Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIII (1918)
- Issue
- Heft 24 (14.6.1918)
- Date
- 1918-06-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Quartal (Dcuttth- 18nd: Mk. 3,2S; Ocstcrrctd1-Un!>nr«1: Kr. 5,50; Ausland; iik. 5•-) z׳> crneucra, damit ln der Zustellung der Zeitung keine Unterbrechung elr.tritt. ״Der Zionismus erstrebt für das Jüdische Voll! die Schaffung einer fiffenlllcli-rcchtlfch gesicherten Heimstätte In Palästina." Baseler Programm. Der Kampf der Polen gegen die Juden Neue erschreckende Nachrichten kommen aus Polen. Die Pog ro 111 b c w c יין u 11 ff, die sich schon einige Monate in Ciali/jvn auslobt, beginnt in Polen selbst Full zu fassen! In Warschau und in Lodz waren dieser Tage an allen Enden •und Ecken der Stadt Aufrufe angeschlagen, die in einer unmißverständlichen Weise zum Pogrom gegen die Juden aufreizen. Um sich ein Bild von der Art!dieser Pogromagiiation zu machen, umll mau einen derartigen Aufruf lesen: "!סי I e n , Achtung! Dem polnischen Volk ilrolit grölte Gefahr! Die \V;u׳l1t im Lande übt eine fremde Gewalt ausl Eine fremde Ataclit zerstört unseren Boden, unsere Kräfte, unsere Arbeitsstätten. Die polnische Regierung, durch die Demsdien eingesetzt, hat keine Macht, führt eine SelieincsiUenz. Jüdische B a 11 d e 11 p I ü 11 d cm Polen! Durch ihre Hände nimmt die Okkupationsmacht alles, was sic will. 111 dein Bestreben, die Spuren dieser vernichtenden Arbeit zu verwischen, s ii e n d i c J u d e 11 Unfrieden zwischen uns, rufen in unseren Reiheit Streitigkeiten hervor, organisieren d e 11 Bürg e r k 1׳ i e g. Unser. Liend macht sie reich, unsere Machtfosigkeit stärkt sie, unser Unfiiedc gibt ihnen Kraft. Mit den jüdischen Intrigen in 1111 einmal n\v f g c r ä u m t wer d e 11! Mit jüdbehem Golde organisieite Schlägereien werden auf tapfere Kämpfer stoßen, wciclio nicht Geld, sondern das Bewußtsein in den K.inml fuhrt. /• ii r die u »verschämte, v e r - n i c I) t c 11 de P o I i t i k werden d i e J 11 ü e־n d i e Strafe erhallen die ihnen die B c!' r e i u 11 g s - a r 111 e f e r t c i 1 c n w i r d. Achtung Polen! Gott ist unser Zeuge, daß wir nicht Blut vcrgielkit wollen, aber vergegenwärtigen wir uns, was für Niederlagen unser Vaterland erwartet, .f a 11 s wir n i c h t die- *er jüdischen 1־ r e e h 11 c i t ein Ende mache 11, Die Ikfreiungsnrmec.“ In einem anderen Pogromaufruf heißt es: Acht u 11 g , l* o 1 e n! Eine gclieime Schar Elender operiert mit liciiehieri.u'lieu Ideen. Sie versuchen in unserem Lande Vorwirrtmg und Bürgerkrieg heivor/mtileii. Sie treten auf, *I■׳« ob sie im luteres der arbeitenden Bevölkerung haudi.!len. Diese jüdischen Scheusale bahnen sieh den Weg zur liuaiizielleii mul politischen Karriere der Herren Irol/ki. Die Anstrengungen dieser jüdischen Agenten müssen veredelt werden. . . Was sind denn die jetzigen Streiks der Beamten und der siadtisclmii Angestellten anders als eine gewöhnliche Anstiftung vier jüdischen Spekulanten, die in dem Bestreben, uic Preise zu steigern, und, unterstiizt durch die Vmwissenheil der Beamten der Ernährungs-Kommission. viic Lebnismiitel/iifulir nach Warschau imtcrbiiidcn. Das polnische Volk muß erfahren, welche Ziele die Arbeit dieser jüi.isdien Scheusale erstrebt und wer ihnen (ms Geld dazu gibt. M a 11 muß diese Bande vertilgen 1 Dies c 11 Jude n in u ß m au tiiic Lehre (׳eben. Sie s vH I e 11 wisse n, daß die Strafe sie ereilen wird; das polnische Volk denkt anders als der durch die Juden getäuschte Warschauer Stadtrat. Liiiigkeii und Zusammenschluß siegt 1 Da* polnische VoN vernicht, daß der Jude die Lebenssäfte aussäugt daß der Jude bestrebt ist, die Polen aus 1areu Stellungen lierntisz.tidräiigen, weil er selbst seine Stellungen cinnclmicn will. Zum Kampf Polen! Schützt unser L a 11 d, Pol e n! Die Befrcituigsanucc.“ Diese tmd jilinlicltc Aufrufe prangten drei Tage lang, in allen Straßen Warschaus lind Lodz.s, ohne daß jemand - wem! •es, nicht Juden laten — sich bemüßigt gefühlt liäüe, sie zu entfernen. Als du jüdischen Ratmann einen jiolnisehen Mjliziatücu aufforderte, die Plakate abzureißen, erhielt er von dem MÜiziaritcn die Antwort, «laß keine Verfügimgf ergangen sei, die dies vorschreibe. Auch wurde kein Fall bekannt, daß einer der Verbreiter dieser Flugblätter abgefaßt oder fesigenommen wurde. Diese Tatsache Pt ׳um so auffallender, als die Polizei sonst die Entfernung ihr unerwünschter Flugblätter und Maucranschlägc gewissenhaft durchführt und׳ gewöhnlich-der Verbreilcr solche! Schriften habhaft zu werden versteht. Es darf daher nicht wunder nehmen, daß über die lirheberschaft dieser Flughliiller im Lande die seitsamsten (icrüclHc zirkulieren, um so weniger als es den jüdischen Zeitungen tu Polen von der Zensur verboten wurde, irgend etwas über die. Pogromplaknte zu .schreiben. Alles, aber auch alles, was Warschauer und Lodzer Zeitungen darüber berichten wollten, wurde gestiicheu. Dagegen winde es der Lodzer polnischen Zeitung ״Nowy Kmjer Lod/ki“ erlaubt, die Pogromaufiafe in ihrem vollen .Wortlaut ab/.tulrtiekeu und darau die Bemerkung^,4 knüpfen: ״Der Inhalt der A u f r u f e entspricht der S t i in nt u n g der polnischen Massen.“ Jeder Versuch einer Entgegnung auf diese ungeheuerliche Be- Häuptling wird von der Zensur uulerbuudeu! Es läßt sich denken, welche Stimmung angcsichts der Verbreitung solcher Pogromdrohungen unter den Juden Polens herrscht. Jeder Tag kann den Beginn •eines allgemeiucn Ueberfalls auf Leben •und Gut <jer jüdischen Bevölkerung des Landes bedeuten und leider ist nicht atramehmen, daß die Polen ihrerseits irgendetwas •unternehmen werden, tim das drohende Unheil ahzuvvenden. Daß es sieh aber in diesem Kampfe der Poicu gegen die Juden nicht bloß tun ein Ablenlanigsmitlcl der durch die äußeren Verhältnisse gereizten Stimmung der polnischen Bevölkerung lymdelt, sondern daß dieser Kampf im vollen Bewußtsein seiner Bedeuumit und mit allen Mitteln raffiniertestcr Tasciieiisjiiclei'kuiist organisch wird, zeigt ein Vorgang, über den. die ,,Wiener Morgenzci« uing••' vom 8. Juni sieh von üuei 1 Lern berge r Korrespondenten berichten läßt. In Lemberg, der Hauptstadt Galiziens, wurde am 4. Juni vollkommen unerwartet allen Einwohnern der Stadt ein Fragebogen zum Zweck einer neuen Volkszählt! ng zugesandt mit der Bestimmung, daß bei hoher Strafe in der Rubrik ״Umgangssprache“ die j Ul i 8 c h c Sprache nicht angegeben w'c r d e n d a r f. Kunstvoll hat die Lembergcr polnische Behörde ihren Plan ausgesponnen: sie hat zur Ausfüllung des Fragebogens nur eine Frist von drei Tagen gewährt. Am 7. Juni mußten alle Fragebogen ausgefüllt i'zuritckgcsamlt sein. Auch 'wurde es dem •ein/igeu jüdischen Organ Lernliergs, "dem zionistischen ,,Tagblatt“ von der Zeitstir. verboten, gegen diese Vergewaltigung Profest zu erheben. Der Leitartikel dieses Blattes vom 1. Juni, der sich uiit'dieser Angelegenheit befassen wollte, ist vom ■ersten bis zum letzten Wort von der Zensur gestrichen worden. In den späteren Nummern sind alle Stellen, die sich auf die Volkszählung• beziehen, getilgt. Der Zweck des ganzen Manövers ist einleuchtend: die Juden sollen durch diese Strafandrohung ,und durch diese systemalische : Unterdrückung eines öffentlichen Proteste:; gezwungen werden, polnis'ch •als ihre Muttersprache anzugeben, um die Zahl der galizischen Polen um Hundcrttausendc zu vermehren. Mit Recht schreib! die ״Wiener Morgtnzcitmig“ z.u diesem tineriiörten polnischen Trick: ״In drei Tagen ist der Schwindel erledigt •und Lemberg wird vierzigtausend Polen mein• haben. Es wird eine ״rein statistische Wahrheit“ sein. Man wird es schon verstellen, der Zentralbehörde in Wien die Lüge zu verschleiern und die Polen werden ״gesiegt“ haben“. Das Verbot, Jidisch «als die Muttersprache an- Zusehen, ist für Galizien nichts Neues. .Schon bei der letzten Volkszählung war es in Galizien den Juden bei Strafe untersagt, ihre Muttersprache in den Fragelisten der Wahrheit gemäß anzugeben. Trotz der hohen Geldumd Freiheitsstrafen, mit denen seinerzeit gedroht wurde, haben die galizischen Juden in ihrer •überwiegenden Mehrheit sieh nicht abhallen lassen,, ihre Muttersprache wahrheitsgetreu anzugeben. Es: ging damals eine hohe Welle allgemeiner Empörung durch das Land und machte sich in zahlreiche» Protesten ׳und Kundgedungen Luft. Damals war es wenigstens der jüdischen Presse erlaubt, zu dem Ucbergriff der Polen öffentlich Stellung zxt nehmen und die jüdischc Bevölkerung über die politischen Folgen aufzukliitett, die eine auf solche Webe duiehgo führte Volkszählung nach sich zieht. Damals wurde cs wenigstens erlaubt, der Bevölkerung klar zu machen, daß die Angabe des Polnischen als Mutterspräche einen Verrat an den nationalen jüdischen Interessen in Galizien bedeutet und daß die Polen selbstverständlich eine auf solche Weise gefälschte Volkszählung für ihre Unterdrüekungspoiitik den Juden und den anderen Minoritäten des Landes gegenüber in vollstem Maße ausnutzen weiden. He׳ utc hat die polnische Behörde die Möglichkeit einer solchen Aufklärung durch ein konsequent durehgeführtes Zen.surverbot und durch die schnelle ״Erledigung“ der Volkszählung vollkommen unterblinden. Was sich diese polnische Zensur während des Krieges gegen die jüdische Presse in Galizien erlaubt hat, davon weiß das zionistische Lembergcr ״Tageblatt“ ein Klagelied zu singen. Neuerdings hat die polnische Zensur verfügt, daß dieses Blatt nicht mir, wie bisher, sämtliche Aufsätze und Nachrichten, die das Blatt veröffentlichen will, in deutscher oder polnischer Ucbcrsetzung vor ihrer Veröffentlichung vorlegen muß, sondern daß auch die Feuilletonbciträge und der Natioiialfondatisweis übersetzt werden muß. ״Seit zwei Jahren“ sagt das nunmehr 15 Jahre bestehende Blatt, ״kämpfen wir vergebens gegen die Verfügung, die selbst im zaristischen Rußland nicht gewagt worden wäre. Der Erfolg ist jetzt, daß uns das Preßbiiro der Staatsanwaltschaft noch mehr bedrückt .... Wir fragen daher, was die österreichische Regierung und die galiz.iscl»e11 Behörclen mit uns Vorhaben, wenn sie ui* soviel Geduld und Unterwürfigkeit zumuten . . . Wirwolleu einmal klar und offen wessen, was der Plan der Regierung und der Behörden ist. Will man das Erscheinen eines jüdischen Blattes verbiete», so stelle man es einfach ein und Verdecke sich nicht hinter listige Mittel und drückende Verordmuigen, die schließlich zur Einstellung des jüdischen Blattes führen müssen l“ Mit wahrhaft eiserner Konsequenz verstehen zu führen. Krakau, Warschau und Lemberg, die drei Hochburgen polnischer Kultur, sind Mittelpunkte der antisemitischen Bewegung geworden. Dort, wo der Apparat vcrwaltungstechnischcr Maßnahmen nicht dazu ausreicht, um die Existenz der Juden zu imtergralH'ii und ihre nationalen Rechte zu unterdrücken, greifen die [,ölen zu dem wirksanieren Mittel der Plünderung, des Raubs und des Totschlags. ' Dort wiederum, wo der Pogrom nicht auf die Datier durchgeführt werden kann •und der Anschlag auf jüdisches Leben und jüdischen Besitz nicht z.u dem gewünschten' Erfolge führt, werden die Vergcwaitigungsmaßnalimen der Behörden zur Anwendung gebracht, tun den polnischen ״Sieg“ zu vervollkommnen. So greifen die Räder dieser furchtbaren Maschine ineinander. * Evakuierungen in Polen Soeben erhalte» wir die Nachricht, daß der Woclaweker Kreischef eine Verfügung erlassen hat,nadider die j ü (lisch e IJ c v 0 1 k e r u 11 g W I o e I a w e k *, die sich während des Krieges in der Stadt an.vissi׳j gemacht 11at, die Stadt binnen 11 Tagen zu verlassen hat. Der Befehl des Wlodawc'ker Kreischef# trifft nicht weniger als 6000 Juden, die in den ersten Kriegsjaliien bis zuin Juli 1017, wo über Wkiclawcfc die Eiiiw.-imlcmiigssperrt• verhängt wtirdS — sich in der Stadt angcsiedclt hatten. Diese Zuwatukrcr, die grolltenfeils aus Warschau gekommen waren, um’dem Umcn in der Landeshauptstadt drohenden Hiiiigeriodc zu eutgehen, wurden jmfangs von den Wlodaweker hhte» unterhalten und unterstützt, haben sich aber im Laufe der Zeit in Wloclawelc Existcnzmöglidtkeitcri ״«schaffe» sodall heute 70 ״;« der Zugcwaiulcrteu vollkommen IHR sieh selbst sorgen. D,e Begründung der Verfügung dali diese /״gewanderten der Stadt Wioeiawek zur Last talk ,. ist daher keineswegs stichhaltig. U,״ daer solchen Befinmdmrg des Befehls jeden, ״״den zu «(ziehen erklarte sich der jüdische Gemeindevorstnnd Wkxtaweks Sf1Cznna«|1.Er|a״ <k'r VT״״״“״«!,C1C,t■ dic Garantie (h lur zu übernehmen, daß auch der der öffentlichen der sS״?,f k ״CU w״-rfti״C Tci* dCr ^ewatirtc« der Stadt m keiner Weise zur Last fallen so 110. Die Zugewanderten selbst verpflichtete» aidi, die Aer nicren m ihren Reihen aus eigene» Mitteln zu eriaaiten m