Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIII (1918)
- Issue
- Heft 19 (10.5.1918)
- Date
- 1918-05-10
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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- Ukraine 2× ep/1001131
- Odesa 1× ep/1000834
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ן i״ ij ׳/ l i l; , \ \ I . j; י ׳ 4 /, / J i .*»■׳ ..& ״״*• I * V \ «rar. v~ - *״®^ UB>,r ׳ ־ ~־ ־" ‘־“ו Redaktion cnd Vortag Jüdische Rundschau, Berlin W, 15, Südnd-uhe Mir.,IG 8, Eratieiut wodicntl. «'11 Freitag. Abonnement bei der Expedition und bei nlicn Bo.'.Himtrrn *iertoljäHrl. Mk. 3.25 in Deutschland, in Oesterreidi-Uagcrn R.p. 5.50 im Ausland Mk. 5,— Kummer 19 | Berlin, den 10. Mal 1918 5Mi23aÄjwk,י" ’s:/■r^rjrsvte־:■rxrjvt«■&rrzr^».;י-;»,״»י־-י •*. ,v.-•׳ ■.r־r15*,״׳s׳;: "5 C ׳־/ > /׳T: vf’fm^9״^r^xsr’^xn u^rjrr-^v^sxs^' as:, sä -־*"*“ ־״“־׳־ tscheckkonto: Berlin Nr. 17392. Für Ocstcrreicl ״u0 D.cn .U!.! ׳.׳.״Redakt1ot .״״20 **!*»«״**׳!.״.teil« oder deren Raum 401’(. Teuer; -״-«׳».*.... ' XXIlI.JahirnanZ *־ '1.**.■*ו«׳ר•• ■-«<—■.-•>n «r - ־■' 28. Ijc.r 5678 Zur Lage in! Osten Die Nüclii iciiten aus Galizien, Polen, Beßarabien mui der Ukraine, die wir in unseren letzten Nmiiinern veröffentlichten, zeigen, dali die Lage ber Juden in diesen Ländern sicii in letzter Zeit st;uk verschlechtert hat. Die durch die L'nfwickluug der Dinge im Osten vernulaiite gewaltsame /ndiickeluiig des zuvor einheitlich orgauisierleu nihsisclieu |11’de11l11ms konnte nicht ohne Uiickwirkmig auf die jüdische Lage im Osten bleiben. Die Art dieser Rückwirkung fiat sich bereits zur Genüge .MvicJibait: Polen, Rumänen, Ukrainer .schcine;1 den ganzen Unmut und die große Unzufriedenheit, in die sie die politische Lutwickiimg im Osten ver* sri/t iiat, die luden fühlen lassen zu wollen. Die Vorgänge der letzten Wochen in diesen Gebieten zerstört'״ jeden Zweifel darüber, daß die Juden Galiziens, Polens, Beßarabieus und der Ukraine schlimmen Zeiten cntgcgeiigehen. Nicht nur die nationalen und bürgerlichen Rechte der Juden dieser Länder sind stark bedroht, auch die Sicherheit des Eigentums und Lebens der Einzelnen ist täglich im Abnehmern begriffen. Die Progrome in Krakau, Alt-Samlec und Narol warien ein grelles Licht auf die drohende I laltung, die die Polen den galizischcn Juden gegenüber ciunchmcn. Die auf die niedrigsten Instinkte he rechnete antijiklisclie Hetzpropaganda, die zur Zeit in Polen wieder an der Tagesordnung ist und von der wir in unserer letzten Nummer ein charakteristisches Beispiel, die zum Progrom aufreizenden ״Osterwortc“ eines polnischen Witzblnttes veröffentlichten, zeigt, wie weit die Polen von vdLcr Einsicht entfernt sind, daß ihre autisemitische Agitation und deren traurige Folgen nicht dazu angetan sind, ihre politischen Aspirationen ,zu fönlcrii. .W׳'e aber vollends die Rumänen in BeU.חיווי- 1) i e 11 gegen die jüdische Bevölkerung vorgelum, spottet jeder Beschreibung. Die beßarabischen Juden, die unter dem neuen russischen Regime die volle Freiheit genossen, sind plötzlich in die dunkelstur Zeiten ries zariseiien Despotismus zurückgcwoifen. Das rumänische Sclireckeiisregiment heginnt die Judenverfolgung und -drangsaiierung des allen Rußland in den Schatten zu stellen. Unter solchen Verhältnissen ist für das Schicksal der ließarabischen Juden das Schlimmste zu befürchten. Aber auch die Hoffnung, daß die Bestimmungen des nunmehr Unterzeichneten Bukarester Ericdensvertrags eine wesentliche Besserung für die Lage der J uden in R11 m ä n i e n selbst bedeuten, sinkt angesichts der himmelschreienden Vorgänge in Beßarabien, über die wir in unseren letzten Nummern berichteten, auf ein Minimum. Audi in der Ukraine beginnt der Autisemiiismtis neuen Nährboden zu gewinnen. Die von dort zu uns gelangenden Nachrichten lassen keinen Zweifel, daß auch dort sich in letzter Zeit Tendenzen bemerkbar machen, die zu schweren Befürchtungen für die Zukunft der in der Ukraine wohnenden Juden Anlaß geben. Diese unheilvollen Anzeichen sind um so schmerzlicher, als dort die Entwich- 11mg in der Zeit vor dem Brest-Litowsker Frieden und kurze Zeit danach zu den schönsten Hoffnungen am eine vollkommene Durchführung der jüdischnationalen Autonomie berechtigte. Dort hatten die Juden bereits eine iiirer Zaiil entsprechende Vortixtung innerhalb der staatlichen Organe und die nationalen Forderungen der ukrainischen Juden waren bereits ins Stadium ihrer Verwirklichung gctreten. Das Ministerium für jüdische Angelegenbeiten hatte bereits wichtige Vorbereitungen für die Einrichtung eines nationalen Schulwcrks gemacht und'dje Zcntralrada die Mittel dazu gewährt. Diese;ntvvickUmg ist nunmehr nicht nur ins Stocken geraten, sondern cs gibt Anhaltspunkte dafür, daß — ׳unter dem Einfluß der letzten Ereignisse in der Ukraine — ein verhängnisvoller Rückschlag cingcireten ist Ja noch mein׳: bereits häufen sich die Beweise, daß dort eine antisemitische Bewegung neuerdings im Enstehcn ist, deren stetes Anwachsen mit Schrecken konstatiert Werden muß. Die antijiklische Bewegung beschränkt sich nicht auf vereinzelte Fälle, sondern hat das ganze Land ergriffen und sich bereits auch in großen Städten wie Odessa breit gemacht (vergl. unseren heutigen ,,Der Ztonlirae* crrti'cbi Zur 4ns j&dltche Volts die Schr.atsiiß etner Cf(c:1üicVrecUil!ch gcstclierica I!cirn*1a1»o in Palästina,*' Ileicltr Proßrnmnv. Bericht auf Seite b). Es unterliegt keinem Zweifel, daß dieser drohenden Haltung den Juden gegenüber in erster Reihe allgemein-politische Ur- Sachen zu Grunde liegen. Wie schon augedeutet, seheinen diese Völker ihren ganzen Groll und ihre ganze Empörung über die politische Entwieklung, cl(ie sie sicii ganz anders vorgesteilt; hatten, auf die Juden entladen z.u wollen. Den Faktoren aber, die der eigentliche Anlaß dieses Grolls und dieser Empörung sind, scheint eine solche Wendung der Dinge nicht unwillkommen zu sein. Denn nirgends sah man einen ernstliehen Willen, den Ausschreitungen gegen die Juden dieser Gebiete wirksam entgegenzutreten. Uebcrall mußten die Juden zur Organisierung einer freiwilligen Selbsthilfe schreiten!׳und mit eilig zusammengcrafften eigenen Kräften Leben mul Eigentum iiirer jüdischen Mitbürger schützen. Mit ernster Sorge sicht das gesamte Judentum dieser Entwicklung im Osten entgegen. Es verlangt von den maßgebenden Stellen, in deren Hand es liegt, das drohende Unheil almiwcuden, daß den Juden dieser Länder, so weit ihnen bis- 11er die Emanzipation voreiitlialten wurde, diese primitivsten Menschenrechte endlich gewährt werden und daß diejenigen, «iic bereits ihre bürgerliche und nationale Freiheit erreicht hatten, nicht um die Früchte ihres jahrzehntelangen Kampfes, der endlich: zum Siege geführt hatte, schmählich betrogen werden. Vor allem muß aber dafür gesorgt werden, daß den judg.11 dieser Gebiete die Sicherheit ihres persönlichen Lebens und Eigentums garantiert wird und jenen wilden und unmenschlichen Exzessen, durch die sic tagl'.eii bedroht sind, energisch Einhalt getan wird. Alle politischen Mächte, die an dieser unheilvollen Wendung des Schicksals vieler Millionen von Juden beteiligt sind, müssen sicii der Schwere der Verantwortung bewußt sein. Auch das jüdische Volk wird in der Stunde der endgültigen Entschcidung nach Schuld und Mitschuld fragen und Rechenschaft fordern. Parteikonferenz der westösterreichisclien Zionisten Am 27. 11ml 28. April fand in Wien im Festsaule des jüdischen Jugendheims eine Delegiertenk o 11 f 0 r 0 ״ z der west österreichischen Z i o - nisten statt, welche außerordentlich stark beschickt war. Die Konferenz hatte sich hauptsächlich mit Fragen der Stellung zu innerösterreichischen Problemen zu befassen. Eröffnet wurde die Tagung Sonntag abend mit einer feierlichen Ansprache des Vorsitzenden des wcstöstcrrciehischcn Zentralkomitees k. k. Rciclisratsre* visors Rudolf Taussig. Wir geben den wichtigsten Teil dieser Rede, die eine bedeutsame Kundgebung war und mit großem Beifall aufgciiomincn wurde, im Folgenden wieder. ״Als Vorsitzender des wcslösterrcichischcn Zentralkomitees begrüße ich Sie als die delegierten Vertreter der Zionistischen Organisation Oesterreichs aufs herziiehste lind freue mich, in einem für unsere Bewegung ungemein wichtigen Zeitpunkt mit Ihnen beraten zu können. Zunächst obliegt es ׳mir, eines traurigen Ereignisses zu gedenken, das 1111s menschlich zu tiefst erschüttert hat und für unsere Bewegung von größter Bedeutung ist. Der Tod, der jetzt auf den ,Schlachtfeldern reiche Ernte hält und auch viele unserer besten Arbeiter und Oesinmingsfreunde in der Blüte ihrer Arbeitskraft dahingerafft hat, hat jüngst unserer Bewegung eine unausfüllbare Lücke gerissen. (Die Versammlung erhebt sich.) Unser I Führer Dr. Eebiel Tschleiiow ist mitten in der rastlosesten Arbeit im Dienste unserer Idee plötzlich gestarben. Wir alle wissen, was Tschlenows Persönlichiait für unsere Sache bedeutete. Nachdem er 30 Jahre als Führer des russischen Zionismus gewirkt hatte, ent- ־-, schloß er sich, ■unter großen persönlichen Opfern, auf dem letzten Kongreß in unsere oberste Leitung einziltreten. Seitdem hat er in seiner ruhigen und vornehmen Art mit seltener Klugheit und politischer Einsicht und mit der ganzen Olut seines für sein Volk schlagenden Herzens die Geschicke 'der Zionistischen Organisation gelenkt. Seine Verdienste, insbesondere in der politischen Leitung unserer Sache in der durch den Krieg' ungemein schwierigen Situation sfrnl unvergänglich. ' Wenn ich heute in der Lage sei« werde, ihnen von einer gewissen günstigen Konstellation zu berichten, so haben wir das unserer Leitung und in erster Reihe der Arbeit Tschlenows zu danke״. Gerade in diesem Zeitpunkt trifft uns der Verlust doppelt schwer. Die wcstüslcrrcichisthcn Zionisten geben auf ihrer ersten Zusammenkunft ihrem tiefsten Schmerze Ausdruck. l>cr unvergeßliebe Tote bat sieb ein Denkmal im Herzen aller Zionisten errichtet; die Verehrung für ihn wird auch bei uns wcitcrlcbcii. Bevor ich daran gehe, Ihnen über die politische Lage zu berichten, muß ich noch eines Toten gedenken, dessen Schicksal uns in anderer Weise nahegeht. ich meine «las Opfer der J u d e 11 v e r f o 1 g u 11!: i n K! a - kau. Mit Bedauern, mit Beschämung sind wir in de■ letzten Tagen in Oesterreich Zeugen von Vorfällen gewesen, die"die gesamte Judenschaft angelten. Wie einst im finsterste״ Rußland sind die niedrigsten Triebe einer verhetzten und!rationalistisch fanatisicrlen Menge tu Galizien gegen die Juden losgebrochcn. Jüdisches Blut ist geflossen, ein Jude ist wegen seiner Volkszugehörigkeit erschlagen worden. Es genügt nicht, wenn wir unsere Trauer timt unser Mitgclühl für die verfolgten Brüder ntissprcchcn. Wir protestieren mit Einpörting gegen diese, eines zivilisierten Volkes unwürdigen polnischen Ausschreitungen und verlangen vom .Staate'gerechten Schutz. Das jüdische Volk kann sich nur schützen, wenn es geschlossen und solidarisch für jeden Volksteil und Volksgenossen criistcht. Nicht utisereu Brüdern in einer fernen Stadt gilt es zu helfen, solidem uns selbst, dem ganzen Volke, und nicht durch Abwehr und Proteste allein kann uns geholfen werden, sondern nur dadurch, daß die unerträgliche Lage unseres Volkes eine radikale Umgestalt״״;: erfährt. Anläßlich der erwähnten traurigen Ereignisse• werde״ wir uns in erhöhtem Maße der Pflicht bewußt, unablässig mit aller Opferfreudigkeit für unser Ziel zu arbeiten. Wir müssen das Volk organisieren und auf den Weg der Rettung führen. Es gibt mir einen Weg. Unsere große rettende Idee ist der Zionismus. Seitdem wir zum letzten Male zitsammciigekommen sind, hat die Lage des Zionismus eine grundlegende Aendcrung erfahren. Der Weltkrieg, der so viele politische Fragen in Fluß gebracht hat, um sie auf lange Zeit hinaus zu entscheiden, bat auch die jüdische Frage* in das helle Licht der politischen Welthiilmc gerückt. In Jahrzehnten des Friedens waren wir bemüht, das Bestehen, das Wesen, den Umfang und die Bedeutung dieser Frage der jüdischen und nichtjüdischen Oeffentlichkcit zum Bewußtsein zu bringen, leider mit sehr geringem Effolge. In der Judcnhcit war der am meisten leidende Teil, die Ostjuden, infolge politischer Entrcclitung tun die Möglichkeit gebracht, sich zu organisieren und als Kollektivkörper zu handeln, die Westjuden fühlten sich viel zu fest in die Gemeinschaft der Völker, unter denen sie leben, cingcfiigt, als daß sic imstande gewesen wären, die Jiulenfrage anders als unter dem Gesichts- Winkel formaler Zivilisation zu betrachten, d. 11. sie glaubten, daß in West mul Ost die Hemmnisse, die der vollen Ausreife jüdischer Gleichberechtigung im Wege stünden, durch fortschreitende Aufklärung und Kultivierung der Nichtjuden beseitigt werden würden. Soweit sie überhaupt das Bestehen einer Judenfrage zugaben, verkannten sie dennoch ihr Wesen. Sie kannten weder die innere Kraft des Judentums, das sich gegen die Auflösung wehrte und tun Erneuerung rang, noch die Besonderheit der ökonomischen Lage der jüdischen Masse, die Folge ihrer Aterritorialität, ilire besondere BcrufsscliicliUmg und die Gegebenheiten der Umwelt. Die nicht jüdischen Völker, von denen ein Teil die Judenfrage als eine solche der Eximierung der Juden aus iiirer Gemeinschaft ans,alt, hatten kein Interesse an den jüdisehen Massen, soweit sie überhaupt Kenntnis von ihrem Vorhandensein besaßen. Führers, Theodor Hcrzl, war cs deshalb, unenuüd lieh bestrebt zu sein, Regierungen und Völker über da Wesen und die Bedeutung der Judcnfragc aufzuklärei Stärker und nachhaltiger als wir es durch unsere Kon giesse mul politischen Bemühungen je vermochten, ha der Weltkrieg diese Aufklärung besorgt. Dadurc ist in der Sphäre der allgemeinen Politik das Dictm l'Icr/Is: ״Die Judcnfragc ist eine europäische Frage restlos angenommen worden. Noch mehr: die Juda frage ist nicht mir vor das Forum der Weltpolitik g( bracht worden, sondern ihre Lösimgsmöglichkcit durc den Zionismus ist von den maßgebenden Politikern alle Mächte anerkannt worden. Dies bewirkt zu haben, ist hauptsächlich das Ve! dienst unserer obersten Leitung, die mit Wahrung ihn neutralen Stellung sowohl von der Zentrale als auch durc ihre auf neutralem Boden errichteten Büros iin beste Smnc der Hcrzlschen Tradition unermüdlich Völker u!1 Regierungen über den Zionismus unterrichtet und ai. geklärt hat (Beifall.) Dank dieser Arbeit ist es ihr g׳ nngen, nicht nur die Aufmerksamkeit, sondern am h״f a״'!f Sympathien für den Zions wus bei allen Qrolhnuchtcn zu erwecken. Wenn ich sagte: iin besten Sinne der Herzisch« Tradition, 80 18t damit schon ausgesprochen, daß unse!