Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIII (1918)
- Issue
- Heft 18 (3.5.1918)
- Date
- 1918-05-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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SJor 5678 ׳‘חי^מ־ד XXIII. j.k'1r£at1g ro s: Istina a D.is alltremcitic Interesse <■!> für den Zionismus, Jns atieii 111 l )cutseltlaml seit langer Zeit iil!' Wachsen ist, Hat jetzt in der Griindimn■ eines Komitees unter dun Namen ״Pro Pa fast i na, 1 >;: t s eh es Komitee zur {•' i) r 11 c r 1111 g d e r j ü d i s c 11 e 11 P a 1;i s t i 11 a- Siedlung“ einen neuen bedeutsamen Ausdruck pel'uikkii. '111 der eisten öffentlichen Versammlung dieses Komitees, die. vor einigen Tagen stattgefumlen hat, ist die Oelfciitlielikcit mit s.einen Zielen und seinei Zusammensetzung bekannt;jemacht worden. Gas Komitee hat die Förderung des /ionisiiiiis in sein Programm aufgenoiumcn, ist aber keine zionistische und überhaupt keine jüdisclie Vereinigung. Es verdankt seine Begründung j nicht den jüdischen Forderungen, die den Zionisi in ns tragen, sondern dem Interesse und der Beaclij tnng, welche die deutsche Politik den Zielen der ן zionistischen Bestrebungen entgegenbriiigt. Es ist j ein svmptoniatisches Zeichen, daß sich in dem neu | > rundeten Komitee die Vertreter der führenden j ״•>c c!tc $־־’.! ■i lleimtöij Zionitmus cMlrebt für da» jüdische Volk .arg einer uffcsiiltc.h-eeclitUch ßcifchcTten U: ׳<» V. i.idl»״»." ltaiekr Programm. pathien für den Zionismus verstärkt und zusammenfallt, anid dali sie dazu bcitrajjt, auch hier eine Atmosphäre zu schaffen, in welcher die zionistische Arbeit um so besser gedeihen kann. Es ist ein t'i'freiiliches Zeichen, dali weite Kreise heute schon die Einsicht haben, daß •eine Förderung des Zio- »ismus auch von allgemeinen Gesichtspunkten aus dringend wünschenswert ist, Bericht über die Versammln;'-״ des Deutschen Komitees Pro Palästina am 25. April. gleichen, die im 17. Jahrhundert nach Amerika gingen lind deren Erbe den ganzen ethischen Grundgehalt des modernen Amerikanismus bildet, und die zugleich eine große wirtschaftliche Entwicklung licrbeigeführt haben. Das rcalpolitisclie Problem des Zionismus üißt sich in die zwei Fragen zerlegen: 1. ob ein größeres Dedürtnis in der zionistischen Bewegung verkörpert wird und 2. ob Palästina in der Lage ist, größere Massen von Ansiedlern aufzunebmen. Was die Frage des Bedürfnisses anlangt, so kommt cs allem auf die Ostjuden an. Wenn das Auswandevor bisher offenkundig war, gC politischen Parteien Deutschlands zusaiumeiigefimden haben. Neben ihnen sind an der Arbeit des Komitees Männer der Wissenschaft, Kunst und Passe beteiligt, darunter auch solche, die bisher wohl kaum unter jenen zu finden waren, die für jüdische Fragen Interesse halten. Die Beteiligung aller dieser Männer beweist, daß sie durch das Verständnis für den allgemein-politischen Wert der J zionistischen Bestrebungen zusununengeführt wori den sind. "Das Pro-Palästina Komitee formuliert seine Ziele folgendermaßen: ״Das im Zionismus verkörperte Streben nach unbehinderter um! onrniiischvr /:uffajtung nationaler jüdischer Kultur und Wirtschaft in der alten Heimat des jüdischen Volkes ist geeignet, aus dem durch Mangel an Bevölkerung und durch wirtschaftliche Vernachlässigung verarmten Palästina ein blühendes Wirtschaftsgebiet zu machen. Das Aufblühen Palästinas dient in gleichem Maße dem Interesse der mit Deutschland verbündeten Türkei wie der Ansbreitung deutscher Kultur- und Wirtschafxsbezie-!!ungut im Vorderen Orient. Fis muß daher von Deutschland gefördert werden.“ Hieraus geht hervor, daß das Komitee bei seiner Arbeit von der Ansicht ausgeht, daß die Förderung der jüdischen Kolonisationsbestrebimgen, die im Zionismus verkörpert sind, durchaus im Interessu der türkischen und deutschen Politik liegt. Man darf hoffen, daß die Arbeit dieses Komitees für den Zionismus von fördernder Bedeutung werden kann uml werden wird. Sic wird zur Informierung über die zionistischen Fragen beitragen und den Boden für eine dauernde freundliche Stellungnahme aller maßgebenden Kreise vorbereiten und so dem Zionismus selbst wesentliche Dienste erweisen können. Bei der Absicht des Pro-Palästina-Komitees, die zionistischen Bestrebungen zu fördern, darf natürlich nidit außer acht gelassen werden, 0 sich das Komitee, wie in der ersten öffentlichen dal Versammlung von dem Ausschußmiiglied Herrn Reichstagsabgeordneten Gothein betont Wurde, nicht mit allen Bestrebungen zu identifizieren hat, die in Dcurtschland unter dem Namen Zionis- *uns aisamniengefaßt werden. Diese Feststellung kann von zionistischer Seite nur untcrstrichcnwcrden. Im Zionismus sind natürlich jene Elemente, die rein jüdischen Charakters sind, ausschließlich der Beeinflussung von jüdischer Seite, der Auscinaiukrseizung im jüdischen Leben Vorbehalten und entziehen sich hiermit auch durchaus der Interessensphäre des neugegründeten .Komitees. Soweit es Berührungspunkte zwischen diesem Komitee und den zionistischen Bestrebungen gibt, liegen sie nur auf dem Gebiet pligemeiner Politik, fürwclchc der Zionismus heute eben ein nicht mehr zu übersehender Faktor ist. Wir hoffen, daß die Arbeit des Pno-Palästina-Komitecs in Deutschland, wie auch in der Türkei eine Aufklärung über die zionistischen Bestrebungen verbreiten wird, welche die Sym- Vor kurzem wurde ein ״Deutsches Komitee zur Förderung der Jüdischen Palästinas i e d 1 u 11 g i’ r o Pa lii s t i n a'‘ gcg. üiKht, d.swn Ausschuß die Herren Prof. Dr. Ballod, Vorsitz.c.nder, Prof. Dr. Hans Delbrück, B.rgrnt a. D. Gothein, M. d. R., Sladtrat!־' e 11 r e 11 i> a ch , M. d. R., Geheimer Juslit/.rat J u 11 c k, M. d. R,, Rcdakteur Noske, M. d, R., Kaiserlicher Gesandter z. D. Kaschdau, Exzellenz, angeboren. In den Erwciverteil Aus schul'׳ des Komitees sind bis jetzt eingetreten die Herren Generaldirektor lliibcrt Auhagen, Rektor der Lamlwiriscliaftlielieii Hochschule-Dahlem Prof. Dr. Otto Auhagen, Veriagsdiiektor Bernhard, Prof. i >r. BI a 11 k e n h o r 11 (Marburg), Schriftsteller R. Breuer, Geheimer Regierungsrat Clciuow, Coiien (Rcuß), M. d. R., Landrat a. D. v. Dewitz, M, d. A., Seininardirektor Schulrat Eberharu (Greiz), Major a. I>. Emir cs (München), Erzbeiger M. 11. iE, Veriagsdiiektor üötz, Dr. Grabowsky, Prof. Dr. 11 octzsch, Redakteur Kaliski, i'rof. Dr. Ka m pf f 111 cy c r, Redakteur Kranold (Chemnitz), Prof. l)r. Mcinhof (Hamburg, Koleuialir.sti.su), Kgl. Oekonouiierat l>r. Lothar Meyer (RoUach), Geh. Regierungsrat i’rof. Dr. Moritz, Knmmerhcrr Dr. Börnes Freiheir von Münchhausen, Dr. Ludwig Qucsscl, M. d. R., S ch e i d c 111 an n M. d. R., Prof. Dr. Somhart, Geh. Regierungsrat i Prof. Dr. Stuhl man n (Hamburg, Kolonialinstitut), i Admiral I>. und Gouverneur a. D. v. Truppei׳, Exzellenz, Prof. Dr. Max Weber (Heidelberg), überverwalumgsgcrichtsrat Graf v. Westarp M. d. R., Geli. Regierungsrat Prof. Dr. Wicdcnfejd, Geh. Oberregieningsrat untl Vortragender Rat im Rcichs-Kolonialamt Prof. Dr. Zoepfl. Das Komitee ״Pro Palästina“ hielt seine erst« Versammlung am 25. April 1013 im gelben Saa! des Hotel Kaiserhof, Berlin, ab. Am Vorstandstiscli hatten die Herren Exzellenz Rase h d a u , Prof. I >r. Hans Delbrück, Dcrgrat a. d. Gothein, M. d. R. und die beiden Referenten Prof. Dr.•Ballod und Colien-Rcuft, M. d. R., Platz ge nominell. Exzellenz Raschdau cröffuctc die Versammlung mit einer Begrüßungsansprache, in welcher er kurz auf die politischen Ziele des Komitees einging. Er wies darauf hin, daß die Kolonisierung Palästinas eine Frage von höchster Bedeutung sei, für die auch die deutsche Politik sich interessieren müsse. Das Auswärtige Amt habe, wie man wisse, die zionistischen Bestrebungen stets mit Aufmerksamkeit und mit wohlwollender Anteilnahnie verfolgt. Man dürfe freilich nicht vergessen, daß sich Deutschland gegenüber dem Zionismus in einer schwierigeren Lage befinde als England. Wenn Eng׳ Iami es leicht habe, über eroberte Gebiete zu verfügen so müsse sich Deutschland stets von der Rücksicht auf die politischen Empfindungen seines Verbündeten des türkischen Reiches, leiten lassen. In neuerer Zeit habe die Türkei ihre Stellung zum Zionismus geändert man könne sagen, daß sie dem Zionismus jetzt mit aufrichtigen Sympathien gegcnüberstchc, wie auch aus den bekannten Erklärungen des Großwcsiers hervorgehe. Hierauf ergriff als erster Referent des Abends Prof, Ballod das Wort zu seinem Vorträge über das Thema ״Der Zionismus in der Bedeutung für die deutsche Politik“. I’rof. Ballod führte aus Wenn wir uns als ein I’ro-Palästina-Komitcc konsti׳ tuiert haben, so ges-clücht das deshalb, weil wir, die wir zum überwiegenden Teile Nichtjuden sind, uns für die zionistischen Ideale in besonderer Weise interessieren. Es handelt sich um eine aus national-ethischen und rcligiös-ethisclicn Gründen geborene Bewegung, die man zugleich nach ihrer idealen und realen Seite würdigen muß. Zwischen diesen beiden Seiten der Bewegung bestellt ein enger Zusammenhang, denn cs ist für die Kolonisierung Palästinas von großer wirtschaftlicher Be* dcutung, daß diejenigen, die als Pioniere der Siedlungsarbeit liinübergchcn, als Idealisten ins Land kommen, die nicht bei jeder Schwierigkeit die Flinte ins Korn werfen. In dieser Beziehung läßt sich der Zionismus ■ur mit der Bewegung der Puritaner und Quäker verruugsbcdürl'iiis der Ostjuden so könnte heute, nach dem Fall des Zarismus, die Frage auf tauchen, ob nicht die Emanzipation der jüdischeu Masse eine weitere Auswanderung überflüssig machen würde, ich glaube dies nicht. Einmal stillt die Sprengung der Grenzen des Ansicdlungsrayons nicht die ethisch-religiöse Sehnsucht, die in dem Zionismus zum Ausdruck kommt. Zweitens aber glaube ich nicht, daß sich die Lage der Juden in Polen, in Groll-Rußland und der Ukraine wirtschaftlich, bürgerlich und politisch . befriedigend geslaUcn wird. Der Boykott in Polen, die Judenpogrome in Rußland und der Ukraine sind eine ernste Mahnung für die Zukunft, und wenn die Bolschewisten gestürzt werden, so wird »sich die Lage der Juden vollends unerträglich gestalten. Der ״/׳lsdiewismtis selber wird, wenn er sich behauptet, inen wirtschaftlichen Umschwung hcrbcifiihrcn, den die udeii zu einem großen Teile nicht werden aushalten können. Der Bolschewismus bringt eine Eniindustrinlisicrimg, eine Beseitigung tles bisherigen Systems der Arbeitsteilung und die Rückkehr des einzelnen iudividuums zur Urproduktion mit sich. Wenn aber die udeii auch in Rußland und dort zwangsweise in die Landwirtschaft gedrängt werden sollten, so werden sie ieber ihrem alten Ideale folgen und den Uebcrgang zur Landwirtschaft uml Urproduktion in Palästina selbst durchführen. In Palästina muß also für 5—6 Millionen Menschen Raum geschaffen werden. Das ist möglich. Wenn man lediglich die fruchtbaren Ebenen tmtl Täler in Betracht zieht, dann würde diese geringe Fläche von 7-—S00 000 I iektar atisrciclien, um den Nahrungsmit- Bevölkerung von 6 Millionen zu tclbcdarf für eine decken, wenn man den deutsehen Lebensstandard vor dem Kriege zu Grunde legt, der mit einem Fleischverbrauch von 50 kg und einem Brotgetreideverbrauch von ISO kg pro Kopf rechnete: Dann bliebe noch das Gebirge für gartenmäßige Ansiedlung frei. Wenn die bisherigen Ernten in Palästina noch sehr niedrig gewesen sind, so liegt das an tmgeiiügencler Kuitivierung, insbesondere an ungenügender Düngung. In den jüdischen Kolonien haben Versuche mit künstlicher Düngung ergeben, daß sich das deutsche Ernteergebnis von 2000 kg Getreide auf einen Hektar leicht herauswirtschaften läßt. Die Lösung der Agrarfrage wird keine Schwierigkeiten machen. Man kann das Land den arabischen Großgrundbesitzern abkaufen, für die Fellachen bieten sich Heue und sehr günstige Ansiedlungsniöglichkcitcn. Redner glaubt, daß in Palästina bei günstiger Entwicklung Ausfuhrüberschüsse erzielt werden können, die auch für Deutschland von Dedcutung werden könnten. Wir haben bisher eine Menge von .Südfrüchten aus Italien bezogen, in Zukunft wird Palästina, wo auch der Gcbirgsboden einen idealen Untergrund für Baumpflanzungen bietet, mit Italien in Konkurrenz treten können. N'acli I’rof. Ballod führte der Rciehstngsabgeordncte Cohcn-Rcuß als zweiter Hauptredner des Abend» zu dem gleichen Thema folgendes aus: Der Zionismus ist erst durch den Krieg in den Kreis weltpolitischer Betrachtung gerückt worden. [Aas Interesse für den Zionismus ist einmal durch die nähere Berührung mit dem Ostjudentuin angeregt worden, da» man als ein Volk eigener Art, mit ausgesprochen national-jüdischem Empfinden kennen gelernt hat, und zweiteils durch die Kriegsentwicklung, die auf die politisehe Bedeutung Palästinas hiiigcwiesen tut. Der Ursprung der zionistischen Bewegung selbst liegt in den traurigen wirtschaftlichen und sozialen Verhällnissen des Ostjudentums, dessen Probleme sich dtirei» die bislicrigc Massenauswanderung kaum verändert haben. Die Not erwachsene Sehnsucht hat sich in den krkgsj.iliieii zu einer allgemein politischen Forderung der Ostjudcn verdichtet. Als Folge bloßer Agitation ist das nicht erklärbar. Hier ist etwas wach geworden, was immer da war, von fast allen Juden mehr oder minder deutlich empfunden wurde, aber inolge der Verhältnisse keinen so klaren Ausdruck finden konnte wie jetzt. Die Formulierung nationaljüdischer Forderungen konnte nur deshalb die Zustimmung der jüdischen Volksmassen finden, weil mit ihnen Dinge ausgesprochen wurden, die ihrem tiefsten Fühlen und eigenen Wollen entsprachen. Die Bewegung ist Bewußtsein erwacht, bx stellt bereit rÄ?!“ Wi״a! il,rc Volksgenossen in eul eine materielle, sonaus dieser vier dem zu nationalem um Land zu führen, wo sic nTchfnur ״Jlt ״,aur.euc!"""׳«"!"ל nationale Existenz findet» können׳. genügt dem nationalen Sclbstbcwußtsein der Juden nicht ׳