Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIII (1918)
- Issue
- Heft 53 (10.12.1918)
- Date
- 1918-12-10
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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I /׳ C,||| .||||^ -י'- %׳•’!/ כ• ii א;7 ר׳ Vor neuen Jude 1p scacre :13t 0 li Die!*)Inischai olfi/ielleti Stellen sind scheinbar des ural.inhbami und oft niclit leichten I laudworks, raffinierte 1 .u;׳,eudcn1entis in die Welt zu schicken, müde geworden um) sind /n einer viel primitiveren lind dem Schl.ichzi/en- Charakter zusagenderen Methode iibergegaugcn. Statt langatmiger Verteidigungen gegenüber den furchtbaren Anklagen des Moides, Totschlags und Kaubs, unter denen das polnische Volk gegenwärtig steh!, haben die polnischen Politiker in Warschau, Krakau, Posen und an anderen Orten in geschlossener Einheitlichkeit ׳ sich etwas anderes ausgcdacht. Die bisherigen Mißerfolge ihrer Ableugiiungsversudte brachten sie wohl zu der sonderbaren Meinung, dab'die direkte und umstandslose Umkehrung der Wahrheit der Welt mehr cinlcuclueu würde als die bisherige Methode der bloßen Abschwiuhuii}; der Wahrheit. U}1d so ist mau denn zur Otfe.isive itbergcgangcii: nicht die Polen haben die Juden massakriert und ungeschlagen, sondern — o heilige Einfalt! die Juden selbst! Das schien den Polen wohl eine ״großartige" neue Taktik. Aber auch sie scheint bereits, als niclit besonder:, verfänglich, allmählich in (len Hintergrund zu treten. Man beginnt zu erkennen, daß man die geistigen (v)ualitäten nichtpolnischer Politiker zu niedrig eingesehätzt hat. 111 verbissener Wut greift man nun zu dem Mittel des rabiaten Verbrechers: man will dem Juden den Mund stopfen, auf dalt die Welt auihöiv, von den polnischen < ireueln Kenntnis zu erhalten. Mau droht von polnischer Seite, dalt neue noch gewaltigere V erbr e c ft e n a n den J u d e n a 11 s g c ii b t w ii rden, wenn die jüdische Oeffcutliebkeit sich niclit sofort entschließt, über die Vorgänge der letzten Wochen zu schweigen. Wir Miid überzeugt, dalt auch dieser neue robuste Feldzug der polnischen Behörden sieh rasch überleben wird. Denn welches Kulturvolk konnte für diese Methode der rohesten Vergewaltigung . auch nur einen!־unken Verständnis aulbringen? Aber laut und eindeutig müssen wir cs - ausspreclieu: die polnische Drohung kann aul unsere Pflicht, der Welt die Wahrheit über die polnischen Judenpogrome zu verkünden und sie zum Einschreiten aufzufordern, nicht den geringsten Einflult ausüben. Wir werden iortfahren, diese unser Pflicht gegenüber unserem Volk und gegenüber der Menschheit treulich zu enülien. Das polnische Attentat auf die primitivsten Menschenrechte kann und darf nicht totgeschwiegen werden. Freche Ableugnung und Drohung der polnischen Liquidationskommission Die ״Ostraucr Z c i t u n g" vom 28. November meldet: Krak a u , 27. November. Die Polnische Liq u i d a t"i o n s k o m m i s s i o n sandte an die poln i s c 11 e G e s a n d t s c 11 a f t in Wien zwecks Weiterleit u 11 g a U die E111 e n t c - und neut r a 1 e 11 M ächte folgende Erklärung: Die P o 1 n i s c h c L i q u i d a t i o n s k o m 111 i s s i o n verweis! darauf, daß die tendenziös seitens der jüdischen Nationnlrate sowie der jüdischen Presse verbreiteten Nachrichten über die angeblich planmäßig in Westgali/ien veranstalteten Judenpogrome im Höchsten Grade die polnische Nation provozieren (!). In G a 1 i z i e 11 11 e r r s ch t überall Ordnung (!). Hie und da (!) auftretende Unruhen sind unabwendbare Folgen desselben Banditentums, welches in größerem Umfang in ganz Ungarn und Slavonicn, in gleichem Maße auch in ganz Oesterreich, Deutschland, Böhmen und Mähren auftrat. Die jüdische Presse verzeichnet zwar Nachrichten über jüdische Pogrome, weiche anderswo stattfinden, führt jedoch eine internationale Verleumdttngsoffensive ausschließlich gegen Polen. Das Verhältnis des überwiegenden Teiles der Juden in Preußen zu der ehemaligen österreichischen Regierung ist zu gut bekaum, um es nicht zu verstellen, in wessen Interesse die jüdische I י resse arbeitet (!). Die Polnische Liquidationskommission ersuchte schon die Entente um Entsendung ihrer!}elegierten nach Polen, '״eiche sich über die Wahrheit und den wirklichen Tatbestand an Ort und Stelle überzeugen können. Die Polnische Liquidationskommission ,sieht sich jedoch genötigt, schon heute zu erklären, daß, falls die jüdische Presse fortfahre 11 wird, Polen ungerecht weiter vor der Welt zu v e ii c u nt den, die polnischen Behörden außerstande sein werden, die Herrschaft z. tt behalte n. geschehen, I e tt nt d tt tt g e n u b e r (I i e a u f g c r e g t c n M n s 6 e n Es könnte dann wirklich das was in 110% verbreiteten Verl e n 111 at teu Ist. Diese Erklärung der 1‘olnischen Liquidationskom• ■mission stellt den' Gipfel der Unverfrorenheit polnischcr Verdrehungskünstc dar. Die In ihr enthaltene offene Drohung zeigt, daß alles angewandt werden muß, um zu verhindern, daß die Polen neue Schlachtungen unschuldiger ,Juden vornehmen. Ab- I lir P o s e 11 e r polnische Zeitung ״P oste p“ setzt dem ״Bericht" der Polnischen Liquidationskommission die folgende unverschämte Lüge voran: Die Einzelheiten über die jüdischen Pogrome In Galizien, um derdwiile» die jüdisch-nationalistische Presse solchen Alarm geschlagen hat, beginnen sich allmählich aufzuklären. Wir glaifben, daß die Aufdeckung der eigentlichen Ursachen und Urheber den Initiatoren der anti-polnischen Hetze weniger angenehm sein dürfte, besonders wenn die Welt erfährt, daß die Pogrome in Lemberg Juden veranstaltet haben. Rechtsschutz Ein Drohaufruf des Lemberger polnischen Kommandos I>ie ״Ostraucr Zeitung" von! 28. November berichtet: Lemberg, 27. November. (E. L>.) Das pol- 11 i s c 11 e Koni m a n do in Lemberg' verlnutbart folgenden A 11 f r u f a 11 die jüdische Bevölkerung: Im Laufe des dreiwöchentlichen Kampfes um Leinberg hat der überwiegende Teil der jüdischen BevöLke• rung mein nur keine Neutralität (!) gegeiiülK'r den polnischen Truppen bewahrt, sondern mehrmals mit der Waffe (!) Widerstand geleistet und in verräterischer Weise tlas siegreiche Vorgehen unserer Truppen aufzuhalten versucht. Es wurden Fälle von Beschießung unserer Soldaten aus dem Hinterhalte, der Begießung derselben mit kochendem Wasser und von Angriffen auf Patrouillen mit Acxten testgestellt. Das polnische Komiuandn will jedoch die natürliche Bewegung der polnischen Bevölkerung und der Soldaten a u 111 a 11 e 11. Alle Bürger ohne Rücksicht auf die Konfession wurden unter den Rechtsschütz gestellt, in dieser Hinsicht wurde bereits eine Verordnung über standrechtliche Bestrafung erlassen. Nichtsdestoweniger lastet auf der jüdischen Bevölkerung die ernste Pflicht der Mahnung an jenen Teil ihrer Glaubensgenossen, welcher auch weiterhin so handelt, als oh er über die ganze jüdische Bevölkerung• eine in ihren Folgen unabsehbare Katastrophe 11craufiveschwaren wollte. Das Kommando der polnischen Armee hofft, daß die jüdische Bevölkerung der Stadt Lemberg in ihrem eigenen Interesse ihre Glaubensgenossen vor Aus b r ü c 11 e 11 des Hasses gegenüber der polnischen Regierung warnen wird, und durch loyales Verhalten den Behörden sowie dem übrigen Teile der Bevölkerung die Aufrechterhaltuiig der Ordnung ermöglichen wird. ■ Vor neuen Exzessen? Das ״Prager Tagblatt" vom 1. Dezember berichtet: Die polnische Regierung hat die Hilfe für Lemberg und die Vorkehrungen gegen eine Wiederholung tlcr Unruhen zugesagt, man traut ihren Worten a b er u u r w e n i g. Die Juden von St a n i s 1 a u , das ebenfalls bald in die Hände der Polen fallen dürfte fürchten, daß ihnen ein Lemberg bereitet wird. I n Lemberg sagen die Legionäre offen, daß 11 u 11 die J u d e!1 v 0 11 Win 11 ij< i (eitlem Städtchen östlich Lembergs) drankom m cn sollen. Einer Ber- ״er C, L.-Depesche zufolge begibt sicli zur Untersuchung der Pogrome in Galizien in den allernächsten Tagen eine amerikanische Kommission aus Bern nach Lemberg. * ab Dr. Jacobson tmcli London abgereist Das Kopenhagen er Zionistische Büro teilt mit: Dr. Victor Jacobson, Mitglied des Engeren A k t i o n s kotn 1- Leiter des Kopenliagcncr Btfsich nach London begeben, , t e e s ros, tt n d hat Erlaß ist so Die •künftigen Rcprasentantenwahtcn Nach einer Verordnung der Rcicbsrcg.cruitg vam 12. Nov. 1018 haben in Zukunft die Wahlen zu allen öffentlichen Körperschaften nach dem allgemeinen, gleieben, deckten und geheimen Wahlrecht liir Männer und Frauen, die (las 21), Lebensjahr erreicht haben, unter Zugrundelegung der Verhältniswahl zu erfolgen. Durch diesen Erlaß ist in den jüdischen Gemeinden das plutokratische System, gegen das wir Jahre lang erbittert gekämpft haben, mit einen! Schlage beseitigt. Denn daß die jüdische Rcpräsentanteiivcrsammlimg eine Körpcrschaft des öffentlichen Rechtes ist, braucht nicht erst bewiesen zu werden. Intercssnnterwcise scheinen mm die. bisherigen Machthaber diese offenkundige Tatsachc in Zweifel zielten zu wollen, obwohl sie bisher den behördlichen Charakter der Gemeindeverwaltung mit erfreulicher Energie zu betonen wußten. Sic suchen nach einem Mittel, den drohenden Zusammenbruch ihrer usurpierten Macht noch im letzten Augenblick abzuwenden. Es wird ihnen wenig helfen, da die Logik der Tatsachen eine zu deutliche Sprache spricht. Selbst wenn die Regierung erklären sollte, daß der Kirchengemeinden nicht im Auge gehabt habe, es doch gänzlich ausgeschlossen, daß in Zukunft Wahlen stattfinden könnten, an der tcilzunehmcn nur die Steuerlcistung berechtigt. Da die Aufsichtsbehörde die Wahl zu bestätigen hat, würde sie einem von der Reichsregierung proklamierten Grundsatz widersprechen, wenn sic eine solche Wahl für gültig erklärte. Es kann also nicht zweifelhaft sein, daß — in Preußen — das Ministerium des Innern in absehbarer Zeit eine Ent* Scheidung darüber wird treffen müssen, ob die Be- Stimmung des Judengesetzes von 1817, die die Wahl- Berechtigung von der Steuerleistung abhängig macht, noch zu Recht bestellt. Wir sind der Meinung, .daß der betreffende Paragraph schon d||{־ch den Erlaß vom 12. November außer Kraft gesetzt ist und empfehlen den Gesinnungsfreunden im ganzen Reich folgendes Vcrhalten: Wahlen, die seit dem 12. 11. stattgefunden haben; sind sofort unter Berufung auf den Erlaß vom 12. 11. 18 bei der Aufsichtsbehörde anzufcchtcn. 2. Gegen ausgeschriebene Wahlen ist unverzüglich bei der Aufsichtsbehörde Beschwerde cinzulcgen mit dem Antrag, die Abhaltung der Wahl zu inhibieren, bis die neue Wahlordnung cingefülirt ist. 3. Die Gemeindeverwaltungen sind aufzufordern, unter Hinzuziehung aller Parteien die Satzungen der Wahlordnung im Sinne der für die Wahlen zur National- Versammlung getroffenen Bestimmungen schleunigst abzuändern. . 4. Die bisherigen Repräsentanten werden ersucht, nach Durch füll rung der Satzungsänderung sämtlich ihre Aemter nicdcrzulcgcn. Int einzelnen ist darauf zu achten, daß die Wahl- Vorschläge gebunden sind und daß eine Gruppe von Wahlvorsdtkigen zu einem Wahlvorsehlag vorbunden werden kann. Der Wahlvorsehlag ist gebunden, d. h. die Reihenfolge der Kandidaten! kann durch Praktiken der einzclncn Wähler nicht abgeündert werden. Es wird überall minderbegabte und querköpfige Leute geben, die gerade an den führenden Persönlichkeiten, etwas auszusetzen haben und deren Namen streichen. Das ändert nichts an der Gültigkeit der ganzen Liste, - so bestimmt es die Wahlordnung für die Nationalversammlung — wenn auch nur ein einziger Name zurückbleibt und kein N einer anderen Liste entnommen ist. Der Kandidat amc wird Das Verwalt unßskomitcc für den Kongreß der anterikanischen J!den hat beschlossen, am 15. Dezember den Kongreß nach Philadelphi ג einzuberufen. ' 1 Block über 40 ״;« wir an, es seien servative Stimmen wären nach dem I I l V. V■ t 1 7 ־ 1 i I also unter allen Umständen in der Reihenfolge gewählt dm 1m Wahlvorsehlag festgeiegt ist. Ls leuchtet ohne weiteres cm, daß die Gebundenheit des Wahlvorschhgs. gerade für uns Zionisten, die wir häufig auf Korn. promisse mit anderen Parteien angewiesen sind, von ausschlaggebender Bedeutung ist. Die Erfahrung hat gezagt, daß das _ Endergebnis für ■uns häufig anders ausfid, als es beim Eingehen des Bündnisses vorausgesetzt wurde. Beim gebundenen Wahivorsclila״ ist es ausgeschlossen, daß wir durch die beliebte Methode des Streichens um den Erfolg gebracht werden. Mehrere Wahlvorsdilagc können zu einem Wahivorschlag verbunden werden. Die Bedeutung dieser Iki im. mung sei an einem Beispiel auseinandergesetzt. Beiden Berliner Wahlen erhielt 1010 der konservative der abgegebenen Stimmen. Neimen damals 6000 liberale und 4000״ konabgegeben worden. Bei 10 ״Mandaten Verhaltmswahlrecht 6 den Liberalen,