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Jüdische Rundschau · 1918-05-24 · Heft 21 (24.5.1918) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIII (1918)
Issue
Heft 21 (24.5.1918)
Date
1918-05-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Aii'/tlijrn <IU r.t, ״»״<■ l tUK- »eile, «der dem» 1’mnrt 40 Pf, Tl״,,"0׳־ .««.!,(״!״»;;״״!•׳״ Krd״Lti״״*.-.<MulJ Die״״י;!.«.•״•*»•■ \ XXIÜ.Jahrgang; j-m-ncr1 ׳ % /'׳«c* **■*■»t י 13. Sslvvan 0678 ׳*״־״**» ׳• Hilfe für Palästina! I lul.'ll um d;!•־, 1־ schon Woche» .,r :11 hcfttccln.il Pie Nachrichten ans <lc!1 nördliche; Palästinas {••eben ׳zur gröIHe» Hesor^uis Leben der ji’uiiselien Bevölkerung Aul.ilS. W au•, den lirieieii, die wir i1׳ den let/.leu veröffentlicht habea,!icrvurging, hat die Not d jüdischen Bevölkerung Samarias und Galiläas ein vJnui erreicht hat, der das Schlimm lallt. ScIkui seit Eintritt der Türkei in den Weltkrieg wir d:ie l:1״fc der jiulisehen Bevölkerung Pa- ],istinas besorgniserregend. Das Land war von der für die Versorgung seiner Bewohner mit Lebenssuiueln und Medikamenten uucinbvhrlichi 11 Hinfl:!!:׳ fast giiii/lich abgeschlossen lind litt umer de.1 Folge» <ier l.hiteremiihru ig• und der Krankheitei;. Aut knapper Mühe war es den {trübten Austret'.- gT.iigc» de! jüdischen Org.riisnuouen und der;u!loj.ieiihIcii 1 lilfstätigkeil der amerikanisch:,: Juden im besondere» geh:ng.1״, die notleidende Bevölkerunii ׳.or dem lltnigvr und den Epidemien cini- 1״'uuai'1׳:n /u selnd/en. Mit dem Liintritt Amerikas in den Weltkrieg trat eine weitere Verschlechtern»:.;■ ein. Der liehepu»kt der Leiden schien mi, •der Evakuiert:»!* Jaffa!; im Frühjahr 1017 erreicht, ,.'ausende von Juden mullteu die Stadt verlassen and sahen sicli den Entbehrungen ruheum! Hielt »sei־ Wanderungen preisgegeben. Unter Zurücklassung all ihrer Habe und j^hres Gutes niubtcn sie, zumeist zu Fuß, in die nördliche» Gegenden des Landes ziehen. Aber alle diese Miiiisale» und Schrecknisse! soldeu noch nicht den Höhepunkt der Leiden j dieser unglücklichen Opfer des Krieges bedeute»! | Der bereits de/imierten jüdischen Bevölkerung! Nordpaläs.inas droht in diesem Ang'enblicke ihre völlige Aufreibung׳ durch Hunger und Krankheit! Nach den letzten Berichten ist im Verlaufe einer i kurzen bpanne Zeit die Lebcnsmistelknappiu•» in du! Stauten Samarias ramd Galiläas in erschrekkcndeiH Muhe gestiegen. Die Lcbensmitteljircisc sind zu einer Mühe eiiiporgesclinellt, täte es seihst. den Bemittelten uiuuöglieh machen, das zum Leben notige Minimum an Brot zu kaufen 1 Die Zahl der Juden, die auf die öffentliche Unterstützung angewiesen sind, ist au vielen Orten auf <)()״/״ und 1111:111׳ gestiegen! Die Bevölkerung Saleds und Liberias' stiehl vor dem »»mittelbar(׳» Hungertod! Die Nachrichten, die wir über die Lage dieser Städte erhalten, lasse» keinen Zweifel darüber, dal! nur emo sofortige dureugreifende Hilfe den völligen Untergang aufiialten kann, ״Die Lage der beiden Städte 'Liberias uml .Safed und auch der jüdischen Kolonien in Ober- Oaliliia ist trostlos. Die Bevölkerung verliert den Mut zur Arbeit ׳mul zum Leben, da die Hungersnot unbeschreiblich ist. Wie groß wird unser Schmerz sein, wenn sogar einige bleiben, die cs überleben... Und sie alle haben doch ihren großen Teil au ,unserer befreienden Arbeit beigetrage» . . . Die Lage ist kritisch. Wir haben aber ,unsere Hoffnung Nicht aufgegeben und 'wir trösten ׳,uns mit dem Oedanken, daß andere kommen werden, die unsere Arbeit fonsa/.en werden.“ Mit diesen Worten der Verzweiflung wird die entsetzliche Katastrophe geschildert, die den Juden Nordpalästinas bevorstein. Juden, Zionisten! Ihr könnt die dem Hungertod preisgegebenen ]:!den Samarias und Galiläas nicht dem furchtbaren Schicksal überlassen, dem sie ohne eure sofortige großzügige Hilfe 'Unausweichiich cnlgegeugehen! Die tapferen Pioniere der jüdischen Erneuerung, die rum schon drei Jahrzehnte und länger allen Schwicligkeiien, die sich ihnen in.den Weg stellten, getrotzt, mit heldenhafter Hingabe an unser Ideal gekämpft und die eiitbclmiiigsreichcn Leiden dieser Kriegsjahre ,unter Anspannung ihrer letzten •Kraft ertragen haben, haben ei» anderes Los verdient! Juden, Zionisten! An euch wenden wir uns in dieser entseheidungsvollen Stunde! Rettet das Leben vieler Tauseniler ■unserer Brüder, die am Rande der Vernichtuiig stehen! Gedenket der zahllosen Gefahren und Leiden, die sic um unser aller Zukunft willen freudig auf sich nahmen! Gedenket des Tages der nahen anbrechenden Morgenröte, den nicht die Er- ״Ter Zlor.kmu« crifreM für das jOklfsdiie Volk die Stijii.'suug «•iarr •üffcnllich-rechtHch gctichtricn In Pal.**>!.»a.2 ״kt>c!cr i'rojirainni. innermig an einen durch unsere Schuld verursachten Untergang tausender opfermatiger Vorkämpfer, nicht der Schmerz über versäumte Pflichterfiilhmg gegen die Pioniere unserer Freiheit ziy Stunde ihrer höchsten Not verdunkeln darf! < »edenket, daß es auf jeden einzelnen Juden in Palästina ankomml, daß jeder einzelne einen Stein mehr im Bau unserer Zukunft bedeutet! Wendet die drohende Gefahr ab! 1 lei ft! a>i nur; s schon i.e.m.:! i h׳c;so Ir Sc j. ,1 armen SO _ gl freiun; aiishallen hcfimleu : A >ie Lage in Galiläa und Saiaaria (Aus einem Bericht vom 15. April.) Unsere Leiden wachsen ständig. Die Teue- Lag. 35 kg Weizen kosten heute nscro von Tag zu 4 l.tq in Gold; eine Rotte! Brot kg) 2 Mcdjidji und dementsprechend steig! 1t auch die der übrigen Lebensrnittel. , bö Titiwoliiitr von Kfar Saba werden nach .1 r i s im Norden von Nazareth gebracht. Diese Leute haben in der letzten Zeit an ihrem Wohnort Hiti'ii, daß die Evakuation für sic t'ast eine Be- ■; lu-deutct; al>er wie •werden sie die IJebcs'siedlung du sich mehr als •lht) Kranke unter ihnen uBor dem Budget von 150000 Frs. in Oold sind jetzt wenigstens für 3 Monate bis zur neuen Ernte noch monatlich große Teuerungszulagen absolut notwen-!hg, falls liier nicht alles zugrunde ׳;dien soll. Ara '.chlimiusten ist die Lage nach wie vor in Safed und '1 i b e r i a s. Wenden Sie sich an alle jüdischen Institutionen in der gnu/ei! Welt, damit endlich liilie kommt .,.“ * I Das Hilfskomitee in Damaskus hat an alle I'li1d»tlin1>s-K01uitees mul an die Vorstände aller jüdischen Institutionen in Galiläa und Samaria ein Z i r k u 1 a r s c h r c i b c n gerichtet, dem wir folgendes entnehmen: ״Alk Komitees und Vorstände müssen sich jetzt an- .strengen und alle Kräfte auibicten zum Kampfe gegen Die K o p e n h ,1 e n e r Z i o n i s t i R C k e n M 11 - t e i 111 11 g e 11 melden: Nach einer Reut! ruid hing׳ waren die Schuir n des 11 i 1 f s v e r e i 11 s d e r d e u t ־ sehen Juden von!irr ergli vl.e.1 Ree.erung geschlossen worden. Die zionistische Kommission hat nuu• mehr die Erlaubnis c.halten, diese Schul n wieder zu er• öffnen. Als t hitei riclitsspraehe wurde I h•’!■״ eil iesu gesetzt. . Die 70 Londoner .Synagogen veranstalteten an! 12, Mai unter dem Vor-itz von Hermann I. a 11 <1 a u eine Konferenz. Nalmiii Sokolow hielt eine Au• sjiraelie. Auf Antrag voll Ral.himr K11 k und Rah bincr Dr. Da ich es wurde eine Resolution aiigciioiu• men, nach der die Kou.emiz sieh vci pflielitet, den zioitisli eben V׳ o r bereit 11 n g f o 11 d aufs äußerst« zu unterstützen, um der gegenwärtig in Palästina weilenden Zionistische n K o m in i s s i o n die Mo.;• lichkeit zu geben, ihre wichtigen A.u!g.;l>;:11 zu erlüllvn. Die hevorslcheu'.leii Feiertage s Ten für Sper.de.'. zu I Gunsten des Vorbereitung Tmd■ au genutzt werde«. Anfang März betrugen die Beiträge /um Ralästi- 11 a - W i cd e 1׳n 11 f h au - F o n d in Amcrifa bereit 1 <)50 000 Doll., mul man erwartete,!laß n׳ eh Abknil v׳> weiteren 10 Tagen die erste Million Dollars erreicht sein würde. Zu dem Wiederauibau-I und haben fast 300 Städte in den Vereinigten Staaten von Amerika, Argen, t i*h ic n , Cana<1 a und Brasilien beigetragen. Akhr als 150000 Einzelpersonen haben sl:h a׳! deo Spender beteiligt. In New-York allein wurden mehr als 300 000 Dollars aufgebraclü. den limiger. Wendet nicil, wendet ’11;e׳It Spenden leihet < ichl U Eneli au die Komitees der Kolo• Euch auch an einzelne Personen! Sambei allen, die zu spenden imstande sind, 11 r allen möglichen Bedingungen, kaufet LelK1׳ism,'!k׳l um jeden Preis, bereitet Weizen mir] Duriha bis zur Frule vor, versuchet alles Mögliche, nur um den! 1111:ge1׳n,ie:t Brot reichen zu können. Ehen werden die Schulen geschlossen (Ostern) mul alle Lehrer ׳.•,׳erden frei, Sic müssen mit dem Vor Steher der Gemeinde und zusammen mit allen intelligeilten Kräften überall Hilfskomitees bilden, überall sicli organisieren mit der einzigen Losung: ״Brot für die 11 1111 g e 111 ׳ d e 11!“ Alle anderen Bedürfnisse müssen ziiriickgestelU werden, alle Budgets müssen aufs äußerste beschränkt werden, denn jetzt muß es unsere einzige' Sorge sein, daß niemand unter un; verhungert. hi Milch kritischer Stunde darf man alles tun:. Spcnden, Anleihen von jedermann in Geld oder in’"Natu• ralieii verlangen״; die Einwohner müssen besteuert und die Steuern müssen in Geld oder Lebensmitteln eilige• zogen werden. Wir hegen die zuversichtliche llofimmg, daß alle, die nur mehr als die■ 1 lungernden Italien, uns beistehen werden, »laß jedermann seine Pflicht kennt und tun wird. Wir versichern, daß nachher, wenn diese schreckliehe Zeit einmal vorbei ist, 'alle Schulden gezahlt werden!!ml das ganze Volk uns noch Dank schulden wird, daß wir die Ueberreste der jüdischen Bevölkerung׳ des Landes, unsere Brüder, die ohnedies schon geling׳ gelilteu haben, vom llungerlodc gerettet und also von der größten Schmach befreit haben. Wem! wir keine Horde, sondern ein Volk sind, wenn wir noch Gott in unserem Herzen tragen und in unserer Brust noch der Wille lind die Hoffnung auf das künftige gesellschaftliche Leben des Jischub lebt, wo jedermann für seinen Nächsten 'haftet, so dürfen wir niemand von uns des Hungertodes sterben lassen, sondem wir müssen timrgcßenseiii:׳ helfen, wie der Gott Israels uns allen helfen wird.“ Von der Zionistischen Kommission Die Zionistische Kommission bat ein II i i ( e - i) e p a r t c m e 111 mit dem Sitz in Kairo eingerichtet, das von dem Mitglied der Kommission Herrn Leo Simon geleitet wird. Dieses Departement für Hilfeleistung wird in Zukunft die alleinige Vermitt- I u n ״ s s t e 11 e für I I i 1 f s g c 1 d c r nach den von England okkupierten Teilen Palästinas bilden. Die medizinische Expedition Nach einer telegraphischen Nachricht der ״Kopen h a g e n c r Zionistischen Mitteilungen“ mel det Reuter, daß die von der Zionistischen Frauenorganiia tion Amerikas ״Haiiassah“ mit 5t)G; 0 Pfund zur, Deckung׳ der Kosten für ein Jahr ausgerüstete ameri• kairische zionistische Ambulanz im Begriffe ist, nach Palästina ab/ureisen. Die Ambulanz bc.ldtt aus einen! Generaldirektor, einem Direktor, 15 Acr/teig 15 Krankenschwestern, Pharmazeuten, Zahnärzten uni Mechanikern. Die Ambulanz wird durch i n P a 1 5 s t i ״ a ansässige Acrzte vergrößert werden. Die Am bulaiiz führt für SüüO Pfund Medikamente inii sich und besitzt vollständige Ausrüstungen an chirurgischen, zahn• technische» und radiographischen Instrumenten. Die britischen B e 11 ö r d e n in J e r 11 s a I e m haben ein Hospital zur Verfügung gestellt. Dir Ambulanz bvnbsichtigt außerdem eine Apotheke, eine Schul.: und ein schwi m m endes Hospital eiiuurichtcn. Italienische Kcgicriingscrklärunj*- zum Zionismjs Nach einer telegraphischen Meldung der ״Ko p e n - 11 a g e!1 c r Zionistischen Mitteilungen“ vo;;t '21. Mai erklärte die i t a 1 i e n i s c 11 c G e s a ״ d t s c h a f t in London im Aufträge 11 ■י italienischen Minist.rs des Acußcreu, Soii nino, daß die italienische Regieruug die größten Anstrengungen mach« 1 wird, 11m die Errichtung eines jüdischnationalen Zentrums in F* u 1 ä s t i n a zu er- ■ leichtern, wodurch die legale und politische Lage, von Juden in allen anderen liituiern nicht präjmliziert , werden soll. Nachwirkungen der englischen Regierung!*- erklärung in den Ententcländcrn Als eine direkte Folge der Erklärung der englischen Regierung zum Zionismus kann die Bekehrung zahlreicher Jutlen in England und Amerika zur zionistischen Idee oder wenigstens zur Idee eines jüdischen Zen.rums in Pa laslina betrachtet werden. Mau muß nicht glauben, daß die Widerstände, mit denen der Zionismus in allen Lau■ dem von Seiten der älteren jiulisehen Generation und damit häufig von Seilen der angesehensten jüdischen Persönlichkeiten zu rechnen hatte, in England oder in Amerika geringer waren als in Deutschland. Ja selbst nach der englischen Regierungserklärung hat eine Gruppe englischer Juden es für nötig gehaUcn, eine aulizioiiisthehc Campagne zu eröffnen, und zwar au-, purer Angst, ihr ״wahres Englandcrium“ könne ihnen Le stritten werden, wenn sie die auuiichc Anerkennung des Zionismus stillschweigend hinnähinen. Diese kurzsic'.itige und feige Haltung mancher recht einflußreicher.Persünlichkcitcn hat aber doch nicht hindern können, daß viele andere sich jetzt dem Zionismus anschließen, die ihn früher gar nicht beachtet oder als Utopie belächelt haben. Wir scheu, wie sieh allmählich ilcrzls Prophezeihuiig erfüllt, daß die Jungen und die Armen voran• geben, und daß die Erfahrenen und Satten erst nachkomiiten werden, wenn־ die Pionierarbeit getan kt: ein Vor* gang, der sich in der Geschichte immer wiederholt,

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