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Jüdische Rundschau · 1918-11-22 · Heft 48 (22.11.1918) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIII (1918)
Issue
Heft 48 (22.11.1918)
Date
1918-11-22
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Kiclcvr 5&7§ Ätrtsa E | XXIII• je Stta fca PäISbI£3a. ״Cacclosr Fro; U. h n' U!! v LrVV 1 י יי Xe J ii־..;j 33 bi J;, ), j. 30?Ni ,•:־'. 5• Vr t>;1 >\G| t’g-V. I* 1.1 l.bi;7.ül -־.0. 17 -3 if er- .Ü — lü-. ג:מ41 •am, 0 - )0.- aovr• wiU, Fräs 1v. ia; ,d11 ׳• Vliä ־, ftr.n- 10 r>; c-'in• .ob.)• ‘(bb rl ׳ 8!■;׳. 1• r li — w u a י . r ן );! \ I! I j '! 11 11 \js '4־J3 U ־; /Xi b.:3/ tl I{ jLk JwL XX׳jLJ*d4 «NC 1״״. icr!mer Die Saat der jahrelangen wohlorgnnisierlen polnisdicn jmlenlietze ist aufgegangen, ln ganz Weslgalizien .sind (.!je jüdische« Wohnungen und Läden Trümmerhaufen und ihre Besitzer Bettler, viele von ihnen mit gespallenem Schädel über Asciicnliaufcn ihrer verbrannten Habseligk eiten ausgebreitet, andere mit wundenbedecktem . Körper dem nächsten Pogrom entgegenzitternd, der auch ihr nacktes Leben vernichten wird. Frauen suchen mit dem letzten — wohl aus Vorsehen ganz gebliebene« Kochtopf den Brand zu löschen, der ihnen den Rest ihrer ,Wohmmgseinrichtuiig vernichtet. Zclnitauscndc von Flüclillingen, Greise, Frauen und Kinder, ziehen, heimatlos geworden, in langen Reihen die Landstraßen entlang dm grollen Städten 7.u, um dort wenigstens ihr bloßes Leben vor den Verfolgern zu retten. Und schon hat die Pogrombewegung auch auf Kongreßpolen selbst übergegriffen. Aus dem wenigen, das durch die Presse und Privatpersonen aus den Ereignissen der letzten Tage bekannt wurde, ist zu entnehmen, daß die Kongrcßpolen den Ehrgeiz besitzen, ihren galizischcn Brüdern in nichts naclizustchcn. Polnische Bauern, Soldaten, Legionäre, Stadtwoefien haben die Judenpogrome veranstaltet. An vielen Orten nahm die gesamte einheimische Bcvölkenmg, sei es durch Verrat, sei es durch eigenhändige Mithilfe bei Totschlag und Raub teil, und nicht selten hat auch die polnische Intelligenz und Geistlichkeit nicht nur alles ruhig geschehen las. e» - das war die Regel sondern die Führung übernommen. Vollkommene Wchrlosmaclmng der Juden war die allgemeine Parole. Wo der Widerstand der jüdischen SelbsUvchr der Mörder nnd Räuber hätte Herr werden können, (Wurden die Juden zuvor durch die Legionäre oder Kommänderten auf die heimtückischste Art, unter schämtose« Vorwänden, entwaffnet, um die Plünderer vor jeder Lebensgefahr zu behüten. Man hat sich gewöhnt, das raubende Geriifdcl mit dem Ausdruck ,,Mob“ zu bezeichnen und will damit andeuten, daß nur der Auswurf 4er menschlichen Gesellschaft sich an solchen Plünderungen und Morden beteiligen kann. In Westgahzien liegt der Fall anders. Es haben sich große Teile ganzer Bevölkerungsschiclitcn an jüdischem Gut 1u1d jüdischem Leben vergriffen. Die Novemberpogrome in Galizien sind ein Schandmal *ui der Ehre des ganzen polnischen Volkes und verlangen Genugtuung! ln der Geschichte dieses Volkes wird es mit feurigen Buchstaben stehen: die erste Tat des wiedererstandenen Polens war Judenmord und ־Plünderung. Nicht anders konnte dieses Volk den Tag seiner neuen Freiheit begehen, als indem es Leben und Gut eines anderen unter ihm lebenden Volkes der mutwilligen Vernichtung preisgab. Aber diese Feststellung genügt nicht. Noch ist das Schicksal Polens nicht endgültig entschieden. Noch kann seine Zukunft abhängig gemacht werden von seiner .Würdigkeit, ein freies und unabhängiges Volk ttu sein. Noch ist die Probezeit nicht zu 'Ende. Die Frage der Wiederaufrichtuiig des polnischen Staates wird die Friedenskonfeanz der Völker beschäftigen. Schon hat die englische Regierung den gegenwärtigen polnischen Machthabern *durch eine unzweideutige Erklärung zu verstellen gegeben, daß ihr Verhalten gegenüber fei Juden nicht gleichgültig ist für die Frage der polnischen ZukunfJ. Und dieser Meinung werden «Ich die Mitglieder des zukünftigen Völkerbundes ־sicherlich anschließen. Begreift es das polnische Volk noch immer nicht, daß die ,Welt in der Behandlung der polnischem Juden den Prüfdein für Polens politische -Reife sicht?. Ein Polen, Zionistische Vereinigung rbeiierparlei ״P001e״Zion :11 «fif #ו •5י w1iiiiiii'Liii Montag, den 23. November 1918, abends 8 Uhr Grosser Saal der Philharmonie, Bernburgerstrasse 22 23 Grosser Saal der Sophiensale, Sophienstrasse 16 •rx © 'CJ ‘ '־ ' ^#^,1 -.,atSr ■Jü 1 Redner: Oskar Cohn-Nordhausen Alfred Klee — Kurt Blumenfeld Julius Kaliski Heinrich Loewe S. Rubaschow — Nahum Goldmann das seine Juden plündern und totschlagen läßt, wird niemals zu staatlicher Selbständigkeit gelangen. Ein Volk, das nicht die Kraft, ja nicht einmal den guten Willen auf bringt, das Leben .seiner Mitbürger zu schützen, darf rieh nicht wundem, wenn ihm das innere Recht auf staatliche Unabhängigkeit aberkannt wird. ן ® j* ifcWÄ W r* Ul* ZQ. •־ ״N owy D 2 i & n n i k“ vom 14. November meldet: Heute trafen in Krakau die Opfer der Drzcskocr Pogrome ein. Die Pogrome ln Brzcsko erinnern an die Pogrome in Kiacliincw. Die polnischen Legionärc deren Pflicht cs gewesen wäre, die jüdTsche Bevölkerung vor de« Holigancn in Schutz zu nehmen, habai sich selbst, wie uns Augenzeugen bestätigen, nn den blutigen Pogromen beteiligt. Die Zahl der jüdischen Toten ist noch nicht festgestellt. Es steht fest, daß sieben Juden und ein Soldat den Martertod durch den verwilderten Mob erlitten haben. Augenzeugen berichten: Der Schutz ia Brzcsko setzte sich zusammen aus ehteT Abteilung von unter dem polnischen Kommando sichenden jüdischen Soldaten aus Krakau, die durch die jüdischen Soldaten der Ortschaft verstärkt wurden. Die Krakauer Abteilung, die aus 16 Leuten bestand, besetzte ia der kritischen Nacht vom H. auf den 12, November sämtliche Wege, die vom Dorf J a d0 vn i k, welches des Zentrum aller Pogrome war, in die Stadt führten. Gegen 11 ־Uhr in der Nacht näherten sich <lie Banden, bestehend a 123 Bauern und Soldaten, <11.; mit Gewehren ausgerüstet waren, der Stadt und verruchte!:, (lau Kordon der jüdischen Sol•* daten zu durchbrechen. Ec cr*t;i׳,mdf dae Schlacht, die bis zum Morgen dsucito. Einige der jüdischen Ss’sstcn wurden verletzt. Durch ihre tapfere Wehr wirvEn!■! Stadt ferngdiaüeii, D'; Aibr.it d;sr.: erst, a!3 <i as po! tu 3 c h C Z t a d i jüdische Miliz e r, t w a!» s e t Ein 'A u זןe;1 zeuge be.ichtci der Abwehr folg('::•:־::': Am Sonnabend cbc״׳l!!־.:;t D;־r־;~. Jung ' der 'jüdische:׳: c.J;::t::'.v־‘;r r,-j Kr. Stärke von 14 Leo2 C.h"i;:::ra1, der im Ort orf:.:1i׳' Am Montag, den; 11., t:•2: ־:״ i mit 6 l..cutx־n, d'e c1 3׳,׳' Auf Befehl der Patio;."Ts: 11'..'3׳ d. Patrouille foftkrle Be au", die V von der t k i vj . i _ f ׳ Uoligane begann or.1 raando die hr.Ue, i.,»s^r ccu Vcuauf ttc Abteiin einet 1:0 e :!:vj die l!r vereinigten. :!T eine Fuhre ownlk kam. :1 34t < i C <i ן 3 Uhr morgens herrschte Ruhe. Um 3 Uhr morgen# wurde gemeldet, daß aus der Richtung Jadownik eine bewaffnete Bande im Anzüge ist und auf die Leute schießt. Zugleich begann die Beschießung des Quartiers der Schutz, wehr. Auf Befehl des Unteroffiziers wurden alle Lichter ausgelöscht. Die Leute legten sich auf die Erde und verheilen unbemerkt da« Quartier. Sic zogen sich in die Stadt zurück. Von der Wache blieben nur 2 Soldaten und 1 Ordonnanz zurück, die die Bande umzingelte. Unter den Soldaten befand sich auch Rakowcr, der, trotzdem er die Waffe abgegeben hatte, mit dem Bajonett am Hals verwundet wurde, ebenso Brandstetter, auf den sich zwei Leute stürzten, die ihn an der Seite und am Rücken verwundeien. Ein dritter näherte sich dem Bewußtlosen und wollte auf ihn schießen. Er wurde von den anderen zurückgehaiteii mit den Worten: ״Schieß nicht, der hat genug." Auch der Soldat Finder wurde dabei verwundet. Eine Abteilung dieser Banditen, bestellend aus ungefähr 100 Buten, die mit Handgranaten und Oewehrcn be* waffnet waren, begab sich nach Brzcsko, wo sie mit der Abteilung der jüdischen Schutzwehr aus Krakau bis morgens um Q Uhr kämpften. Der Kreiskommandant, Dr. Cyga, der zur Ein- Stellung der Exzesse ermahnte, wurüe von der Bande umzingelt, die ihn zu erschlagen drohte. Die Gewehre waren schon auf ihn gerichtet, als aus der Menge der Exzcdcntcn sein Pimder hervorsprang und sich zwischen ihn und die Menge stellte. Dr. Cyga wurde durch den Mob gezwungen, zu geloben, ihm sämtliche Waffen auszulkfcrn — und dies rettete ihn. Auf Befehl des Dr, Cyga mußte die jüdische Abteilungdie Waffen abliefern. Jetzt konnte der Mob ungehindert rauben und plündern und jüdisches Gut nach Belieben vernichten. Die Schießerei dauerte den ganzen Tag. Der Berichterstatter verließ gegen Mittag Brzcsko und nahm die Verwundeten Rakowcr, Finder und Brandstetter mit sich. Rakowcr und Finder sind' in das Fcstmigsspital, Brandstetter in die Rettungsstation cingriicfcrt worden. Nach den Aussagen unseres Berichterstatter» falicbat auf der Stelle 1 Leichen der jüdischen Zivdbcvölkerun״ und ein Soldat. Der erschlagene Soldat hieS Wolf Rose eus Krakau. Die Stadt steht in Flammen. Der Mob plündert weiter die jüdische» Straßen Die Art, in welcher die Entwaffnung der jüdischen Soldaten vorgenommen wurde, ist oltne Cäqrid. Wie m״,n ij״s erzählt, kamen die polnischen LcGoriiro zu den Abteilungen der jüdischen Soldaten uetl erkürten Smxzn, een sie mit ihnen gemeinsam den Schatz der jtidea iPjcrnehatcn wollen. Die Legionäre tuJirtca die iütuscjien Soldaten an die Peripitcrk; der Stadt, wo

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