Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIV (1919)
- Issue
- Heft 5 (21.1.1919)
- Date
- 1919-01-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. Ischau ember 1 Auflage Ischau“, 1 Unterri Redaktion «. Verlag W. 15, Sächsische Str. 8. Erscheint jeden Dienstag u. Freitag. Abonnem. bei der Exped u. d. Postämtern vierteljahrl. Mk. 4,50 in Deutschland, im Ausland Mk. 6,50 Anzeigen-Verwaltung: Welt-Verlag G.m.b.H , Berlin W. 35, Kurfürstenstraße 150. Nummer 5 | Berlin, 21. I. 1919 75 Pf., Teuerungszuschlag 20 %. € tiiu da!: JÜDISCHE RUNDSCHAU Telephon: Amt Uhland 845 u, 846. Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392. Für Oesterreich: Postsparkassenamt Scheckkonto Nr. 156030. Redaktionsschluß Sonntag u, Mittwoch nachm. 0. Sch’bat 5679 \ XXlV.JahrgT Der Zionisxnue erstrebt für daa jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich-rechtlieh gesicherten Heimstätte in Palästina. ״Baseler Programm* ’ragen bi * Juget Sieh*. St: ärtner wünscht tem Kind ragen he: 1 Jugen »äehs. 8tr. ein ad Lag! h t armann linNW.l 68 b. ger an n religiös Heirat 1 eher Dm Beginn der Friedensverhandlungen Das ״Jüdische Preßbüro“ in Stockholm übermittelt uns folgendes Telegramm des ״ Z i o - nistischen Büros“ in London: Präsident Wilson versprach Welzmann seine Unterstützung für die Etablierung eines ganzen und in seiner Entwicklung ungehinderten (full and unhampered) jüdischen Palästinas und sagte, daß bei der Friedenskonferenz Gelegenheit geboten werden würde, die jüdischen Forderungen inbezug auf nationale Gleichberechtigung vorzutragen. Diese Nachricht wird durch folgende Meldung des Londoner Korrespondenten des ״Jüdischen Preßbüros“ in Stockholm ergänzt: Weizmann hatte am 14. Januar eine stundenlange Unterredung mit Wilson. Dieser hörte Weizmanns Ausführungen über die Schaffung eines wahrhaften jüdischen Palästinas sehr aufmerksam und mit äußerstem Wohlwollen an. Die zionistischen Führer erblicken in Wilsons Zusage die Gewähr für einen erfolgreichen Verlauf der Friedenskonferenz bezüglich der zionistischen Forderungen. Zu dieser Unterredung liegt ferner folgende Meldung des Pariser Korrespondenten der ״T i m e s‘• vor: In den letzten Tagen ist nicht nur inbezug auf die Polenfrage, sondern auch in der zionistlschen Frage ein bedeutender Fortschritt zu konstatieren. Weizmann hatte lange Unterredungen mit Wilson und Balfour mit dem Ergebnis, daß gewisse Mißverständnisse, die in letzter Zeit wegen der Schaffung eines nationalen Heimes für die Juden in Palästina aufgetaucht waren, beseitigt wurden. unter A. m. 11, I ׳stenstr. 18 bwaise, 1 gutslt. iesufht. derung Indien. Vorbereitungen für die Friedensverhandlungen Herr Leo Herrmann besuchte während der Monate Dezember und Januar im Auftrag des Zionrstischen Aktionskomitees die zionistischen Organisationen und Jüdischen Nationalräte im T schechoslovakischen Staat, in DeutschÖsterreich, Ungarn, Jugoslawien und Galizien, informierte sie insbesondere über die Forderungei beim Friedensleoogreß und ■die Organisation der zionistischen und handlangen und veranlaßte die notwendigen Vor• bereitungen. innerung sein werden. Die Menschheit wird nicht mehr solche Skandale wie Armenier-Massakers oder Judenpogrome dulden. Niemand wird mehr eine große oder kleine Nation bedrücken können. Palästina, das Land eurer Väter, das die Türken zu ,einer Wüste gemacht haben, wird, dank der bewundernswerten Willenskraft und dem demokratischen Geiste eures Volkes wiederum eine Stätte des Wohlstandes und Lichtes werden, der Ort, an dem sich die drei Religionen und Rassen, die hebräische, die arabische und die europäische, harmonisch vereinen. Das unabhängige Arraeni e n wird für Palästina ein unüberwindliches Botlwerk gegen einen neuen feindlichen Angriff bilden. wa,1i,»ß :*P׳ »J •&־£■ t v■:• 4 :*»־־»ז*, י*«#'» :fefib 4h» •׳ Leiden, bewußt ihrer Kulturaufgaben, begrüßen einander und versprechen sich brüderliches Einverständnis.“ (triften!ebenen citiutfl) 50 ff., S»alej* iä SW(. papoet■« netfohn Vfift bie!r Siebe ׳agenen et beS ogtome »efttn *Preis feixe m. Sic iftifd)*« Ift bie in» be« e jfrei< 1 £11t* te beä - ©er te Ce* Jionü. ifterten (|te ber iina im gebürt. erxex eines ״}frage ina atä tionate;11 beä ijfotnt. iatjfmä inbung fteiä tS SBe- JterJpen. ft ber 3.—, Die Poale-Zion auf der Sozialistischen Friedenskonferenz Das ״Jüdische Preßbüro“ in Stockholm meldet: Das Büro des Jüdischen Sozialistischen Arbeiterverbandes Poale-Zion in Stockholm erhielt von Camille Huysmans, dem Sekretär der Inter• nationale, eine ,Einladung zur bevorstehenden internatio- Daten sozialistischen Friedenskonferenz in Lausanne. Die Delegation der Poale-Zion wird aus den Herren C h a s a - no witsch, Kaplanskv und Dr. R o s e n f e 1 d bestellen. Bankett für Emir Feisal Zu Ehren des in England eingetroffenen Emirs Feisal, des Sohnes des Königs von Hedjas, arrangierte Lord Rothschild ein Bankett für ihn und sein diplomatisches Gefolge. Hierbei waren u. a. anwesend Lord M i 1 n e r, Robert C e c i 1. Graf Cre wc, Herbert Samuel und mehrere zion i s t i s c h e Führer. Es wurden warme Reden 7 u - gunsten des Zionismus gehalten. Dr. Weizmann steht in enger Verbindung mit dem Emir. Emir Feisal ist inzwischen als Delegierter von der Pariser Konferenz anerkannt worden. Die Delegation des Königs des Hedjas hat zwei Vertreter erhalten. Die armenische Gesandtschaft an das Komitee ״Pro Israele“ Der Vertreter der armenischen Gesandt- Schaft in Rom, Mihran Damadian. hat an das Komitee ״Pro Israele“ einen Brief gerichtet, in dem es heißt: ״Die Armenier senden dem jüdischen Volke den Ausdruck ihrer lebhaften Sympathie und ihre besten Glückwünsche. Wir stehen am Anfang einer neuen Aera, in der die ganze Welt Freiheit, Gleichheit Und Brüderlichkeit verkünden und anerkennen wird, und in der die Leiden, die eure grausam verfolgte Rasse seit 2000 Jahren zu erdulden hatten, nur eine traurige Er- Zur Beachtung Das Londoner Büro der Zio nisitischen Organisation benötigt für politische Zwecke, dringend eine größere Anzahl des Ruppin sehen Werkes: ״Syrien als Wirtschaftsgebiet.“ Das Buch ist im Buchhandel vollkommen vergriffen. Das Zionistische' Zentralbureau Berlin bittet dringend, ihm Exemplare zur Verfügung zu, ,stellen. Aus Palästina Das jüdische Leben in Palästina Mit der Befreiung Galiläas hat das jüdische öffentliehe Leben von ■neuem zu pulsieren begonnen. Zahlreiche Vereine, verschiedene soziale und philanthropische Gesellschaften, literarische Unternehmungen sind bald ins Leben gerufen worden und halben ihre Tätigkeit aufgenommen. In besonders starkem Maße trifft (las bei der jüdischen Arbeiterorganisation Hapoel H a z a I r zu. Es ist bezeichnend für die Rührigkeit und die Arbeitsfreudigkeit dieser Organisation, daß sie schon am 22. November mit der Herausgabe ihres wöchentlichen Organes ״Hapoel Hazai'r“ wieder begonnen hat. Die erste Nummer, die äußerlich und innerlich einen sehr günstigen Eindruck macht, ist vom jüdischen Publikum, sowohl• von den Anhängern wie auch von den Gegnern dieses Organes mit Genugtuung aufgenomrnen worden. Die inhaltreiche Nummer beweist, daß die Redaktion sich der Bedeutung der ihr gegenwärtig obliegenden Arbeit voll und ganz bewußt ist. In dem Leitartikel, der den Beginn der Friedensverhandhingen warm begrüßt, erklärt das Organ folgendes: ״Unter den Völkern, die das Tribunal der Menschheit bilden sollen, werden auch wir uns einfinden, um den Schiedsspruch über unser Schicksal zu vernehmen. Wir glauben daran, daß hier keine Ungerechtigkeit gegen uns verübt werden wird. Wir glauben, daß diejenigen, die im Verlauf der letzten vier Jahre immer für die Leiden der ׳unterdrückten Nationen Verständnis hatten, auch unsere nationalen Forderungen verstehen werden. Wir sind davon überzeugt, daß die Erklärung ,,Erez Israel dem Volke Israel“, die das Siegesjahr ihrer Verkünder eingeleitet hat, nunmehr die vollste Zustimmung aller anderen Nationen finden wird. Mehr als alle anderen müssen wir selbst die Ueberzeugung haben, daß wir imstande sind, dieser großen Erklärung gerecht zu werden, um der großen historischen Aufgabe, die die Stunde uns auferlegt, gewachsen zu sein.“ Die weiteren Artikel der umfangreichen Nummer befassen sich mit den Fragen der Nationalversammlung, der Bodenreform Und der landwirtschaftlichen Ausbildung der jüdischen Mädchen wie mit anderen sozialpolitischen und wirtschaftlichen Angelegenheiten. Die umwälzenden' Ereignisse der letzten Zeit haben auch in die ״rückständigen“ Orte Palästinas neues Leben gebracht. Die jeder Neuerung unzugänglichen Zentren schließen sich mit Freude und Leichtigkeit dem neuen Zeitgeist an. Das was früher unmöglich schien, ist nun Wirklichkeit geworfen; die völlige Reorganisation auf nationaler und demokratischer Grundlage der jüdisehen Bevölkerung in Hebron, S a f e d und T i - b c r i a s ist vollendete Tatsache. Wcldie Wichtigkeit diese Reorganisation für die Zukunft Palästinas hat, ist einleuchtend. Die zahlreichen, durch die Türken vertriebenen intelligenten Kräfte, Lehrer und Schriftsteiler, die in diesen Orten seit Jahr und Tag als Verbannte leben mußten, haben im Stillen ihre nationale erzieherische Arbeit fortgesetzt und so die jüdische Bevölkerung zu ihrer heutigen politischen Reife geführt. Am Tage nach der Eroberung von Tiberias hat sich eine organisierte Vertretung der jüdischen Bevölkerung gebildet, die unverzüglich eine jüdische Wachmannschaft gründete, die mit den englischen Militärbehörden in Verhandlung trat und das öffentliche Leben in normale Bahnen leiten konnte. Sehr gut funktioniert die soz i a 1 e Fürsorge und das Lebensmittelamt, die eine sehr dankenswerte organisatorische Tätigkeit ausgeübt haben. Die Wiederkehr des Jahrestages der Palästinaerklärung der englischen Regierung ist in Palästina als ein nationaler Feiertag begangen worden. Unter der größten Teilnahme der Bevölkerung ist auf Massenrnectings und Volkskuiidgebungen eine Resolution des Dankes an die britische Regierung angenommen worden. In ständiger Entwicklung vollzieht sich die politische Organisation der Juden in Palästina. Die Vorbereitungen zur konstituierenden Versammlung der, palästinensischen Judenheit beschäftigen lebhaft das ganze Land. Die jüdische Bevölkerung erwartet, daß diese Versammlung den Willen des jüdisehen Volkes vor aller Welt dartun und ihm zum Siege verhelfen wird. Diese Arbeit, die unter der Leitung der zionistischen Organisation vor sich geht, erstreckt sich gegenwärtig auf die Vorbereitung der Wahlen im ganzen Lande. An den Wahlen beteiligen sich sämtliche Juden, die das zwanzigste Jahr überschritten haben, ohne Unterschied des Geschlechts. Eine besonders lebhafte Wahlkampagne führt der Hapoel Hazai'r. Letztens entwickelte der neu entstandene Bürgerverband Ha Esrach (der Bürger), ‘״•der׳״«fffer der׳teitttng» der Hfcrretr M. Dleseh'goff und S. Benzion steht, eine besonders lebhafte Tätigkeil. Dieser Verband wird vom Hapoel Hazai'r stark angegriffen, während die Begründung des Ha Esrach, an der sich außer den genannten Herren auch der Vertreter des Baron Rothschild, Herr Sehapiro, betoiligt, von den jüdischen Kolonisten besonders gut aufgenommen wurde. Der Hapoel Hazai'r erblickt in dieser Gründung ein Zeichen politischer Reaktion, die an• geblich der geplanten Nationalisierung des Bodens entgegenarbeiten wird. Die Propagandaversamtnhingen dieses Verbandes, die von den Mitgliedern des Hapoel Hazai'r stark besucht und bekämpft werden, nehmen zuweilen einen stürmischen Verlauf. Auch die orthodoxen Elemente haben sich gut organisiert und suchen eine stattliche Zahl ihrer Vertreter in die konstituierende Versammlung zu schicken. Das jüdische öffentliche Leben konsolidiert sich immer mehr. Am bemerkenswertesten ist die Tatsache der Gründung und Organisierung einer jüdischen W a c 11 m a n nschaf t. Schon im August 1918 bildete sich eine Gruppe der jüdischen Wächter in Jerusalem und Jaffa. Der zionistischen Palästinakonimission ist es rasch gelungen, die Beziehungen zwischen dem Vereine der jüdischen Gendarmen und den englischen Militärbehörden herzustellen. Die Militärbehörden erließen bald darauf eine Erklärung, daß sie nur solche Gendarmen anstellen, die vom Verein jüdischer Wachleute und der Palästinakommisson emp~ fohlen werden. In der letzten Zeit hat sich die Zahl der jüdischen Wachleute stark vergrößert und deren Tätigkeit sich über Judäa, Samaria und Galiläa erstreckt. In ihren Zirkularen von Mitte November an die jüdischen Kolonien erklären die jüdischen Gendarmen: ״Unsere Aufgabe ist, dem neue!] Palästina das erwünschte Element für die Bewachung des Landes zu verschaffen — Menschen, die auf der Höhe ihres nationalen Verantwortlichkeitsgefühls stehen und sich darüber klar sind, welche Aufgaben sie zu erfüllen■ haben. Unser Verein steht unter der Kontrolle der Paliisti h akom in iss io n und des provisorischen Rates, wir fordern die jüdischen Kolonien auf, Gendarmerievorstände zu wählen, die gemeinsam mit uns das Werk fort führen sollen.“ Auch auf anderen Gebieten bemerkt inan einen starken Fortschritt des Orgauisationsweseiis. So ist kürzlieh ein Verband der jüdischen Ingenieure ins Leben gerufen worden. Dem provisorischen Vorstand gehören die Herren W i 1 bus c h e w i t z, Leon Stein und K a t i n k a a u an. Als Aufgaben des neuen Vereins bezeichnet das Statut I. die Entwicklung der Arbeit und Industrie in Palästina; 2. Informationen über praktische Versuche und wissenschaftliche Forschungen, die im Lande bereits unternommen wurden und jetzt fort- ן gesetzt werden sollen; 3. Herbeiführung eines ständigen I Kontakts mit den Ingenieuren im Auslande zwecks Ein- I