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Jüdische Rundschau · 1918-03-27 · Heft 13-14 (27.3.1918) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIII (1918)
Issue
Heft 13-14 (27.3.1918)
Date
1918-03-27
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Sie bej-tcii, daß den Juden das Recht freier Einwanderung .!!"alicr unter dem Vorbehalt der sehr relativen ״Auf- J’1aj)j״cfäI1igkcit“ des Landes daß ihnen ferner ört« 1C Selbslvcrwaltung und endlich die freie Pflege, kulturellen Eigenart gewährt werden soll. haben Stilistik scharfer Weise Wir haben?0 ו »,iti' it* Der Brvihltiß, die miiS■־■! :IttriiF gegen die Juden aufzuliehcn und rcehtigte Bürger des finninchrn 1׳ wurde bekannt [ich erst nach laugen ide a,:; rii;: I ״uUi gleich!!;־ erkennen, licl ihrer Sehr berufene deutsche Beurteiler und "!1111*111 dieser Erklärung in recht aj1 unbestimmt und unzureichend angegriffen ktinen Orund uns diese formelle Scharfe /neigen zu ni.aclieii. Ebensowenig aber wollen wir durch eine gekünstelte Interpretation die Tatsachen verschleiern. Die erste Voraussetzung für gegenseitiges: VorilindiiK eine unbedingte Ehrlichkeit gegen uns und ״cr> jie in Betracht kommenden Regierungen, gebietet uns fcst/usielLn, daß sich zwischen dein, was uni dcutsdi-tiirkischcrscits angeboten wird und was wir verlangen und verlangen müssen, noch eine he- UÜclitlichc Kluft!!reitet. Und wir müssen weiter ,a-TCn: Hin Atisicdlungsunternelunen mit jederzeit beschrüiikbarcn Ansiedlmigsmüglichkeitcn mul mit nur örtlichcr, also rein administrativer Selbstverwaltung, würde günstigsten Falles zur Bildung zerstreuter Kolonien- Dörfer" führen, hat aber nichts zu tun mit der Schaffimg eines nationalen Gemeinwesens auf öffentlicli-rcchtlieber Grundlage. Ein solches Unternehmen würde weder die jüdisch-soziale Frage noch auch das Problem der national-kulturellen Konzentrierung in einem zum Gelamikomplex relevanten Maße erfassen, an Stelle der mclinten Umgestaltung der zerstreuten jüdischen Nation in ein normales Volk in einem, normalen Gemeinwesen würde cs eine erneute Absplitterung eines Volksteiles zur Folge haben. Das historisch-jüdische Ideal der nationalen Renaissance, das jedem Zionisten teuer und unveräußerlich ist. wäre zu einem philanthropischen KlemsicdUmgswcrk entstellt und degradiert. Mit den! Zionismus, wie wir ihn verstellen, hätte so etwas nichts mehr tu schaffen. Dennoch, obwohl die deutsch-türkische Erklärung keine Erfüllung unserer primärsten Forderungen bringt, worüber wir keinen Zweifel lassen können, wollen wir sie gleichwohl als einen Erfolg begrüßen, weil wir uns berechtigt glauben, in der Tatsadic der Abgabe der Erklärung selbst, des guten und aufrichtigen Willens dieser und der ihnen verbündeten österreichischen Regierung scheu zu dürfen, der zionistischen Bewegung mit Sympathie ciilgogenkomntcn zu wollen. Vor allem aber, weil wir hoffen, daß jedes weitere Prüfen der Grumlclemcntc unserer Bewegung, das sich an diese erste Fühlung nnsrhließen wird, sic selbst zur Erkenntnis bringen wird, daß sie, wenn sie dem jüdischen Volke wirklich helfen, einer Sache des Rechtes wirklich ihre Unterstützung leihen wollen, nur eine Möglichkeit haben: unser nationales Ueimstäitcn-Programtn in seiner Geschlossenheit zu akzeptieren.“ Aus Palästina Zwtdts Besprechung der durch die britische Okkupatioa geschaffenen Lage fand vor kurzer Zeit *mc Konferenz von Vertretern aller judäischen Kolomen mit Einschluß der jüdischen Arbeiterschaft statt, wie dem Jüdischen Prcßbiiro in Stockholm aus Jaffa Berichtet wird, wurde beschlossen, eine Organisation der Jtidcr. Palästinas ins Leben zu, rufen, die mit den ausländischen jüdischen Organisationen, welche in Pai.1»tn1a wirken, koopicren $011. Diese Organisation soll '011 einem Kongreß der palästinensischen Juden Begründet werden, der aus allgemeinen demokratischen w ahkii hervorgehen und binnen drei Monaten zusammentreten soll. Zzh' dl;,.; der neu. ,r ,1 eie t: iLala der»!eS-jüäl-chcü , w r. Cu r.stio reachnffrnca Die Hechaluz-Bewegung in Rußland . '* Charkow fand, wie das ״Jüdische Prcßbiiro" '11 -tockholm aus Petersburg erfährt, eine Konferenz *1-Hechaluz-OrganiBationcn Rußlands statt, lu WcIc‘lcr Vertreter von 21 Städten erschienen waren. wurde eine Zentralorganisation geschaffen, *n J!יrc/1 Spitze ein Zentralkomitee steht, ln Odessa V .e "*reit» eine landwirtschaftliche Ile- •»״״chule unter der Leitung des Agronomen ' fr * n n eröffnet. Die Mitglieder de» Hechaluz sind p .5 ®ul die Aufforderung diese* Komitees nach -«״״ Iu übcroiedeln und dort 3 Jahre lang und! Anordnungen desselben zu arbeiten, Gedenket (!dt Hilfswerks für Pali Gedenket der Evakuierten! batten und Kämpfen vom finnländischcn Sejm gefaßt. .Die a’lfinnir.chc Miomctarisohc — Partei versuchte noch in den letztem Tagen der Verhandlungen, ihre alten Eimvlnde gegen die jüdische Gleichberechtigung im Sejm zu erheben. Fs handelte eich dabei aber nicht bloß! um «las Prinzip der jüdischen Gleichb crcch!i.gung, sondern um den Unterschied zwischen den alteingesessenen finnischen und den eisige wandelten, zumeist russischen Juden in Finnland. Unter den gegebenen Verhältnissen war es auch den jttdenfcindlidicn Elementen des Sejms nicht leicht, ihren Standpunkt in seinem ganzen Umfang zu verteidigen, ohne daraus einen Widersprach zwischen der finnischen und der ruBlämüschcii Gesetzgebung entstehen zu lassen. Sie waren gezwungen, zur Vermeidung etwaiger Konflikte und einer Gefährdung der Selbstämligkeit Finnlands nirmdic ihrer Bedenken zurück- /*!stellen und für das Prinzip der Gleichberechtigung zu stimmen. Von besonderer Bedeutung für den Sieg der jüdischen Emanzipation war aber in erster Linie die Stärkung des sozialistischen Elementes! im Sejro und der sozialistischen Stimmung im finnischen Lande. Die Sozialdemokratie Finnlands war von jeher die ein- 7igc Partei, die die Sache der Gleichberechtigung der Juden zu der ihrigen machte und den Kämpfern für die jüdische Emanzipation stets zur Seite stand. Jetzt, da sie an Macht und Einfluß iin Lande gewann, trug auch die Emanzipation den Sieg davon. Nachdem der Emanz.ipationsbesdiluß vom 22. Dezeniber 1017 a. St. in Kraft getreten war, überreichte eine Deputation der finnischen Juden, bestehend aus dem tapferen Kämpfer für die jüdische Emanzipation Santeri Jacobson, Dr. Pergament und Rechtsnnwalt Jonas Jacobson, ein Schreiben an den Talman des Sejms-, das in der nächsten Sitzung des Sejm zur Vorlesung gelangte. ״Im Namen der Juden Finnlands“, hieß es in diesem Schreiben, ״gestatten wir uns, dem finnischen Volke durch seine Vertretung unsere tiefe Genugtuung über dar, beute gefaßte Qcsctz der jüdischen Glciclibcrcchti•: mg auszusprechen. Dank diesem Gesetz sind die Fesseln der jüdischen Rechtlosigkeit gefallen, die unser Schicksal der Ikamtcnwillkür ausliefertcn. Mit der Annahme dieses Gesetzes versetzte der Sejm der religiösen Intoleranz und den Vorurtcilen, die die gesamte Judcngcsctzgcbiing Finnlands im Verlauf der letzten Zeit geleitet haben, den Todesstoß. Das freie selbständige Finnland .erkannte endlich das Recht unserer Menschenwürde vor dem Gcsciz. Heute, an diesem für das finnische Judentum historischen Tage möchten wir glauben, daß die gegenseitige Verstand! gung zwischen Juden und Finnen die Grundlage für eine" gemeinsame Tätigkeit zum Beste« unseres gemeinsamen Vaterlandes dienen wird. Es lebe das freie Finnland und die Gleichberechtigung der National!- täten!“ Bald darauf fand in Wyborgj eine feierliche Sitzung der Jüdischen Gemeinde statt, die der Würdigung der Emanzipation und der bevorstehenden Aufgaben des finnischen Judentums gewidmet war. In seinem Vortrag schilderte Dr. Gurcwitsch die Geschichte des Kampfes um die Emanzipation in Finn-!and mul die Verdienste des Vorfcchters der jüdischen Befreiung, Santeri Jacobsons, dieses Gabriel Riessers des finnländischcn Judentums. Im Jahre 1903, zur Zeit der ersten russischen Revolution hatte es dieser Journalist und Sozialist unternommen, die!״inländische Oeffcntlichkeit über die Leiden der finnischen Juden und die Schandtaten der finnischen Polizei den Juden gegenüber aufzuklären. Er reiste von Stadt zu Stadt, las’ überall in den Kreisen der Freiheitskämpfer Vorträge über die Lage und die Reciitc der Juden, gewann die Unterstützung der sozialistischen Partei für die Sache der jüdischen Gleichberechtigung und versuchte das Interesse des Auslands, auf diese Frage zu lenken. Bald stieß er und sein Kreis auf die Opposition der Antisemiten die sicli anfangs um den russisehen Gaicralgouverneur Finnlands Bobrikow und später um die altfiiinisclic Partei konzentrierte. Ohne in finnischer Sprache auch nur ein einziges Buch über Juden und Judentum vorzufinden, ging Jacobson selbst ans Werk, um die nötige Literatur zu schaffen. Im Jahre 1907, all im Ausschuß des Sejm die Anfrage der Sozialdemokraten über cL’c Judenbeschränkungen behandelt wurde, veröffentlichte Jacobson sein. Buch ״Die Judenfrage in Finnland“. Im Jahre 1903 begann er die erste und einzige jüdische Zeitschrift ״Den Finske Juden“ (״Der finnische Jude“) in finnischer und schwedischer Sprache in Wyborg herauszugeben. Als die Reaktion in Rußland wuchs, mußte auch Jacobeon ceinc ״Vergehen“ büßen. Er wurde von der russischen Regierung verhaftet und nach 15monatlichem Gefängnis nach׳ der Narym-Ocgencl verschickt. Erst die neue Revolution führte den Kämpfer in seine Heimat zurück, wo er sich von neuem an die Spitze der Emanzipationsbewegung stellte. Iji Worten heißen Dankes huldigte die Versammlang dem anwesenden Jacobson. Diese erste öffentliche Kundgebung deaj tmanzlpierten Judentums in Finnland manifestierte aber auch den neuen Charakter der modernen Emanzipation, d«r sie von ihren Vorgängern des vorigen und vorvorigen Jahrhundert» unterscheidet. Trotz der gebilgta At*ijaiiati•« der fiw.iidicn J־ftc*5a «ad trofci.flirv £Ü3 im cf;Lea Taumel ihrer freu- Entschluß zu tev.en, Erneuerung szit/uaibeitca un״ die Verhältnisse zur Entfaltung u«l «־ reiciicrung ihrer nationalen Kräfte zu nützeu. Da־ zw«..»* Vortrag der feierlichen Kundgebung galt dem ihciim ״Galutli und Zionismus“, gehalten von dem jungen zionistischen Redner Finnlands Jeremias Ist* kow, der an die englische Regierungserklärung und die neueröffneten Perspektiven des Zionismus aiikiiüpfta» Auf Antrag Santeri Jacobson» faßte dann dl• Versammlung die folgende Resolution, die einstimmig angenommen wurde: ״Die jüdische Kolonie der Stadt Wyborgj versammelt am 8, Januar 1918 zu einer feierlichen Sitzung zu Eiiren des vom finnischen Sejm gefaßten Gesetez über die Gleichberechtigung der Juden Finnland», schließt sich der Erncuerungstätigkcit Finnlands an und koistatiert in dem Akt ihrer Befreiung eine teilweise Verwirklichung der großen Ideale der Freiheit der Vöikei und ilsres brüderlichen Zusammenlebens. Aber in de* Gleichberechtigung der Juden in den Einzelländera kö>* nen wir nicht die Lösung de* allweltiidicn jüdisch«* Problems erblicken und in der Ucberzetigung, daß di• einzig richtige Lösung des Problems diejenige Ist, die von der englischen Regierung verkündet wurde, schikken wir finnischen Juden an diesem für un» so bedw tungsvollcn Tag dein englischen Volke und «seiner Regierung unser״ Gruß und Dank in döin feste» Glaube», daß in der Stunde der Befreiung der kleinen NaUonaliiäten diese• edle Vorhaben sein• glücklich« V«-- wirklichung erlangen wird. Möge endlich der treffendc Ausspruch unseres Achad Haam Unrecht behalten, daß, ״wenn man von '* Juden spricht man an Recht und Gerechtigkeit vergißt, und wenn man von Recht und Gerechtigkeit spricht, man an die Juden vergißt“. Möge dieser Vorwurf, den die Jüdfsehe Geschichte der europäischen Zivilisation in» Oesicht geschleudert hat, in Vergessenheit geraten I Bs lebe das gerechte England, ea lebe die Seibstbestiramung der Nationalitäten, e• lebe da■ Recht und di• Gerechtigkeit!“ Unter den Klängen ״Hatikwa“ wurde die mt• feierliche Kundgebung de» emanzipierten Judtntnm• Finnlands geschlossen. Eine Kundgebung der־ holländischen Sozialdemokratie zur Die von der sozialdemokratischen Arbel» terpartei Hollands am 18. Februar in Amsterdam cinbcrufcne öffentliche Volksversammlung zur Besprcchung der Judenfrage wurde mit einer Rede dei holländischen Arbeiterführers Eduard Polak eröffnet. Die Versicherung der kriegführenden Staaten, erklärt« er, daß sie für die Unabhängigkeit der kleinen Nationen kämpfen, erschließt erfreuliche Perspektiven für das jüdi- 6chc Volk. Mit herzlichen Worten begrüßte er den Vertreter des jüdischen sozialistischen Arbeiterverbandes ״Poale-Zion“, Ing. S. Kaplansky und las einen Brief vor, den Troclstra, der Führer der •ozialdcmokratisehen Arbeiterpartei Hollands, anläßlich der Versammlung an Kaplansky gerichtet hatte. ״Es scheint mir nur natürlich“, heißt cs in diesem Schreiben, ״daß in elnar Zeit, da die Verwirklichung der zionistischen Bcstrebuagen eines der wichtigsten Punkte der Friedennverhand. lungen geworden ist, auch die holländische Sozialdemo, kratie ihre Zustimmung bezeugt. Ich bin überzeugt, daß sic damit ini Oeiste der Internationale handelt. Seitdem wir in Stockholm an der Abfassung des Zentral« bcrichtcs des Mollündischcn-Skandinavischen Komitee* zusammen arbeiteten, ist durch die Eroberung Palästina* und die Erklärungen der Regierungen der beiden krieg« führenden Parteien die Erfüllung des zionistischen Ideal! noch wahrscheinlicher geworden. Es ist von große* Bedeutung, daß der Zionismus sich selbst als eine« Teil der großen sozialdemokratischen internationalen Be» wegung erkennt, um ihn vor dem Verfall in reaktionären Sektantisinus zu bewahren; der *ozialdcmokratischexf Bewegung, die wohl die Nationen und ihr Sclbstbcetlranvungsrecht anerkennt, aber nur als die notwendige* Teile der gesamten Internationale. Ich weiß, daß Sie und Ihre Partei die Sache in diesem Sinn propagieren.“ Als erster ergriff das Mitglied des Exekutivkomitee» de* Internationalen Büros Senator H. van Kol du Wort. ״Der Gegenstand“, begann van Kol, ״ist uns nicht neu. Er hat seit Jahrzehnten mein Interesse. Die Judenfrage hat iin Laufe des Krieges große Fortschritte gemacht. Das Ergehni• dieses Krieges wird ein Stattenbund sein und der Sozialismus sicht mit Freude, daß die kleinen Nationen ihre Freiheit erhalten werde«! Der historische Augenblick ist gekommen, der du* Juden endlich Befreiung bringen wird. Es gibt keine Nation, die wie die jüdische den Anspruch au? Selbst, bcstimmungsrccht erheben darf“. Kol schilderte dann eingehend den Weg der jüdischen Emanzipation und der Juden, der Gegenwart, insbeoondcc• _ der Kriegsjalire. Dann ging er tur Ornat* tcristerung de* Verhalten* der vcrscliicdcnen Länder Judehfrnge über. ״I״ Deutschland, •arte «r 18t der Antisemitismus ״och immer stark. Al* Deutsch land Einfluß auf die Gestaltung der Verhältnis« f* Polen gewann, machte e« der Unterdrückung der Jude« brauchen ° W° e" nur eitl hatte spreche« hämripklit Sympathia 1!at{•■ d“*«h Uunb. hmigigkeit wir wünschen, verdient •ein« Uxtb. 50m«kGuf e# dcB Jud6B Bicht L n«of.QL* f*hheit UBd r'<Hh«it gibt. Wen* w •in« *0>iaktam«kr*tir«hs Partsi 41• H«cr. die Leiden während tcris zur

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