Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIII (1918)
- Issue
- Heft 52 (6.12.1918)
- Date
- 1918-12-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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A'.'Kj >11 75• •,־!11 sdirint wodientl. um 1'11‘iur׳. .‘Uionnement he! der Expedition und bei allen l,.1et;imtern vlerteljährl. Mk. 4.50 in l>ents.chland, in Oesterreicli-Une-arn Kr, 8, — , im Ans!nnd Mk. (.,50 jf Nummer 52 Berlin, den 6'. Dezember 1918 f\\ Tel;:־),:an: Amt Uliland ß.'.S, 816. Po»Uchcc!;k״nto: Berlin Nr. 17392. 1'iirÖc I•'., IC. Pc,1»rkcn:5rnt Srlieekkonto Nr. 156030. Anzeigen die secJiegeppalt?,eile oder deren Raum 60 Pf. Tcufiru1*j:sxusrWa??•' %. Rednklio11!!r.d1Iuö Dien-. 3.. Tficbctli 5079 2 nua-.ra I XXUL Jal1r;;ang Das zionistische Kongreßprogranni Dii• Zionistische Vereinigmig für Deutschland \,1tr!lt für den Kongreß, der alle in Deutschland wohiii'iideii Juden umfassen soll, die im Bewußtsein di rer /.ngc•hörigkeit zum Jüdischen Volke an der L111־\vi.'kelu110 eines lebendigen Judentums mitarpein ii wollen, folgendes Programm; 11;,| <ו.i'!ti11a als nationale Heimstätte‘ für das jüdische Volk. h) Tatsächliche Durchführung der vollen Cileichberccltligimg der Juden in allen Ländern. , ) Nationale Autonomie für die jüdische Bevölkerung der Linder der jüdischen Massensiedlung sowie aller anderen Länder der Welt, deren jüdische lkvölkc* runß Anspruch auf sie erhebt. i) Bcsoiliguiig’iillvr Ausnahmebestimmungen gegen ausländische Juden, insbesondere sofortige Aufhebung der in Deutschland bestehenden, Grenzsperre gegen die Juden. •1 Umgestaltung des jüdischen Lebens in Deutschland in tlemokratischem Sinne und national-jüdischem (leiste. Wir fordern Palästina als nationale Heimstatte für das jüdische• Volk. Die Judenheit der ganzen Welt hat sich für diese Forderung eingesetzt. Sie ist von allen in Betracht kointuenden nichtjiUlischen Faktoren anerkannt worden. Die Erklärungen der englischen, französischen, italienischen Regierung lind des Präsidenten Wilson, die Kundgebungen des britischen Labour-Party, der sozialistischen Partei in Frankreich, der Konferenz ■Jer Sozialisten der alliierten Länder, der ukrainiseben So/inklemokratic Österreichs, der sozialdemokratischen Arbeiterpartei in Schweden und Dänemark, das Friedensmanifest der neutralen Länder, di.׳ grundsätzlichen Aculkrungeii von Vnndcrvelde, Huysmans, Troelstra, Jean Longuet und Albert Thomas sind in unser aller Lrinneruiig. Wir verlangen jetzt von allen Juden, die die Einheit des Judentums anerkennen, die fühlen, daß alle lebendige Entwickelung des Judentums nur von dem großen, unteilbaren jüdischen Volke ausgehen kann, daß sie diese Forderung nicht nur alterkennen, sondern auch mit allen Mitteln für ihre, Verwirklichung arbeiten. Keilte Regierung kann ins Palästina schenken. Gibt man uns die na- ‘iouale Heimstätte für unser Volk, dann erst werlen wir unser Recht auf Palästina zu erweisen '.iahen. Erlösen wir das Land durch unsere Arbeit, erwachen wir dort zu neuer Leistung, dann wird Palästina unser sein. Versagen wir, dann wird keine Mächt der Welt bewirken können, daß Pa- . istiua wirklich Erez Israel wird. Annahme unserer iimicrungcu bedeutet Mitarbeit; wie alle unsere Dmienmgcn sieh dadurch auszeichnen, daß in ihnen die Kraft der Wahrheit durch unmittelbare Vcrwirklidumg wirksam wild. Gleichberechtigung! 111 unserem Munde muß das Wort einen neuen Sinn erhalten. Die deutschen Juden sind bisher vor allem für die Ulcieliberechligung in Deutschland cingetrcten. Wir können uns der Gleichberechtigung nur freuen, ־.vciiii es kein Land der Welt mehr gibt, in dein sie den Juden versagt wird. Wir fordern aber auch eine andere Art von Gleichberechtigung. An einer Gleichberechtigung •der Juden, die den nichtjüdischen •Staatsmännern vor 100 Jahren vorgcschwcbt hat und mit der di!• deutschen Juden bisher ־zufrieden waren, ist minichts gelegen. Noch heute will das deutsche Judentum gleichberechtigt sein um den Preis der Aufgabe seiner Zugehörigkeit zum jüdischen Volke. Mit (innißtmuig begrüßt der Verein zur Abwehr des Antisemitismus (Nr. 22 und 23 der Mitteilungen) die Erklärung der drei Verbände, in der die deutscheu Juden als ״unablüeücher Bestandteil des deutschen Volkes“ erklärt werden. ״Wenn die jüdischen Nationalisten vor lauter Sehnsucht nach Zion cs hier nicht mehr aushalten können, so sollen sie gefälligst den Staub von den Pantoffeln schütteln t״Kj n״ch Palästina auswandern; cs wird ihnen niemand eine Träne nachweinen. Aber hier 111 iXutschiaml einen ״Staat im Staate“ zu bilden, w'1e das H!;rr Dr. Paul Natlian in einem ausgc- «iciiiivten Artikel der ״Voss. Ztg.“ des ־ näheren dargvlegt hat, heißt nichts anderes, als■ den Antiseinjtisjmis, verewigen. Und dagegen sollten alle daitscliempfindendcn Juden ganz entschieden Front machen.“ Für uns ist die Forderung der Gleich- Berechtigung gleichbedeutend mit der Forderung ״Der Zionismus r.״:.*rc die Schaffung einer i'.ifcxii Hclmstdtie In Palüallr».־.." ::.s i.T c, ich-rcc/i , jLClsd'.c Volk Ick;,,cslcacrfc :lei Pror’.Tawirn. der Anerkennung .unserer jüdischen Art. Gleichberechtigt fühlen wir uns dann, wenn wir hier und in allen anderen Ländern als Juden so leben können, daß wir schrankenlos unser jüdisches Leben nach unseren Wünschen regeln dürfen. Wir, die wir Achtung vor allen anderen Menschen und ihrer Art haben, verlangen, in unserer jüdischen Eigenart als gleichberechtigt anerkannt zu werden. Deutschland wird uns diese Gleichberechtigung nicht mehr versagen können, nachdem heute offenbar geworden ist, daß die Stärke, das Glück und die Zukunft Deutschlands davon abhkngcn, ob man lernen wird, ohne Ueberhcblichkcit Fremdartiges zu verstellen und mit dem Respekt zu würdigen, den man vor den Besonderheiten jeder schaffenden Gemeinschaft haben muß. Der Kampf um die wahre Gleichberechtigung beginnt somit erst jetzt. (Durch Aufgabe der Einheit des Judentums, durch ständige Rücksicht auf die Feinde des Judentums, durch Kampf gegen das nationale Judentum glaubte man von den andern als ein ״nur durch die Religion gekennzeichnetes Glied des deutschen Volkes“ anerkannt zu werden. Diese Politik ist vo völlig zusnmmeiigebrodien, daß Angst und entsetzliche innere Unsicherheit das politische Leben der deutsehen Juden kennzeichnet. Warum hält man es sonst für ein Unglück, daß so viele Juden in der neuen Regierung sitzen, die doch nach der Theorie des Assimilations-Judentums als deutsche Männer in nichts vom deutschen Volke unterschieden sind und so das Recht haben müßten, die Geschicke ■ des deutschen Volkes zu lenken? Man war doch bisher immer stolz, auf jeden Juden in hervorragender Stellung, war glücklich über den Rescrveleutuant und jede Auszeichnung? Sind wir;aber als unablöslichc Glieder des jüdische n Volkes gleichberechtigt, dann haben wir in Deutschland unsere 1> Platz, von dein uns niemand verdrängen kann. Für die freiheitliche Entwickelung des deutschen Volkes ist es eine unerläßliche Aufgabe, diu Juden diese volle Gleichbercchtigutig zu geben. Das ganze jüdische Volk wird darüber wachen, und für die ganze Welt wird die Behandlung /der jüdischen Forderungen ein Maßstab sein, ob wahre Freiheit in Deutsch- Und herrscht, oder ob man immer noch das Gerinnuisieren für ein guus -Mittel der Politik hält, durch die Elsaß-Lothringen, die polnischen Lindesteile und die dänischen Gebiete dem (kutschen Volke entfremdet worden sind Jüdisch es Leben, jüdische* Erziehung sind erst gewährleistet, wenn diese Gleichberechtigung erkämpft ist. In den Ländern, in denen die Juden iif Massen wohnen oder in denen das jüdische Leben reich genug entwickelt ist, wird die Forderung der Gleichbereclitigung zur Forderung der nationalen Auto n o in i e werden. Für eine voll ausgestnHete imffemle Autonoiiiie fehlen in I)e11i;:chland die zahlenmäßigen Voraussetzungen. ,Wo aber Juden in Mausen 1מ• sanuueii wohnen, da müssen sie, וחוו allen Aufgaben des jüdischen Lebens gerecht zu werden, um ihre sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse in ihrem Sinne regeln ־zu können, auch eine politis’chc Einheit bilden. Auf des freie Recht der Selbstbestimmung in allen die Juden betreffenden Angelegenheiten können wir ebenso zichten wie alle andere:! Voll in Deutschland haben daher jüdisehai Atitonomicfordcrar 1. ־ ■ '.grupp en. וו: friedliche Kuiturcntwvczcsuiig gesichert, wenn an Steile ci tion von Unterdrückern alle in gleicher Liebe die all־ fördern, an der sie um ihrer t sind. Die Forderung der B A us 11 a 11 me ge setze bc:'r Dennoch muß sic au di <'r.1 hoben werden, da er; vcr•;‘; mit innerer Gern;',״:’.tag di Zuzuges von O.vlirLsg. Unvergessen d'o i• die Ostjuden, mit ce.s1;.״ m; c; 1!>i iit 1er Ire v<; Die Juden fgabc, für alle :־.:;:treten. Die :/all erst dann mcbciiden Na׳-;er des Staates :Ina Entwickelung t willen interessiert Ml rr ',.irr in :1 g aller :׳;rihiuung. ,;.:־״über erc gibt, die :!.seit des cl 1r.cn 1;1nn meint Männer “und Frauen' zionistischen Theorie durch die Religion geeint Dt, vom Wahlrecht zu den jüdischen Kultusgemeinden aiisschliclkn wollte, deren Aufgabe im Sinne unserer Gegner doch eine ausschließlich religiöse ist. Noch besteht die Grenzsperre. Für diese Schmach, die man dem ganzen jüdischen Volke, die man «ns angetan hat, muß uns Genugtuung werden. Wir wollen lebendiges Judentum in Dcutschlan d. Widerspricht diese Forderung unserer zionistischen Erkenntnis, daß nur in Palästina die schöpferischen Kräfte des jüdischen Volkes voll entwickelt werden können? Es gab eine Zeit, Ln der man glaubte, daß das Galuth rettungslos verloren sei, daß cs •zwecklos sei, den Versuch zu machen, das Judentum außerhalb Palästinas zu verlebendigen. Gibt cs auch heute noch einzelne Theoretiker die jede Galutharbcit verwerfen, so hat sich doch ganz allgemein die Uebcrzyugung durchgesetzt, daß die schöpferische Leistung des wieder auferbauten fcrez Israel mit einer von jüdischem Geiste erfüllten Diaspora verknüpft sein muß. Je stärker das jüdische Leben •sich in den Ländern entwickeln wird, um so tiefer wird die zionistische Notwendigkeit erkannt werden. Eine jüdische Autonomie in irgendeinem Lande der Welt wird niemals die Anomalie des jüdischen Lebens ganz beseitigen können. Sie wird nirgends die Juden so befriedigen, daß sie durch die jüdische Entwickelung in ihren autonomen Verhältnissen saturiert sein könnte, ln unjüdischcr Sphäre wird der Zionismus nur als ein Erfordernis gedank- . lieber Konstruktion oder eines primitiven Instinkt- Verlangens beginnen. Aus jüdischem Leben wird er als notwendige organische Fortsetzung erwachsen. DaS Galuth muß an der Entwickelung Palästinas zum wenigsten rezeptiv tcilnchmen könneu, wenn vir überhaupt auf eine dauernde Vcr- Stärkung unserer Siedlung durch das Galuth reell ne n wollen. So Ist ja auch bisher die zionistische Bewegung in unvergleichlich höherem Grade durch das östliche als durch das westliche Judentum getragen worden. Ist es doch auch für ,einen Zionisten, der nur kurze Zeit noch vor seiner Ucbc!*Siedlung nach Palästina in Deutschland vcrweilen will, unmöglich, hier auf die Betätigung seines Zionismus durch Verwirkiichimg seines jüdischen Lebens zu verzichten. Vor allein aber glauben wir, eine wirkliehe Nationalisierung des deutschen Judentums könne erfolgen, wenn wir die objektiven Voraus- Setzungen für jüdisches Leben in Deutschland schaffen. Sollten uns auch weite Kreise der alten Generation für immer verloren sein, so darf die Jugend nicht dein Zufall einer persönlichen jüdisehen Beeinflussung überlassen bleiben. Sie muß in Deutschland ein jüdisches Leben vorfinden, daß in demokratischem Sinne und in’nation al - j ü dische m Geiste mngcstaltet ist. Mit dieser Umgestaltung wollen wir heute durch die Aufstellung unserer Forderung beginnen. Gegen das ■zurcchtgemnchte System von Judentum und GaiiciiKleleben haben die antinationalen Juden in da Praxis schon oft in bemerkenswerter Weise verstoßen: Ausländischen Juden wollte man das Wanirccht nehmen, jüdisch-nationale Turnvereine erhielten keine Turnhallen, alle jüdischnationalen Bestrebungen wurden offiziell von jüdischen Gemcinden bekämpft. Kann man aber gegen uns Stellung nehmen, so kann nian doch auch für uns einrcten. Es ist eben trotz aller Zerstören ,.;versuche “re.f gc,1״n׳11:)״ dcr jüdischen Gemeinde den Cbarakter, den sie während der ganzen Geschichte des Judentums bis auf die Zeit der Emanzipation imm?r י״״"1״״ ״ ■׳• <*» a״1> ׳>*״ VX Die jüdisclic Gemeinde unserer- Zeit wird w!« er iremvkmteiCnt-nK und N־dionalkicamjr wieder ^1r Volksgememdc werden und so ■JT ״<ז" ד•^־<;"!cb״ld‘^n Judentums, '־ 1 1» ,ll,1־VireJ״ Ffogranun für die jüdische Ar beit m Deutschland seien hier־ die Fordcm״^״ von grunibatzlichcr Bedeutung genannt: ' dcmokrrdisc^^חG^mUiag^LVfg4alT1דilD<:^, h* ist durch Verordnung der