Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIII (1918)
- Issue
- Heft 47 (19.11.1918)
- Date
- 1918-11-19
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 370 Nr. 47 ihre Notwendigkeit für den Schutz der jüdhclu'ii klirressen entwickelte Dr. Gott lieb. Einstimmig wurde eine Resolution gefaßt in der u. a. gesagt wird: ״Zu• snmmeti mit allen Juden der gesamten Diaspora vercir.igen wir uns zu einer mächtigen Forderung: das jftdi* sehe Volk soll und 1m:ß als freies Volk aufgerichiet werden; Palästina soll und muß als Erez Israel, als das jüdische Vaterland anerkannt werden; überall, wo die Juden in großen Massen leben, insbesondere in Polen wallen und müssen die jüdisch-nationalen Rechte als autonome Grundlagen garantiert werden.“ Ferner wurde an ehe gali/ischc Judenhcit anläßlich ihrer Vereinigung mit den Polen ein brüderlicher Gruß entsandt und über• zeugend ausgesprochen, daß im Verein mit ihnen ״wir die jüdisch-nationale Gcmeinsdialt in Polen konstituieren und ihre repräsentativen Organe, die den Kampf um unsere nationalen Rechte im vereinigten Polen leiten, schaffen werden.“ Die Resolution protestiert dann gegen die Politik der neuen Regierung, die Interessen und Wünsche der Juden zu ignorieren, und fordert die jiidi• sehen Voiksinnssc» in Polen auf, einen Nationalrat zu schaffen, der geschlossen für die nationalen Rechte und die nationale Befreiung kämpfen wird. Zum Schluß wurde noch einstimmig folgende Resolution;tilgenominell: ״Am Jahrestage der Erklärung vom 2. November sendet die mehrere Tausend Teilnehmer zählende Volks- Versammlung einen Gruß an die Leitung der Zionistisehen Organisation, die einerseits die jüdischen Aiisiedlungsstätlcn in Palästina vor dem Untergänge gerettet hat, andererseits dagegen durch ihre Mitglieder Nahiim Sokoiow und den unvergeßlichen Dr. E. Tsclileuow eine Erklärung seitens der europäischen Westinärlilr erlangte, derzufolge das attweliüdie jüdische Problem mit der P.iLüsiinafragc zusaiiimciigesclilasscii wurde, wodurch die!•'rage der Realisierung des Zionismus auf die Tagesordnung der internationalen Politik gestellt wurde. In der Forderung der Anerkennung des jüdischen Volkes und der Schaffung einer Volkslicimsttäte in Pakislina vereinigen wir unseren Ruf mit der Stimme des allweh liehen Judentums. Wir ersuchen, der Pak'islitiakommissinn bezw. Dr, Chaim Wcitzmann unseren brüderlichen Gruß überjtu <JI fei ».. ׳ «U - L* W . i iV יי *3 (j>?*■־-- «'*• " *־־7r־1*t't~- f■ T % *׳*’ ״p 11» ־» si ,M & 4L* w %■» ■w.% tie ia Pallistma soll WirJdidb' ico Landest «^.1- ¬ז¬ ן |Mi VSV a..L |dcj־11 w«a: ciiio A1!.f gründete;•: teiligen,; Icboa viel ■ וי■"" 4 7• ,C i -.4t r Tat; ig einer Art der * jpZ4 «. J l־.C3 jua;!:csitaciil Iloloaia ia Palästina auf. E3 Ic dco letzte» Jahren ln die sich handelt sich nicht t!« and Amerika ge- Europa aliaien, die sich an einer palästincnaiachca Gründung henoch für Iäagero Zoit oder gar dauernd aaScrbalb PaEEtiaas V re »1H Ci■■׳ Juden v.'oiicu 71 v.. Kapital * d V'״ 4\V ג zwischen CO Mit ernotern manncs der von u.n \'7t *-iiCi. r5 Lj L* ■71!:.נוו:!׳ sie» jo Ic d;0 zu:• Leit rnü הכרז, mäadectona \70r ';r eines Jahres ai edea, die in allcrnucliotcr Zeit sich selbst, ihre Arbeitskraft und ihr r.aea und dort im Hauptberuf Landwirte werden wollen. Mit solchen 't ״Schaar Ja sch uw“ zur Gründung einer Kolonie bilden. Betriebe (Äckerbau und Pflanzungsbaa), deren Größe schätzungsweise bi.1 40 Hektar) schwanken dürfte, sollen in der Kolonie überwiegen. 7,0r im Laufe einiger Jahre unter Anleitung des hierfür bestellte■ Fachu;!g seinen Betriebes nötigen Kenntnisse aneignen. » jo!?sch GröOo und Butrieb&intcnsität ihren Besitzen, über ei■ Barkapital bis 120 G00 Marie verfügen. O.. r *1* י s**J WWv u'iil'c Ist, sich nach dicsia Grundsätzen mit uns in Palästina nicderzulassea und iss Laufe ,eil Erwerbung des Bodens der Kolonie überzusicdcln, nur der wende sich zwecks zurzeit Königsberg i. Pr., Weidendamm 22, oder aa eine« der weiterer Auskunft 2a Dr, W. Brünn, anderen Unterzeichneten.;ckc^skomltea •r.nrJcsn). Carl Mav/r iiaa Dr. W. Di? yos der Gesellschaft ״Schear Jaschuw“. Ric!1&rd Llclitiicim. Moses Marx. sky. »tna 9!asac!^2r? jfrr saufen zu wollen und •unsere Anerkennung für ihre Tätigkeit, die den Grundpfeiler des künftigen faden jüdischen Palästinas aufrichtet, zum Ausdruck zu bringen.“ ׳ Nach dem Meeting formierten sich große Dcmonstnitions/iige der zionistischen Jugend, die unter dem Klang zionistischer Lieder in den Straßen demonstrierte und überall von der jüdischen Menge mit Enthusiasmus begrüßt wurde. e t» 1ז r״ p f a Jsl in^ im. i» ,ד/ Eine jüdische Manifestation in Krakau Abdankung des Präsidenten der Jüdischen Kultusgemeinde. — Kundgebung für Dr. Os las Thon. Der in Krakau erscheinende ״Nowy Dziennik“ berichtet unter dem 7. November: Die ganze Judenhcit Krakaus strömte heule Vormittag auf die Straßen. 1111 jüdischen Viertel ruhte jede Arbeit. Der Arbeiter ging von seiner Weikstiiüe, die KauÜeiiie schlossen ihre Geschäfte, das ganze jütiische Volk von Krakau strömte in einer zwanzigtausendküpfigen Menge zu den Versa 111111 ־ ׳lungen. die die Zionisti sehe Organisation cinberufeu hatte. Aus Mangel an Raum in den Sälen des Jüdischen Theaters und in der jüdische!1 G c 111 e i 11 d e fanden auch einige Versammlungen u 111 c r freiem 11 i 111 in c 1 statt. Eine solche Einheitlichkeit der Front, eine solche Harmonie und entschlossene Haltung, einen solchen Enthusiasmus hatte die jüdische Gemeinschüft Krakaus schon seit langem nicht gezeigt. Der Veiiaul der Manifestation war folgender: Um 11 Uhr vormittags fanden gleichzeitig an 5 Punkten der Stadt Masse n versam m 111 ״ g c n statt. Es sprachen im ganzen 21 Redner. Im Saal des Vereins ״lisra“ sprachen: Dr. Wahrhaftig, Dr. Feld bl um, Lei st 11 er und Co 1111; im Saale des Jüdischen fh e a t c r s: Dr, Pilz er, Dr. Barth, Dr. Z i in 111 c r ־ m a 11 n; vor dem Jüdischen Theater; M i f c 1 c w , Ha Ipern, Freud, Marko wicz, Dr. Kren- .׳t c 1 um! Ir i e d b e rg; vor der K1111 u s g c in e i 11 <1 e: Dr. Bit 1 wa , Dr. PHze r, 1 >r. Lcse r, J)!■,' Hillstein, 1 >r. Schwarz und i! oc 11 d o r f. Unter noch ' nicht dagewcseiicni Enthusiasmus wurde in allen Versammlungen folgende Resolution angenominell: ״Die Versammlung der Juden Krakaus verdammt die für das jüdische Volk verderbliche Politik der gegenwärtigen K u 11 u s g e m e i n d e in Krakau, spricht dem gegenwärtigen Kultus Vorstand in Krakau das Recht ab, das jüdische Volk zu rcpräsenlieren mul verlangt den Rücktritt des gegenwärtigen Vor- Claudes und die Ausschreibung neuer Wahlen auf Grund des füiifkantigcn Wahlrechts innerhalb 4 Wochen. Bis zur Durchführung dieser Wahlen verlangt die Versammlang, daß der Vorstand der Kultusgemeiiide innerhalb 5 Tagen die Geschäfte »11 die Hände einer Delegation legt, die aus sämtlichen nationalen Parteien der Juden- , Delt Krakaus zusammengesetzt ist. Der hi herige Kultus- Vorstand muß zu einem jüdischen V o 1 k s r a t werden, der neben den bisherigen religiösen Ikdürfnissen auch die kulturellen und nationalen Bedürfnisse des jüdischen Volkes zu bcfriedigai baben wird. Das jüdische Volk gelobt, nicht za ruhen, bis an Steife des heutigen Kultusvorstamles eine würd demokratische Repräsentanz des d i s c 11 e 11 Volkswillens treten wird.“ Sämtliche Versammlungen wählten D c I c g a t i o - ne n aus Zionisten und P© n J c - Z i o n i s t h ״, die an der Spitze einer mehrtattsendköpfigen Menge sieh im Zuge zum Präsidium der Kultusgemeinde begaben, um ihm die Forderungen des Jüdischen Volkes voratge jütragen. Die Delegation verlangte vergeblich nach dem Präsidenten der Kultusgemeimle, Dr. Ti lies, der es nicht für nötig hielt, sich in diesem Augenblick im Sitzungssaal cinzufinden. Während die jüdische Delegation mit dem Vizeprüf,identen Dr. Raphael Landau verhandelte, manifesticrtcii die versammelten jüdischen Massen ihre Gefühle der unbedingten Opposition gegenüber den bisiicrigen Verwesern der Kultusgcmeinde unter enthusiastisehen Kundgebungen zu Ehren des Jüdischen Nationalrates, des freien jüdischen Volkes, einer freien jüdischen Heimat in Palästina. Ungeheuren Enthusiasmus rief die Entfernung und Zertrümmerung des Wappens der jüdischen Kultusgeincinde hervor, an dessen Stelle unter Absingen nationaler Gesänge und stürmischer Kundgebungen die blau-weiße Falijic gehißt wurde. Von der improvisierten Tribüne herab sprachen zu den Versammelten viele Redner, unter :,;■.deren Dr. Pilzer, Dr. Krengel, Dr. Schwarz und Henry Leser. Im Sitzungssaal fand inzwischen ein heißer Kampf zwischen der alten und neuen Richtung im Judentum statt. Als nach vielsUindigcni Warten die enthusiasmierten Massen mit der Einnahme des Gebäudes der Kultusgemeinde drohten und die Stimmung gegen Dr. Ti 11 cs und •seine Clique immer bedrohlichere Formen an nahm, sah Dr. Tiiles ein, daß er politisch bankrottiert habe und telephonierte, daß er alulanke. Die Kundgebung dieser Tatsache rief begeisterte Freude unter der zwan/igtruiscndköpfigeii Menge hervor. Die Delegation der national •jüdischen Parteien hatten den Sieg errungen. Folgende Forderungen wurden festgesetzt: 1. Dr. TiLlcs tritt zurück. 2, Innerhalb 3 'lagen hat der Kultus- Vorstand sich zu entschließen, ob er abdankt oder ob er durch Kooptierung einer entsprechenden Anzahl von Repräsentanten der national-jüdischen Parteien gemeinsatn mit ihnen in der nächsten Zeit die Reformen der jüdischen KtilUi gemdiide auf Gemüt des fünfkautigen Wahlrechts durch/.uführcii gedenkt. Nachdem dem ver.ia.ni'nreltcn Volke dieser Sieg verkündet worden war, bildete sich ein langer, feierlicher Zug, an dessen Spitze Offiziere Und jüdische Soldaten mit blau-weißen Falmen marschierten. Unter Absinguug national-jüdischer Lieder bewegte sich der Zug durch die Krakowr.kaairaüe und Stratlom, und als er’ sich der Gertrudstralic näherte, reizten sich erst die letzten Reihen vor der Kultusgemeiiide ia Bewegung, 111 impulsivem Drange wandte sich der Zug nach der Jaßnastraße zu dem Haus der, Führers der ziuniaiischcn Bewegung in Krakau, des 1׳r ä s identen tie.5 j üd isehen Nfltio- 11 a!raten, des t:l;i׳\vürdi־׳;e!1 Rabbiners Dr, . Osias 1 11 o 11. Iki der Ankimit de׳:. Zuges bildeten die jüdischen 1(111' O;1 Soldaten ein Spalier von 10 Volke, tlas in SVcr.d' ausbrach, sprach Dr, polnischer Sprache, die Erk'ämpfung eine auf uml erklärte, 1 vollen GlJclsbiweek bürgerlichen Pi'iek William Pcrlia. wandte eich der Zug zur sich, nach einer Ansprache streute. Dietlovvskastraße, «10 er Dr. Fcldbluma, *er- Reihert. Zum versammelten ג auf die jüdische Freiheit i» lidAibeacr, jidiccher und Gr ■1 Volk zur Arbeit für icn ״kk.iat in Palästina pohuadien Juden mit der in Polen auch die vollen :s״u;:ncn wollen. Danach Zur Demission des Präsidenten der!Wiener Kultusgemeinde Die Wiener ״Jüdische Zeitung“ «leklet: Der Kultuspräsident Dr. Stern hat dcmiMionierl. Wie wir erfahren, haben sich einige Herren aus dem Vorstand in Erkenntnis der Lage, die infolge des Volks- Zornes eine gewaltsame Störung der Verwaltung der Kultusgcmeinde befürchten ließ, wodurch die Existenz vieler Hundert Beamten, das Schicksal von wichtigen Wolilfahrtsinstitulionen gefährdet war, an den Jüdisehen National rat gewandt und nachdem eine Einigung über die Bedingungen zustande gekommen war, hat sich eine aus Kiiitusvarsfchern bestehende Abordnung zu Dr. Stern begeben, um ihn zur Demijsion zu bewegen. Die Herren wiesen darauf hin, daß der neuen Lage auch im Rahmen der Kultusgemeinde Rechnung getragen werden müsse. Präsident Stern erklärte hierauf, wenn auch unter großem Widerstreben, daß er dem Kultusvorstand die Demission unterbreiten werde. Die Sitzung des Kulluavorstandes hat Dienstag, den 5. November, stattgefunden. Die Demission des Präsidenten wurde init lü gegen oStimmcn zur Kenntnis genommen. Zur Führung der Geschäfte wird nunmehr ein Per* m a!1 e!1 z a 11 s s c 1111 ß eingesetzt, bestehend aus drei Delegierten des Ktiltusvorktandes und drei Dclegierten des jüdischen Nationalrates. Dieser Permanenz:!!! schuß hat folgende Aufgaben: 1. muß er einvcrstandiicli einen Präsidenten wäldca, welcher gleichzeitig als Präsident der Kultusgcmeinde fungieren wird; 2. obliegt dem Ausschuß die Ausarbeitung einer Wa 111 re f orrn in 11 cinok ra ti־ sehen! Sinne und Vorlage des Entwurfes innerhalb vier Wochen; der Kultusvorstand ist verpflichtet, den Entwurf gleichfalls innerhalb vier Woche״ zu verabschieden; 3. obliegt dem Ausschuß die Besorgung alter Agenden, welche sich aus der momentanen Lage ergeben. Seitens des Jüdischen Naiionalrates wurden in diese Kommission delegiert die Herren Dr. Josef Auerbach, Dr, Karl Po Hak und Dr. Leopold Plaschkcs. Diese drei Herren wurden mit der ausdrücklichen Be• Stimmung, daß ihr Amt ausschließlich die Permanenzkomtnission sei, in den Vorst!nd kooptiert. Wandel in der Berliner Jüdischen Gemeindeverwaltung? Am 19. November standen die Wahlen in die Rep rasentanz der Berliner Jüdischen Ge* meinde in Aussicht. Diese Wahlen hätten noch «ach dem alten, seit Jahren von den Zionisten scharf befehdeten Wahlrecht staltiinden müssen. Mit Rücksicht auf die Neuordnung der Dinge in Deutschland hat nunmehr eine Konferenz statt־ gefunden, die vom Vorstand der Berliner Jü־ dischen Gemeinde cinberufcn war und von Vcrtreten! der an den Wahlen sich beteiligenden Organisutionen beschickt wurde. Die Vcrhami• lungen leitete der Vorsitzende des Xlerlincr Gemeindevorstandes, Herr Geheimrat Stern; weiter war mit anderen Herren auch der Syndikus der Gemeinde, Herr J ustizrat L i 1 i e n t h a I anwesend. Von zionistischer Seite nahmen, an dieser Konferenz das Mitglied des Zentralkomitees Herr Dr. Kl«c und Herr Dr. Witkowsky teil. Vertreten war weiter die liberale Vereinigung, der ko«־