Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIII (1918)
- Issue
- Heft 58 (31.12.1918)
- Date
- 1918-12-31
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Prc~s׳t;:rsai U 1 ׳N fcC TT% V :> ע■ C; zf*'; <*{T ץ־ך v>׳ >_y llö ך־י^ח iil ü4 GfcjgT Ü i*L r f < V W«/<U» i »L>vJ n es 1. ך,. . a4> •׳׳* ־U ן ג<;«׳* fi ^יי v/ C:», י'?־/■ ן ] ve «r*! 199 l ^1^־»־» Jia JyL In den Tagen der fortdauernden Revolution, der sich steigernden Unsicherheit, der größten Verkehrsnot haben die deutschen Zionisten ihre Vertreter zu einem Delegiertentag nach Berlin entsandt, der einer der größten und erfolgreichsten Ddogiertentago der Zionistischen Vereinigung für Deutschland geworden ist. Mehr als 141) Delegierte waren aus allen Teilen Deutschlands, auch aas den besetzten Gebieten des Westens erschienen!. Dieser starken Beschickung des Delegiertentages entsprach and! die rege Anteilnahme der Gäste, die, weit über 1500 Köpfe stark, wahrend der dreitägigen Beratungen unermüdlich auslnrrtcn und den Verhandlungen das lebhafteste Interesse entgcgcnbrachtcn. Der Delcgicrtcntag war der rechte Ausdruck des starken Aufschwungs, den die zionistische Bewegung jetzt in Deutschland, wie überall anderswo, durchmacht, eine machtvolle Kundgebung der Einheit und wachsenden Größe unserer Organisation. Dem glänzenden äußeren Bilde entsprach der innere Gehalt. Es war ein sehr arbeitsreicher Delegiertentng, wie wir ihn jn dieser konkreten Form noch selten gehabt haben. Auf Arbeit war er von Anfang an zugeschnitten. Das drückte sich schon־ darin ans, daß nur drei Referate ,auf der Tages- Ordnung standen. Mau war piit dieser Anordnung ganz in! Einklang mit d׳'r?*!•1H11u,pg, der D׳*!egierten, denen es ganz offensichtlich viel mehr auf die gründliche Beratung der ,wesentlichen Fragen als auf eine oberflächliche Aussprache über einen möglichst großen Komplex ankam. Die Tagung war ganz auf die Beratung der nächsten Aufgaben des Zionismus in Deutschland eingestellt. So kam es wohl, daß nach dem einleitenden Referat von Dr. Hantke auf eine kritische Beleuchtung dir Tätigkeit der Leitung von den Delegierten im wesentlichen verzichtet wurde. Offenbar lag ihnen! mehr daran, die grundlegenden Linien der kommaulen Arbeit festzusetzen, die von so entscheielender Bedeutung für das ganze Schicksal des jiidischeu Volkes sein wird, als einer Vergangenheit nachzugehen, die unter dem Zeichen des Krieges stand and die, darin war man sich wohl einig, mit gutem Gelingen von der Leitung durch schritten worden ist. Ergab die Generaldebatte ein sehr cinheitliciies Bild der politischen Strömungen und Ansichten in unserem Lager, die alle auf die Formel der unzerstörbaren Einheit des jüdischen Volkes und der Zionistischen Organisation und des Verlangens nach einem jüdischen Palästina eingestellt sind, so zeitigte die Debatte nach dem Lichtheimsehen Referat ,überden ״Aufbau Palästinas“ starke Meinungsverschiedenheiten. Je näher uns die Verwirklichung unserer Hoffnungen rückt, je mehr wir vor der Notwendigkeit stehen, uns für morgen und ,übermorgen auf gestaltende Arbeit in und für das jüdische Palästina ciirzuriehteii, je •konkreter all die Fragen werden, die uns über zwanzig Jahre lang in der Theorie beschäftigt haben, ’um so stärker wird allseits das Gefühl der Verantwortlichkeit für das gute Gelingen des :großen Werkes und zeitigt Ansichten, die nicht immer auf einen Nenner gebracht werden können. Das Lichthcimsclsc Referat, dessen gediegene Gründlichkeit von allen Seiten das höchste Lob erfuhr und das in seiner Art ein vorbildliches Beispiel eines Palästina-Referates ist, wie wir es bisher auch auf den Kongressen selten zu hören bekamen, wurde jn seiner Tendenz von einem Teil der Delegierten scharf!)»kämpft, Die große Frage ob wir Palästina einer Masseneinwanderung öffnen können oder uns mit einer langsameren und ,vorsichtigen Besiedlung begnügen müssen, war• von Lichtheim im Sinne ״1,1״' ״ A behandelt und in den Mittelpunkt seines Referates gerückt worden. Gegen diese Anschauung wandlen sich nicht nur diejenigen;Delegierten, die aus allgemeinen politischen, oder sozialen Gründen von der Notwendigkeit der Eröfi'agng Palästinas für eine Masseneinvvandcrupg überzeugt sind, sondern auch eine Reihe van Vertretern einer Anschauung, die auch das wirtschaftliche Keil und die einzige Möglichkeit einer gesunden Entwicklung Palästinas in der ökonomischen Ausgestaltung des Landes auf einer — in erster Linie — industriellen Grundläge sehen, die eine Masseneinwanderung ennög. liehen würde und sie zur Voraussetzung hat. Mit besonderer Betonung wurde!dabei der sozialen Probleme gedacht, die im;jüdischen Palästina zu lösen sind, und die stark sozialistisches Grundanschaiiung, insbesondere jüngerer Zionisten, kam lebendig zum Ausdruck. Die große Bedeutung, die man den auf ge rollten Problemen beiinaß,1 fand darin! ihren Ausdruck, daß die Tagung die baldige Einberufung ,einer neuen Konferenz der deutschen Zionisten beschloß!, die sich ausschließlich mit den Palästinafragen beschäftigt tpid die so vorbereitet sein soll, daß eine gründliche u,nd sachliche Be. hamllung der schwierigen Probleme ermöglicht ist, Als Gesamteindruck dieser Debatte blieb wohl das allgemeine starke Verlangen nach einer baldigen, Vvrh:ht'mUgang der noch stark jמ der Theorie steckenden Fragen. Es yvurde offenbar, daß den, deutschen Zionisten in ihrer ,überwältigenden, Mehrheit Palästina keineswegs etwa nur ein politisch oder agitatorisch aufgefaßks Wort ist, sondern daß sie sich jetzt schon mit Palästina ati.fs engste verbunden fühlen und in ihrer großen Zahl von der Notwendigkeit durchdrungen sind, ihr persönliches Schicksal baldmöglichst mit dem des Landes zu verknüpfen. Der inneren zionistischen Arbeit in Deutsch:, laue! war das Referat Blumen f-cl dt) gewidmet, das die Delegierten in seiner glänzenden Diktion bald in seinen Bann zog. Das starke eindeutige nationale Bekenntnis, das aus ihm ■hcrvofldang, dieser letzteren Anschauung machte sichtlich einen tiefen Eindruck, Die Forderiuig des Jüdischen Kongresses in Deuir.chland auf Grund des Bekenntnisses zur jüdischen: Nation; fand! einmütigen Widerhall, ln der großen. Debatte, •die sich an das Referat anschloß, kam ein prinzipieller Widerspruch gegen den Kongreß überhaupt nicht zum Ausdruck. Die wenigen Einwände, die erhohen u'urdeii, bezogen sich auf Fragen der Taktik und der Organisation. Die jüdische Kongrcßbewe. guiig wird nach diesem Delegiertenta׳״ — daran ist nicht mehr ,zu, zweifeln — nunmehr in ganz Deutschland mit mächtigem Schwung zur Entfaltung kommen. So ergab der 15. Delcgicrtcntagיder Zionistisehen Vereinigung für Deutschland das Bild einer einheitlichen Auffassung der aktuellen zionistischen Fragen. Das kurze Re fern t von Schocken- Zwickau über die vorbereitenden Arbeiten des Kulüiraus'schusscs und die sich, daran an knüpfende Aussprache zeigte, daß־ auch, die Bedeutung der geistigen Erziehung der nationalen Jugend wohl erkannt und für die ■Vertiefung des Ideals der jüaischeu Erneuerung das richtige ,Verständnis vorhanden ist. Einen besonders wohltuenden Eindruck machte cs, daß, in den!(;!,!liirfrägcn, sowohl fü'r Palästina ,als auch' für das GaluUi1, ein weitgehendes Verständnis für. die berechtigten Forderungen des auf der Tagung stark vertretenen traditio,nstreuen Teiles der Delegierten konstatiert werden konnte. Es erwies sich, daß eine Orthodoxie, deren nationalcs ,Fühlen stark genug ist, nur innerhalb des Zionismus ihren richtigen Platt hat. Der deutsche Zionirsirns aleht nach dem Kriege in starker Gcschiojsscr.lieit vor!ins. Diese Einheit• lichkeit ist nicht etwa Ausdruck einer rein organisatorischen Disziplin, sondern im Gegenteil das Zeichen einer ■höchst lebendigen Anteilnahme aller seiner Teile an der ganzen Fülle der vielfältigen Fragen, die in allernächster Zukunft Beantwortung erheischen. Dabei liegt es nur im Rahmen einer organischen Entwicklung, wenn, sich Ansätze zu einer inneren Gliederung des deutschen Zionismus zeigen, die auf der Tagung selbst zwar noch keinen sichtbaren Ausdruck fanden, aber vielleicht auf eine künftige Fraktionsbildung innerhalb der deutschen ,Landsmannschaft hindeuten. Der 15. Delcgicrtcntag bedeutet eine neue Sammlung und Anspannung der zionistischen Kräfte in Deutschland zu neuer mächtigerer Arbeit für das •zionistische IdeaJ. Der Geist der gestärkten Hoffnung und des Beginns der Verwirklichung schwebte ,über seinen Verhandlungen. Möge dieser Geist immer mehr alle Teile unserer Bewegung in Deutschland erfassen und jeden Einzelnen zu neuer intensiver Tätigkeit anfeuern! Der Bericht Erster Tag. Vormittag Eröffnungssitzung ln dem großen vornehmen Kaisers,131 des ״Rheingold“ wurde der 15. ordentliche Delcgicrtcntag der ־ Zionistischen Vereinigung für Deutschland am Mittwoch, den 25. Dezember, vorm. 10>/3 Uhr, in Berlin eröffnet. Zur Tagung waren über 140 Delegierte aus allen Teilen Deutschlands, so aus den Städten: Berlin, Frankfurt a. O., Stettin, Hannover, Erfurt, Danzig, Insterburg, Königsberg, Gnescn, Gollub, Posen, Beuthcn, Kaltowitz, Rafibor, Tarnowitz, Breslau, Chemnitz, Dresden, Halle, Leipzig, Zwickau, Hamburg, Lübeck, Dessau, Duisbürg, Elberfeld, Cöln, Frankfurt a. M., Karlsruhe, Nürnberg und vielen anderen Orten zusainincngckonimcn. Unter gespanntester Aufmerksamkeit der Delegierten so• wie des im Saal und auf den Tribünen versammelten Publikums, das über 1500 Personen zählte, eröffnete der Vorsitzende der Zionistischen Vereinigung für Deutschland Herr Dr. Hantke die Tagung. Eröffnungsrede Dr. Hantkes Geehrter Delcgicrtcntag! Nach mehr als vierjähriger Pause treten wir heute wieder zu einem ordentlichen Dclcgiertentag unseres Landesverbandes zusammen. Schwere ZcitLäufte, erfüllt von Sorgen um unsere Gemeinschaft und um jeden einzelnen, liegen hinter uns. Ernste Jahre sind dahingegangen, in denen das jüdische Volk so viel des Schrecklichen erlebt hat, Wie in den traurigsten Perioden seiner Geschichte. Mehr als Hunderttausend seiner Kinder sind auf dem Schlachtfcldc gefallen, nicht wenige sind dem Hunger und den Seuchen zum Opfer geworden. Zahlreiche blühende Gemeinden sind vernichtet, altberühmte Stätten jüdischen Lebens in vielvcrsprechcnder Entwicklung geknickt worden. Hunderttausende Männer, Frauen und Kinder haben unter entsetzlichen Bedingungen zum V/aiulcrstabe greifen müssen. Und fast überall fand sich der Jude auf sich selbst angc• wiesen. Nur selten streckte sich ihm eine liebevolle Hand entgegen. Nationaler Chauvinismus, altcrcrbter Judenhaß und der Druck ungesunder wirtschaftlicher Verhältnisse beherrschen mehr dam je die Völker, unter denen die weitaus überwiegende Mehrheit der Juden siedelt, und Schaffen eine Atmosphäre des Hasses, unter deren Einfluß man die jüdische Masse all der Errungenschaften berauben will, welche die Welt allen unterdrückten Völkern zu gewähren geneigt ist. hn Bewußtsein der Solidarität und der Einheit aller Juden der Welt erheben wir vor der ©Öffentlichkeit aller Kulturvölker feierlichen Protest gegen die 'Methode» politische Differenzen durch organisierten Mord, durch Pograme und Plünderungen unsdoildiger Menschen, durch Fortschleppen von Geiseln entscheiden zu wollen Freiheit kann ,nur aus Gerechtigkeit erwachsen. Und die Freiheit der Welt wird nicht Bestand haben, wenn nicht 1