Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIII (1918)
- Issue
- Heft 44 (1.11.1918)
- Date
- 1918-11-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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u •v ׳. . f ' ׳ 7W7 I I f 1 ' ־ ץ 1 \ N; I i;■ ל־ J \ ' * ,*ייא^ 5 V v/ Reduktion und Verlag• ,Jüdische Rundschau, Berlin W. 15, Säthr.isd»« Strn&c ft. Er- *dicint wödientl. am Krcitnjr. Abonnement bei der Expedition und bei ״!Ln Pe.-iliimtcrii vierioSjührl, Mk. 4,50 in DeuUdilund, in Oestcrrcidi-Ungarn Kr, 8,—, im Auslnml Mk. 6,50 Nummer 44 Berlin, dsn 1. November r! ־־'..ב ׳* ז־ . - — t Art UhLnd S45, Ö46, Postsdieckkonto ־ Berlin Nr. Iw22. Für 9“^״״,J ־ ' ’dconto Nr. 156030, Anzeigen dm seth!,׳ >״.palteno reut- ׳,״•S7.mc3.kz 20״/״. KedaktionmdiLiü Dienstag naA*. “ .. ״ *_״.*-aSU» £2»ב ־ z •:-; ״ ■יי“־.׳ **zxQ it.’-j.hon IC, Iv. Pof.trparkr.er.cr.amt Sehcd! reib oder deren Raum 60 Pf. Teuer /j. Cliescliv/ö 5079 P XXIII- J Der Jahrestag der britischen Deklaration D;1s Londoner Büro der Zionistischen Organis.riion hat eine Aufforderung ergehen lassen, den 2. November, den Jahrestag der englischen Regierungserkläriing zum Zionismus, feierlich zu begehen. Es ist in ׳der Tat ein denkwürdiges Datum. Denn zum ersten Male während der zvcitausendjälirigcn Dauer des Galuth hat die Regierung eines großen Volkes die nationale Zukunftshoffimng der Juden anerkannt und ihre kraftvolle Hilfe bei der Wiederanfrichtung eines jüdischen Palästina zugesagt. Jetzt, da der Krieg sich dem Ende zuneigt, da in allen Ländern Friedenssehnsucht und Verständigungsbedürfnis hervortrkt, wird mehr noch als früher eine gerechte Würdigung der geschiehtliehen Bedeutung jener Erklärung der englischen Regierung möglich sein. Schon im vorigen Jahr, als Lord Baifour in seinem Brief an Lord Rothschild diese Erklärung niedcrlcgtc, haben wir cs für unsere Pflicht gehalten, nachdrücklich zu betonen, daß es sich hier zweifellos nicht nur um einen geschickten Schachzug englischer Politik und englischer Propaganda handelt, sondern um eine von wirklich staatsmännischem Geist beseelte politische Tat der englischen Regierung. ,Wir sagten damals schon, daß, cs töricht und kleinlich wäre, wenn, man, durch die Leidenschaften des Krieges verführt, den wahren Wert dieser Erklärung verkennen und ihre Bedeutung für die gesamte Judenlieit bestreiten wollte. Gewiß hat England zu seinem eigener} Besten diesen Schritt unternommen. Gewiß muß es vom Standpunkt der englischen, Politik als nützlich erscheinen, mit Hilfe des jüdischen Volkes Palästina zu erschließen und sich so einen neuen hochwertigen Stützpunkt im Mittclmccrbccken zu schaffen. Gewiß ist cs kluge Berechnung, wenn England durch einen solchen Schritt die Stimmung der Juden in der ganzen Welt für sich zu gewinnen strebt. Aber gerade weil ernste und bedeutsame Vorteile für England mit der Anerkennung und Förderung des Zionismus verbunden sind, eben darum erschien uns die englische Zusicherung von so großem und bleibendem Wert, eben darum mußte sie als weit mehr betrachtet werden, denn als ein bloßes Propagandamittel für die Kriegszeit. Wahrhafte Staatskunst verstellt es eben, die eigenen Interessen mit den Interessen anderer so zu vereinen, daß die Vereinigung für beide Teile nützlich und ersprießlich wird. Eine Politik des Bluffs und Schwindels, eine Politik scheinbarer Sympathien für andere nationale Gruppen, die in Wahrheit nur imperialistischen Machttriebcn dienen soll — eine solche Politik bricht über kurz oder lang zusammen. Die Staatskunst muß die treibenden Kräfte des Völkerlebens erfassen, sie muß das Tatsächliche, das Gegebene, aber auch das in der nächsten Zukunft Kommende klar und dcutlieh sehen und durch einen Akt schöpferischer Phantasie zu einem Gesamtbilde vereinen. Es ist kein Zufall, daß gerade eine Personlichkeit wie Lord Baifour den entscheidenden Schritt zur Durchsetzung des Zionismus getan hat. Baifour ist kein Draufgänger, kein forscher Weiteroberen Er hat eine stille, langsame, oft zögernde Art. Er ist ein Mann von tiefem geschichtlichen und philosophischen Wissen, ein Durchdenker und Betrachter der Politik. Wenn dieser Mann sich entschloß, die Bahnen der Judenpolitik zu verlassen, vyie sie seit 100 Jahren in Westeuropa üblich war, so geschah cs, weil vor seinem geistigen Auge die Möglichkeit eines durch die moderne nationaljüdische Bewegung zu neuem Leben erweckten jüdischen Palästina auftauchte. Erfühlte die Kräfte, die sich im Judentum; unserer Zeit regen und bald erkannte er, welche harmonische Verbindung zwischen diesem ernsten, von reinstem Idealismus durchglühten Streben eines alten Kultur- Volkes nach Erneuerung seines nationalen Daseins und den politischen Bedürfnissen England! hergestellt werden könne. . ״ ״ Die großzügige Art, in der Baifour, sein Neffe Bord Robert Cecil und andere englische Staatsmänner die Förderung des Zionismus zu einem Teil die c!::cr £.7 :ca Izcho VcII» tfeft L** *׳ der englischen Regierung:־,politik machten, spricht dafür, daß der Leiter der englischen äußeren Politik die geschichtliche Bedeutung des Vorganges verstanden hat, der sich in Palästina vollziehen wird. Nun scheint die Zeit nahegerückt, da völlige Gewißheit werden muß. Bald werden die englischen Staatsmänner zu beweisen haben, daß sie in der Tat den Zionismus verstanden haben und daß sie wirklich entschlossen sind, ihn so zu fördern, wie er gefördert werden will. Die Friedenskonferenz wird zu entscheiden haben, unter wessen Schutz Palästina iu Zukunft zu stellen ist und dabei wird auch die Form1 ent* schieden werden, in der der Zionismus seiner Verwirklichung entgegengeführt werden soll. Das Ver* trauen, das wir dem Verständnis Lord Balfours für unsere Bewegung entgcgcnbiingon, wird — so hoffen wir und erwarten wir — durch die Ereignisse der nächsten ,Wochen und Monate ge• rechtfertigt werden. Präsident Wilsons Brief über den Zionismus Das ״Kopcnliagcncr Zionistische Büro“ veröffentlicht den Wortlaut des Schreibens, das Präsident Wilson an den Präsidenten des Provisorischen Zionistischen׳ Exekutivkomitees in New York, Stephen S. Wisc, ge* richtet hat: Washington, 31. August 1918. Mein lieber Rabbi Wise! Ich habe mit tiefem und aufrichtigem Interesse die wiederaufbauende Arbeit beobachtet, welche die ׳ Wcizmann-Kommission in ■Paläslina auf Veranlassung• der britischen Regierung our,geführt hat, und ich ergreife gern eine Gelegenheit, um die Genugtuung auszudrücken, die ich empfunden habe über den Fortschritt der zionistischeu Bewegung in den Vereinigten Staaten und in den alliierten Ländern seit der Erklärung Mr, Balfours im Namen der britischen Regierung über Großbritanniens Billigung der Errichtung einer nationalen Heimstätte iu Palästina für das jüdische Volk und seit seinem Versprechen, daß die britische Regierung die größten Anstrengungen machen werde, um die Erreichung dieses Zieles zu erleichtern, wobei verstanden werde, daß nichts getan werden soll, was die bürgerlichen und religiösen Rechte der nichtjiidischen Bevölkerung in Palästina oder die Rechte und die politische Stellung der Juden in den anderen Ländern beeinträchtigen könnte. Ich denke, daß alle Amerikaner tief bewegt von der Nachricht sein werden, daß eogar in dieser Zeit der Gewalt die Weizmann-Kommission die Möglichkeit hatte, die Grundsteinlegung der hebräischen Universität in Jerusalem mit der in' ihr liegenden, Verheißung der geistigen Wiedergeburt vorzunchmcn. Herzlich und aufrichtig Ihr Woodrow Wilson. Der englische Originaltext lautet wie folgt: Washington, Aug. 31, 1918. . My Dcar Rabbi Wisel I liavc vvatched with deep and sincerc intcrest the reconstruetive werk which the Wclzmann, Commission 11ns done iu Palestine at the instance of the British Government, and I welcome an opportunity to express the satisfaction I liavc feit in the progresa of the Zionist movement in the United Staates and in the Allied countries since the dedaration by Mr. Baifour 011 behalf of the British Government of Great Britain’9 epproval of the cstablishmcnt in Palestine of a national ltome ior the Jewisli people and his promise that the British Government would usc iis best cndcavours׳ to facilitatc the j.chievement of that objcct, witli the undcrstatiding that nothing would bc done to prejudice the civil und religious rights of non-jewjsh־ people in Palestine or the rights and poiiticat siatus enjoyed by the jews in other countries. 1 think that all American׳; will bc deeply moved by the report that even in 11115 time of stress the Weizmann Commission lias beert able to ly the fouudation of the Hcbrcw University at Jerusalem with the promise that bears of spiritual re-biriL. Gonilally and cinccrcly yours, . , Wood/ow Wilson. Ein jüdischer Nationalrat im tschechoslowakischen Staate ׳Aus Prag erhalten wir folgende telegra* phisclic Mitteilung:!Aus der Mitte des nationalen (bürgerlichen lind sozialistischen) Judentums hat sich ein J ü* di scher Nationalrat konstituiert, dessen Präsidium (Dr. Ludwig Singer, Karl Fischl und Dr. Max Brod) am 28. Oktober 1918 beim Nationalausschuß des t s c h e c h o s I o w a k isehen Staates vorgesprochen hat, wo die Deputation vom Vorstand des Nationalausschusses empfangen wurde und eine umfangreiche Denkschrift über die Situation und die Forderungen des jüdischen Volkes im" neuen Staatswesen überreichte. Der Jüdische Nationalrat besteht vorläufig aus den Herren Dr. Ludwig Singer, Inspektor Hugo ßlonitz, Norbert Adler, Dr. Max Brod, Prof. Alfred Engel und Fräulein Zapper für die Zionisten und aus den Herren Karl Fischl, Emil ,Waldstein, Schönfeld und Altschul für die jüdisch-sozialistische Arbeiterpartei Poale Z i o n. Der Nachricht von der Konstituierung eines Jüdischen Nationalrates im tschechoslowakischen Staate kommt außerordentliche Bedeutung zu. Die Juden spielen im Gebiet des neuen tschechischen Staates «ine große wirtschaftliche und kulturelle Rolle. Jahrzehntelang standen sie in vielen Orten als ausschlaggebender Faktor zwischen den Dcutsehen und Tschechen. Dies hatte natürlich zur Folge, daß sie sich von assimilatorischen Eieinenten in ihrer Mitte immer wieder zu einem Mißbrauch ihrer Stellung verleiten ließen und auf diese Weise zu chauvinistischen Vorkämpfern im fremdnationalen Lager wurden. Aber seit die nationaljüdischc Bewegung mit dem Zionismus in Oesterreich stark geworden ist, hat sich auch in Böhmen und ־ in Mähren die zionistische Bewegung mit wachsendem Erfolge bemüht, die Juden im nationaljüdischen Lager zu sammeln und von der Bekämpfung der nationalen Sclbständigkcitsbcstrebungen im Lande fernzuhalten. Sic mußte, um sich durchzusetzen, einen unablässigen Kampf gegen die Assimilation im deutschen und im tschechischen Lager und gegen den Antisemitismus führen. In diesem Kampfe, welcher das Sclbstbcstimmungsrecht des jüdischen Volkes auf seine Fahne ge- Schrieben hatte, begegneten die Nationaljuden von 'Anfang an der warmen Sympathie der fortschrittliehen demokratischen Politiker des tschechischen Volkes'. Bekannt ist, daß sich Procfssor M a s a r y k schon in früher Zeit ausdrücklich für den'Zionismus und das Nationaljudentum ausgesprochen hat. Ihm folgten Männer, wie Professor Krejci und andere. Auch im Lager der tschechoslowakischen Sozialdemokratie fanden die Emanzipationsbestrebungen des jüdische/! Volkes ein warmes Verständnis, welches insbesondere auf dem gesunden demokratischen und nationalen Empfinden der sozialistischen Kreise des tschechischen Volkes beruht. In der Stunde, da der tschechische Staat seine Auferstehung feiert und die Massen des tschechisehen Volkes über die Erfüllung ihres Ideals jubeln, hat sich nun der Jüdische Nationalr a t im tschechoslowakischen Staate konstituiert und die Verbindung mit dem NationaJausschuß des tschechischen Volkes hcrgestcllt. Es ist zweifellos daß Verhandlungen vorhergegangen sind, welche cs׳ den! Jüdischen Nationalrat als wahrscheinlich erscheinen lassen, daß seine Forderungen auf Seiten des. tschechischen Volkes verständnisvoll«; Gehör und Erfüllung finden werden. Das im Einvernclunen mit dem National־,״׳^ schuß des tschechoslowakischen Staates erlassene CommumquS des Jüdischen Nationalrates wird im ecZmt™ ^d1schcn volke Widerhall finden S zeigt, daß das tschechische Volk in. seinem׳ Staate isf Mi‘wri«t cnt&cffe11ajkon1mcn bereit ist. Wenn diese Hoffnung sich erfüllt wird h« ßüHigen Beweis dafür gevSio r ’ ■d?^ C״ natl0ruIc Toleranz zu üben versteht. Es wird 1m Rate der Völker auf ein solchS Zeugnis hinweisen können solches