Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIII (1918)
- Issue
- Heft 42 (18.10.1918)
- Date
- 1918-10-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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5s מ ה»ז v©t sucht י! ן j 11 t ו t I. I. K & v 1 ’ח־־־וגדי״י־ישיז ״״3 'y־״ " r .3» - v>i i r •!■׳ - ••׳ ■י-׳ •־—ל r ׳ *־ע— .־ Redaktion uod Verlag jüdische Ruadschau, Berlin W, 15, Sächsische StrnCo 8. Erfeheint wiidicntl. am Freitag. Abonnement bei der Expedition und bei allen Po-,!nr.-, Vierteljahr!. Mk. 4,50 in Deutschland, in Oesterrckh-Un״arn Kr. 8,—, in Ausland VA. {1,50 Nummer 42 Berlin, den 18. Oktober 191 ד״־־״זו \ f 7 £. T A״tUli«! Berlin Nr. 17392 Für ־ ־ ־׳ ';onto Nr. 156030. Anzeigen die ecchsccrpaltcno reut y r־x ». ros י oder deren 1 :uamt r.1:m 60 Pf. Teueren CI1c3chv/an 5679 i^UUJU. nii<'k»;,va V1«w «- --- U'.dikir 20°/״. Rednktionsschluß Dienste? nau»n. XXIII. lo21rr?anr£ Verhinderung der jüdischen Geineindewahlen in Polen ״Der Ziote-sr.ir.s er;'.:•:;’ 0 Vcl’l ןי!,> •;"£ 5.: die Schaffen׳J eine? Cte;״:fl * ~,w »»•.״ f ^C.m llclnutrßtc In i'cit'cff-ia.“ ״terfer IVcErwean. Der Vorstand der Warschauer Jüdischen öcmeinde hat die Neuwahl zur Jüdischen Gemeinde unmittelbar vor ihrem Termin abgesagt. Damit ist der von der deutschen Verwaltung unternommene Versuch einer Organisation der polnischen Juden als endgültig gescheitert anzuschcn. Die nationalen jüdischen Parteien Warschaus erheben gegen das Vorgehen der Warschauer Jüdisehen Gemeinde den schärfsten Protest. Denn es ist ganz klar, aus welchen Erwägungen heraus sich die Machthaber der Jüdischen Gemeinde Warschaus diesen Streich geleistet haben. Sie wollen überhaupt keine Wahlen auf breiter demokratischer Grundlage, sie wissen ganz genau, daß damit das Ende ihrer Gewaltherrschaft besiegelt sein wird. Jahrzehntelang haben sie die Verwaltung der Gemeinde in der Hand gehabt und haben es fertig gebracht, daß die Administration der größten jüdischen Gemeinde der Welt jedem modernen Empfinden Hohn spricht, daß ihre Steuerordnung das Widersinnigste darstellt, das man sieh überhaupt vorstcllcn kann, und daß die Leistungsfähigkeit der Gcmeindever* waltung geringer ist als die einer zehnmal so kleinen Gemeinde in irgend einem anderen Lande. Das Schulwesen der Jüdischen Gemeinde in Warschau ist unter aller Kritik, eine geordnete Armenpflege existiert überhaupt nicht, das ungeheure Elend des Warschauer jüdischen Proletariats ist in allererster .Linie zurückzuführcn auf die organisierte Indolenz der führenden jüdischen Assimilantenkrcisc Warsch aus, wie sie in der Ordnung der Jüdischen Gemeinde zum Ausdruck kommt. Aber dafür sitzen diese ״Großen in Israel“ an der Spitze, die ihre Kinder getauft haben, fürdiedas Judentum׳ gut genug ist, um sich vor den Polen als Vertreter jüdischer Interessen aufzuplustcrn. Sie kleben an ihrem Amt mit der ganzen Unverschämtheit des Unlegitimierten und kein Mittel ist ihnen zu schmachvoll, um ihre Herrschaft zu verewigen. Darum haben sie jetzt im letzten Augenblick unter Benutzung der allgemeinen politischen Umstände die Wahl verschoben, vielleicht hoffen sie, auf diese Weise noch ein Vierteljahr oder ein halbes an der Herrschaft zu blcibcu. Nur ein Vierteljahr oder ein halbes, denn wir können uns nicht vorstcllcn, daß das polnische Volk auf die Dauer diesen Zustand zulassen mag, der je länger je mehr zu einer brennenden Wunde im polnischen Gemeinwesen sich auswächst. Wir haben gegen das Gesetz, das die deutsche Verwaltung wcgen der Organisierung der jüdischen Rcligionsge- Seilschaft in Polen erlassen hat, immer den heftigsten Einspruch erhoben und wir haben keinen Grund, ihm eine Träne nachzuvveinen, wenn es jetzt fällt. Es war ein unerhört schlechtes Gesetz, und die Politik, die es schuf, war eine unerhört schlechte Politik. Jetzt aber ist es an den Polen, zu zeigen, daß sic die Forderung der Zeit begriffen haben. Gestern erst lasen wir die feierliche Erklärung der polnischen Regierung, daß sie auf demokratischer Grundlage in Uebereinstimmung mit allen Bevölkerungsklajssen das neue Polen aufbauen will. .Wir haben gesehen, daß die polnische Regierung aus eben diesen Gründen den undemokratischen Staatsrat kurzerhand aufgelöst hat und wir erwarten daher mit Gewißheit, daß sie diesem Gcmcinderat, atuf dessen Wahl und Zusammensetzung die ungeheure Mehrheit der jüdischen Bevölkerung überhaupt keinett Einfluß gehabt hat, sofort den Abschied gibt ,und eine wirkliche Vertretung der Volksmassen in der Gemeinde auf demokratischer Grundlage schafft. Wir erwarten, daß dies geschieht und daß cs bald geschieht. Nachdem einmal die Neuwahl der Jüdischen Gemeinde Warschaus ausgeschrieben War, nachdem die ganze Judenhcit Warschaus sich nun einmal darauf eingestellt hatte, ist es unmöglich, daß die Wahl noch lange hinausgeschoben wird. Die Polen wissen, oder sollten cs wissen, daß das, worum es sich hier handelt, mehr ist als eine Warschauer Angelegenheit. Mit ungeheurer Spannung blickt in diesen Tagen die ganze Welt auf Polen und auf das Werden des neuen polnischen Staates. Von der Sympathie der Völker haben die Polen alles zu erwarten, aber aurschlleßlich von ihr. jetzt ist cs an der Zeit, den ernsthaften Ver* such zu machen, sich mit dem jüdischen Volk auf einer Grundlage zu verständigen, die ihm. die Möglichkeit gibt, in freier Entwicklung seiner nationalen Eigenart seine besten Kräfte der Wohlfahrt des neuen polnischen Staates zu widmen. Die ganze Welt wird die Polen beg!i'sckwünsehen, wenn cs ihnen gelingt, die brennende Wunde zu schließen, die die judenfrage in Polen darotcllt und ohne deren Heilung I&inc Ruhe in Polen und für Polen sein wird. Der erste Schritt hierzu wäre die An- Ordnung der Neuwahl der Warschauer Jüdischen Gcmeinde auf einer Grundlage, die in viel breiterem Maße, als die deutsche Verordnung cs zuließ, den Einfluß der breiten Volksmassen auf ihre Zusam-' mensetzung sichersteilt. Die Entwicklung geht heute rasend schnell! Wer nicht sofort handelt, mag sich vorsehen, daß er überhaupt noch dazu kommt. Um so mehr sollte das polnische Volk sich bewußt sein, daß es jetzt aus seiner Zurückhaltung in der judenfrage heraustreten muß. Davon, daß dies bald und wie dies geschieht, wird nicht zum wenigsten die Achtung abhängen, mit der die Welt seinen Beteuerungen lauschen wird. Der Beschluß .des Warschauer Genicindevorstaiides Auf der Sitzung des Vorstandes der jüdischen Gemeinde in Warschau vom 10. Oktober, vormittags 11 Uhr wurde der Beschluß angenommen, daß au f Q r und der veränderten politischen Lage die Wahlen zur jüdischen Gemeindcvcrwal* tung bis zu einem von der polnischen Regierung nt bestimmenden Termin verschoben werden. Protest-Resolution der Zionistischen Vereinigung. Die Zionistische Vereinigung für Polen beschloß nachfolgende Resolution, die dem Geincindevorstand zu Beginn der Sitzung ■überreicht wurde, in welcher die Wahl Verschiebung beschlossen wurde. 1. Wenn auch die Verordnung betreffend Organisation der jüdischen Gemeinden nicht den Interessen and Wünschen der jüdischen Bevölkerung, wie auch den allgemeinen' Prinzipien der Demokratie entspricht, ist die Vcrsainmhuig der Ansicht, daß die Schaffung eines neuen Gemeindcvorstands durch Wahlen der Warschauer jüdischen Bevölkerung im gegenwärtigen Augenblick notwendig ist. 2. Der Geincindevorstand, den wir gezwungen sind, auf Grund des erwähnten .Organisationsstatuts zu wählen, soll nur provisorisch .die Angelegenheiten der jüdisehen Gemeinde verwalten und die jüdischen Interessen vertreten, bis auf breitesten demokratischen Grundlagen eine Vertretung des jüdischen Volkes in Polen gewählt sein wird, die ein neues Ocmcindcstatut ausarbeiten und durch die polnische Konstituante bestätigen lassen wird. Protestresolution der Volkspartei. Auch die Volkspartcj wendet sich in nachstehender Resolution gegen den Beschluß des Gcmeindevorstaades: In Anbetracht dessen, daß die Schaffung einer jüdisehen Gemeinde, sei es ,auch nur in dem Rahmen der ׳letzten Wahlvorschriftcn, eine der wichtigsten Aufgaben des polnischen Judentums im gegenwärtigen gro- Iten historischen Moment ist, erklären wir es für־ höchst schädlich und volksfeindlich, daß die Verwirklichung der Organisation der neuen Gemeinde verhindert werden soll. uie Gewalttätigkeit, die in diesem Vorgehen lieg tritt noch deutlicher׳ hervor in diesem Augenblick, i dem alle Staaten nach der Richtung der DemokratSsk ruiig ■marschieren und in .dem überall das Recht de Völker auf Selbstbestimmung enerkennt wird. Oerad ■jetzt verspottet man ,auf selten •{:::*.י Welse den Wille des Volkes, aus seiner Gmicbteeverirtiisiig die Assimi latorcn und deren G:fo!,gedurft zu verjagen, gerad jetzt ■nimmt man den .Vo',!;;;״asten dis Möglichkeit zu Wall! seiner Vorsteher. Wir erheben deshalb unseren cckärfctcn Protc^ gegen die Gewalttat, die gegen die ckmcr,husten Recht der jüdischen Volו״: ״;.;.״׳.״־ durch' die Verhmderun״ de Wahlen verübt woresr, ist;v;:f prMci'.Icria ebenso rege {llc nt:ä I׳m’a*Cii k־!:inlite.;vn klerer.cn diese schädlichen und vwfcvcrrStorjKkca Schißt tjan Wilson und der Zionismus Das ״Kopcnhagencr Zionistische Büro“ berichtet: ״Zionist Review“ das offizielle Organ der English Zionist Federation, schreibt in der Oktober■ nunmicr anlässlich des Briefes von Präsident Wilson und der Rede Rooscvclts über seine Auffassung des Friedensvertrages, worin er verlangte, daß Pal ä s t i n a ein jüdischer Staat werden müsse: ״Der Präsident der Vereinigten Staaten und der hervorragendste Leiter der republikanischen Partei in Amerika äußern sieh also öffentlich zugunsten eines jüdischen Palästinas. Die Zionisten haben lange gewußt, daß die Sympathien des Präsidenten Wilson durch• aus für sie waren; er hat in jeder Weise jüdische Arbeit innerhalb und außerhalb Amerikas gefördert, und der amerikanische Einfluß wurde immer zugunsten des Zionismus ausgenützt. Aber bisher hat sich Präsident Wilson durch den Umstand, daß die Vereinigten Staaten nidit mit der Türkei im Kriege sind, verhindert gefühlt, formell und öffentlich seinen Anschluß an die englische Regierungserklärung, die auch von der Iranzösischeti und italienischen und griechischen Regierung unterschrieben worden ist, zu bekunden. Präsident Wil• sons Brief an die American Zionist Organisation be• deutet einen sehr großen Schritt vorwärts auf den» Wege zu einer solchen offiziellen Kundgebung, — vielleicht einen so großen, wie cs, solange die Vereinigten Staaten mit der Türkei im Frieden sind, überhaupt möglich ist. Die Zionisten der ganzen Welt anerkennen die Bedeutung dieser beiden amerikanischen Acußcmngcn, die eine doppelte Versicherung für sic bilden: daß sie gegenwärtig mit der amerikanischen Hilfe rechnen können, und daß das ganze Gewicht des amerikanischen Einflusses bei der Friedcnskonf c r c n 1 zugunsten einer jüdischen nationalen Heimstätte in Palästina in die Wagschalc gelegt werden wird.“ Balfour über den jüdischen Nationalismus Das ״Kopenhagcner Zionistische Büro“ berichtet: Laut einer Meldung des ״Jewish Chronicle“ hat der britische Minister des Acußcrcn, Mr. Baifour, eine Ablundlung über Jüdischen Nation a 1 i s m u s geschrieben. Die Abhandlung ist für das demnächst erscheinende Werk von N. So ko low über ״Die Geschichte des Zionismus“ bestimmt. Zum 2. November Die Zionistische Organisation in London hat der Jahrestag der historischen Erklärung der britischen Re gicrung, den 2. November, wie wir bereits mitgcteiH haben, als ״De k 1 a r a t io 11 st ag“ bestimmt, an vvel chem Versammlungen und Gottesdienste abgehaiter werden sollen. Anläßlich des Deklarationstages ha1 die Zionistische Organisation in Londor einen Aufruf erlassen, in dem es wie folgt heißt: ״Die Zionistische Organisation wendet sich an da« jüdische Volk mit der Aufforderung, den 2. November als Deklarationstag zu feiern und jedes Jahr dieses histori sehen Tages zu gedenken, an dem die britische Re gierung ihre Erklärung über den Zionismus veröffent lichte, die eine neue Epoche in der Geschichte des jüdischen Volkes cinleitete. Die englische Re■ gicrung anerkannte offiziell das imbedingte Recht des jüdischen Volkes auf ein nationales Heim in Pa lästina und bot ihre mächtige Hilfe an, um dieses Ziel zu verwirklichen. Dann bekundete die britisch( Regierung ihren Entschluß, den uralten Hoffnungen de! jüdischen Volkes zu Hilfe zu kommen, dadurch, daf sic eine Zionistische Kommission ernannte, die untei der Leitung von Dr. Weizmann nach Palästina gchcr sollte, um die Mittel und Wege zur Herstellung einei nationalen Heimat für das jüdische Volk zu erforsche! und um mit der Zustimmung der britischen Regicrunt die hebräische Universität zu begründen, deren Grund stein am 24. 'Juli 1018 gelegt wurde. Wir hegen di« zuversichtliche Hoffnung, daß dieses nationale Bildung* Zentrum eine Quelle des Lichtes und der geistige! Hebung für die zerstreuten Gemeinden Israels werde! wird. Alle alliierten Mächte, die für die Freiheit de Welt kämpfen, haben ihren Wunsch bekundet, uns bc der Erreichung unseres Zieles zu helfen. Frank Fc'c״'? ,-״ffcdenk seiner großen Tradition der Frei heit, Gleichheit und Brüderlichkeit, hat in der rroR wütigsten Weise offiziell seine ernste Absicht bekundet unsere Sache zu unterstützen. Die italienisch« Reg cmng die der Sache de? Nationalitäten imme aufrichtig ergeben war, *hat ihren Willen ausgcdriickl unsere nationalen Ziele zu fördern. Präsident Wilson der Vertreter der großen Demokratie der westlich^! Halbkugel, hat seine volle Zustimmung zur britisch ei Erklärung upd seine Sympaüiic für die wicdcrhcrsfellend £fn1fisdw:n Kommission in Palästina aus gedreckt» . Wir!oben jetzt volle Gewißheit von de vollkommenen Solidarität der alliierten Mächte hiezt Sache. Die ganze Welt bc auf unsere nationale