden gibt, bedeutende Fortschritte gemacht. Das Zentrum der zionistischen Tätigk i war bisher Baku, wo die bestehende Organisation während der letzten Jahre eine eifrige Propaganda unter den Juden im Kaukasus und den umliegenden Gebieten entfaltet hat. Broschüren in tatarischer und persischer Sprache unterstützen die Werbetätigkeit. Rußland (Zionismus in Archangelsk) Eine sehr erfolgreiche und enthusiastische Versammlung der zionistischen Organisation von Archangelsk fand vor einiger Zeit statt. In einem einstimmig angenommenen Beschluß wurde dem englischen Volke Dank gesagt für seine Bemühungen um Verwirklichung des zionistischen Ideals, den für die Befreiung ihres Heimatlandes kämpfenden Legionären wurden Grüße gesandt und die Bereitwilligkeit ausgesprochen, auf dem Altar der Wiedererneuerung des jüdischen Volkes in Palästina jedes Opfer zu bringen. Literarische Mitteilungen Wie das ,,Israelitische Wochenblatt für die Schweiz“ mitteilt, meldet das ״Jüdische Korrespondenzbüro Bern-Zürich“, daß die Wochenschrift ״Le Peuple J11 i f“, Paris, seit Anfang dieses Jahres das Organ der Zionistischen Organisation in Frankreich ist. Im Verlage des Kopenhagen er Zionistisehen Büros ist die Rede des bekannten dänischen Schriftstellers und Dramaturgen Henri Nathansen, die er aut dem Protest-Meeting gegen die Judenpogrome in Galizien hielt, in Brosahürenform erschienen. In dieser Rede, die seinerzeit in der dänisahen Oeffentlichkeit großes Aufsehen erregt hat, bekennt sich der Künstler zu der Wiedergeburtsidee des jüdischen Volkes und Landes. Das 2. Heft der von Davis T r i e t s c h herausgegebenen Wochenschrift: ״Volk und Land“ ist erschienen und enthält u. a. folgende Aufsätze: T riet sch: Massen Wanderung und Massensiedlung, Hecker: Die technischen Aufgaben Palästinas (Schluß), R u p p i n: Der Libanon., John Foster Fraser: Die amerikanischen Juden und ihr Berufsleben (Schluß), sowie Bücherbesprechungen und das Paläsünaarchiv, das inter■ essante Notizen über landwirtschaftliche und industrielle Rohstoffe und Produkte enthält. Mit der ״W irksatnen Abwehr des Antisemit ismus“ befaßt sich eine Broschüre des Vorsitzenden ־des Jüdischen Nationalrates für Deutsch- Oesterreich, Staatsbahnrat Robert Stricker, die vom Verlag der ״Jüdischen Zeitung“ (II. Zirkusgasse 33) herausgegeben wurde. Vor kurzem ist das erste Heft der vom Verein 'galizischer Zionisten in Budapest herausgegebenen, von Zwi S p i r n redigierten ״J i d i s c h e n Sammelbüclier“ erschienen. Die von der Dan mark Loge herausgegebene dänisch - jüdische ״Tidsskrift for Jodisk Historie og Literatur“ hat soeben das vierte Heft erscheinen lassen. Das Heft enthält einen Aufsatz von Prof. D. Simonsen über Hermann Cohen. Der dänische Schriftsteller Henrik Pontoppidan gibt ein anschauliches Bild aus dein jetzt bereits verschwundenen jüdischen Provinzleben in Dänemark. Dr. S. Bernstein veröffentlicht einen Artikel über Dr. E. W. Tschlenow unter besonderer Berücksichtigung der Beziehungen des großen Toten zur dänisch-jüdischen Gesellschaft. Ls folgen Besprechungen der in Rußland erschienenen hebräischen Zeitschriften Heawar und Hatekufa. Die Zionistische Organisation i:1 London gibt söeben die Broschüre ״Die jüdische Kolonisation in Palästina“ von S. Toikowsky, Jaffa in verschiedenen Sprachen, darunter auch in deutscher, heraus. Die Schrift versucht, rein informierend die Bedeutung der jüdischen Siedlung Palästinas, die Schwierigkeiten, unter denen die Arbeit vor sich ging, und die erreichten Resultate darzustellen. Das ist cler Schrift außerordentlich gut gelungen; sie wird vermutlich überall starke Verbreitung und Anerkennung finden. Im Verlag ״M « r k a s Hazeirim‘׳, Warschau, erschien eine von C11. Goldberg gezeichnete hebräische Palästinakarte mit einer Nebenkarte der jüdischen Kolonien in Palästina. Zum erstell Todestage Tschlenows Am 19. Sch’bat (20. Januar) ist ein Jahr vergangen, seit Dr. Echiel T s c h 1 e n o w dem jüdischen Volk durch den Tod entrissen wurde. Seine ganze Schaffenskraft, sein ganzes Sein war der zionistischen Idee gewidmet, die heute vor ihrer Verwirklichung steht. Er hat durch seine unermüdliche Tätigkeit die Vorbcdingungen, durch die der Zionismus jetzt seine ungeheuren Möglichkeiten realisieren kann, mitgescliaffen, er hat den Grundstein legen helfen, auf dem das jüdische Volk beute sein neues jüdisches Leben aufbauen wird. Die Erinnerung an Tschlenow־ wird jetzt, in dem gewaltigen Augenblick der Entscheidung unseres Schicksals, unsere Arbeit befruchten, sein Geist wird in unserem Werke leben, wenn das neue jüdische Palästina errichtet wird. Seinen Freunden und Mitarbeitern, die diesen großen historischen Moment, der ihm nicht mehr zu schauen vergönnt war, rniterleben dürfen, wird sein großes Vorbild heute mehr denn je gegenwärtig und lebendig sein. Das Aktionskomitee hatte schon vor Jahresfrist zu in Zeichen der dauernden Erinnerung an den gr. ßen Führer die Gründung einer Tschlenow-Kolonie beschlossen, d e als ,,erste nach der Wiederkehr friedlicher Zeit in Palästina erstehen“' wird, und an deren glücklichem Gedeihen, als an einem Symbol für die Zukunft des Landes, alle die ihn kannten und alle Zionisten nach Kräften mitarbeiten werden.