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Jüdische Rundschau · 1918-08-30 · Heft 35 (30.8.1918) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIII (1918)
Issue
Heft 35 (30.8.1918)
Date
1918-08-30
Page
– (sequence 1)
Language
German
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>r~; רן ׳צ\ *שןי/ז־ ~*ßt:—1 f 1' י^\\ | 'ft 1 \ ( , /׳P 3 <rרי־^ ׳; / ג־■/, gcdsktion und Verlag JSdbdio Ruadßdiau, Berlin W, 15, SET-Tch« Straß« & Er- »dieittt wöchentl. am Freitag, Abonnement bei der Expedition und bei allen!,«,:;iTmtcrn eierUljehrl. Mit. 5,25 in DeuUchland, in Oesterreicb-Ungsrn 141.5,50 im Aunlnnd Mk. 5,— U C5׳, Po.-.!״rV־’T״nto! Berlin Nr, 17392. Für Oert.rrdcäi 1t ,r.‘,״':!:cr,lo Nr, 15(1030, Anzeigen die *fd1r.״c:paite;i3 » «־Uv i';;u־;.ä 10׳ Ff. Teueriiiigfuirdilsg 23n/,״ Redaktiona-bluil Ditns* Nummer 35 Polnische Eirlin, don 30. August 1910 Im ״Berliner Tageblatt“ vom 7. August hat Ericli Dombrowskj die Reforniplänc der polnisehen Regierung zur Judeufragc in Polen in einem längeren Leitartikel vorgetrageii. Im ersten Teil seiner Ausführungen steiit er fest, daß die Juden im Dundisdinitt 37,7 Prozent der gesamten städtisehen Bevölkerung in Idolen ausmaclicn, daß sic in vielen Handels׳- und Industriezweigen mit 70 Prozent und mehr vertreten seien, ferner daß von den 1957000 jxdmscheu Juden im Jahre 1913 rund 1942000 die jRüsche Sprache als ihre Mutter- und Familknspraehe angegeben lialKir und' daß es im Jahre 1904 nach zuverlässiger Statistik in Konyeli|#>le11 nicht weniger als 5724 Chatlarim und 100 bis 120 TaliinKl-Torn-Sdiülen gab, Nach einem kurzen Ueberblick über die gegenwärtigen jiidisehe« Parteien und die antisemitische Bewegung in Polen kommt er zu dem eigentlichen Kern seiner Darlegungen, der in der Wiedergabe der Reformplane bestellt, die die polnische Regierung hinsichtiicli der Juden frage durclizufiihren die Absicht hat. Dieser Teil der Ausführungen Dombrowskis lautet: ״Sie (die polnische Regierung! will, wie mir erklärt wurde, dabei (bei ihren Kcfonnpläneii) vom (iruntls.1t/c der staatsbürgerlichen Gleichberechtigung ausgehen. Das seht ich e, sagt sie, nationale Sonderrechte aus. Das Verlangen der jüdischen Nationalisten, die weh allerdings eines wachsenden An-!langes erfreuen, nach einer nationalen Sonderstellung sc! schon deshalb nicht berechtigt, weil die Jmlen in!,ölen weder r.itmilicli, noch sozial ein gesdtlossenes Gemeinwesen mit einer 411 sich ausgcglichcncn Berufsgliederung bilden. Einen Staat int Staate könne man nicht dulden. Praktisch werde• sich die Verleihung der staatsbürgerlichen Rechte ־:)(> vollziehe», dall jeder Einwohner einen staatsbürgerlichen Ausweis, einen Pali erhalte. Wer »ich dat» ei als Pole bekenne, übernehme 111 i t dies e 111 P a ii a i I c R e c 111 e und Pflichte n eines polnischen Staatsbürgers, wer nicht, werde fortan als Ausländer beuachtet werde 11. Die Religionsfreiheit werde nach jeder Richtung hin unangetastet bleiben. In das jüdische Saaderscltulweseit werde man nicht sofort regulicreiul eingreifen. Man gedenke die Glied er sch ulen noch fünfzehn bis zwanzig Jahre fortbestellen zu lassen, bis das staatliche und kommunale Schulwesen vollständig ausgebaut sei. Aber man werde das Polnische als Pilichtsprndie in sämtlichen Schulen des Landes verlangen, und kein Examen, kein Zeugnis einer Lehranstalt werde staatlich anerkannt werden, das nicht das Polnische zur Voraussetzung habe. Aut diese Weise hoffe mau die Juden allmählich sozial in den polnischen Staat einlügen zu können. Wirtschaftlieh wolle man dem Genossenschaftswesen die größte Fürsorge a n g e d c 111 c 11 lassen, um dadurch indirekt die Juden nach und nach auch in die anderen Berufe hineinzudrängen• und so eine gleichmäßigere Verteilung auf die verschiedenen Erwcrbsschichtcn zu .erzielen. Die durchgehende geschäftliche Tätigkeit der Juden am Sonntag, die von den polnischen Geschäftskreisen stets als* eine sehr unbequeme Konkurrenz empfunden wurde, glaubt mau durch eine teilweise ob- I i ga to r i sch c Sonntagsruhe wenigstens am Vormittage, in den Stunden von neun bis zwölf Uhr, ein׳■ schränken zu können. Letzten Endes läuft diese Politik auf einen Versuch hinaus, die Juden all mählieh zu assimilieren. Wieweit das gelingen wird, ist heute natürlich noch nidit mit einiger Bestimmtheit zu sagen. Generationen werden darüber hinsterbe״, ehe sielt der Erfolg oder der Mißerfolg dieser Bestrebungen wirklidi übersehen läßt.“ Dieses Programm der polnischen Regierung bißt an Deutlichkeit nichts■ zu wünschen übrig. Es zeigt, daß die polnische Judenpolitik auf dem besten Wege ist, in dem Augenblick, da in Rttmä- Hcn das gegen die Juden gerichtete Frenidengesetz füllt, aus Polen ein zweites Rumänien zu!midien. Dieses ,,Rumänien des Nordens“, wie es nidit mit D»recht genannt wurde, will also denjenigen Juden, de sieh nicht zu seiner Assimilicrungspolitik bexwmen wollen, die bürgerlidic' Gleichberechtigung v°fcnü1 alten und; sie zu ״Fremden,“ madicn. Sie will fern״• durdt eine Stärkung der polnischen Genossensd 1 aftsbewegung die Juden ״indirekt nach *1>'״ hach auch1 in die andere« Berufe liineindrkngcn“ tuid die ״sehr unbequeme Konkurrenz“ des jiidisehe״ Handels durch eine rigorose DiirdifüMrung *ז Sonntagsruhe ״cinsdiränkeit“. Wer nur einißcrmaüon die ,polnische Ausdrucksweise kennt, weiß, was diese sdtelnbar harmlosen .Maßnahmen die Existenz der polnischen Juden zw bedcuto haben würden. Sie sind ja nidit neu und die Polnische Praxis hat in der;Vergangenheit genügend «•ugnis dafür abgelegt, daß diese ״Maßnahmen“ ״De? 7A0s,l:::r,:s die Sclsr.f.'i»ä chicz tlchntiüüe la PalT 1 vc.a־ *מ:ו״.כ7‘ keine andere Temlcna fmbai, ab die wirisctiaftiidie Lage der Juden, die während des Krieges sich noch um vieles verschlechtert hat, durch Boykott und den Zwang, zwei Tage der Woche auf c!־werbliche Tätigkeit zu verzichten, völlig zu untergraben. Bel einer solchen Art der ״Lösung“ der Judenfrage wäre es nicht nötig gewesen, zu betonen, daß die nationalen Forderungen der polnischen Juden un|beriicksichtigt bleiben. Zu allem Uebenluß wird cs alter nach ausdrücklich .־uisger.proclien, daß die polui:,die Regierung diese Forcierungen für nicht bereellligt hält. Durch den Mund des Warschauer Korre&pondeuten des ״Berliner Tageblatts“ hat also die polnischc Regierung ihre Piiinc liinsiclitlich ihrer künftigen Judenpolitik verkünden lassen und damit den Schleier ihres bisherigen Schweigens gelüftet. Was wir hier zu sehen bekommen, ist trotz aller bishcrigeii Erfahrungen, überraschend: die polnisclie Regierung!ist gewillt, den Vernichtungskampf gegen die polnischen Juden aufzunehmen. Alle Hinweise auf das Unwürdige, sittlich Unhaltbare, ja Gefährliche dieses Beginnens sind umsonst gc״ wesen. Polen will seine Juden bedrücken, vergewaltigen und zugrunde richten, koste cs, was es wolle. Das ist das einstimmige Urteil der gesamten nationalji'nlischen Presse Polens und Galiziens, So schreibt das Lembcrgcr ״Tagblatt“ ׳'vom ,12. August in einem Leitartikel, ״Will Polen mit uns einen Kampf bis zum äußersten?“ betitelt: ״Wir niiisscn gestehen, dall für uns Juden Dombrowskis Informationen eine Utbcrrasclurng waren . , , Mit dem bloßen Verstand kann inan diese Pläne der polnischen Regierung auch l ineavvega vendehen, Weleß( 1' politische Diiiiiiukojif kann e.« 1u:ute uuicrudiiiieu, durch die_Verfassung alle die I ft1:ukrüa111׳1,־!de polnischer Juden, die sieh aU zu in jüdischen Volke zugehörig deklarieren, gesetzlich _ als Fremde und Ausländer zu erklären? . . . F'ühlt sich das erneut zerstückelte Polen wirklieh so stark, um die ganze Kulturwelt provozieren zu dürfen? Fühlt Polet! wirklich die Kraft in sich, gegen das ganze jüdische Volk den Kampf auf Lebert und Tod .־uif/tmeiinien? , . Glaubt man in den Warschauer polnischen Rcgienmgskreiscn im Ernst,• daß die Million galizjschcr Juden sich stumm wie das Vieh, an Kongreßpolen anschiießen wird, um dort Fremdenpässe zu erhalten? Ist den erlauchten Häuptern des polnischen Staatsrates, Rcgentschaftsratea und Miiiisierratcs dabei die galiz.ische Frage nicht in den Sinn gekommen? Sind diese Herren so naiv zu glauben, daß sie mit solchen Gewaltmitteln drei Millionen Juden assimiliercu werden? Will das neue Polen sich an den Abgrunil bringen, noch ehe cs wiedererstanden ist?“ Die polnische Presse Polens und Galiziens hat natürlich mit großer Genugtuung die Mitteilungen Dombrowskis entgegengenommen. Besonderes Intcresse beansprucht der Warschauer ״Przcglod WieCzorny“, der die Gelegenheit wahrniinmt, die Stellung der polnischen Regierung zuin Zionisinus bekannt zu geben. Die Zeitung schreibt; ״Im polnischen Staat — so projektiert die R&׳ gicrung — wird der Zionismus ein nationales Programm sein, dem niemand Hindernisse in den Weg legen wird, soweit jeder Zionist sich als Fremder bekennen wird. Dann aber darf er sich nicht in die Lösung der polnischen staatspolitischen Fragen e in m isch e n. Ke jüdi- Nationalisten aber werden mit der Zeit ohne Zweifel verschwinden . . Mit Recht betont demgegenüber das Warschauer ״J üdischc Volk“, daß cs keinem Zionisten ein׳• fallen werde, sich als Fremden zu erklären, und daß die Zionisten keinesfalls darauf verzichten werden, sich in das politische! Leben den Landen ״ciimiinischcn“: ״Die polnischen Politiker sollen es sich nicht tri!innen lassen, dall mit der Verwirklich!׳״׳:• des zionistischen Gedankens die Frage der jüdischen nationalen Rechte liquidiert werde. 11a Gegenteil: nach unserer tiefsten IJehcrz.eugung wird ein jüdisches Palästina eine der festesten Garantien für die nationnlcn Lebensformen des jüdischen Volkes in den Galufi,-Länder«!;ein — uiul das wird vielleicht einer der Hauptgewinne sein, die die Verwirklichung des ZlonJrrims den! jüdLchcn Volke bringen wird.“ Wie widerspruchsvoll airfr vom polnischen Standpunkt diese Judenpolitik dar polnischen Regierang ist, zeigt die Haltung, die die ukrainischen Polen angesichts der A!3:;;Tauirrig der nationalen Autonomien in ׳der Ukraine ein;,.:1ס1;11ו.־0וו haben. Sie gehörten mit zu denen, die .׳11;:׳ lieflig.-.ten gegen die Zurückziehung der nationale.׳» Rechte in der l C!::i C770 . 4 XXÜI.Jali: Ukr;5:110 protestierten. Auf diesen Widonipruclt macht die Kiew er ״V o 1 k 8 4 e i t u 11 ff“ aufmerksam: ״Die Polen haben wohl verstanden, daß politische Gleichberechtigung noch nicht die nationalen Rechte meliert. Aber wie es sich zeigt, reden die Polen zwei Sprachen, Die eine sprechen sie dort, wo sie in der Minderheit sind. Dort verlangen sic, daß ihre nationalen Redde gewahrt werden. Die zweite Sprache reden sie dort, wo sie in der Mehrheit sind. Dort halten *i« es nicht nur für überflüssig, sondern sogar für sdkidlich, den Minoritatsrölkem die nationalen Redde zu sichern.“ Unter dm Zeichen der Kampfansage an das jüdische Volk will Polen der Verwirklichung seiner nationalen Hoffnung entgegen gehen. Zu spät wird cs einschcn, daß das Unrecht, das es an seinen Juden begeht, dieser Verwirklichung im Wege steht und daß es mit seinem Vcrniclitiuigskampf gegen die Jude« seine eigene nationale Existenz untergräbt. ♦ Die Reorganisation des Jüdischen Nationalfonds Das Haager Korrcspondcn/büro des Jüdischen Naiionalfomis stellt uns den nadistchcndcn Autsatz zur Verfügung. Verfasser des Aufsatzes ist Rabbiner M. H. Segal aus Newcastle, der kürzlich zum Mitglied der Palästina-Kommission ernannt wurde. Der Jüdische Nationaifond ist angesichts seiner Ziefe und Ideale berufen, eine große und ehrenvolle Rolle in unserer nationalen Wiederbelebung zu spielen. Der Erwerb von Boden in Palästina als unveräußerliclies Eigentum des Volkes und die Benutzung des Zinsertrages für nationale Zwecke wird viele vorhandene Probleme unserer Wiedcrautbau-Arlxit lösen und die Entstehung neuer verhindern. Bei Legung des Fundaments für unser künftiges nationales Leben müssen wir auf der Hut sein vor der Schaffung von Zusländut, die eine Quelle der Schwäche für unser nationales Ziel und eine Ursache d׳ s Haders unk׳־ den vcrschiedenen!.icmciitei, des J1se,,uvw wetue« ,Können. Unui keinen Umständen dürfen wir die sozialen und ökono• mischen Uebel licrvorbringeii, die die ajte westliche Zivilisation gezeitigt hat. Die Nationalisierung des Bodens und seines Zinse'rtrages ist anerkanntermaßen eines der wirksamsten Mittel zur Verhinderung dieser Gebet. Indem wir das jüdische Volk durch den Nationalfond zum Haupt-, wenn nicht zum alleinigen Landeigenii'uncr in Erez Israel machen, erlangen wir die Kontrolle über die wichtigsten ökonomischen Kräfte des Lnndc9 und bekommen die Macht, die vcrschiedenen Tätigkeitszweige des Jischuws zu vereinigen, um sie nach der Richtung unserer nationalen Ziele zu leiten. Sott der J.-N, -F. in die Lage kommen, diese große Aufgabe durchzuführen, 90 muß er von nun an eine führende Stellung in der Arbeit unserer Bewegung und in der Aufmerksamkeit unserer Führer cinnchmen. Eine vollständige Reorganisation des Fonds auf einer Grundlage, die mit seinen Gelegenheiten und Möglichkeiten übereinstimmt, ist nunmehr zu einer dringenden Notwendigkeit geworden. ,Seine Arbeit in der Zukunft wird gleich wie in der Vergangenheit zsvei Hauptgebictc umfassen: . 1) die Sammlungen für den Fond und 2) die Erwerbung von Land und dessen Benützung in einer Weise, die zum Aufbau eines gedeihlichen und gesunden jüdischen nationalen Lebens fuhrt. Die zweite ist die bei weitem schwierigere Aufgabe. Zu ihrer erfolgreichen Realisierung werden Dilc Weisheit, alle Kenntnisse und alle Energien erforderlich ,sein], über die unsere Bewegung verfügt. Die erstere Aufgabe ist, obwohl leichter, dennoch die unmittelbarere und dringendere. Wir müssen vorerst die Gelder sichern, ehe wir die Mittel zü ihrer zweckmäßigen Verwendung ersinnen. Mit der neuen f: ntwkklimg der politischen Seite des Zionismus hat der gesamte zionistische Apparat bisher mellt Schritt gehalten. Die• trifft besonders für den J.-N.F. zu. Seme Organisation und seine Methode״ waren dem begrenzten Umfang und den No ch der Kleinkolonisation angepaßt, die unter den früheren Zuständen altem möglich war. Seine Anforderunget! «״ das jüdische Volk waren bescheiden, sei« Ambitionen engbegrenzt.. Mit den! Anbrechen d״r neuen Acra im Zionismus muß der Jüdische Nationaifond seine 0rgamaaho«, umbauet, U,״J neue wirksame we1>0^״CE:״״0'“ב־"« SCinCS ״״ wenden. Er muß seine Ansprüche sehr hoch snn״. rv” pnu ^'ו APr>arat «hrcr Verwirklichung schaffen Die Erlösung unseres alten Väterbodens wird uiShJSe Geldsummen und viele Jahre zur Ver1 15 •»׳:/״ Wc fordern. So״ *ler Jüdiihc JÄ M nTö8°״e״nf0״CrpEH ״Tal nt״״ solche 'Einnahme liegt JJ im Bmlch'Ei״e Möglichkeit. K Uerc,ch praktisciicn.

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