Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIII (1918)
- Issue
- Heft 15 (10.4.1918)
- Date
- 1918-04-10
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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P o r,; 0 p.»1־ k a:;:; r n amt Sdirctkonio Nr. 156030, Anzeigen dm sr ,!״;reBpautne׳ GiUt 40 Pf Trurrun7«״.usdl.tjr 20״/״, Rcddctionsschluß U1cnr.it}׳ n-u.*. 1 oder deren Rcum! •£׳Ä*r:־'«»'«rÄ ** ד•.*s <kJ i U±\ td.’ÄT '5, S״«fc■ '־*'*׳KG f>.T%r k .4 k M, r זיע״&ייייויסי׳ד.»* יי׳? jj XXIll.Jahrücng -?Lraau<a xsr■ ״י«*»־•׳ **“" ,,Des־ ZitinUnsu» cr*.'rcM fi'.r d«*.j JiWischo Voll! die S::lu׳,fam;j clr.tr SfccS'iilclt-rccLh.fc» gcsJcF.erJca Xicimsiüiie in Pei»«1Iif40." iiascler Proßrauun• Zwecke' •dienen können . . . .‘‘ In diesem!,סיוgr.uiuu timl in .seiner Begründung, die ebenso einfach wie einleticlitend ist, lic׳;t in der Tat der Kern /n einer kraftvollen mul gesunden politischen Aktionsfähigkeit. Ans dieser allgemeinen!•'onnttlicnuig des künftigen Weges der jüdischen Polipje Forderungen der litauischen Juden Durch die Entwicklung der Verhältnisse im Osicn sind die litauischen Juden in die Nolw.mdgkeil versetzt, ihre nationalen Eordenmgen dem kü11fti,re11 litauischen Staate gegenüber ehestens aiutimchlcn. Während früher das litauische Jujcutttm seine l'ordeningcn in ge!1jeii1s.unC׳m Znsammcngeiicn mit dem ganzen russischen Judentum formulieren konnte, ist es jetzt gezwungen, seine j tik in Litauen geht unmittelbar hervor, daß die nationalen Ansprüche getrennt von denen der msj litauischen Juden sich die bisherigen guten Be* sischen und polnischen Juden geltend zu machen,! Ziehungen zu den übrigen drei Litauen bewoliij cS Dt auch bei deren Durchsetzung ausne!!den Völkern bewahren und sichern wollen. ' ’ יי' י. Aber mit dieser allgemeinen Formulierung der politischen Prinzipien begnügt sich das litauische Judentum keineswegs. Schon heute erachtet cs die Zeit für gekommen, ganz konkrete Fordenmgen für die Grundlegung seiner nationalen Zukunft zu erheben. So sein־ es sieb über die allgemeine Richtung seiner nationalen Ansprüche klar ist, so sehr hat es dies. Bedürfnis, seinen Fordenmgen einen prägnanten Ausdruck durch ein reales national-politisches Programm zu geben. Ein soldies Programm kann mir durch die berufenen sclilielilich auf seine eigenen Kräfte angewiesen. Die nationalen Eordenmgen der litauischen Juda; sind dieselben, die die Juden der übrigen Linder jüdischer Massensiedlmig den Staaten mul Völkern, unter denen sie leben, gegenüber vertreten. Die Hauptforderung der litauischen Juden ist ihre Anerkennung als ״ Ic i chb e r ech t i gtc N a - tion a l it ii t im zukünftigen litauischen Staatswesen. Aus dieser Gnuulforderung ergeben sich von selbst die besondere״ Ansprüche auf entspreende Vertretung der Juden in den staatlichen und städtischen Körperschaften, auf (Vollkommenes j Vertreter des litauischen• Judentums ausgearbeitet Sclbstbcstimimuigsrecht in allen das jüdische Lej und nur von einer’ aus demokratischen Wahlen ben betreffenden Fragen, auf das Recht der selb-; außen vertreten werden. [jäher sieht das ständige 11 Einrichtung und Verwaltung dcr_ jüdi sehen Gemeinden und des uns allgemeinen Staatsmitteln rimerhaltenen und mit vollen Rechten ausgestatteten Schulwerks, auf die Anerkennung und Gleichberechtigung der nationalen Sprache usw. Während 'diese prinzipiellen Forderungen der litauischen Juden mit denen der russischen, poluisehen, gali/ischen usw. Juden identisch sind, richten sich naturgemäß die Wege, die zur Erreiclunig dieser mitkmalen Ansprüche cingeschlageu werden müssen, nach den jeweiligen polilischeu Verhältnissen des betreffen Jen Landes. Es ist klar, daß dort, wo sich die Juden einer absöhnen und erdrückenden Majorität gegenüber sehen, die Durchsetzung ihrer nationalen Rechte sich auf Grund anderer taktischer Gesichtspunkte vollziehen 11111(1, a>S in Ländern, in denen keine Nationalität über eine absolute .Majorität verfügt, in denen die Juden also die Stellung einer ansehnliehen nationalen Minorität unter drei oder mehreren Nationalitäten eiunehnten. hi dieser letzteren Situation befinden sich die Juden Litauens. Sie bilden int Lande neben Litaucni, Polen mul Weißrussen einen bedeutenden Mozcntsatz der Bevölkerung, wobei allerdings die Umsetzung der Grenzen des künftigen litauischen Staates gewisse Verschiebungen zu gunsten oder ungunsten der jüdischem Verhältniszahl hei'bcifültren kann. Wie aber auch <lie.se Grenzen ausallen mögen: die Juden bleiben immer die drillgrollte Nationalität im Lande, in den großen •idtcn und Marktplätzen stehen sie sogar zahlen- ,nuliig 11.־ erster Stelle und man darf auf Grund teser Verteilung mit Recht hoffen, daß ihnen bei vi zukünftigen Entwicklung des Handels und 4ן IRh1strie des Landes eine entscheidende Rolle zufalkm wird. Welchen Weg werden min die litauischen ju- J11 hir die Erlangung ihrer nationalen Ansprüche r,1!' i aK°״? Wir bringen im folgenden zwei unc Uenswerle Stimmen aus den Kreisen des linuischcn Judentums selbst, in denen die allgenunen Grundrisse der im zukünftigen Litauen zu c 0hß'iden jüdischen Politik gezeichnet werden. Tis litauische Judentum kennt die Leidensgeschichte des jüdischen Volkes in Galizien, Pou! '1Dtd den anderen Ländern, in denen es um ס״ס Anerkennung gerungen hat und <r4 ן ״ St gewillt, all die bitteren Erfahrungen, 11 dort gemacht wurden, sich zu nutze zu ma- . Ie״!uni all die taktischen Mißgriffe die dort ge- Wurden, nach Möglichkeit zu vermeiden. ״Der rische Weg, den die Juden von mm besehreien müssen.muß von Anfang bis Ende ju- נס sch mnd vollkommen unabhängig sein. Auf diesen Weg werden wir gedrängt durch die Eicht •uns,., .r Lebensbedürfnisse und deren besondere Erfordernisse. Wenn er auf Gere c 11־ *1 gkcit und Demokratie begründet sein wird, whd er nicht als Werkzeug für fremde nationale litauische Judentum ■schon heute in der Reor das litauische Judentum schon heute in der Reorg a 11 i s a tion d c r j ü d i s c 11 e 11 ü c m c i n d e 11 eine seiner wichtigsten, die Zukunft vorbereitenden Aufgaben. Ferner fordert es — Bemühungen in dieser Richtung sind schon längst im Gange, aber leider 1bisher resultatlos geblieben — die Einher u fang einer auf breiten demokratischen Grundlagen gewählten K o n f e re n /. der jüdischen Vertreter aller Städte ׳mul Marktflecken Litauens, aus 11er dann eine Körperschaft zwecks einheit- Periode der Nachahmung, t Insidicrheit und Aengstiichkeit werden nach dein Rezept: ״was werden die Nulltjuden sagen?“ Audi darf sie keine Periode des Zögerns und der Tatenlosigkeit werden und nicht auf ein Ausspielen eines Volkes gegen das andere anfgelxuit werden. Line solche Haltung unsererseits wurde jedesmal die Feindschaft der. zweiten Volke*, gegen uns auslösen und uns zwischen Hammel־ und Ambos bringen. Der historische Weg, den die Juden von nun an beschreilen müssen, der normale und ehrenvolle Weg muß von Anfang bis Ende jüdisch und vollkommen u 11 ab 11 an gig sein. . . . Auf diesen Weg werden wir gedrängt durch die Macht unserer Lebensbedürfnisse und ihre besonderen Erfordernisse. Wenn er auf Ge• rechtigkeit und Demokratie gegründet sein wird, wird er nicht als Werkzeug für fremde nationale Zwecke dienen können. . . . Bei jedem kleinen und großen Anlaß müssen wir unsere Taten nach unserem( jüdischen Ziele richten und vor allem und ־zuerst unsere jüdische und nationale Individualität und die Anerkennung und volle Verwirklicliuug unserer Rechte als Nation durchsetzen. Wie von sc'lbst dient uns dies zugleich als Pfand zur Eireichmig der Rechte des einzelnen Bürgers. Der verantwortungsvolle Augenblick in dem wir jetzt stehen, legt uns große und wichtige Pflichten auf. Wir Juden' inussen in die neue Geschichte Litauens auf Grund gegenseitiger Freundschaft mit den übrigen drei Völkern eintreten, im vollen Bewußtsein unserer nationalen Aufgabe und unseres besonderen Weges . . .“ In ähnlicher Weise sprach sich am läge nach der Bekanntmachung der Selbständigkeit Litauens in den Wilnaer ״Letzte N a i s“, Herr A. 0111 s c h w a n g e 1 über die zukünftigen Aufgaben der litauischen Juden aus. Der Aufsatz OliRclnvangers fordert alle jüdischen Organisationen und Körperschaften Litauens auf, sich zum Zwecke des Aufbaus des national-jüdischen Leben, im neuen Litauen zusammenzuschließen. Bezüglich der Einzelheiten der allgemeinen politischen Fragen in Litauen — so meint der Autor — werden die Juden sieh mit den Vertretungen aller anderen Nationalitäten in Verbindung setzen und eine möglichst einheitliche Stellung nehmen. Was aber die inneren jüdischen Fragen und die Stellung zum liia.uiseiien Staate betreffe, so müsse _»u» iioiei t.hg.misieieng cio ״t.uuselien juduiseliuft Orumllage das Prinzip dienen: die Selbständigkeit der und vorbereitender Arbeiten für die politische und . kulturelle Tätigkeit liervorgelien soll. Diese konkreten Aufgaben stellt sich heute das litauische Judentum. Es braucht wohl keines Hinweises auf die grundlegende Bedeutung, die ihre Verwirklichung für das ganze zukünftige amtiouale Leben der litauischen Juden hat. Pflicht und Aufgabe der maßgebenden Stellen ist cs, diesen Bestrebungen eine weitgehende Förderung aiigedeihen zu lassen und den litauischen Juden so die Möglichkeit zu geben, an der wirtschaftlidien und kulturellen Entwicklung des Landes auf Grund voller nationaler Rechte einen tätigen lind schaffcustpolien Anteil zu ildamen. Zur Judenfrsgc in 'Litauen Das soeben unter der Redaktion S. L. Zit raus in Wilna erschienene Sammclhcft ״Mccth iceth“ enthält einen Aufsatz über die Juden Litauens, der allgemeine Aufmerksamkeit; verdient. ’ ״In Litauen wohnen“, so heißt es hier unter auderen!, ״vier ansehnliche Volksteile: Litauer, Juden, Polen und Weißrussen. In den Gouvernements Kowno und Smsalki überwiegen ethnographisch, die Litauer. In diesen beiden Gouvernements hat das sonst kleine litauische Volk eine ausgesprochene Majorität. Die Polen besitzen in Litauen eine Minorität, aber diese Minoritat hat das Streben, sich mit dem Köuigreidi Polen zu vereinigen. Die Weißrussen sind besonders in den Gouvernements Grodtto und Wilna zahlreich und riehteil ihre Augen nach den Gouvernements Witebsk, Mohiiew und Minsk, dem Siedlungsgebiet einer guten Hälfte des wcißrussisehcii Volkes“. ״Die Juden Litauens sind eine nicht zu unterschätzciule .Macht. Da sie ungefähr H Prozent der Gesamtbcvölkcnmg ausmaeheii, nehmen sic (nach Litauern und Weißrussen) im allgemeinen die dritte, in den Städten die erste Stelle ein. So z. B. machen die Juden in Wilna 4'), in Grodno *IS, in Kowno 35, in Poniwcsh 51, in Wilkomir 51־, in Schawly 43, in Tclsh 50, in Sadowa 5(1 Prozent der Bevölkerung aus. Eine besonders große Bedeutung kommt den städtischen Juden infolge ihres höheren kulturellen Niveaus und ihrer .Stellung in Handel und Industrie zu. Ohne Zweifel wird das jüdische Element unter freien Lntwicklungshcdiiigungeu, einer weitgehenden Autonomie und vollen Rechten dieser Aufgabe gerecht werden. Die neue Epoche, die nunmehr für unsere Geschichte in Litauen beginnt, darf nicht den Stempel des ״Majofis"-Juden tragen, sie darf nicht einer anderen als nebensächlich untergeordnet werden, darf keine jüdischen Nation als Nation. Alle andere Forderungen der Juden — die selbständige Wahrung und Leitung der nationalen, kulturellen und nationalwirtschaftlichen Interessen, die finanzielle Befriedigung der nationalen Bcdiirfnisse, die Anerkennung und Gleichstellung der jüdisehen Sprache — seien Folgen dieses Hauptprinzipf.v Zur Klärung und Durchführung dieser Forderungen verlangt der Artikel vor allem:!.Einrichtung jüdischer Gemeinden auf der Grundläge demokratischer Wahlen. Sämtliche provisorische Vertretungen müssen vor diesen demokratischen Organen zurück) reteu. 2, Fiulvi'iifimg einer auf demokratischen Grund• lagen gewählten Konferenz der Vertreter aller jüdischen Städte und Städtchen nach Wilna. Die Konferenz, wini eine einheitliche Organisation des litauisdien Judentums schaffen und eine Leitung wählen, die die vorberei-, tenden Arbeiten zu führen haben wird. Die Audienz der Jüdischnationaien (Von unserem Wiener Korrespondenten.) Die Audienz, welche den Führern der jüdisch-nationalen Partei in Oesterreich, R.-Abg. Dr. Benno St rauc Ire r, Adolf Stand und Staatsbahnrat Robert S t r i k - k e r am 12. und 15, März von dem Ministerpräsidenten Dr. von Seid ler unter Zuziehung des Ministers des Innern Grafen 'Poggenburg gewährt wurde und in, welcher die jüdisch-nationalen Führer Gelegenheit hatteil, der Regierung die prinzipiellen Forderungen des jüdischen Volkes zu übermitteln und in ausführlicher Erörterung darzulegen, ist ein Ereignis von nicht zu unterschätzender Bedeutung und läßt auch für die Zukunft einen Umschwung in der Auffassung der jüdischeu Frage seitens der österreichischen Regierungsorganc erhoffen. Es ist heute jedem einsichtigen Poli- Gker klar geworden, daß das alte System absolutistischbürokratischer Regierung in Oesterreich Schifibrucl! gelitten hat und nur scheinbar zum Nutzen des Staates, in Wahrheit aber zu dessen schwerer Schädigung gereicht hätte. Die Wandlung, die durch den Krie״ und die mit ihm zusammenhängenden Ereignisse in den Grundbegriffen aller Politik herbeigeführt’ wurde ln« dazu beigetragen, die Einsicht zu stärken, daß in’Hin• kunft große Völker nicht mehr unter völliger Außerachtlassung ihrer Lebcnsnotwcmligkeiten ״•״irrt wu׳• den können und daß es auch nicht «״.geht, gewisse herrschende Oberschicht.•״ als die!)dugten Vertreter der \oiker zu Rate zu ziehen und die Rücksichtnahme an deren Interessen der Berücksichtigung des wirkhehen Volkswoldes voranzustellen. Man hat gelernt, m ^den wichtigsten Stunden der Staat auf die angewiesen ist und daß breiten Massen der Bevölkerung