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Jüdische Rundschau · 1918-07-05 · Heft 27 (5.7.1918) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIII (1918)
Issue
Heft 27 (5.7.1918)
Date
1918-07-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
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JXr Artikel gellt von der, wie mail weil», nur ranz bedingten Voraussetzung aus, da» eine jiitiisclie Frage für Westeuropa nicht besteht, leugnet aber nicht, da» sie im Orten nicht nur ein rcligi* öses, sondern zugleich auch ein nationales Problem bedeutet. Die Entscheidung des Problems erblickt der Artikel durchaus in der Verwirklichung der Forderungen des jüdischen Volkes, in Palästina das eigene nationale Leben aufzubauen. Diese Formulierung wäre, von Rillen Einwänden abge• sehen, eine von unserer Seite zu begrüßende Ancrkcimuug der zionistischen Auffassung der jü• dischcn Schicksalsfrage, Dem Buch von Laidrcs folgend stelltdcr Artikel fest, daß die zionistische Frage, deren politische Bedeutung die Mächte der Entente und allmählich auch die Mittelmächte erkannt und gewürdigt haben, für die Türkei von außerordentlicher ükonomischcr Bedeutung ist. Es erscheint dem Autor des Artikels aber nicht ausreichend, den Zionisnms vom kolonialpolitischen Gesichtspunkt zu würdigen. Er versucht auch, die Macht des Zionis* nms an der Hand seiner Ideologie nachzuprüfeii, und lehnt sich hierbei an die Schrift von Breuer an, der den! Zionismus, welcher die Judenfrage als nationale behandelt, die Aktivlegitimation, im Namen der jüdischen. Rcligionsnation zu sprechen, bc* streitet. Der Artikel in der Frankfurter Zeitung behauptet, Bre-uer sehe die Schwäche des Zionisnms in seiner Tendenz, das Volk ״bloß auf die Rasse zu gründen und bewußt alles auszuschalten, was das Volk zum Volk gemacht hat, seine-Geschichte, seine Kulturtradition“. Dieses Referat gibt, was vor allem festgcstcllt werden muß, die Beuilcilung des Zionismus durch Breuer nicht richtig wieder. Breuer hat weder behauptet, daß der Zionismus siel! bloß auf die Rasse gründet, noch vermag er dem Zionismus zum Vorwurf ׳zu machen, daß er die Geschichte, Kultur und Tradition ausschaltet. Alles das sind irreführende Interpretationen der Breucrs'chen Schrift. Es gehört ein arges Verkennen des Zionismus dazu, ihm diesen Vorwurf zu machen, Breuer selbst hat ihn durchaus nicht ausgesprochen, Die Differenz zwischen der zionistischen und der Breucrschcn Anschauung bcginnt erst bei der Einschätzung des Begriffs der jüdischen Kultur ihrem Umfang und Inhalt nach. Darüber haben wir uns aber mit Breuer schon früher auseinandergesetzt, Aber die ßreuerschc Behauptung von der manßc!״^n Legitimation des Zionismus zur Vertretung des jüdischen Volkes aufgreifend, hält es der Referent in der Frankfurter Zeitung für notwendig, diö OeiSentiichkeit vor der drohenden Gefahr zu warnen, den Zionismus als d i c Organisation zu betrachten, ״die die jüdischen Interessen vertritt“ Diese Warnung, deren Befolgung auch die deutsche 1 oütik auf nicht zum erstenmal betretene Irrwege bkT>'111״ ״^C> ״‘€ht ohne Zurückweisung ln der Tat hat sich der Zionismus als durchaus echter und treuer Erbe der unzerstörbaren Sehnsucht des jüdischen Volkes, des unerschütterlichen Glaubens der Jahrtausende und des immer lebendigen Willens seiner ganzen Geschichte erwiesen. Daher weiht ihn auch die wahre Legitimation. Damm strömen ihm alle Kräfte des gesamten Judenha1?™״' iat Cf bcltbc״cl«׳ erneuernde, aufbauende Kraft, darum verbürgt er allein die Erncucrung der Kultur des jüdischen Volkes in allen ihren Formen. Darum hat er auch den Anspruch auf die Unterstützung und Forderung aller, welche für da* ״Weiterieben eines Volkes, nicht aus naturwissenschaftlichem, sondernaus mcnschheitlidiem Interesse“, eintreten. Wenn der Referent mit seinem Standpunld, daß das Interesse der Orthodoxie an der Sprung gerade auch der nationalen Zukunft des Judentums lebendiger sein wird als das ״De? Zionismus er;,! die Schafft«);: einer 6'T Helmsiüiie In iV.liiiilcי, etil f .׳,? Hidi-te: ״. Ara!״ IV,,ו!״ ■י t C׳;r>, PosVAedTonto; Berlin Nr 17392 Für Oesicrrei« ׳ ra:;a~a״R־־:r;1־:al ScIi-dToaio Nr, 156030, Anzeigen die efd.^MpaUeaa VeM 1 r t\ ' .׳zג־,:'׳!; 1׳ A0 Pf, Tci;״.n1r:'".־^־.U:2r.!i!״,־1'20 ׳^״ RrtlnkUonrSiJiluß üi^nsta*( 115013»• - . ... -;■־-rp;.;,.-־״ ־ •::־־״ . r\ r X.» i ij W* 3לכ5 10 t, XXlII.Jalirsang -Aj: i־.a Vel des Liberalismus, Recht hat, so liegt cs eben daran* daß das wahrhaft jüdische Kcligionslebcn ohne die Anerkennung der jüdischen Nation undenkbar ist und daß die jüdische Religion ihren Lebenssaft verliert, wenn sie sich vom Nationalen löst.!111 übrigen handelt cs; sich bei der Beurteilung der Legitimation der Vertretung des jüdischen Volkes in dieser Zeit nicht mehr um theoretische Auseinandersetzungen. DieTaisadien haben gespro• dien und die Geschichte der Gegenwart beweist jeden lag, daß der Zionismus das jüdische Volk hinter sich hat. -Der Referent der Frankfurter Zeitung glaubt anscheinend, einen Gegensatz zwischen dein Zionismus und dem Ostjudenttun konstruieren zu können, und schließt hieran die Mahnung: ״Heute lebt ja die jüdische Nation des Ostens in der Einfluß- Sphäre der deutschen Politik, in Polen und der Ukraine. Auch hier wird es nötig sein, die realen Verhältnisse richtig zu werten, um nicht falsche Faktoren in eine trügerische Rechnung einzustellen.“ , Die Mahnung soll offenbar eine Warnung sein. Haben die Tatsachen im Osten nicht oft genug, nicht deutlich genug gesprochen? Alle ohne Vergcwaltigulng erfolgten Wahlen in jüdische Vcrtretungskörper, die Wahlen zum russisch-jüdischen Kongreß, die Wahlen der jüdischen Gemeinden in Rußland und der Ukraine,, das Palästinaplcbiszit der Zionistischen Organisation in Polen, die Stellungnaiunc des litauischen Judentums, einschlicßlieh der Orthodoxie — von allen anderen Ländern zu schweigen: all das müßte Beweis genug sein, daß die' Rechnung Tkhiig ist,'die den Zionismus als die einzige Kraft cinrrtellt, welche, das Zulumftsschicksal des jüdischen Volkes im Sinne seines ewigen Ideals gestalten wird. Das jüdische Volk hat dem Zionismus und der Zionistischen Organisation die Aktivlcgitimation zur Vertretung seiner Interessen zuerkannt. National-jüdischer Jugend״;״״ P In außerordentlicher Welse hat im Kriege die jüdische Jugend Deutschlands den Weg zum nationalen Judentum und zu׳ Pr.!;istina gefunden. Obwohl naturgemäß gerade Jugendorganisationen durch den Krieg besonders schwer getroffen wurden, läßt sich ein übermachendes zahlenmäßiges Anwachsen aller auf national■ jüdischem Boden stehenden.JugcndvcrbändC konstatieren, das um so bedeutsamer ist, als in den nicfifnationalen Verbänden ein Stillstand, ja ein Rückschritt fast überall zu konstatieren ist. Besonders stark ist dieser zahlenmäßige Aufschwung im ״Blau-Weiß“ zu bemerken, aber ähnliche Tendenzen zeigen auch andere Verbünde, so das Kartell Jüdischer Verbindungen, so die zionistischen Jugciidvereinc, die ^rst jetzt ihre .Vereinigung zu einem großen Kartell vollziehen konnten. Wichtiger aber als dieses äußere Anwachsen ist die innere Entwicklung, die die nationale Jugend in Deutschland genommen hat. Die Frage, die in der Entscheidung ״Deutschtum oder Judentum“ lag, wird längst als gelöst empfunden. Es wird auch’ nicht mehr diskutiert, ob man hebräisch lernen und ob man nach Palästina gehen soll. Eine neue Generation wächst heran, der das ״ob" gleichgültig geworden ist und die mit aller Inbrunst nach dein ״wie“ fragt, den Weg sucht, der zur jüdischen Volksgemeinschaft und der zur persönlicheti Anteilnahme am Aufbau Palästinas führt. In diesem gemeinsamen Streben wird aus der Organisation, dein Verein, immer stärker die innig verbundene Gemeinschaft, die die .Keimzelle der gemeinsam nach Palästina strebenden Gruppe abgibt. ׳ * ■ Es ist nur natürlich, daß eine Jugend, die mit dieser Entschlossenheit aus ihrem jüdischen Bekenntnis die letzten Konsequenzen zu;!dien zelverbaiules durchbri: hat ihren /Ausdruck zuu!ent, rieh als eine einheitliche! nationale Jugend empfindet,.ob sie nun in Studenten- oder kaufmännischen Organisationen, ob in Waiidcr- oder Turnvereinen organisiert Ist, Die große ,Mannigfaltigkeit unserer |1>g.;;!dorg.1״.;׳!״.t!onc:1l unzwcifelliaft ein Vorteil, well sie jedem ermöglicht, in dem Verbände tätig zu sein, der seinen Anlegen die beste Entfaltungsmöglichkeit gewährt, hat auch den Nachteil, daß das Gefühl, Glieder einer einigen jüdischen Jugendbewegung zu sein, verloren za gd;cn droht an:d daß zu leicht im Vcreinszwec!: der Selbstzweck gesehen• wird. Demgegenüber ist die Forderung nach f׳.:haffung einer jüdischen Jugendbewegung, elje den Rahmen des Ein- :er sl’jRer gevvorden. Sie in eigr.iils.itcfLdttf Form gefunden, als die zwölf Berliner Vereine, die auf nationaljüdischem Boden stellen, einen gemeinsamen Ausschuß bildeten, der bald .wesentliche 'Aufgaben, so die gemein• samen hebräischen Kurse, Gcschiclitskiirse usw. löste, darüber hinaus aber von vornherein in der Tendenz gegründet wurde, einen Gcsamtausschuß zu bilden, der die uanze national-jüdische Jugend Deutschlands zu. nmmertschließen soll. Auf Grund der Berliner Anregung ent- י standen in den meisten größeren deutschen Orten fcntsprechende Ausschüsse, die überall sieb bestrebten, das Einheitliche in der nnlionakn Jugendbewegung zum Ausdruck zu bringen, alle verfügbaren Kräfte zur Arbeit heranzu/.ichen und bestehende Differenzen zu überwinden. Am 16. Juni d. J. ist dann provisorisch der Gcsamtausschuß der national-jüdischen Jugend Deutschlands begründet worden, über den die ״Jüdische Rundschau“ bereits berichtet hat. Zweifellos bedeutet diese Gründung einen wichtigen Fortschritt auf dem Wege zur Sehaifung einer jüdischen Jugendbewegung, Aber dieser erste Schritt kann nicht genügen. Nicht die Führer, die •Zusammenkommen, um einen ncücn Verband zu gründen, werden die jüdische Jugendbewegung ins leben zu rufen. Nur die Jugend selbst, die zusammeukounnt und mit elementarem Instinkt sieb als zusammengehörig empfindet und sich ihr Ziel steckt, wird die Jugendbewegung schaffen. In dieser Erkenntnis hat die Tagung vom 16. Juni dem ncugcbildctcn Gesamtausschnß als vornehmste Aufgabe übertragen, einen Jugend tag zu veranstalten, der die national-jüdische Jugend Deutschlands aller Gegenden und aller Verbände zusammenbringen und nicht nur der Umwelt ein imponierendes Bild des starken Willens bieten kann, den heute unsere Jugend repräsentiert, sondern vor allein dieser Jugend selbst die Möglichkeit bietet, in rückhaltloser Aussprache ihre Ziele klar zu erkennen und sich dann die Organe zu wählen, die sic mit der Durchführung betrauen will. Dieser Jugend tag wird vom 6. bis 8. Oktober in Berlin stattfinden. Seine Aufgaben werden mannigfaltiger Natur sein. Im Mittelpunkt aber muß eine Frage stehen: die Frage der Ucbersicdlung nach Palästina, in allen anderen großen Judenschatten der Welt besteht heute eine Heehaluzbewegung, die alle Kräfte zusammenfaßt, die cntschlossen sind, nach Palästina zu gehen, gemeinsam sich, auf Palästina vorbereitet und die Mittel und Möglichkeiten studiert,, die in Palästina nach dem Kriege bestehen werden. Wir wissen wohl, daß die Zahl derer, die auch in Deutschland entschlossen sind, nach dem Kriege den Weg nach Erez Israel zu finden, nicht gering ist. Vom Jugendtag wird und muß der mächtige Impuls ausgehen, der uns die jüdische Hcchaluzhewcgung in Deutschland schaffen wird. Im Zeichen Palästinas, aber auch im Zeichen der Rückkehr zur jüdischen Kultur, wird sich die jüdische Jugend Deutschlands zusammenfinden und den Jugendtag veranstalten, von dem eine neue Acra jüdischer Jugendarbeit in Deutschland beginnen 8011, Fritz Löwenstein, Zionistische Tagung in Rußland Eine Konferenz der zionistischen Vertraue nsm;inner hat vom 5. bis 8. Mai in Moskau getagt und ist zu einem bedeutenden Ereig- ' nis in der jüdisch-nationalen Welt in Rußland geworden. Offiziell wurde die Tagung in Moskau als eine Sitzung des zionistischen Zentralkomitees bezeichnet, in Wirklichkeit war cs eine große Tagung, an der fast sämtliche führenden und aktiven Kräfte teilnahmen; so der größte Teil der Mitglieder des Zentralcomites, die Mitglieder des Großen Zionistischen Aktion®■ Comitös Boris und Isaak Goldberg, Neiditsch Podlischewsky, Idclsohn und Rosow, die Delegierten des hebräischen Sprachverbandca (,,Tarbuth“); ferner waren vertreten dicFraktion der Zeire-Zion, der Studentenverein Hcchawer, das Büro des Jüdischen Natioiialfonds, die zionistischen Rayoncomites in Moskau Petrograd und Sibirien. Außerdem beteiligten sich die Redakteure der zionistischen Preßorgane, wie auch die .Vertreter zahlreicher Kommissionen des Zentralkomitds lm ganzen nahmen an den Beratungen mehr als 60 Perl sonen teil. Die Sitzung wurde durch eine Ansprache des Mitßhedes des Zionistischen Aktions-Comitds, Boris Goldborg, eröffnet,der in warmen und tiefempfundenen Worten 1i־s AnCiksi von Dr. Echicl Tschlehow würdiefc. Goldberg gab eine ausführliche Uebersicht der allgemeinen politischen Lage in Rußland, sowie der Lage 1« I alasima und in den Ländern der Diaspora Der offizielle Bericht dca Zentralem! tds umfaßte folgende Punkte: traicomiaUpcmdilo SS,!S 1 <־״ KKindlichen Debatten wurden eine Reihe von Resolutionen angenommen, die für die Weitercntwicklum» d« jüdischen Leben* in Rußland von großer Bedeutung 1• I

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