Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIII (1918)
- Issue
- Heft 12 (22.3.1918)
- Date
- 1918-03-22
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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VCr Oef.t<*m:iÄ 1 ß.iV.UjmrKMwmniit S.Vdkonto Nr. 15G0:׳׳l>, An;-.ei;a־n die rc׳.h»;r<־spnUr״o ra.t*!׳! odci• ,]r;rc״ Raum 10׳ l׳f. Tua-ninjor/.-aorliinj90 ׳'?,.,. Hr׳ial;t;Oi1s1.;:,i110 DienMs׳? »a Ina. <.,1u«»1>v.w *.*״:»״««*•'״•«־*י■»««״ '»•«»-••*—-*־מ׳n«ry״r/j־r׳ *.־■ •xr. ■5wu..v.asm< 9. Niscan 5G73 ״.*«! irr־■-־.&» •.‘׳ XX111. jelirgang SraC* «J3Ä4H* ־TÄ£*׳tf3׳ä6׳•, Der!,assadkfcicrUsc wegen erscheint die Nächste Nummer der ,,Jüdischen Rundschau" bereits am Mittwoch, dem 27. Mürz, und zwar als Doppelnuiumcr. Die übernächste Nummer erscheint am 12. April. Ei» Interview mit dem bulgarischen Gesandten in Berlin über die nmiäßiselic Jtideiifrage Die Forderung; der endgültigen Durchführung der bürgerlichen, politischen ■mul nationalen Ulrichbcrcchtiguug der rumiinischen Juden .stellt äugenelieklich in: Mittelpunkt des Interesses der jiklisehen Oefleutliclikeit. Das ganze jüdische Volk erhobt die Forderung und richtet sie zur Zeit besonders au die Mitelite, deren Unterhändler in Buka- re st über die Fricdeiisbcdingimgcn verliandeln. Fs! ist selbstverständlich, dali sich die jüdische Odl'entliclikeit im klaren darüber ist, dali die künftige l.age der rumänischen Juden in erster I.inie von der inneren lüitwickhmg Rumäniens selbst beeinnubl wcrilen wird. Nach den Erfahrungen, die die rumänischen Juden seit 1878 gemacht haben, kann mau aber unmöglich das Vertrauen da/u haben, von der Einsicht der rumänischen Politik die Erfüllung der Forderungen zu erwarten, die im Interesse der rumänischen Juden gestellt werden müssen. Mau verlangt deshalb mit Recht, daß die Mächte, welche zur Zeit mit Rumänien verhandeln, dafür sargen, daß der zu schließende Friedensverirag in präziser Form Bestimmungen enthält, welche die Durchiiihrung der geforderten Gleichberechtigung sichern sind für die Zukunft cs unmöglich machen, daß Rumänien sich seiner übernommenen Verpiiichtmigtm in derselben zynischen Weise entzieht, wie es dies trotz des Artikel 11׳ des Berliner Vertrages bisher getan hat. Es war •und ist selbstverständlich in vorderster Reihe die Pflicht der Juden der Zenlralmäclite, sieh für ihre Brüder in Rumänien cinz.useizen und die Regierungen der Zcntrahnächte auf die Vcrpilichtung liinzuwcisen, hei den Friedensverhnudhingen das rumänische Judentum nicht preiszugeh!־!!. Wir haben in unseren letzten Nummern ausführlich darüber berichtet, welche Schritte hi .her von seiten der berufenen jüdischen Gruppen Deutschlands und Oesterreichs für das Recht der nminniseben Juden unternommen worden sind. Was die Stellung der d c u t s c 11 e 11 R e - gierung in der Frage der rumänischen Juden aiilangt, so haben wir unsere Forderungen wiederholt präzisier!. Das Aktionskomitee der Zionistisehe״ Organisation' hat, wie wir berichtet haben, alle notwendigen Schritte ■unternommen, um die Dringlichkeit der Forderung darzusiclkn und die deutsche Regierung auf die Verantwortung hinzuweisen, welche ihr in dieser Situation apferiegt ist. Ebenso hat die Vereinigung jüdischer Orgaui- Sationen Deutschlands (VIOD) eine Reihe \011 zweckentsprechenden Schritten unternommen, um im Namen aller Organisationen des deutschen Judentums das Auswärtige Amt und alle maßgehenden Stellen von der Notwendigkeit zu überzeugen, es nicht bei allgemeinen Versprechungen bewenden zu lassen, sondern die Sicherung der geforderten Gleichberechtigung für die rumänischen Juden durch geeignete Bestimmungen im Friedensvertrag durdratscizen. Wir veröffentlichen in umscrcr heutigen Nummer die Mitteilung über den Empfang der VIOD beim Reichskanzler!* Die Mitteiiuiigen des Reichskanzlers lassen hoffen, daß auch Deutschland die Erwartungen erfüllen wird, welche auf sein tatkräftiges Eingreifen bei den Fricdensverhandlnuigcn gesetzt werden. Wir haben über die Interpellationen und Schritte der jüdisch - nationalen Parlumentarier in Oesterreich berichtet, welche den Grafen Czcrnin dringend gebeten haben, seinen Einfluß für die rumänischen Juden 0inz1isetz.cn. Es ist uns bekannt, dali Graf 0z.ern 111 dieser Bitte von Anfang an nach Kräften iiachgekommcn ist. Er hat in Bukarest wiederholt erklärt, daß namens der k.!und k. Regierung die Durchführung der Gleichberechtigung für die » . ... ._ . . ״Bei• Ztonbzti:} crst. e'.t für <!;:» jr.RSube Voll! die Sch(;f:ü«g efcez CFfcafSkh-r<־c!dtleti g«tch«k-a UfAanUitle (a Fataitlna." Biuclcr I'rogrüinm. rumänischen Juden in vollem Maße verlangt wird. Wir hoffen, daß künftige Veröffentlichungen über den Gang der Verhandlungen in Bukarest ein deutliches Bild davon geben werden, in welcher Weise Graf Czcrnin seinen Versprechungen iiadigekom* men ist. Bekanntlich spielen in den Fricdcnsvorhandluiigen die Auseinandersetzungen zwischen Bulgarten ■und Rumänien eine große Rolle, so daß es klar ist, daß auch die 11 a 111! 11 g B u 1 g a r i c n s in der Frage der Gleichberechtigung der runniuisehen Juden von eutsciieidender Bedeutung sein muß. Wir haben es daher für richtig gehalten, uns an den bulgarischen Gesandten in ן II c r 1 i 11, Exzellenz Dr. Ri/.off, 7.11 wenden und ihn über die Stellungnahme der bulgarischen Regierung zu befragen. Seine Exzellenz Dr. Rizoff ist bekanntlich einer der maßgebendsten bulgarischeu Staatsmänner und der besondere Vertrauensmanu des bulgarischen Ministerpräsidenten. Die t'nienvdimg mit Herrn Dr. Rizoff ging von• einem Telegramm aus, welcher, das Zionistische Aktionskomitee durch das Kopenhagen(.־!• Büro der Zionistischen Organisation aus Amerika erhalten hat um! welches darüber berichtet, daß die jiidischc Presse Amerikas von der amerikanischen Regierung verlangt, daß diese sich mit der bulgarisclieh Regierung wcgcl« einer Intervention bei den i'.ukaivrter Verhandlungen für die rumänischen Juden ins Einvernehmen setze. Unser Redakteur erzählte dem Gesandten von dieser Depesche und wies darauf hin, welche Beucidung das gesamte jüdisch(• Volk der F'tige der Gleichberechtigung der rumänischen Juden beimesse. Der Gesandte erwiderte: ״ich .finde es durchaus verständlich juid bc- ״reiflich, dali das ganze jüdische Volk gerade jetzt mit Spannung auf die Berichte über die Vorgänge und Verhandlungen in Bukarest hört. Tatsächlich ist den rumänischen Juden Jahrzehnte ׳hindurch ein ungeheuerliches Unrecht geschehen, und cs ist bezeichnend, daß dieses Unrecht so lange rnigcsühnt verübt werden konnte. Der Artikel 14׳ des Berliner Vertrages hat klar ausgesprochen, daß! die Unabhängigkeit Rumäniens an die Erfüllung! der Gleichberechtigung für alle Bürger ohne Unterj schied der Religion und der Nation geknüpft ist. 1 Es war ein für die ganze Welt durchsichtiger Trick der rumänischen Politik^ daß'die rumänischen Juden um ihr Recht betrogen wurden, indem sie kirnstlieh zu ״Fremden“ gestempelt wurden. Es ist im übrigen auch selbstverständlich, daß mau sich angesichts der geschichtlichen Erfahrungen nicht mit bloßen Versprechungen begnügen will, sondern darauf besteht, daß für die Zukunft Be- Stimmungen im Friedensvertrage geschaffen werden, welche es absolut unmöglich machen, daß die rumänische Regierung oder Verwaltung die rumänischen Juden wieder um׳ ihr Recht bringt. Ich .fiiule cs verständlich, daß das Judentum der ganzen Welt, speziell in Amerika, auch von der bulgarischen Regierung erwartet und erhofft, daß diese sich für das Recht der rumänischen Juden einsetzen werde. Diese Hoffnung wird sicher nicht enttäuscht werden. Der allgemeine Standpunkt der bulgarischen Regierung in dieser Frage ist mir bekannt. Ich glaubte aber, daß cs unsere moralische Pflicht ist, die jüdischen Forderungen betreffs der Gieicliberechtigung der rumänischen Juden energisch z.u unterstützen. Ich hin daher in diesem Sinne an meine Regierung herangetreten mul habe das Ersuchen gestellt, in dieser Frage die Initiative zu ergreifen. Als ein kleines Volk, das noch vor kurzem unter Ungerechtigkeit und Unterdrückung gelitten hat und uns diesem Grunde besser als andere Völker die Leiden der anderen Völker verstehen kann, müssen wir Bulgaren nach meiner lieber- Zeugung die moralische Verpflichtung hierzu fülllen, für die Gleichberechtigung der Juden Rutnäniens cinzutreten und durch den Friedensvertrag für die Durchführung aller notwendigen wirksamen Maßnahmen zu sorgen, die cs für alle Zuktuift unmöglich machen, daß die Gleichberechtigung der rumänischen Juden auf dem Papier bleibt, wie cs trotz des Artikeln 44 vom Jahre 1878 geschehen ist.‘‘ Herr Dr. Rizoff erwähnte sodann, daß der bulgarische Ministerpräsident R ado s 1 aw o w vor einigen Tagen aus Kopenhagen eine Kundgebung; der jüdischen (irupj׳cn der neutralen Länder, und zwar Dänemarks, .Schwedens und der Schweiz, whalten habe, welche die bulgarische Regierung um die Sicherung der Gleichberechtigung der rumänischeu Juden hei den Fricdeiisverliaiidlungeii kt Bukarest bittet. Der bulgarische Mini-, sterpräsident hat hierauf schon telegraphisch tWc Zusicherung erteilt, daß die bulgarische Regiarung den Wünschen entsprechen wird, welche in dieser Kundgebung ausgedrückt sind. Mit den gleichen Wünschen sind auch die, bulgariscltoti Juden, mit dem Oberrabbiner an der Spitze, an den Ministerpräsidenten heruugetreten. Herr Dr. Rizoff erklärte wiederholt mit 15«- ' tomuig, daß es die bulgarische Regierung tatsücklieh als ihre Pflicht ausclic, die von ihr gewünschten Schritte tatkräftig zu unternehmen. IN* Gesandte meinte .־ ״ .Wir sind uns dabei bewußt, durchaus ni«11t zum Schaden Rumäniens zu handeln. Es muß zum Nutzen des rumänischen Volkes sein, wenn eu«ilieh dem schreienden Unrecht ein Ende gesetet wird, welchem eine Klasse der rumänischen Burger bisher ausgeset/t war. Die wirtschaftliclw Kraft der rumänischen Juden wird sich zum Scgea des Landes und des ganzen Volkes entwickeln, und es ist ein Zeichen mangelnder Einsicht ia die Bedürfnisse des Landes, wenn man von tiöc relativ kleinen jüdischen Bevölkerung, sobald sie sich frei entwickeln kann, eine gefährliche Rück- Wirkung auf die wirtschaftlichen Kräfte des rumänischeu Volkes befürchtet Das Gegenteil, ist wahr. Dies beweist die Geschichte Bulgariens und der bulgarischen Juden. Die bulgarischen Juden erfreuen sich aller Freiheiten, und wir schätzen ln ihnen treue Bürger unseres Landes, auf die wir uns voll verlassen können. Sie widmen der buJgarischcn Politik und den Interessen des Laude* ihre besten Kräfte und werden von allen Parteien aufs höchste geschätzt. Auch in der Partei, der die gegenwärtige bulgarische Regierung ihre füllrenden Politiker entnommen hat, arbeiten sie zum Teil in sehr wertvoller Weise mit. Niemals habe* wir die Befürchtung gehegt, daß wir von der wirtschaftlichen und politischen Freiheit der Juden einen Nachteil fiir die bulgarischen Interessen zu befürchten hätten. Wir erkennen auch vollkommen das Recht des Judentums auf freie kulturellc mul nationale Entwicklung an und haben deshalb auch den national-jüdischen Bestrebungen in Bulgarien niemals irgend ein Hindernis bereitet. Weil wir diese Erfahrungen gemacht haben, könneu wir auch alle Argumente zurückweisen, da8 cs eine zum Schaden des rumänischen Volkes erfolgte Einmischung in innerrumänische Angelegenheiten wäre, wenn wir die Durchführung der tatsächlichen und vollständigen Gleichberechtigung für die rumänischen Juden verlangen. Wir haben daher das Bewußtsein, einer Pflicht zu entsprechen, welche uns .als einem Kulturstaat zukommi, and glauben auch, daß es dem Ansehen unserer Regierung nützen wird, wenn man in der ganzen Welt weiß, daß wir uns mit aller Energie für die Beseitigung eines Unrechts einsetzen, welches die gesamte Kulturwelt bisher geduldet hat.“ Unser Redakteur machte hierauf Seine En z.e!- lenz auf eine gleichfalls durch das Kopcnhagenef Büro der Zionistischen Organisation soeben ver« mittelte Depesche aus Rußland aufmerksam, web che darüber berichtet, daß v11״ Vertrauensmännern der Zionistischen Organisation in Bessarabieu durch ׳ spezielle Kuriere Botschaften in Odessa cin״etroffen sind, welche die Lage der Judem in Bessarabieu unter der rumänischen ökkupation als äußerst traurig schildern und dringend schnelle Hilfe erbitten. Unser Redakteur wies seine MlxzeUenz auch dar" auf l*‘11) daß von der Möglichkeit gesprochen werde, daß Rumänien wenigstens eine״ Teil Bessarabicns als Kompensation für anderweitige Gebictsabtrcnnungen zugesprochen erhalten könne. Mit Rücksicht hierauf wird von jüdischer Seite die dringende Forderung erhoben, daß auch die Rechte %