Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIII (1918)
- Issue
- Heft 11 (15.3.1918)
- Date
- 1918-03-15
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 11 j U c D I S € 1• RUNDSCHAU ‘S •Uillc״, 7 wir, :; ::'clR'n : 1 ׳ Dlkti! :״ ';1;1J,!?■'■aticni; .״״׳׳0;•״״» v■'» Dne;" 1'!!־!"וי 1•'1י Vor. •1 רו י!י! l!er ׳■',׳;:Uten *׳ iu׳>,cn. 1!:י xicns <' m Iler.; ‘Ditioijrii. * * liiihliriing ־ CSl>|־rral,i. dis Er.; ־'II l'otm DU fl.!cn y״׳P:iihie Hi (Inmit ui a1״.'ndes j'.idi• n;v1H־s; cn. 'dD und M. 11 nmg ‘ tinim!• 0 organi- 1ml11n;:cn 11 v.'i. |; ... .risicru:1s׳ * büngsgc• einzelnen und er a seinem t! »'keilen üik jeder ' Tsclilc• 1\ n. Zu ■' esamf- 3! 1 m,d 11; Wollt- ־ Ci:iippin, ■ i. s. 100 1 : v,'erden : .* I )iiiimn!!11!!;!״eil. :!cliicluen \ )n;111rOlld- ן ChienoWj Tsclilc- ן komiiccj : de» <lcr den der j Ciemcin• j;cs. Es I ׳ Tsclilc• I tnhmgen (;11 darf, : irstchcn• j •wnUiiiig j vielmehr i .Kolonie; •st.intlni» I s u;1tio- 1 |uclcn n Midi- > *sdireek־ . gewisser ( wtr.tncn- : •wegu!!־' ״ Ucli war; schwang * :isi liehen י in allem ' tlju'schen! rsztok zer aut, 1 itowskcf! sen sich rtc aber! zw anii’ , Dauern ' clt hatde, daß; nt!, tmd ' ■ vDDiert; noch ן sic sich an ihren Erzfeinden, den Juden, zu rächen haben: j sie sollten sich mit Sensen bewaffnen und die jiulisdicn Einwohner der Stadt überfallen. Die Worte des Geistlichen fanden Anklang. Der Pöbel stürzte sich auf die jüdischen Häuser und schlug die Fensterst hei- Iren ein. Viele Mühe kostete es dem Bürgermeister, der ibeufalD ein Pole ist, die aufgereizten Bauern zu beruhigen und Blutvergießen zu verhüten. Nicht üb׳.׳rall aber war ein solche!״ polnischer Bürgermeister voihnntlen. In Mjeicc brach der Pogrom am 21. Fclmim״ am, als sich die Bauern der benachbarten Dörfer zum jahrmarkt im Städtchen versammelt hatten. Sie pliut- (lerten die Juden und bewarfen sie mit Steinen. Die Polizei kam einige Stundet! zu spät, als die Bauern bereit» ihr Werk ungestört vollbracht hatten. Viele der Juden, deren Häuser geplündert wurden, liegen schwer verwundet darnieder. Der Schaden beträgt ungefalir 30t)00 Kronen, Achnlichc Naehrichtcn kamen auch aus deai Mjeicc benachbarten Städtchen. Besonders erschreckend ist es in Dy 11 <>w ztigegan* geil. Die Exzesse fanden dort am 18. l ebrnar, am 'läge des Streiks, statt. Viele Juden wurden auf den Straßen verwundet. Alle jüdischen Geschäfte wurden geplündert. Trotzdem die jüdischen Katmamier auf Wunsch ihrer polnisihon Genossin s.cli der Protcsinsululion gegen den Frieden zu Brest angesclilossen hatten und trotz der Versicherungen der polnischen iiitelligeuz, für die Aufrechtoihaltuiig der Ordnung Sorge zu tragen, blichen die Polen gleichgültig, als die Bauern der Umgebung ihr Zerstörungswerk verübten. Jetzt stehen alle jüdischen Häuser geplündert. Au* Mangel an Glas können die (ungeschlagenen Scheiben nicht ersetzt weiden. Die Geschäfte sind geschlossen. Die Juden!iahen noch immer Angst, sieh auf den Straßen zu zeigen. Aehnlich sieht es in den I)örtern der Umgehung aus. Audi dort war die Polizei gegen die Ausschreitungen der Bauern machtlos. Als die Bauern der Nachbarschaft am 19. morgens erfuhren, was sich tags zuvor in dem Städtchen ereignet hatte, bewaffneten sie sich mit Beilen und Sensen und zogen in das Städtchen, um sich selbst an dem heiligen und gewinnbringenden Kampf zu beteiligen. Erst der Polizei aus Siedl isk gelang es, den Pogrom zu unterdrücken. Das Schlimmste ist, daß die polnische Intelligenz, vorläufig noch keinerlei Verständnis für ihre Verpflichtung zeigt, gegen die verhetzten Bauern aufzutreten und die gefährliche Bewegung zu-bekämpfen. Die große poinisehe Presse hielt cs sogar nicht für nötig, die Einzelheilen der traurigen Ereignisse zu verzeichnen. Heber die Art der Hetzschriften, die zu den Aussäircitungen aiiffordcrtin, erfahren wir interessante Einzelheiten durch einen Bericht der Wiener ״J ü dis che 11 Zeitung“ aus Lemberg. Dort heißt es: ״E* gelangten nachstehende Flugschriften zur Verteihuigi Die eine unter dem' Titel ״Orzcl“ (der Adler), welche eine Karrikatur des österrcich-ungarisehen Staatsadlers mul eine Satire auf die nustropolnisehe Lösung der Unabhängigkeit Polens enthält. Der Adler ist darin in der Gestalt eines judenkopfes mit Seiieidocken *largestellt, welche eine orthodoxe Kopfmütze (Janmilka) trägt und in einer Hand einen Geld- *ad*, in der anderen eine Meiiorah hält. Diese Flugschläft wurde für 10 Heller verkauft. Das Rcinerlräguis ist zur Vertreibung der Juden aus Galizien bestimmt. Sic wurde sogar durch den Staatsbalmrat Gilcwski in höchsteigener Person im Amte feilgeboten. Die zweite Flugschrift trägt den Titel ״Lajdaciwo“ (Gemeinheit) und droht den galizischen Juden mH einer Scnlächlcfci, falls sie nicht selbst noch rechtzeitig aus Galizien nbzichcn werden. Dies deshalb, weit die Juden an der angeblichen vierten Teilung Polens schuldig wären. Dieser Zettel wurde in allen Volksschcnken, Gasthäusern, Tramways und sogar im VIII. Gymnasium verteilt. Ferner wurde die Herausgabe einer periodischen Zeitschrift nufer dem Titel ״Die Entjudiing Polens“ (Odzvdzcnie Polski) angekiindigt. Die polnische Presse verschwieg" ״zunächst diese Orgien der polnisch-antisemitischen Wutausbrüche, welche sich uiilcr dem Mäntelchen des nationalen Patriotismus versteckten. Erst unter dem Drucke der jüdischen Presse und der aufgeregten jüdischen Ocffentliciikcit veröffentlichten zwei polnische Tagblätlcr ״G a z e t a Wieczorna“ und ״Kurier Lwowski“ redaktionelle Notizen, daß die erwähnten; Flugschriften finsterer Herkunft seien, ihren Ursprung in Berlin aufweisen und nur den Zweck verfolgen, die Juden mit den Polen zu entzweien. Aber von offizieller Seite ist noch kein Schritt getan worden, um die jüdische, aufs höchste erregte Oeffentlichkeit zu beruhigen. in der Sitzung des Abgeordnetenhauses* vom 5. März d. J. haben der Abgeordnete Dr. Strati eher tim! Genossen an den Ministerpräsidenten und den Minister des Innern in Angelegenheit der Ausschreitungen gegen die Juden in Galizien nachstehende intcrpcllation gerichtet: ״Au«? Anlaß! des kürzlich zwischen, den Zentralmachten und der Ukrnina zu Ürest-Litowsk abgeschlosscneu Friedens, beziehungsweise der Entscheidung über die Zugehörigkeit des Cholmer Gebietes, hat sieh bekanntlich der gesamten polnischen Nation eine große Erregung bemächtigt, welche zu wohlorganisierten antiösterreichischen und, antisemitischen Dentonst rationell, insbesondere in Gilizicn, geführt hat. Diese arteten in arge Exzesse gegen die dortigen Juden :111״:, welche fast im ganzen Lande Galizien gleich- :.;äßig mit den bekannten Protestdemonstrationen der Polen etattgefunden haben. Auf Grund übrri'instiniiiiciider Berichte und Schilderimgen in der jüdischen Presse Galiziens und unhestritteuer, einwandfreier Mitteilungen vollkommen verlaßliehe:' Personen haben wob!vorbereitete Exz esse 11 n d A u s s c 11 r e i 111 n g c n g c g c 1t J11 - d e n und j ii d i s 1: h es Ei g 1• 11111 m , sowie k ö r - per liehe Mißhandlungen von Juden in G a 1 i z i e 11,. u 11 g e 0 c 111 c t rechtzeitiger vorhöriger Anzeige l>ei den politischen und Polizeibclionleii, ja seihst hei der Staatsanwaltschaft, sfailgcfunden; pogromhetzerische Flugschriften, Pamphlete und Broschüren aufreizendsten Inhaltes gegen die Juden wurden m a s s c 1111 a f t unter der polnischen Bevölkerung verbreitet, ja selbst in .Schulen, staatlichen und öffentliehen A c m t e r 11 11 u d B e h ö 1״ den, und insbesonde re auch in der k. k. Staatshalindircktion zu Leinberg unbehindert verschleißt, zu Austreibungen der Juden aufgeforiicrt, und der Erlös dieser Flugschriften zur Bildung eines Fondcs zwecks ״Entjudung Galizieiis“ ™!gekündet. -- In vielen Städten, Dörfern mul Onsohaflen Galiziens (so beispielsweise in Leinberg, Rzeszow, Krakau, Dyuow, Stryzow, Boclmia etc. etc.) wurden, mehrfach mit Hilfe hcrbeigelioHer Feilte des flachen Landes, in den Häusern der Juden die Feilster und in deren Geschäften die Auslagen cingcschlugcii und zertrümmert, die Schilder horuntergerissen, vielfach in jüdische Geschäfte und Restaurationen eingedrungen, großer Schaden angerichtet, die Juden arg bedroht und beschimpft und dergleichen mehr. —- Der Inhalt der verbreiteten Flugzettei, ebenso gegen Oesterreich, wie gegen die Juden gerichtet, kann wegen seiner Häßlichkeit nicht wiedergegeben werden; er schloß! mit der Aufforderung: ״Die Juden sollen sofort Galizien verlassen, a u c 11 11 i e jüdischen A s s i 111 i 1 a 111 c 11 u 1111 j ii d i - sehen Polen sollen nach Zion ziehen, oder man werde sie mit F e u c r u 11 d S c 11 w e r t aus treiben“. Insbesondere forderte die zu Leinberg in jüngster Zeit erscheinende polnische Zeitung ״ü d 7. y d z c n i c P o 1 s k i“ zur Austreibung aller Juden aus Galizien bis auf den letzten Manu auf; alle diese Prcßproduktc sind ungeachtet ihres strafgesdzlich verpönten Inhaltes unbehindert Verbreitet worden. Bei allen diesen nur kurz angcdcutcteu Exzessen sowie in Reden und Konvcntikcln, äußerte sich — was übrigens seit längerer Zeit offenkundig ist — ein brennender Judenhaß. — Es muß hervorgehoben werden, daß von den vorbereiteten Demonstrationen und den gekennzeichneten Pamphleten und I liigzettcln verschiedene Behörden in Galizien, so namentlich auch der k. k. Polizeipräsident und der k״. k. Staatsanwalt in Lemberg, ja selbst militärische Behörden, und insbesondere polnische Parteiführer — durch das ״Jüdische Tagblatt“ in Lemberg sowie auch mehrfach durch Miltcilungeu und Warnungen von Mitgliedern des jüdischen Kultusvorstandcs — einige Tage vorher vers t ä 11 (1 i g t worden sind, also genaue Kenntnis von den Pamphleten mul der bedrohlichen Situation hatten. Die geschilderten, nicht näher zu qualifizierenden Vorfälle!iahen in der Juilciischuft überhaupt und zunächst Galiziens tiefste Erbitterung, gerechten Un• in 111 und hellste Empörung h c r v o r g e - rufen, da Lehen, körperliche Inlcgritiit, Eigentum und Rcchtssichciheit der jüdischen Bevölkerung Galiziens in hohem Grade gefährdet sind, und bei der systematisehen Wühl- und Heizarbeit unabsehbare Folgen zu befürchten sind. — Demgemäß richten die Unterzcichneten an Sr. Exzellenz den Herrn k. k, Ministcrpräsideuten wie auch an Sr. Exzellenz, den Herrn k. k. Minister des Innern, die folgenden Anfragen; I. Sind Ihren Exzellenzen die geschilderten Vorfälle bekannt? II. Sind dieselben bereit und Willens, unverzüglieh geeignete Vorkehrungen, und allenfalls unter Auf- Wendung der der Staafsgewalt zuslchcndcn Machtmittel zum umfassenden Schutze der Juden und gegen die Wiederkehr der geschilderten bedauerlichen Vorfälle in Galizien zu treffen sowie die Schuldigen zur Verantwortung und Strafe zu ziehen? Unterfertigt ist die Interpellation von den Abgcordneten: Dr. Strauch er, Dr. Ofner, Ku* r a 11 da, Dr. Pctruszicwicz, Dr. Leo; Daczy!1 ski, Dr. Cehelski, WassilRo, Semaka, Spc 11111, Luknsicwicz, Dr. Holubowicz, Dr. S ni a 1 - S t o c k i. Vom jüdischen Kongreß in Rußland Nach einem Telegramm des Kopenhagen er Büros der Zionistischen Organisation ist die Einberufung des Jüdischen Kongresses in Rußland verschoben worden. Unter Zugrunde• leguiig der Wahlergebnisse zum Kongreß wird ein jüdischer National rat organisiert werden. Wie die Zeitungen mitteilcn, ist der Vorsitzende des Organisationskomitees des Kongresses, M. N. Krein i n , verhaftet worden. Eine Vertrdersitzung der jüdischen Jugendorganisationen Deutschlands A!n Dienstag, dem 5. März, fand auf Anregung des Herrn Rechtsanwalts Dr. Apfel, des Vorsitzenden des Verbandes der jüdischen jugcndvercinc Deutschlands, in Berlin eine Sitzung der jüdischen Jugendorganisationen statt, an der Vertreter der liberalen, orthodoxen, neutralen und natRmal-jüdisdrcti Seite 85 Richtung teilnahmcn. Es war geplant, eine ״V erst ä 11 - d i g 1111 g s g e m e i!1 s c 11 ה f t der j ii d i s e 11 e!1 •J u - g e 1111 o r g a 11 i s a t i o n c 11“ zu schäften, die neben einer Veränderung der Kainpiformeii und K.unpfmctlioilen eine Grundlage für gemeinsame Aktionen und eventuell für eine große Aussprache* der Jugend bieten sollte. Die Vertreter der 11 a t i <» 11 a 1 - j ü d i s c 11 e n Gruppe haben in Vorbesprechungen ihre prinzipielle Geneigtheit zu erkeiineu gegeben, sieb an ihn ,Verhandlungen zu ln teiligen und dort die Möglichkeiten gemeinsamer Arbeit niiLsuciiin zu helfen‘. Mau konnte also uicinen, daß die Verständigung einigermaßen gesichert sei, trotzdem die orthodoxen Organisationen zu dieser Sitzung ihre Vertreter nicht als Delegierte, sondern als Gäsic tcihiehmcii ließen. Selbstverständlich bestand, sollte *he Sitzung ein Ergehnis zeitigen, die Notwendigkeit, daß wirklich die Ju* g e!1 d zu Wort kam; außerdem mußte erwartet wer- (len, daß tatsächlich die G ru 11 d 1 a g e vorhanden war, auf der eine Verständigung allein möglich sei״ konnte. Die erste Voraussetzung traf leider nicht zu. Es waren wieder einmal mir die ״Führer" erschienen, und die Enttäuschung war umso größer, als heute niemand sagen kann, oh und inwieweit die Jugend tatsächlich hinter ihnen steht. Aber Was wichtiger war: Schon das einleitende Referat von Fränkin Dr. Cora Berliner, das Wie Grundlage für die weitere Aussprache sein sollte, 4111d auf das sich die national-jüdischen Vertreter in den Vorbesprechungen nur deshalb geeinigt batten, weil ihnen , versichert worden war, daß es völlig objektiv sein und allen Standpunkten Rechnung tragen würde, war durch- .aus nur eine ,Parteirede, ilie in ihren prinzipiellen Teilen das übliche Programm der Assimilation in gemäßigten Formen wiedergab. Die Grundvoraussetzung für jede •Verhandlung, die Anerkennung des ״Primats des Judentums“, war nicht darin vorhanden, vielmehr wurde das Gegenteil von Fräulein Dr. Berliner deutlich zum Ausdruck gebracht. Waren damit die Verbandlungcn eigentlich bereits gescheitert, so waren die positiven Vorschläge des Referates noch weniger geeignet, einer Verständigung die Wege zu bahnen. Denn mochte sich auch über den einen oder anderen Punkt sprechen lassen, so mußten die national-jüdischen Vertreter es zum mindesten als einen schweren Verstoß anschcn, daß Fräulein Dr. Berliner ihnen sozusagen Arbeit und Einfluß in ihren eigenen Jugendorganisationen aus der Hand nehmen wollte. Denn wie wäre cs sonst zu verstehen, daß sic Vorschlag, gerade diejenige Jugendarbeit (das Turnen, das Schülerwandern, die Fürsorge für Volksschülcr), die von nationaler Seite besonders gefördert worden war, in gemeinsame Regie zu geben? Die Antwort, die der Vertreter der national-jüdischen Gruppe, Herr Dr. Locwenstei 11, gab, war natürlich scharf und mußte cs sein, da die einseitig parteimäßigen Ausfüh- Hingen des Fräulein Dr. Berliner nur mit einer entsprechenden Darlegung des Erzichungsprogratnnis in nationalem Sinne erwidert werden konnten. Dennoch bejabte Herr Dr. Loewcnstein nicht nur die Möglichkeit einer Verständigung, sondern!machte den fruchtbarsten und in seinen Wirkungen sicher einer Verständigung am besten dienenden Vorschlag eines allgemeinen jüdischcn Jtigeniliagcs. Dadurch sollte der Jugend selbst did Möglichkeit gegeben werden, sich über die Grundfragen einmal in jugendlicher Unabhängigkeit auszusprechen und aus der gewonnenen Erkenntnis mit ׳jugendlicher Unbedingtheit die Folgerungen zu ziehen. Wir glauben nicht, daß ein solcher Jugendtag die jüdische Jugend Deutschlands von heute auf morgen zu nationaler Gesinnung führen würde; wir haben aber das feste Vertrauen, daß er allerdings die Durchsetzung des Gedankens fördern würde, daß für die jüdische Jugend die jüdische Gemeinschaft diejenige sein müsse, der 1sie ihre besten Kräfte zu weihen hat. In einer klugen Und versöhnlichen Rede, die starken Beifall in der ganzen Versammlung ausiöste, führte Herr Dr. Buh er diesen Gedanken aus. In seinem Wunsche, eine wirkliche Verständigung der Jugend zu erreichen, schlug er die Einsetzung eines Ausschusses vor, der einen derartigen Jugcmltag vorbcrciten sollte. Einen solchen Jugciultag hätte niemand zu scheuen brauchen, der an seine Idee und die von ihm vertretene Jugend glaubt. Trotz der scharfen Ablehnung der Einberufung eines Jugondtages durch Rabbiner Dr. Goldtnanu hielten die national-jüdischen ׳Vertreter an ihrem Vor• schlage fest. Die grolle Mehrzahl der Redner, die gegen Schluß der Sitzung sprachen, erkannte an, daß eine Verständigung möglich sei Hmd niemand hatte schließlich mehr das Gefühl, daß die Sitzung völlig resultatlos verlaufen würde. Lediglich die Auffassung der Orthodoxen, deren Vertreter, Herr Ros c n h e i m - Frankfurt a. M., übrigens «las weitgehendste Verständnis für die Halbing der national-jüdischen Vertreter gezeigt hatte, war zwei• felhaft. Da geschah das Ueberraschende, *laß Herr Dr. Anfcl selbst die Brücke zu einer Verständigung abbrach, indem er als ״Gruppenführer“ seines Verbandes erklärte, dem Antrag lauf Einsetzung eines Ausschusses jetzt nicht mehr zuzustitnmen. . sc* *'*cr fcstgcstcllt, daß die nationale Gruppe me einen Zweifel darüber gelassen hat, daß sie jede Festlegung auf ein gemeinsames ,Programm ablehnen und sich nur auf solche Vorschläge cinlasscn würde, die von vornherein zu einer Mißdeutung ihrer programmatische,1 Stellungnahme keinen Anlaß geben würde. Eine derartige Auffassung muß für sic solange verbindlich bleiben, als nicht überall das geforderte Primat des Judentums anerkannt wird.