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Jüdische Rundschau · 1918-07-12 · Heft 28 (12.7.1918) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIII (1918)
Issue
Heft 28 (12.7.1918)
Date
1918-07-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Red«! lioiucrJmiö Diuistajr «»»«-־** ...... ~~rs—«—.״ ׳״-rv.'..'a'־־,v.... «»vt..,rr-aÄ- ,t—.aÄI .3. /3078 ל״ « XXIII.J־l>r?an2 il* Wirkungen und Voraussetzungen Im Sommer HJlh unternahm Sven liedin oi-1e Reise durch Syrien und Palästina und wurde auf ihr von dem damaligen Oberbefehlsliaber der in Syrien stellenden türkischen Armee, Djeinai Pa sch a, sein• gefordert. Seine Eindrücke hat er i!1 einem Buche iiicdergelogt, das unter dein Titel ,J crusalcm״ im Leipziger Verla״■ p, A. Broekliaus crscliicneii ist. Sven liedin sin'icht in einem Kapital seines Buches ־auch über den Zionismus, zeichnet kur/, seine Grundlagen und die Geschichte der jüdischen. Siedlung 0Palästina mul komm( zu folgendem Schluß: ״Das Verhältnis der Juden zur türkischen Regierung liat seine Schwierigkeiten. Man kann ,cs den Türke#« nicht verdenken, dal! sie mit einiger Sorge beobachten, wie das früher so schwache und gefügige Volk der Juden iinm.'i׳ anspruchsvoller wird, genau so vv'ie die imlereti Nationen linier dem Halbmond. Sie fürchten mil Recht, da 11 die Juden, wenn sie sieh erst stark genug fühlen, nach nationaler und politischer Scibstiindi׳,!״eit streben werden. Die Juden zwar bezeichnen solche lielürebhingeii als völlig grundlos; sic fordern nichts weiter als das Recht, ihre nationale Eigentümlichkeil und ihre Sprache frei zu entwickeln“. Mau wird zngebat, djjdl diese Sätze das Probleut des Verhältnisses des Zionismus zur Türkei nur sehr flüchtig berühren. Sven Heditt kam es offenbar nicht darauf an, auf das Problem cinzugelten, sonst hätte er sicherlich gefunden, daß die Türkei durchaus Anlaß liätlc, der Entwicklung der nationalen jüdischen Siedlung in Palästina nicht mit Sorge, sondern mit Vertrauen und Hoffnung eiitgcgenzttsehen. Hat er doch sehen müssen, auf welchen Grundlagen das Verhältnis der Türkei zu der einheimischen Bevölkerung in Syrien gegenwartig ruht. Die Folgerungen hieraus ergeben sielt von selbst. Allerdings kann nicht übersehen werden, daß Sven Hcdin seine Eindrücke aus Palästina in einer Zeit gesammelt iiat, in der aus den bekannten Gründen bei bestimmten Stellen das Bediirinis bestand, die Entwicklung der nationalen jüdischen Siedlung in Palästina und der ganzen zionistischen Arbeit als eine nicht ganz erwünschte zu betrachten und hinzusteilcn. Inzwischen scheint sielt auch bei den maßgebenden türkischen Stellen eine den tatsächlichen Verhältnissen mehr entsprechcmlc Anschaltung durchgesetzt zu haben. Diese bessere Einsicht gilt auch insbesondere für die politische Bedeutung der zionistischen Paiäctina-Kolonisation. Soweit die wirtschaftliche Seite der Frage in Betracht kommt, hat Sven Heuin sich der Einsicht niciit verschlossen, daß der Zionismus für die Türkei von großer Bedeutung ist. Er schreibt itt dem genannten Kapitel seines Buches: ״Ohne Zweifel würde die Türkei aus einer stärkeren jüdischen Einwanderung manche Vorteile ziehen. Schon׳ jetzt haben die Juden brauche industriellen Untcrnchmutigen angeregt und den Wein- und Apfelsincubau des Landes ungeheuer gesteigert. Ihnen verdankt Paliistina die Anpflanzung des Eukalyptus, die Ent- Wässerung vieler Sümpfe und die Urbarmachung großer Wüsieiistrockcn. Dadurch haben sic den Steuerertrag des Landes bereits stark vermehrt. Durch Intelligenz und Tatkraft sind sie der eingeborenen Bevölkerung zweifellos überlegen. Gewährt ihnen die türkische Regierun» denselben Schutz lind dieselben Vorteile wie anderen Völker», dann würden sic bereitwilligst Untertanen der Pforte, und die geistigen Kräfte, die num jetzt für industrielle und technische Anlagen aua Europa beziehen tmiiß, würden im Lande selbst gedeilten.“ b In diesen Sätzen ist jedenfalls ein deutlicher 1 ן Hinweis darauf enthalten, welche Haltung die Türkei j I ^cr zionistischen Kolonisation in Palästina gegen- | über auf politischem und wirtschaftlichem Gebiet ן | einneltmcn muß, um ihre Entwicklung statt mit I 00rge mit Vertrauen und Hoffnung beobachten zu t i können. Und sie darf an einer Frage nicht vorübergehen, die Sven Hcdin in seinem Buche nicht behandelt hat, weil er nur die bestehenden Zustände schildern, aber keine Ausblicke in die Zukunft unternehmen wollte •—, der Frage! ob für das Land eine rasche Entwicklung überhaupt möglich ist, wenn die jüdische Siedlung in ihrem Wachstum nicht durch Gewährung der von der zionistischen Bewegung verlangten Rechte nach Kräften gefördert wird. Auch Sven Hedin dürfte sich der Ansicht nicht verschlossen haben, daß! ohne Förderung der ״ha׳ die Sch״! /,toutanuf cru i'oi'g c.ihcr C״«, c So!'.il.'.iüim. ״c!1t L' r ״!cl!*; U.i J",v4jcha Vcd'.i hillzh r‘.c:!.:!1cric.a /• i'lcr 1 ’ro^ir.rsun. die f jüdischen Siedlung in Palästina das Land unmöglich den Aufschwung nehmen wird, den es nehmen kamt, weint das jüdische Volk mit seiner ganzen Kraft an der Entwicklung seines nationalen Zentfums ju Palästina arbeitet. Sven Hedin schließt seine Ausführungen über den Zionismus folgendermaßen: ״Zwölf Millionen Juden gibt cs auf der Erde. Sic alle in Palästina atiztisiedelii, ist weder beabsichtigt noch auch möglich, Denn mein־ als 2 Millionen kann das Land auch bei intensivster Bestellung nicht erniilirni. Vom' jüdischen Gesichtspunkt kommt cs nur darauf an,!•inen Krysiallisntionskern zu schaffen, zur, Gegenwirkung gegen die Zersetzung der jüdischen Rasse, Der Zionismus ist also der Kampf des Judentums gegen die Vernichtung, und sein Ziel ist die Sammlung einer rein jüdischen Bevölkerung in Palästina mit Landwirtseliaft als wirtschaftlicher Grundlage und ׳ dem! Hebräisclteu als Volkssprache.“ Es ist bekannt, daß Fachleute die Grenzen der Aufnahmefähigkeit Palästinas weiter ziehen als Sven Hedin. Wenn wir auch die Erklärung Sven Ik'ilins, daß der Zionismus durch den in Palästina zu schaffenden Krystallisationskern eine Gegeuwirktiiig gegen die Zersetzung der jüdischen Rasse .schaffen will, nicht wörtlich unterschreiben wollen, weil der Zionismus seinen Kampf um die Erneuerung des jüdischen Volkstums nicht zu eitler Ras seit best re bung gestempelt haben will, so körnten wir das,’was Sven Hedin eigentlich meint׳, imnierhiu als den Kern der zionistischen Bestre- Itungen amielimeit. Es ist wahr, daß der Zionismus der Kampf des Judentums gegen die Vernichtung ist. ל . , Bei diesem Kampf um die nationalen Grundlagen eines neuen Lebens des jüdischen Volker, wenleti dem Zionismus notwendigerweise alle Fragen gestellt, die bet dem Aufbau eines neuen Gemeinwesens von entscheidender Bedeutung sind, Fragen; die in unserer Zeit das Interesse aller jener finden, die soziales und politisches Schaffen von der Eyrderuiig auf Gestaltung eines besseren und gerechteren Seins geleitet wissen wollen, als es das Wesen der gegenwärtigen Zivilisation und Kultur ist. Bezeichnend für die Aufmerksamkeit, welche die zionistische Arbeit und; die zionistischen Kolonisatioiisbestiebungcn in der Ocffcntiichkeit finden, ist die reiche allgemeine Zeitschriften- und Buchlitcralur, in der ständig auf die zionistischen Problaue ltingewicscn wird. Hierzu gehört ein Aufsatz von Hans G o s 1 a r unter dem Titel ״V 0 1 k sboden“ in der Berliner kritischen Wochenschrift für Volkswirtschaft und Finanzwesen ,,Plutus“ vom 3. Juli 1918. Goslar knüpft an eine Besprechung der Schrift ,,Gemeindeeigenttim und Privat- Eigentum am Grund und; Boden“ von Dr, Franz Oppenheimer an und untersucht, in welcher Weise die zionistische Kolonisation Palästinas den Aufgaben der berufsmäßigen Umschichtung und Heranbildung großer Eittwatulerungsmassen zur landwirtschaftlichen Betätigung und ihrer Seßhaftmaclittng als freie Bauern gerecht zu werden sucht. Er unterstreicht das allgemeine volkswirtschaftliche Interesse, das die zionistische Arbeit finden muß. ״Es ist ein volkswirtschaftliches Experiment von hohem allg cm einen Interesse, das sich hier vorbereitet. Erhalten die Zionisten nach Friedens- Schluß die iltitcn heute zugcsiclierte Möglichkeit, große jüdische Einwanderungsmassen in absehbarer Zeit aut dem Wege des Erbbaues als freie Bauern! anzusicdcln und so einen soliden und breiten agrarischen Untergrund für ein blühendes Gemeinwesen zu schaffen, in dem־ nicht, wie es z. B. bei der Erschließung Amerikas geschah, H11»derltausc1)dc Enterbte unter der Geißel einer kleinen Kaste von Bodenspekulanten seufzen, sondern ״ein jeder unter seinem Weinstock und seinem Feigenbaum sitzet“, dann ist ein großer Wurf gelungen. Dann kann und wird1 die Rückwirkung auf die bodcnrcformcrilchcn Strömungen im allen Europa schwerlich ausblciben. Und cs ist auch nicht unmöglich, daß die Welt, die schon einmal von dem kleinen Volk im südöstlichen Mittclmccrbccken eine Ethik erhalten hat, von dort sozialpolitische Impulse empfängt, deren Ausstrahlungen Weit gehen werden.“ Hans Goslar verweist mit Recht auf die große Bedeutung der zionistischen Kolonisation für t \ ״ - - *r־‘v־Tr.־t•,vידwל•s1!«דן*■,יr.trג bodenreformerisclien Bestrebungen. Daß in deren Kreisen die zionistische Arbeit mit vollster Aufmerksamkeit verfolgt wird, beweist die soeben ita Verlag von Gustav Fischer in Jena in itetutler erweiterter Auflage erschienene ,,Geschichte der Nationalökonomie“ von Adolf Damaschke, dem Führer der Bodenreformbewcgutig. Damaschke behandelt Ln seinem Buch auch den Zionismus und die Beziehungen seiner Koionisationstätigkeit zu den bodenreformerischen Bestrebungen, wie sie schon unter Hcrzl gezeichnet wurden. Damaschke erklärt: ״Der Weltkrieg hat diese •Fragen ja in den Bereich der praktischen Politik gaückt. England hat ausdrücklich erklärt, daß es das Streben der Zionisten zu unterstützen gewillt ist, und die gleiche Erklärung haben die Türkei und auch deutsche Staatsmänner abgegeben. So ist es möglich, daß hier ein öffentlich rechtliches Gemeinwesen tauf Bodcnreform-Gruiullagu entstellen kann, dessen Entwicklung auch .über die Grenzen des Heiligen Landes hinaus holte Bedeutung gewinnen nmß.“ Heute schon bemerkt der Reisende, welche Ideale in der jüdischen Siedlung Palästinas Gestatt bekommen. Sven Hedin schreibt in seinem Buch ,,Jerusalem“: ״Die jüngere Generation der jüdischen Einwanderer strebt nach Verwirklichung der Eigcnlieitnidce. Jeder soll seinen Grund und Boden haben, um von fremder Hilfe unabhängig zu sein. Der Gcmcinsamkcitsgedankc steht über allem; er duldet keine Spekulation mit Land oder wachsender Saat, sondern läßt den Ertrag der Arbeit allen zugute kommen.“ Voraussetzung für das Gelingen der politischen und wirtschaftlichen Bestrebungen, die dem jüdisclteu Volk in Palästina ein nationales Leben schaffen wollen, *in welchem seine Kraft zu neuer Auswirkung gelangt, bilden aber nicht nur poiir tische;Bedingungen — sie zu schaffen ist die Aufgäbe der Zionistischen Organisation, die alle Mächte und Völker zur Anerkennung ihrer Forderungen zu gewinnen sucht nicht wirtschaftliche und wirtschaftspolilische Theorien und Programme, sondem vor allem die Menschen, die die Arbeit itt Palästina auf sich nehmen. Wir wissen, daß das Gelingen des Kolonisationswerkes der jüdischen Ge- Iteration in die Hand gegeben ist, welche der Zionistnus nach Palästina und auf die Scholle führt. Die Stärke und die Legitimation der zionistischen Bewegung vor dem gesamten jüdischen Volk und vor der ganzen Kulturwclt ist cs, daß die Arbeit, durch welche die jüdische Volkssicdlung in Palästiua entsteht, von Zionisten und im zio- 111 s t i s c 11 e 11 Geist geleistet wird. Mit welchem herrlichen Feuer, mit welchem erhebenden Idealismus, welcher menschlichen Größe die Pioniere unseres Volkes auf der palästinensischen Scholle leben und — sterben, dafür haben wir ein prachtvolles Zeugnis in einem Buch, das eins der schönsten und lebendigsten Dokumente der Eroberung Palästinas durch den neuen jüdischen Jischuw ist, in dein Buch ״Jiskor“. Wer wissen will, warum wir uns in unserem Glauben nicht wankend machen lassen, daß es dem Zionismus gelingen wird, in Palästina ein nationales jüdisches Leben für das jüdische Volk aufzubauen, in dem es nach 'den Gesetzen seines eigenen Wesens sein Leben gestaltct, — der wird in dem Buch ״J i s k 0 r“ Antwort finden. LH. Verhandlungen in Konstantinopel Auf Einladung der türkischen Regierung haben sich kürzlich ,Vertreter des Zionistischen Aktion s» Komitees, der Vereinigung Jüdischer Organisationcn Deutschlands und der Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen, Judentums •nach Konstantinopci begeben, um mit der r r «,,״ c h.c n Regierung in Verhandlungen über die Wunsche der Juden hinsichtlich der Palästina- Siedlung emzutreten. Zu welchem Resultat die Verhandlungcn führen werde״, ist bisher noch nicht m übersehen. Auf türkischer Seite besucht offenbar" der Wunsch, den jüdischen Forderungen möglichst entgegenzukommen. Schon die Einladung an die erwähnten jüdischen Organisationen sprii Bildung eines jüdischen Zentrums. Andererseits k« eine Prüfung der von jüdischer Seite voSrachtS Vorschläge^ iin, Einzelnen noch nicht erfolgt vielmehr 7!i,״e _t״rk,8.chc R.eßic™nff voraussichtlich zu diesem Kommission emennett. oben von der — .. *VW^IVI Zwecke eine besondere ■1<!ן

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