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Jüdische Rundschau · 1918-07-16 · Heft 30 (16.7.1918) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIII (1918)
Issue
Heft 30 (16.7.1918)
Date
1918-07-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
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t>. \ f. : to i mza i' tchl »oh« Uv; ttur. <)io den . Pm pot roi» Uoa .H# ו. «%׳ ) / \~י Rediktion und Verla? Jüdische Rundodiau, Berlin W, 15, Säaieir.c jdeint wodieatl. am Freitag, Abonnement bei der Expedition und bei nertoljährl. Mk. 3,25 in Deutschland, in Oesterreich-Ungarn Ü r, 5,50 im ן ׳< Nummer 30 .ädieir.ch? Straße 8, Lr- ■i allen Postämtern Ausland Mk. __,_ Berlin, den 26. Juli 1913 i1׳T _ .. .. *סעדיז־י^מעבד^־ה^״ ,,aKr׳״־/.«..־•״•״:?". 'iilracl 845046 ״, Postscheckkonto׳, Berlin Ni. 17352. für Oes.srrcbi■\ -ennmt ScV.ckkonto Nr. 156030, Anzeigen die *echs7efP»l *“•;s1״;n 40 Pf. Teueningwuidilag 201 -',״ RcdaktionwAIoS Dienstag wLai. Ab 5Ö70 XXIII. Jahr 2ra® Grenzschluß gegen Juden in Deutschland ln diesen Tagen ist in Deutschland der Grenz- Schluß gegen Juden ciugeführt worden. In derselben Zeit, da in Rußland die Einschränkungen gegen Juden fallen und da mit Deutsdilands Hilfe in Rumänien die Gleichberechtigung der Juden (hirchgeftihrt werden soll, ergehen in Deutschiaml Verfügungen, die Menschen deshalb unter Ausnahmegesetze stellen, weil oder wenn sie Juden sind. Theoretisch war schon im ersten Jahre des Krieges in Deutschland die Rede vom Grenzschluß gegen Ostjuden. Namhafte Rechtsbeflissene, von denen man also aimclunen sollte, daß sie sozusagen von berufswegen in einem besonders engen Verhältnis zum Recht stünden, erörterten damals die kiiifflichstcn Methoden, mit denen am ״einwamlfreicsten“ die Grenzsperre gegen Juden in Deutschland cingefüVt werden könnte. Es ent׳ stand ein gewisses Raunen; in der Presse, das aber bald wieder verstummte. Das deutsche Judentum und seine offiziellen Vertretungen sahen in diesen wie in allen anderen Begebnissen der Ostjudenfrage keinen Anlaß zum Eingreifen. Inzwischen aber hatte tatsächlich eine, allerdings sehr heschränkte Judenein Wanderung aus den besetzten Provinzen RulMaiuls eingesetzt. Nämlich die deutsehe Industrie brauchte Arbeiter, und in diesem Ealle sind sogar Juden zulässig. Etwa 10—15 01)0 sind auf diese Weise nach Deutschland gekommen. Diese Einwanderung hat man jetzt untcrhmiden. Aus verschiedenen Notizen in deutschen Zeitungen und aus zahllosen Berichten und Beach werden, die an uns gelangen, ergibt sich qjiiw’.nutfivi die Tatsache, daß zwar eine sehr intensive Anwerbung von Arbeitskräften 111 gauV Polen, Litauen und der Ukraine für Deutschland betrieben wird, daß aber Juden, ausdrücklich und ausschließlich Juden, von dieser Anwerbung ausgeschlossen sind. Es scheint eine ganz eindeutige Verfügung zu bestehen, die die Einlassung von jüdischen Arbeitern »lach Deutschland verbietet. Ja sogar diejenigen jüdischen, nur jüdischen. Arbeiter, die mit Urlauh ihrer Arbeitgeber zum Besuch ihrer Arigehörigen nach dein besetzten Gebiete zurückkehren, werden an der Rückreise nach Deutschland vorhindert. In diesem letzteren Falle liegen die Umstände besonders — man muß fast sagen — grotesk. Diese selben Arbeiter erhalten nämlich mir dann die behördliche Einreiseerlaubnis nach Polen, wenn sie vorher in Deutschland eine hohe Kaution — 100-200 Mark — hinterlegen, die verfällt, wenn sic nicht nach Deutschland zurückkehren. Man kann sich vorstellen, welche Bcgriffe von deutscher Auffassung von Recht und Redlichkeit in den Köpfen von Menschen entstehen, die auf diese Weise behördlich gchindert werden, ihren vertraglichen Vcrpflichtungen naclrzukommen und die so ,kraft Obrigkeitlieber Gewalt sowohl ihre Kaution verlieren, wie außer Staude sind, wieder zu ihrem Geld, ihren Habseligkcitcn, ja zu ihrer Familie zu kommen, die viele von ihnen in Deutschland!unterlassen haben. Der Wortlaut der Verfügung, auf die sich diese Praxis der deutschen Behörden in Polen stützt, ist uns nicht bekannt. Wir können uns nur an die Tatsachen halten, die aus den zahlreichen, Berichten und Beschwerden, die wir bekommen, zuverlissig leststehen. Es obliegt für uns keinem Zweifel, daß das preußische Ministerium des In- «eni hinter diesen Anordnungen steht, dessen lang- ,/äiirig erprobter ll״(j den deulsciien Juden recht vertrauter gelieimrätiicher Antisemitismus jeder Neuorientierung Stand hält. Und wir sind auch überzeug», daß bewährte Technik, der cs wciiigcr auf ehrliche Offenheit, als auf Wirkung ankommt, eine Begründung des Grenzschlusses gegen Juden gefunden hat, die nötigenfalls auch für parlamentarische Anfragen ausreicht. Bei der traurigen sozialen Lage des Großteils der Ostjudeu ergeben sich derartige Gründe leicht und können mit ein bißchen Gewandheit so hinge- »teilt werden, daß der gute Bürger der weisen Obrigkci» noch herzlich dankt, die ihn vor den ״Der Zionismus ersirr die Schaffung einer S3;״t Heiuuläfic in IMUi.-üna." 1:: נ׳ ••!:׳־ Vclb;?ו f .':,dj-rfca ~.T frtr'rsrsn». Gefahren der Judeneinvvandemng behütet. Aus den spärlichen Nachrichten, die in der Presse erschienen sind, ergibt sich, daß z. B. das Flcckficbcr ivsp. die angeblich mit der Einwanderung von Ostjudeu verknüpfte erhöhte Gefahr der Einschleppung des Fleckfiebers eine Rolle in der Begründung des Grenzschutzes spielt. Die Tatsache, daß die jüdische Bevölkerung der polnischen Großstädte infolge Ihrer unerhörten, meist dm eit den Krieg und die Maßnahmen der Besetzangsbehörden hervorgerufenen, Notlage einen höheren Prozentsatz zu den Fleckfiebererkran'kungen stellt, als die iiiclitjüdische, genügt, um dem Durchsclinittslaicn begreiflich zu machen, daß die Unterbindung der jüdischen Einwanderung im Interesse des Gesundheitszustandes der Bevölkerung Deutschlands erforderlich ist. Sollte aber nicht genügen für ein Ministerium, dem hinlänglich bekannt ist, daß die Bekämpfung des Fleckficbers ausschließlich in der Bekämpfung der als alleinige Krankeitsüberträgeri!1 in Befracht kommenden Laus besteht, und daß eine gründliche Entlausung und entsprechende Ouarniitäne das einzige und zudem absolut zuverlässige Mittel ist, die Versejileppung der Seuche hintaiizuhaiten — vorausgesetzt allerdings, daß es iiiitersdiieilios gegen Juden 11ml Nichtjudeu angewandt wird, sintemal die Laus in unübc-1 trefflicher Objektivität sieh auf Juden und Christen gleichmäßig stürzt — was unsere deutschen Soldaten im Kriege hinlänglich erfahren, haben. Ls gibt wahrscheinlich auch noch andere sögenannte Gründe. In dieser Zeit des allgemein bctricbene» und allgemein verlcugneten Schleich-, haiukis mag es jedem hcuuldbevvußtcn, d. h. jedermal! angenehm erscheinen, im eingewandelten Ostjnden einen Sündenbock zu finden, den man statt sich selbst in die Wüste, d. h. nach Polen schickt. Vielleicht gibt cs auch noch quasi politische Gründe. Es ist gar zu einfach, die eingewanderten Ostjuden als die Träger und Sdircicr der immer weiter um sich greifenden allgemeinen Unzufriedenheit hiiizustclleii. Kurzum, es bedarf keiner übermäßigen ministerialrätlichen Weisheit, um ein iiaibes Dutzend Gründe zu finden, die den Schluß der deutschen Grenze gegen die Ostjuden, rechtfertigen, ohne daß dabei der Begriff ״Aniiseinitisinus“ auch nur andeutungsweise in Frage kommt. Ein halbes Dutzend Gründe, einer verlogener als der andere. Darum wollen wir schon jetzt erklären, daß wir jede Diskussion über irgend einen dieser Gründe ablehnen. Es gibt nicht einen einzigen sachlichen Grund, der es rechtfertigte, daß Juden anders behandelt werden als andere Menschen. Es gibt nur einen Grund: Judenhaß und es gibt nur eine Erklärung: mittelalterliche Beschränktheit. Das soll liier deutlich gesagt werden: Wenn es wahr ist und wenn cs dabei bleibt, daß in Deutschland Verfügungen erlassen werden oder bestehen, die jüdische Menschen unter Sondcrgcsetze stellen, nur weil sie und wenn sic Juden sind, so müssen wir deutsche Juden das als eine Kampfansage gegen uns betrachten. Es spielt dabei gar keine Rolle — und auch das soll von vornherein eindeutig fcstgestelit werden —, ob sich der Antisemitismus der Behörden nur gegen Ostjucien richtet. Es genügt die Tatsache, daß cs in Deutschland möglich ist, daß für Juden, gleichviel welcher Herkunft, Ausnahmebestimmungen bcstellen, daß für Juden, gleichviel aus welchen Gründe״, Verordnungen erlassen werden, die für andere Menschen keine Geltung haben׳. Das heißt die Tatsache leugnen, daß Juden Menschen glcidien Rechtes sind mit allen anderen Menschen, ela» heißt uns den Krieg erklären um einer Fonderung willen, in der wir kein Nadigcbcn kenneu und um die wir kämpfen werden mit der gleichen Entschlossenheit gegen wen immer, sei es .nun russischer Zar oder sei es preußisches Ministerium. Die ganze Weit soll nach Deutschland und wird zum Eintritt aufgefordert, der geringste rtithenische Analphabet ist willkommen wir Juden — wir Juden, rächt die Ostjuden sind cs -wir sind gefährlich für das Land oder füt seine' Hygiene oder für seine Moral. Wir sind aufs äußerste entschlossen, die» Belekligimg nicht ziizuiassen. Wir sind gewiß, daß man, wenn nicht im Ministerium des Inneren, 90 in dem des Aeußeren Verständnis hat für den politische« Skandal, der sich liier vorbereitet, — wenn wir die für uns allein in Frage kommende moralische Seite einmal außer Betracht lassen, ln der ff.־uvzcn Welt hat das jüdische Volk seine Anerkennung durchgesctzt. Es ist zu einem weltpolitische« Faktor geworden, dessen nationalen Bestrebungen ihre Sympathie» aiiszuspreehen sich die Regierungen der Zentral!» ächte ebenso angelegen sein lassen wie die der Entente, oder doch fast ebenso. Wir Juden sind in diesen Jahren aus dem Winkel herausgetreten, in den man die unterdrückten Nationen stellt, und wir lassen uns nicht mehr WncinsteDen, nidit uns und nicht einen Teil von uns. Wir lassen es nicht zu und die ganze Welt wird es nicht mehr zulassen. Ist Deutschland so seit/ viel daran gelegen, als die einzige Madit m erscheinen, in deren Bereich cs noch ein Juden recht gibt? Man spricht soviel von moralischen Erobcruiigen, hat man kein Verständnis dafür, wessen Geschäfte mit solchen Methoden i>etrk׳lx׳n werden? Verheimlicht werden kann so etwas doch nicht und wenn die feindliche Presse in ihrem Stil Notiz von dieser 'Kulturpolitik nimmt, 90 soll man an die richtige' Türe klopfen. lX׳nn dt» sollte heute mich in den Regionen preußischer Ministerien klar sein, daß das Land, das Juden luifcr Ausnahmegesetze stellt, sich selbst unter eia Auaiahmercciit stellt. Wir verlangen, daß diese Sdimach - keine Sdimacli für uns - sofort beseitigt und daß dieser Skandal ־ Ui» S'.and.1■־ für uns r.X'rt r.'tgc ־' :V* wird. Zur rumänischen Judenfrage, Das Kopctihagcner Zionistische B&ro vcrüffentlcht ein Rcsumde der Erklärungen, die der rumänische Ministerprüsident Marghijoma« am 3. Juni einer IX־־ legntion des ״Verbandes der rumänischen Juden“ abgegeben hat. Das Resiimde liutft: ״Die Lösung der Jiufenfrage ist nidit ohne Schwierigkeiten, ohne Zugeständnisse vor sich gegangen. Wir glaubten, daß Sie mit der gefundenen Lösung sehr jufrieden sein werden, da wir nidit bei demm, xBe an öer Front waren, Halt gemacht, sonder» alle aufgeno» men haben, die von Iler Mobilisierung betroffen wurde«. Sie haben in den Oestcrrcicliern die w&mstea Verteidiger gehabt; Sie konnten keine w.imm■ Dcfiftr- Wörter haben, , Außenseiter gibt es überall; auch 11 Deutschland gibt es, sogar dort geborene, tdcimntkxvc. Andererseits können Sic sich kaum verstellen, welche ungeheure« Schwierigkeiten die Lösung einer solchen Frage und der unmittelbare' Ucbergang von einer alten Situation zu einer modernen und geredUcn bietet. Sie dürfen die Lage in der Moldau und die Gegnerschaft, mit der wir dost m rechne* haben, «echt vergessen. Die Moldauer haben eine besondere Psy* chologic: Jeder von ihnen hat einen Ha,1*j1tdcn, jeder hat seine Juden als Tischgäste, aber dies hindert ihn nicht, die Judenfrage als solche mißgünstig .\Bakchm*e* und Judenfresser zu sein. Ich betreibe keine Oefüllfspolitik 11ml habe immer erklärt, dal! cs unbegreiflich Ist, daß cs ia cuiem Organismus von 7 000 000 Seelen wie Rumänien 300(XK) oder 200 000 Leute gibt, die nks ׳ Frermle betrachtet werden. Ich war immer gegen die individuellen NahraUsicrungen, welche nur denjenigen, die Protektion hatte« oder Deputierte und Senatoren bestechen konnte*, de■ Möglichkeit gaben, die Einbürgerung m erzielen. IX-in Fricdeiuivcrtrag wurde ein Ckh-im.Vtokolt beigeschlossen, welches die I k-sl im nunigxti ek*s Verträges erleichtert timt erweitert. So r, 11 wurde der Nachweis der Geburtsdaten durch Zeuge« ״-. ms» »™ zivil״״״״ _ ruugsgcsud. wird «isammcn mit den Akten beim Verwaltungsbericlit der betreffenden Stadt, wekbes die Fi״, tragung madit, hinterlegt. Im FaMe emer Bcuwt m- 1Es te" mS'tidh*dt* ^W-k«gt wvrtkn. ts ist möglich, <J.!ß cs etnzefne gibt, wie (Ec studicrcndc Jugend, wcldie vom Kriege kn Äu lmk iiZ. s ,rs:!■ r 71, ״ v,1 M , Z1י ״ kann Kroß sein mxl man wird Mittel finden, um auch diese, sei ca cinxeln o*Vr SChdfe־n1S,C,IC ty.crW«1tnK, cinzubüngem. LXejtmigen, die 1013 ineAdmiert warm, gehöre» Vo« w-that zu der im Vertrag rewgcselimm^ I I I

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