Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1918-07-19 · Heft 29 (19.7.1918) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIII (1918)
Issue
Heft 29 (19.7.1918)
Date
1918-07-19
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2651273-2652077-2652105--11657-2669204
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1 i Cr'. k •1 IW• ד (,j-, h J,׳, Kuh W: U'> l׳l- . י if ... IV K '■׳ ״ am!,. tiirr ג reichag כשר rtuiier & nuj ,Ct'j 1s. t von ג pf., 1t: XV, l CI—X׳ m Ne hoffen 1. IJeftI ,7.50 .־! 1—5 5ilr! (Tarif. Ibü 11 lJ•׳ 3ד"" \ / j! 1!» ■<U3CS.״ ׳O ‘v \ \ \ ״’ \p *־*.» / VirÄ: \ זגגד ■״.'׳" ■v *; um■!11־, ־r־nn'|T —-•ד-׳::־ר״־ד.ר״;:!“״ד״.'*:'*:^■:!מדדשני״דרד^ל .;.׳•:י ־״» ■ל״יד״- י t~ ' ge(j1ktion und Verlag- Jüdische Rundschau^ Berlin W. 15, SikKiEciie Straße 8. Ericfccint wödimtl. am Freitag. Abonnement bei der Expedition und bei allen I'o?.!"r.!{«rn eierteljä’nrl. Mit. 3,25 in Deutr.diUncl, in Oesterreich-Ungarn 14r, 5,50 im Ausland M'■׳ '* — Nummer 29 *^Ttrrrwiyi Berlin, den 19. Juli 1913 rinrura1*־Sßf~; -■ •י - י. y Amt Ühhnd&5׳~t46rWBtnc!,c.lSr^dTNr173^2) Für OfNsterreichr! •;,nr^1.־e״amt S.^cM-ento Nr. 156030. Aazdgcii die »ed.5;׳eipal ca* Pe-fc* ,;40 י |*f,Teurr11n״er.u£dsias2 ׳b'׳' K.ednkt! 1n»!"ldu!4 iiicnsta•! "®““ך 10. Ab'ßG7ö •1 XXIII. Jahrgang _. —_......—, y. » ».r■ v,,..vji- %j£<*•*mm.1 *- •5' ** v/.i Tisch’a beav all sich ein- Zum vierten Mai in diesem Kriege jiihrt sich der Tag unserer nationalen Trauer. Zwiefach ist diese Trauer Israels durch die Jahrhunderte, seit es den neunten Av zum Ausdruck seines nationalen Schmerzes, gesetzt hat: cs ist die Trauer um den Untergang seines nationalen Heiligtums und Gemeinwesens und die Klage über die tausendfältigen Martyrien und Verfolgungen, die es seit jener Urkatastrophe von» neunten Av über sich ergehen lassen mtilHe. Voll sind die Klagelieder und ►gesange dieses ־Tages von dem Schmerz und der Selbsianklage eines Volkes, dein die Quelle seines nationalen Glückes durch eigene Verschuldung und ein grausames Geschick verschüttet ward, voll aber auch von Verzweiflung und ErscinUierung über die furchtbaren Geschehnisse in .der Zeit seiner ruhelose» Wanderung. Nicht nur die Klagelieder des Propheten Jeremias, der auf den Trümmern der zerstörten Stadt die entschwundene Pracht und Herrlichkeit Zions betrauert, brennen an diesem Tage in der Seele eines jeden Juden, in ihm den alten Scimcr/. und die tausendjährige Trauer er• neuernd, auch die Erinnerung an die Tragödie des Jahres 1492, die mittelalterlichen׳ Hoehsprüche über Speyer, Mainz und Worms reißen die halbvernarbten Wunden auf, die in Ncmirow und Kischincw ihre walmsinnsvolie Wiederholung fanden und bis in unsere Tage die Leidensgeschichte unsc■ res Volkes erfüllen. Bis in unsere Tage! Gerade in diesem Jahre hat das jüdische Volk wieder das furchtbare Schau• spiel des Totschlags und der Metzelei an seinem Körper erdulden müssen, Szenen des Entsetzens und der Verwüstung, würdig, im Buch der Kinoth iu Seife 1 kr herzzerreißendsten Klagelieder ihren dichterischui Ausdruck zu finden. Hat doch da.; russische Judentum in diesen Tagen den Beschluß gefallt, zum Andenken an die zahlreichen Opfer der Judenpogrome der letzten Monate einen besonderen nationalen Trauertag einzusetzen. Und auch jene Jahrtausende alte Trauer um die Zerstörung Jerusalems und die Vernichtung des jüdischen Gemeinwesens flammt an diesem Tisch’a beav in jedes Juden Brust auf. Unser Land hat in diesem Jahre die Schrecken des Kricges und der Verwüstung in besonderem Maße erlebt. Nichts scheint ihm von den Leiden erspart geblieben zu sein, die der moderne Krieg übe* ein unmittelbar von ihm getroffenes Gebiet bringt. Hunger, Krankheit, Flucht und Evakuierung sind die furchtbaren Merkmale auf der Stirne des vom Krieg erfaßten palästinensischen Judentums. Beide Ketten schmerzvollen Tisch’a beav-ücdenkens sind um einen lastenden Ring in diesem Jahre schwerer geworden. Aber trotz der Wimden, die die Gegenwart uns־ liier im Galuth und dort im Lande unserer Zukunft schlägt, mischt sich heute in unsere Tisch’a beav* Trauer eine neue große Hoffnung: wie die Wunden, die uns das Galuth zufügte, nur eine Folge unserer leichten Verwundbarkeit als Volk der Verbannung sind, so wird auch die Wiederaufrichtung unseres nationalen Lebens in unserer Heimat das Anlilz unserer Galuthgcschichtc wandein. Nicht umsonst haben die Katastrophen von Mainz, Speyer und Worms ihre Aufnahme in das Kvnolltbuch des neunten Av gefunden,obwohl sic nicht gerade am neunten Av sich abspiclten. Wie Zions Untergang die Tragödien des gepeinigten Galuthmenschen mit sich brachte, wird Jerusalems Ernöhung zugleich der Galutherniedrigung ein Ende bereiten. Und haben wir nicht Grund, dies zu erhoffen, da wir selten, daß unsere aus dem Leide erwachsene Kraft jetzt jenes schwere Gewölk zerteilt, das Jahrtausende über uns lagerte und uns die klagenden Melodien der zwiefachen Tisch’a beav-Trauer anzustimtnen zwang? Unsere Trauer wird sich in Freude, unsere Knechtschaft in Freiheit wandeln! Gott wird seine Verbannten zurückführen 1 M. M. ״l>cr Z.l oa'ami« err.i <Uc Schul»anjJ cfac7 CI':, HcIauKBs U -t Kr «!r.i Volti .'c.i-rccMöcN Krfclicrfo» hcsclcr IVcgrataji», Veranstaltet Ti1ch#ä bcaV'Saxnislufi^eii für das •, »Hilfswerk für Palästina". Eine Erklärung über die Judenfrage in Li teuer! Wie die Neuen jüdischen Monat:,hrflc in ihrer Nummer vom 10. Juli 1918 (No. 19) initteilcii, hat der Herr Reichskommissar fi'tr die Oabeegebiete und Litauen, l.:x/eile״z v. F n I k c n h n 11 s e n, am ft. d. MK die Herren i>r. Adolf Fr jedem an 11 und Prof. I)r, Moriu Sobernhei m vom ״Komitee für den Osten“ empfangen und ihnen folgendes erklärt: ״Wir verkennen nicht die große Wichtigkeit des Ostjtidcnproblcms. Grundsätzlich überläßt die Kaiserliche Regierung dem soeben anerkannten litauischen Staate die endgültige Regelung seiner inneren Verhältnisse, Das schließt indessen nicht aus, daß sie I>ei1n inneren Ausbau gemäß den Wünschen des Laudesrates milwirkt und ihren Einflul! für die Erfüllung der berechtigten Wünsche des Judentums einsetzt, wie sie dies übrigens auch bisher getan hat. in dem Litauen größeren Umfanges, das voraussichtlich bei der endgültigen Regelung der Verhältnisse im Osten entstehen wird, muß allen nationalen Minoritäten ihr Recht auf bürgerliche Gleichberechtigung, freie Religion»- Übung und P f I e g c i 11 r e r Eigenart und U e - bcrliefcrung voll bewahrt werden. 1 )cshalb soll auch der jüdischen N a t i o 11 a 1 i - t ä t das Recht auf s e 1 bs tu 11 d ige O r d n u n g ihrc r kulturellen Angelegenheiten, also eine weitgehende kulturelle Autonomie, zustehen, und sie kann darüber hinaus auf Zugeständnisse, z. B. auf dem Gebiete der Selbstbesteuerung für ihre eigenen Angelegenheiten rechnen. Die Regierung verfolgt die nach dieser Richtung hin geäußerten Wünsche mit ihrer vollen Sympathie. Sic teilt auch die auf berufliche Um- Schichtung der Juden Litauens gerichteten Wünsche und ist bereit, die auf landwirtschaftliche Betätigung gerichteten Bestrebungen nachdrücklich zu fördern. Der Herr Reichskommissar wies dann noch darauf ftin, daß schon die gegenwärtige Verwaltung Litauens ihr Wohlwollen für die jüdische Bevölkerung durch zahlreiche Maßnahmen erwiesen, so,gleich bei Beginn ihrer Tätigkeit die volle Gleichberechtigung mit der übrigen Bevölkerung verkündet und alle einschränkenden Be- Stimmungen der russischen Judengesetzgebung außer Kraft gesetzt habe. Ein besonderes Referat für jüdische Angelegenheiten sei errichtet und auf dem Gebiete der Schulen der jüdischen Eigenart nach Möglichkeit Rech* '1m1g getragen worden. Der Arbeiterfürsorge und den Wohifahrlsbestrebungen der jüdischen Komitees werde volles Interesse zugewendet Der Herr Reichskommissar gab zum Schlüsse seiner Hoffnung Ausdruck, daß es bei gegenseitigem Entgegenkommen aller litauischen Nationalitäten bald gelingen werde, die durch den Krieg geschlagenen Wunden zu heilen und das an Hilfsquellen reiche Land einer freundliehen Zukunft entgegenzuführen.“ 4 Diese Erklärung stellt die erste zur Veröffentlichung gelangte offizielle Erklärung einer zuständigen deutschen Behörde zu den Forderungen des litauischen Judentums dar. Es kann vorweg fcstgcstcllt werden, daß diese Erklärung eine Tendenz verrät, den Wünschen des litauisehen Judentums, mit denen sich bekanntlich audt die organisierte Gesamtheit des deutschen Judentums einverstanden erklärt hat, eutgcgeuzukointncn. Die Erklärung stellt fest, daß im Osten Voraussicht-!ich ein Litauen größeren Umfanges entstehen wird, in dem allen nationalen Mütoritäten ihr Recht auf bürgerliche Gleichberechtigung, freie Religionsübung und Fliege ihrer Eigenart und Uebcrliefcrung voll bewahrt werden. Da ausdrücklich in dieser Erklärung von einer vollen Wahrung der Gleichberechtigung, der freien Rcligioiisübting und Pflege der Eigenart und Ucberlicfcnmg gesprochen wird, muß man darunter verstehen, daß nicht nur au eine Anerkennung der in diesen Punkten erhobenen Wünsche der nationalen Minoritäten gedacht, sondern audt. die Durchführung von Maßnahmen, von Garantien, geplant ist, welche diese volle Wallrung sichern können. Der Schwerpmikt des Verhaltens den nationalen Minoritäten gegenüber liegt daher in der Schaffung dieser Garantien, fi'tr welche insbesondere die jüdische Minorität ihre Wünsche und Forderungen wiederholt ausgesprochen hat. Man kann mit Genugtuung .fcststcllcn, daß die Erklärung des Herrn Rcicliskommissara für die Ostseegebiete mul Litauen fi'tr die Durchführung dieser Garantie einen Rahmen zu bieten scheint. Mit besonderer Genugtuung wird man in den weitesteil Kreisen fcstetcllcn, daß die offizielle Erklärung klar und deutlich von der jüdischen Nationalität spricht. So ist im Gegensatz׳ zu der an anderen Sielten; fcotgchaltcncn Gepflogenheiten mit der Fiktion gebrochen, daß das Judentum von Staatswegen ausschließlich als eine Religioii'tgcmcinscliaft hiu1:estcllt mul IxhanifeU wird. Diest r (iruiitlatiffa.isung entspricht die Folgerung, daß der jüdischen Nationalität das Recht auf selbständige Ord-; ihrer kulturellen Angelegenheiten, also eine weitnun! Ulf; 1111 L I KlUlilf Llivii uv'•׳'•יי . gehende kulturelle Autonomie, z.ugt na.iden und dnrü• ber hinaus andere Zugeständnisse in Aussicht gestellt werden. Eine solche Autonomie kann selbstverständlich nur einer nationalen Gemeinschaft zugebilligt werden, da ihre Inanspruchnahme von Seiten euier a!nh־rs verstandenen Oemeiuschaft nicht erfolgen kann. Es ist erfreulieh, dal) die Regierung offiziell erklärt, die nach diescr Richtung hin geäußerten Wünsche init ihrer vollen Sympathie zu verfolgen, in die-wai Zusammenhang ist sicherlich eine wohlwollende Haltung der Regiertlug bezüglich der vom litauischen Judentum gehegten Wünsche wegen Einrichtung der jüdischen Gemeinden begrüßen*- wert, deren Kompetenz auf Gr und der grundsätzlichen Aulfasstmg der jüdischen Gemeinschaft nicht auf die reinen Kuitusaufgaben beschränkt werden kann. Soweit uns bekannt ist, werden auch schon seiten* der Venvaltung Ober-Ost Schritte unternommen, um eine Gemeinde- Verfassung in diesem Sinne voßzubereiten, welclvc den jüdischen Gemeinden, die zu konstituieren »ein werden, Aufgaben zuweisen wird, welche über den Rahmen der reinen Kcligionsgcineinde hinausgeken. Wenn der Herr Reichskommissar ia seiner Erklärung darauf hinweist, daß schon die gegenwärtige Verwaltung Litauens ihr Wohlwollen für die jüdische Bevölkerung durch zahlreiche Maßnahmen erwiesen hat, so kann allerdings fcstgcstcllt werden, daß diese Maßnahmen tatsächlich im 'litauischen Judentum und vom gesamten jüdischen Volk gewürdigt werden. » Freilich ist eine Anzahl sehr wesentlicher Wünsche bisher noch nicht erfüllt worden und auch die Erklärung des Herrn Reichskoinniissars läßt noch nicht erkennen, wie weit an ein Entgegenkommen in diesen i*unkten ge• dacht ist. Der Herr Reichskommissar gab zwar zum Schlüsse seiner Erklärung der Hoffnung Ausdruck, daß.es bei gegenseitigem Entgegenkommen aller litauischen Nationalitäten bald gelingen werde, die durch den Krieg geschlagencn Wunden zu heilen und das an Hilfsquellen reiche Land einer freundlichen Zukunft entgegenzuführcn. Die jüdische Minderheit Litauens ist jedoch in dem Landesrat, welchen die deutsche Regierung als Ver• Iretung der Bevölkerung des Landes anerkennt, nicht ver• treten. l>cr litauische Landesrat besteht bekanntlich nur aus den Vertretern einer Nationalität des Lande», den Lit• wincrit. Infolgedessen bleibt die Schaffung einer wirk• lieh legitimierten Landesvertretung offen, welche er.« unter Hinzuziehung der Vertreter der nationalen Minderheiten zustande kommen kann. Seinen gegen den bestellenden Zustand erhobenen Protest wird das litauische Judentum aufrecht erhalten müssen. Im Zusammenhang mit der von ihm angestrebten Anerkennung ist daher auch die Abgabe einer Erklärung der zuständigen deutschen Behörden gegenüber den Vertretern des litauiselten Judentums selbst vonnöten, für welche das Komitce des Ostens zu sprechen nicht in der Lage ist. Es wird, daher wünschenswert sein, wenn die vom litauisehen Judentum beabsichtigte Konferenz, derentwegen schon öfter Vorschläge erstattet worden sind, baldmög• liehst stattfinden könnte. Mit Rücksicht auf das vom Herrn Reichskommissar zum Ausdruck gebrachte und für die Zukunft in Aussicht gestellte Wohlwollen der deutschen Regierung Ist auf d»c Erfüllung dieses wichtigen . Wunsches des litauischen Judentum» hoffentlich mit Sicherheit zu rechnen. Erst wenn eine solche Konfercnz stattgefunden und eine Vertretung des litauischen sehen Judentums geschaffen hat, wird eine von Seiten der deutschen Regierung an diese Vertretung abgegebene Erklärung, welche den Wünschen des litauischen Judentunts entgegenkommt, die volle Wirkung haben, die offen• Sichtlich gewünscht werden muß. In der vorliegenden Erklärung des Herrn Reichs- Kommissars ist von dem Recht der jüdischen Nationalität auf eine weitgehende kulturelle Autonomie gesprochen Bet der praktischen Durchführung der in Aussicht genommenen Maßnahmen und Sicherungen wird der Be• griif der kulturellen Autonomie, der ohne genauere Erklannig blaß und schillernd bleibt, eine Konkretisierung s.cherhch erfahren. Darauf weist das Vorgehen™, deutsebe״ Verwaltung in den in Betracht kSnmcnS. Gebieten des Ostens erfreulicherweise hin Demnach wird die veröffentlichte Erklänma des Herrn Reichskommissars sicherlich Befriedigung aus losen, wenn audt das Komitee des Ostens cs^rfbeta h־i6'* vor,i"tgege״״ahmc eSSST^?7, tlS in” vIrh^frCn Vcrtrdcrn dc» litauischen fuefcatums m Verbmdimg a, setze« und auszt^mSL * י־ 1Seit H״l״r?C7Ttcle?,raPh<"•ßäro meldet: amcrikanfsch-j'üdfsSg!iJei,te' der Organisationen eine großerT B^nme m^ch *? •* 12»

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.