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Jüdische Rundschau · 1918-04-19 · Heft 16 (19.4.1918) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIII (1918)
Issue
Heft 16 (19.4.1918)
Date
1918-04-19
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Iler CS7C 1 XXIII. Ja!1r£an2 ׳.• ve.y-m• .,;—,■■ rar~rץ•ז ■״■ »• wד«w-ri״.v .״»«!»־_:.■Ky^t-sr.’.rtrmttn■. Rumänien t׳sa Beßsrsbieii Tagespresse niokiet, hat sich der ׳•ח; 1)3 ״1 .יiltc ,JlessVrnliisvlie LaiuRsrnf־ mit *Va'siimmcii hei 31 Sliinineiithalttiiijreii fiir den ßl';l, ,j!^ssarahii'iis an Rumänien entschieden. Ob rUfritsclieidiiiitf vo״ Dauer sein und sieh in die r/liclikoit uniset/en lassen wird, kann freilich יי btfwi'iielt werden. Schon das Siiiiimcmcr- *Suis bei d«־ Abstimmung *‘igt, »•laß die im Lanvcr1retenen Teile der hessarabischen Bevöl- ן keineswegs sehr begeistert von dem An- |;.״:,jf a״ Rumänien sind, und sofort nach Ver•! ״••־׳uiidniiii.; der rumänischen RcßimuiRserklä- °mrl' iilier den AnsehUil’» Uessarabiens haben sich von’verschiedenen Seiten Stimmen des Protestes ■l-11!11<־״a1 lassen. Insbesondere ist die Ukraine mit einer eoK’lien Lösitnjr bisher noch durchaus nicht finvcist.imlen, mul auch in Bulgarien scheinen Wlu'istäml׳-• gegen diese Vergröberung Rumäniens n,i Urteilen. in Deutschland wird diese Frage von den amt-!id'.cü Stellen als eine Angelegenheit betrachtet, die Aviscliett Rumänien einerseits und Bessarabicn amureiseits ohne Uiumisdiung von dritter Seite geregelt werden müsse. ks ist nur 711 begreiflich, daif in jüdischen Kreise 11 die leblmfieslen Besorgnisse über das künftige Schicksal der 30)000 Juden Bessnrabiens iKnsdicn. i:׳.IB diese,-' l.:md wirklich an Rumiiiiien komm! seilte, Zw.u׳ ist in dem Abkommen zwisckn Rumänien und dem hessarabischen Landurat vorgesehen, dal! die inneren Rechtsverhültnissc Iks-arabkns •unhvriilirt bleiben sollen, und dali msksomSere die religiöse und politische Freiheit u\\er Uu־.;vr gewahrt werden soll. Aber die Juden lWssarahieus wie aller übrigen Länder 11aheu bisher keine Venmlassimg, zu rumänischen Z1!sid1m!11°1:1 Wrti'.men 711 hegen. Der Zynismus, mildem Kimiauini steh jalirzeliiite lang iioer die Waren Ucstimimiiigcn des Artikels 41 des Bei־- lincr Vertrages von i$7$ 11inwH:ggeset/.t hat, legt die Udiirclitiin׳■ nahe, daß die Versprechungen, wclclie die rimiänisdic Regierung gegenwärtig hins.elitlieh irrer küuttigen Judenpolitik abgibt, in kViikliclikeit nicht eingehaiten werden. ks sind uns bereits Nachrichten darüber zugegangen, dali aiigesehuie Juden'und jüdische Verbande Bcssarahiens sich an die Öffentlichkeit zu «׳enden gedenken, ■uni ihr die 300 000 Juden Bess* 3rah״׳״s ,Scluit/ mui lijfe gegen die Judenfeind• Llie Haitang Rumäniens zu verlangen. Ein wesentlicher Prüfstein dafür, ob die jetzige rumänische Regierung ernstlich gewillt ist, ihre xsnerige Haltung in der Judem'rage aufzugehen, ''ird darin gefunden werden können, ob die unter jU״ der Zcntralmächte erfolgten BcstimuiungCH zugunsten der Juden Rumäniens, die• in ('־m rriedensvertrage zwischen Rumänien und den z-enlralmäclilcn enthalten sein sollen, tatsächlidi 21*sgefülirt werden oder nicht, hn Ausland herrscht l(fSCr ■10c*1 große Besorgnis^und es gehen (1״s :0hwährend Anfragen darüber zu, ob die biser m dir Presse erschienen Andeutungen über (P 1m ffiedensvertrag vorgesehene Emanzipation ^״ta«iscl1en Juden sieh als richtig hcrausstellcn ,;.1>״« ■״ insbesomierc darüber, ob Garantien nmי"0‘*0!. •׳ die rumänische Verwaltungs- ’ct/1 IS|,1|C lt diesbezüglichen Bestimmimgea des treiiP ׳SC*l'0ÄSenc״ EVicdensVertrages ebenso ■um- 1. ״ v,V1rcJ- ,wie sie es mit den Bestimme,ngen ‘Htlincr Vertrages getan bat. sch״! ^L״cr kürzlich abgehaltenen Tagung der belgider F-il01l'*n׳ ^‘e '1״ Haag stattfand, hat einer Fiscl lrCr *1er ^1’ißischen Zionisten, Herr Jean -Ptrdieser Besorgnis in folgenden Worten uek;ggeben: ]^;;1’’ •!^'1׳nfrage in Jhimänien scheint bei den stuw’h״!,^dens'vcrfiandhingcn eine nochmalige Lön; u' Sc׳ueden ,w'orden zu sein. Wie Graf C ze r - jw ,ltsi!־'r Tage mittcilte, ist unter Mithilfe der fielie ri'■ 1'lC Jutlcn Rumäniens die bürgertrw1rt״«Cl 1 crcc^*JS'unf» zuerkannt worden. Wir fy|lru ק י die Zcntralmächte sich für die Durch- *diafft!.:f 0'cichbercchtigiuig Siclicrungen ver- Denn nach den gemachten Erfa.11- Vertrat/• 1* Zwcifcl gestattet, ob auch der Nten v” iiC6tf ohne ■weiteres eingetao sc:;■ ־. a r-״■״- \ic U f *,Air. -re ־, » I*. :.כ Yc’h v, ■״ י• ״* *I. Jfk* Ih'e in diesen Worten 7.1un Ausdruck gebrachteil Befürchtungen sind vielleicht nicht ganz 1111begiimdct. Es sind 11.11s Nachrichten über den Inhalt der im Fricdensvcrtrago zwischen den Mittehuiichtcii mul Rumänien getroffenen Bestimimmgen über die G|eid!be1vchti;1111;׳g der Juden zugegangen, welche, wenn sie sich bewahrheiten sölVien, die ernstesten Befürchtungen über den Wert der erwähnten Abmachungen fliervornifen müßten. Nach diesen Nachrichten soll nicht der Gesamtheit der rumänischen Juden, sondern mir bestimm* ten Kategorien derselben die Gleichberechtigung erteilt werden, nämlich denjenigen, welche an diesein Kriege tcilgenomiucn haben, sowie dcnjenigen, die in Rumänien ansässig und dort geboren sind ■mul deren Litern ebenfalls in Rumänien gcborcii sind. Nun trifft die letztere Voraussetzung zwar fiir den größten Teil der rumänischen Juden zu; dennoch aber müßte eine solche Bestimmung auf das schärfste bekämpft werden. Was seit Jahrzehnten von der gesamten jüdischen und nichtjüdischen Oeffeutlichkeit der zivilisierten Staaten gefordert wird, ist die grundsätzliche und restlose bürgerliche und politische Emanzipation der Gesamtheit der rumänischen Juden. Diesem Grundsatz, würde es widersprechen, wenn die Gleichberechtigung nicht prinzipiell allen in Rumüuicn ansässigen Juden verliehen wird, sondern wenn sie auf bestimmte Kategorini beschränkt bleibt, mögen diese auch, den Haupt teil der rumänischen Juden umfassen. Soweit das grundsätzliche Bedenken, Darüber hinaus aber muß eine derartige Vereinbarung die Befürclitimg׳ l'.ervonufen, daß die Runiäiu‘11 wiederum um׳■ deshalb darauf eingegangen sind, weil die Bestimmung selbst ihnen;!ד:: Mitle! in die Hand gibt, die Emanzipation der rumänischen Juden zu verhindern. Das Verlangen, daß nicht mir der rumänische Jude, welcher Bürgerrecht erlangen soll, solidem auch seine Eltern (also nicht nur sein Vater, sondern sogar seine Mutter) in Rumänien geboren sein müssen, ist an sich unbillig und wird! außerdem bei einer Fortdauer der bisher von Ru- I nuinien verfolgten Verwaltungspraxis dahin führen, daß nur verschwindend wenige rumänische Juden I die Gleichberechtigung erhalten. Obwohl nämlich, | wie gesagt, die weitaus überwiegende Mehrheit der rumänischen Juden und ihre Eitern in Rumäiticn geboren sind, so wird es ihnen doch nicht möglich sein, den Nachweis inrer Ansässigkeit und Geburt im Lande fiir zwrei Generationen zu erbriugen. Fs besteiien in Rumänien erst seit dein jahVci 11S66 ״•»miiiche Geburtsregister, deren Einfühnmg'un ganzen Lande sich bis zum Jahre 1830 verzögerte. Sollten die rumänischen Behörden mm beispielsweise amtliche Bescheinigungen auf Grund dieser Geburtsregister darüber verlangen, daß der Antragsteller sowie seine Eltern in Rumänien geboren sind, so kämen für die Naturalisatio» nur diejenigen in Frage, deren Elteur nach Einführung der amtlichen Geburtsregister, d. h. etwa zwischen 1S75 und 18S0, in Rumänien geboren sind, in praxi würde das besagen, daß heute nur die etwa Fünfzehnjährigen naturalisiert werden .könnten. Sicht der Friedensvertrag nicht besondere Ausfül11־un״sbesti11u1u1ngcn vor, ־welche etwa darin bcstellen0 müssten, daß den Juden Rumäniens die Möglichkeit geboten wird, ihre Geburt im Lande uiul die Geburt ihrer Eltern auf andere Weise als durch solche amtlichen Register ־zu beweisen, z B durch Bescheinigung der jüdischen Gemeinden oder durch Aussagen von Zeugen ohne Unterschied lies Religionsbekenntnisses, so kann die erwähnte Ikstimnums׳ des Friedensvertrages in höchst einfaciier Weise von den rumänischen Behörden unwirksam gemacht werden. . , Die Verhandlungen m Bukarest sind noch nicht abgeschlossen. Der Text des Vertrages steht wohl hoch nicht in allen Einzelheiten fest und man darf hoffen, daß noch Acndcrungen möglich .‘י,״״ die hier wiedergegebenen Nachrichten über den bisher ins Au gc gefaßten Tex! des Artikels fibcr Ille Juden frag« Geil bewahrhdfcn sollten. Graf Czernin hat vor einigen Wochen gelegi'iitiich einer offiziellen Kundgebung in Wien ausgesprochen, daß durch den Fricdensvertrag die Emanzipation der rumänischen Juden.gesichert worden sei. Ebenso ist uns an hiesiger amtlicher Stelle versichert worden, daß der Staatssekretär v. Kühl mann sich nachdrücklich für die Gleichbcrechtigmig der rumänischen Juden eingesetzt habe ׳und daß diese Bemüiumgeji von Erfolg gckrönt worden seien. Wir wollen daher hoffen, daß die oben wiedergebenen Nachrichten von privater Seite in Kürze durch die amtliche Veröffentlichung des Eriedeiisvertrages eine wesentliche Ergänzung und Berichtigung erfahren werden. Die gute Absicht der Vertreter der Zcntralmächte auf Durch- Setzung der Gleichberechtigung der rumänischen' Juden wird nur dann ihre Verwirklichung finden, wenn unter Beseitigung aller ungcrcehtfeiiigen Be- Schränkungen die Gesamtheit der rumänischen judenheit diese Gleichberechtigung erhält, und wenn gleichzeitig Ausführungsbestimimtnge.i festgesetzt werden, welche es den rumänischen Behörden unmöglich machen, auf dem Wege der Verwaltungspraxis die Durchführung der Gleichberechtigung zu verhindern. Eine scharfe Kontrolle der rumänischen Zrigeständnisse und der künftigen rumänischen Verwaltungspraxis in der Jiidenfragc wird umso mehr erforderlich sein, wenn der eingangs erwähnte Plan der Angliederung Bessnrabiens an Rumänien Verwirklichung finden sollte. jDenn wenn Ruinänicn trotz aller bisherigen Versprechungen in Zukunft seine eigenen Juden weiter als Parias 1khandelt, so wird cs sich auch durch sein jetziges Versprechen, die Rechte der hessarabischen Bevöivölkerung zu respektieren, an der Bedrückung der hessarabischen Juden nicht hindern lassen. V. ]. 0. D. Als die Vereinigung jüdischer Or.gani- »aii-iaen Deutschlands vor nuTrcren Woche« gegründet wurde, haben wir in eincra!,■.!;:ereil AuTatz uusgdührt, jn welcher Weise diese Gründung zustande gekommen ist, weiche Bedeutung wir ihr zumcs.se« und welche Erwartungen unseres Erachtens auf ihre Arbeit gesetzt werden können. Wir haben kein iielil daraus gemacht, daß wir cs als einen begrüßenswerten Erfolg betrachten, daß die Vereinigung der Jüdischen Organisationen Deutschlands nicht zustande gekommen ist, ohne daß die Zionistische Vereinigung fiir Deutschlau!! hierbei die ihr entsprechende Stellung cingcnommen hat, und wir haben gleichzeitig uns darüber gcäußert, daß das Arbeitsgebiet der VjOD, welche» sie sicli gemäß den veröffentlichten Richtlinien unserkoren hat, der intensiven Tätigkeit aller Gruppen des deutschen Judentums und in vorderer Reihe auch der deutschen Zionisten Spielraum geben wird. Der Aufsalz, den wir damals veröffentlichten, hat im Inland und fast noch mehr im Ausland eine Erörterung 11ervorgerufen, die besonders in zionistischen Kreisen viel Aufmerksamkeit in Anspruch genommen hat. Dies ist sehr wohl zu verstellen, da die Haltung der deutschen Zionisten in allen politischen Fragen, besonders während des Krieges, für alle an der jüdischen Politik teib nehmenden Richtungen des Gesamtjudcntunis immer vo» großem Interesse gewesen ist und da. insbesondere in der Zionistischen Gesairtorganisation auf die Step lungnalimc* der deutschen Zionisten und die sie veranlassenden Motive ein großer Wert gelegt wird. Wir haben die Erörterung, die sich entspann, selbstverständlich mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. Soweit die Beurteilung des ausländischen Judentums, auch in der Zionistischen Organisation, in Frage kam, hatten wir bis in die letzte Zeit nur Gelegenheit, die Stimme* kennen zu lernen, welche sich, abgesehen: von der zionistischen Presse in Polen und in Oesterreich-Ungarn, in den neutralen Ländern vernehmen ließen. Jungst sind aber auch Aeußerungen der Presse - und nicht nur der jüdischen, sondern auch der für die jüdische Politik Interessierten allgemeinen Zcitsdiriftc.aljteratur — aus England und Amerika zu uns gekommen. Gleichzeitig haben sich in den ״Neuen Jüdischen Monatsheften“ Repräsentanten der wichtigsten, 1״ der Verein»- gang Jüdischer Organisationen Deutschlands vertretenen üuippen über das Zustandekommen und die Bedeutung der VJOD geäußert, mit Ausnahme der Vertrete“ der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, für welche ja m dem emgaugs erwähnten leitenden Aufsatz *er ״Jüdischen Rundschau“ vom 15. Februar dieses Jahre, eine Stellungnahme schon Vorgelegen hat. ^‘cse verschiedenen Aeußerungen geben uns dk Gelegenheit, auf einige Punkte hinzuweisen, die uns piner Klarstellung zu bedürfen scheinen. Wir haben ton Anfang .n darauf Wert gelegt, 4M über die Ah-

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