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Jüdische Rundschau · 1918-06-07 · Heft 23 (7.6.1918) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIII (1918)
Issue
Heft 23 (7.6.1918)
Date
1918-06-07
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Reur.ktin;• '*!mmrm ־!a>«Ä ..»ts• *318101«»*־״״, w ׳/*t ׳r.»r *r״.v ״ XXIII.J 27. Ssiwsn GG7G ׳» ״jnUeao Pctst- 11u3 DitMulsjf ar.iiu71b .. y!•**ra.rtnr■ iraaserxsxstm r^ai^l .\s i.״s1.“Än Wir i'täS.m itntcr.* Bedcher, d;׳s Al*!>*mcn-c1־.i auf •di.“ jü;i!-!‘hc i%un<itc2w>u lör dos III. Qu.irtni (Dcuildiiend: M*;. Üc*i<-rrcid»-Ut»**מיז: J£r. 5,50} Auslandי Ml<. ä••י.,;* {־ erneuern, d*ml; In der /uctrlking der Zittern; keine tJntcrbrcdmnj» «•!iikili. Die polnische Legende Die Kümpfe der Nationen untereinander waren zu keiner Zeit Scheingefechte und Ttirnicrspidc, cs ist Immer sehr hart dabei hergegangen, und auch die Waffe der Verleumdung hat dabei immer eine Rolle gespielt. Aber innrer lag gerade über diesen Kämpfen ein romantischer Schimmer von Ritterlichkeit, der begründet war in dir geraden Offenheit, mit der der Kampf und seine Notwendigkeit zugegeben wurde. Anders, 11״״/! anders war und ist es in dem Vcrnichtungskrieg, den die Polen gegen die Juden führen. Immer haben ihn die Polen so gekämpft, daß die linke iiand den vergifteten Dolch führte, indes die rechte Gott ■und die Welt zum Zeugen ihrer Friedfertigkeit gegenüber dem jüdischen Volke anrief. Jahrelang hat (lies dazu geführt, daß die Welt nichts von dem Martyrium wußte, das das jüdische Volk in Polen au.szustchen hatte. Mit allen Mitteln raifinierkT Ueberredmigskunst und geschickter lnszcnitrimg, in der die Polen Meister sind, wurde das Spiel gespielt, das der Welt verhüllen sollte, was au Unterdrückung seitens der unterdrückten Polen einem anderen Volke angetan wurde. Und heute noch wirkt diese Meinung nach, die so j künstlich erzeugt worden ist und es ist schwer, die 1 Welt an dun Maß tarn Unwahrheit zu gewöhnen, i das Gen in der polnischen Legende Vom Polen ' t1״־.f ■•on! J!::!'׳t1 ausdr’ic!•'. 1 Man stellt fast fassungslos vor diesem Phä. i 11011H11. Ein Volk kämpft einen furchtbaren Kampf ״egen ein anderes Volk. Mit allen Mitteln, die 111m zu Gebote stehen, mit den einfachsten und mit den feinsten, sucht cs dieses Volk zu vernichten, ihm das Lehen iin Lande zur Unmöglichkeit zu machen, cs wirtschaftlich zu ruinieren, es moralisch verfaule;״, zu machen, cs zur Verzweiflung und aus dem Lande zu treiben. Zahllos sind die Opfer, ■die in diesem Kampf gefallen sind, und die Feindsdinfi der Polen gegen die Juden wird allmählich zum Kanlinalpimkt der ganzen inneren Politik des Laudes. Man sollte meinen, daß ein solcher Kampf, in dent cs sich nach der in unzähligen Schriften und Reden aus״,:drückteil Meinung der Führer des polnischen Volkes um einen Kampf um die höchsten nationalen Güter der Polen handelt und der doch wohl^ edlen Motiven entspringt, auch ausgefuchten wird wie ein Kampf, offen und vor dem Angesicht der zum Richter berufenen Meinung der Welt. Aber so ist es nicht, sondern dieser^ Kampf wird verheimlicht, er wird gehütet ־.vie die Schande der Familie, keiner darf davon •wissen, nichts davon darf offenbar werden, und die ganze Welt muß glauben, daß gerade da Liebe und Ruhe ist, wo Haft und Verachtung jeden Tag iuk! jede Stunde ihr schreckhaftes Werk tun, hn Laude wird der Jude gepeinigt, gehetzt, hinausgeworfen, entehrt und zertreten, jenseits der Grenzen aber wird das Märchen von dem wartuen brüderlichen Empfinden der Polen gegenüber Jeu Juden erzählt und in unzähligen Wiederho־ lungcit verbreitet. In der Tat macht nichts die Möglichkeit, zu einer Verständigung zwischen Polen und Juden zu kommen, die tiefe Kluft ausztifüllcn, die von den Polen gerissen worden ist und jeden Tag tiefer gegraben wird, schwerer als die Unwahrhaftigkeit mit ,der die Polen diesen Kampf leugnen. Es bleibt kein Wog zur Verständigung, wenn der Gcgner die Feindschaft abstreitet, die ihm das Herz er* füllt und die Haid führt, und man fragt sich bft, was man mehr bewundern oder verabscheuen soll, die innere Unwahrhaftigkeit, den furchtbaren Mangcl an Mut eines ganzen Volke», der aus dieser systematisch betriebenen Lüge spricht, oder die eiserne Stirn, mit der man es wagt, diese öffentliche Schande der Welt als Ehrenzeichen zu präsentieren. So lange der eherne Ring des ־zaristischen Reglmes die Wahrheit aus dem Lande nicht hinaus• ״Der JCfonhrai»» erärebt Gr c,a» jädbclie Voll* j j die Schaff;».ul einer ttftinitich-rcehtUch 1‘;f •sicherte!» ' llrimji.'.üc la I*...Li*!iu/j." löste3er Programm. vt li.it sieb, ein Pogrom begeben, und ließ, war die Gefahr der Entlarvung nicht sehr groß. Aber wie .stark auch die Mauer sein mag, die heilte der Kriegszustand um das Land bildet, die Zeit ist doch vorbei, wo keiner nach Polen hinein und keiner hiuanskomiuen konnte, und schließlieh ist heute doch ein Riesenlicer durch das Land gezogen •und wieder hinausgegangen, das etwas von dem gesehen hat, was sich dort begibt, Man braucht sich über das Verhältnis' des deutschen Soldaten zum polnischen Juden keinerlei Illusion hinzugeben, aber es wird schwer fallen, einen zu finden, gemeinen Mann oder Offizier, der nicht den Haß der Polen gegen die Juden wie eine Erscheinung der Urwelt erlebt hat und dem nicht ein Begriff davon aufgegangen ist, was cs heißt, als Jude in Polen zu leben. Und es kommen ja auch Fremde ins Land, und es kommen Berichte und Zeitungen aus dem Land, auch solche polnischen Zeitungen, die eigentlich nur für das Land bestimmt sind, und in denen der Judenhaß seine Orgien feiert. Glaubt man denn, daß niemand polnisch versteht und daß man immer auf Polen als Ueborsctzer ,angewiesen ist? Tatsachen sind doch da, •unerhörte Tatsachen, Begebenheiten, die einem das Blut in den Adern erstarren machen, man sicht sie doch, man weiß sic doch, man t.aun sie doch jeden Lag aufsuchen und begründe«. Aber die polnische Stirn bleibt .unberührt, und die pol* irische Lüge bleibt uncrsehültert, und nach wie vor geht der Bericht hinaus: es ,bestellt nur Fremulschaft zwischen Polen und Juden, und cs sind nur ausländische Hetzer, die das Gegenteil behaupten :.!;.vi 11.*t sich ein *L, ein Jude wurde von der ' Wut des Pöbcls ermordet. Alle Berichte stellen das gleiche fest: Die Menge plünderte die jüdische Liiden, stalil das jüdische Eigentum,• mißhandelte jüdische Frauen und Mädchen. Die polnische Legion, rühmbegierig und ehrsüchtig, führte die Plündererbandc in den Kampf gegen wehrlose Juden und die polnisch'.: Polizei sali helfend und ordnend zu. Das ist picht der Bericht der Juden, das ist der Bericht des offiziösen Telegraphenbüros, und cs stand in dieser Form sogar in den polnischen Zeitungen. Jeder, der in Krakau war, weiß cs, daß es sich um einen Pogrom gegen die Juden handelte, der mit Hunger nichts zu tun hatte, cs sei!denn mit Hunger nach den Auslagen der jüdischen Uhrenliiden, die gepüiiidet wurden, indes die daneben befindliche polnische Bäckerei •unangetastet blieb. Abgeordnete der verschiedensten Parteien des osterreichisdicu Rcichsrats, nicht etwa nur Juden, haben deshalb interpelliert und haben die Vorkommnisse so dargestellt. Der Vorstand der Krakauer jüdischen Gemeinde, assimiliert und den Polen ergeben, wie es nur ein Vorstand einer jüdischen Gemeinde in!־,ölen sein kann, hat sich in öffentlichen Erklii• rimgcn dagegen verwahrt, daß er die Exzesse als Hungerrevolte bezeichnet [habe. Davon könne keine Rede sein, es sei der typische Pogrom gegen Juden gewesen. Der polnische Erzbischof selbst hat sich veranlaßt gefunden, in einem Hirtenbrief das Volk vor weiteren Ausschreitungen gegen die Juden zu warnen. Der österreichische Polcnklub hat in einer Resolution fcstgcstcllt, daß ,,die antisemitischeii Unruhen ... in der Folge bedrohliche Formen annahnien“. Die Tatsache steht fest, cs ist wirklich an ihr nichts zu deuten. frt Wien erscheint die halboffiziöse Zeitschrift ״Polen“, die sich im Untertitel ״Wochenschriftfür polnische Interessen“ nennt. In ihrer No. 175 vom 10. Mai 1018 steht ein Artikel, betitelt ,,Brotfrage und Juden frage.“ ln diesem Artikel wird gelassen und unerschüttert der Versuch untcniommcn, der Welt weis zu machen, daß cs sich bei den Vorkommnissen in Krakau um ״Stra- Hemm ruhen und Ausschreitungen einer nach Brot schreienden Menge“ gehandelt hat, und daß man ״die Exzesse nicht noch beklagenswerter machen darf, indem man ihnen einen Stempel aufdrückt, der nicht zu ihrem Wesen gehörte.“ Und dann folgt eine lange Schilderung, die darauf hinausläuft, zu beweisen, daß cs sich bei all dem' •um Organe der jüdl- Berlin uml die hetzerische» Phantasieu der sehen Nationalisten und Zionirrte« i« Wien handle. Inzwischen gehen di« Pogrome ihren Gang. Nach Krakau kam Narol, und die »tcDCsie« Zeitungen bringen Nachrichten über Judenpogrom« in Wielic/ka, Klasno und ihobezi/a. W icctenrm ernten die polnischen Legionäre neuen Ruhm zu dem alten, indem sic rauben und plündesai, in׳' «Lie Wobinnigen der Juden ri״dringen mul dte Frauen und Mädchen blutig schlagen.' Durch ganz Galizien gellt eine Welle von Pogromen einerseits und von Angst und Schrecken unter der jüdische« ßevölkenmg andererseits. Aber da?׳ hindert die' Zeit- Schrift’ ״Polen“ und die anderen Organe für die Interessen Polens nicht, festziustcik’n, eiaß all die» von den bösen Nationalisten kn Berit» wnd Wie« erschwindelt worden ist. In dem erwähnten Artikel steht wörtlich ־zu lesen: ״Uml wir dürfen auch darauf hinweisen, daß in keinem Lande Europas, buclwtäblieh in keinein, die politiscF.cn Parteien es so sehr als ihre Pflicht erachten, den nationalen Orgvrisnne vor der Verseuchung durch den Antisemitismus stetig zu schützen wie gerade die polnischen, und daß die einzige, allerdings zeitweilig sehr mächtige Partei Polens, die ein Programm von antisemitischer Färbung besitzt, sich nicmate in der Verfolgung dieser ihrer Tendenz durch Wort und Tal zu solchen Exzessen hat lijnrciPnm lassen, wie anderwärts Parteien, die als ״gemüßigt“ autis-emillsdi gelten wollen!und von den Juden selbst ab nolelte a.ner* kennt werden.“ Was soll mau mehr bewundern, die Lüge oder die eiserne Stirn? Man könnte fragen: Wo Ist dl־‘ Partei I die kein Programm von antiscmiUsdior flubyng besitzt? Wie steht cs •um die Klagen dkr »!*disehen Stadtverordneten Ln Warschau •wegen des radikalen Ausschlusses von Juden aus <Lr siädtisehen Beamtenschaft? Wie ist es mit jenem Skandal, durch den man Tausende unglücklicher jüdischer Rcservistcnfraucn iuicli.;!üblich dem Hungertod(.■ cm - lieferte, indem ihnen die polnische Gcmeindeverwaltung die Unterstützungsgelder vorcntliielt? Und wie stellt man sicli zu jenen doch' nicht ‘ eben seltenen Veröffentlichungen in der polnischen Pressc, jenen Kundgebungen der Konferenz polnischer Vereine in Lublin und‘ aus vielen auderen Orten, in denen der Ausschluß der Juden aus der so* zialcn Gemeinschaft gefordert wurde? Oder was hält man von jenem Beschluß der pofnischen Gutsbesitzer, jeden Landwirt aus ihren! Verbände auszuschlicßcu, der ein Stück polnischer Erde an einen• Juden verkauft? Oder von jenen zahllosen Be- Schlüssen bäuerlicher Ge mc Ln de vertre tu ugen, Juden in den Dörfern nicht zti dulden, Beschlüsse, die sogar das polnische Ministerium zu Erwägungen vcranlaßtcn, die allerdings bisher a«r zn pomphaften Mitteilungen in der europäischen Presse gcdichen sind? Was sagt man zu den bekannten Vorkommnissen in den Warschauer Hochschulen, wo die jüdischen Verbindungen sämtlich aufgelöst werden, wo die Rektoren imter dem stürmischen Beifall der versammelten Studenten erklären, daß die Juden keinen Platz im Laude haben, wo ein Student, der schon einmal in Krakau einen Pogrom zu inszenieren versuchte, ungestraft und in Gegenwart der akademischen Behörden ״blutige Vergeltung“ den Juden androhen kann emd deshalb von seinen begeisterten Kommilitonen zum Führer gekürt wind? Oder was ist mit Herrn INki, dem derzeitigen Führer jener angeblich «tuz.igen Partei von antisemitischer Färbung, der In der Stadlverordnetcnvcrsanmihmg von Warschau fast fc j^r Sitzung Pogromreden hält, die!*ogui־ die polni- ״Wir erhalten Ihre Zeitschrift nur unregelmäßig״ so schreiben uns manchmal Abonnenten. Eino derartige unpünktliche ״nd unre^ImäBij« 2«»ulWn«r unseres Blattes verursachen ״her nicht wir, *o״d.m * allein die Post! Dariim wolle m an sich stet» bolA«»btf!|b־.n * Bcrbaainier an den Brieftr!g0r edc# da» enatändi^e Postamt wenden und cnergisdi Abhilfe verlamgon.

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