Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1918-03-08 · Heft 10 (8.3.1918) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIII (1918)
Issue
Heft 10 (8.3.1918)
Date
1918-03-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2651273-2652077-2652087--11491-2669020
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

'/. / f 1 1 ‘ \ I j 1 :i v! r. \ \ /!! 5 •,/ i ■' . 1 ׳ ׳ ' ׳, ✓״•-׳.._■ _ . , . V \ J7 : . ’ x.:■ ~״■ - •■ י'*״.־* ׳ ~ — ־ ■-—■** **■ •-—j 7: . c־' . ־'!13 .״ ״ .. -> r Redaktion und Vevhjr Jüdische Rundischau, Berlin W, 15, Si'cnrisdia wir,.20 8, ErtJitmt wöchentl. nm Freiing, Abonnement bei (3er Espoclilion nml bei allen l’or.liliiitern •#1e,rt81jäl»rl.?4k.3,25 in De.utscbland, in Oeslcrreidt-Ungara IZ t 5.50 1־׳# Ati'.li.mi Ml. 5,— Kummer 10 I Berlin, den 8. März 1918 1; Telephon: Ami Ulili.nd 845. 846. PosHcbeckkonto: Berlin Nr. 17392. Für OcsterrcUl״;j K. K. Post׳!parKnc5c:i0mt Srhedrkonto Nr, 156030. Anzeige» die sr<br.״cspaltcne reist• 4 zeilo nrlcr deren Ratnn 40 Pi. Tr<1crun״»T.u3dslnjf 20 Rc<l״kti,־>r,5.׳,i.luD Dienstag■ nadut -׳jk־'v.1־׳-w״x;י ■'.״״■־״ —;^e-atyyrr• - י.י׳;-u׳nr:ד־rrjrs; ■zrz+.jxzz3t2u*>;■ XXI11. Jahrgang 24. Äclar 5078 Brest-Litowsk carcst tn Brest-Litowsk ist der Frictlcnsvcrlrag *vvischai Rußland und den Zcnirulmüehien uutcrzeichnet worden. Die Verhandlungen in Bukarest über den Frieden zwischen den Zentndinäeliten und Rumänien sind in rascher Entwicklung begriffen. In Brest-Litowsk und in Bukarest fallen Eiitschcidüngen, die auch für das jiulisc.ic Volk von imgeheuerer Tragweite sind. Das jüdische Volk war 1and ist an die cm Verhandlungen nicht beteilig!. Es hat keine andere Möglichkeit, als die Fordei'imgcn, die es zu stellen hat, an die Adresse der Machte zu richten, die sich an den Vcrhniidluugstiseh setzen, und von ihnen ihre Berücksichtigung zu verlangen. j In den Verhandlungen von Brest-Litowsk haben | die Unterhändler Deutschlands ihren Willen 1־est- \ kn duivligesd/t. Die Randgebiete Rußlands sind j ans dem russischen Staatskörper herausgelöst und 1 über iure staatliche Zukunft entscheidet der Wille j Deutschlands, welches sich mit der Bevölkerung• dieser Gebiete ins Benehmen setzen wird. Wir haben ■niemals ein Hehl daraus gemacht, welche Forderungen das jüdische Volk für das Schicksal seiner Brüder in diesen Gebieten -erheb;. Wir haben diese l־'or<krnngen vertreten und vertreten sie .־nie!; jetzt. In diesen ehemals rassischen Gehuden siedeln die Juden in Massen, führen ein Leben mit eigener nationaler Kultur und sind von dem Willen beseelt, ihr nationales Leben auch in Ziikun'it zu erhalten, und. verlangen hici'Iür, um gegen Vergewaltigung gesichert zu sein, die ua- | tionalc Autonomie, welche sich mit den luteresj sch der gesamten Bevölkerung dieser Staaten durchj au# verträgt,! lieber das zukünftige Schicksal Polens ist j die Entscheidung noch nicht getroffen. Das Ver- | h:dü 11 <1 Polen und di־.' A t! •-•ei :1יי-ה d er# יי* י 171 ־׳»• der I Nachbarstaaten werden im Zusammenwirken cr.-.t j die Resultante geben, die die endgültige Form de;, politischen Schicksals Polens ■und seiner Bcvölke- דו mg fcstslclien wird. Wir!laben seit jeher namens des gesamten Judenlums und insbesondere namens des polnischen erklärt, daß die jüdische Bcvölkeruug, die inmitten der!Klinischen lebt, sich ihres Anspruchs auf die selbständige־ Gestaltung ihres! nationalen Seins nicht berauben lassen wird. Mit steigender Unruhe und Besorgnis verfolgen wir die Entwicklung der Verhältnisse in Litauen. Gerade in der Phase, in der sich die Entwicklung jetzt befindet, halten wir es an der Zeit, namens des litauischen Judentums mit aller Deutlichkeit die Forderung zu erheben, daß sein nationales Eigenrecht nicht mißachtet werde. Aus dem kleineren Litauen, das ursprünglich geplant war und in dem die Litauer allerdings die Majontüt der Bevölkerung ausmaclrtcn, ist ein. grüße- *cs Litauen geworden, in welchem es überhaupt keine Majoritätsnation, kein auch der Zahl nach herrschendes Volk gibt. Litauer, Weißruthenen, Polen und Juden sind teils hier, teils dort die-M.v joritäv, von kleinen Gruppen■ 'Deutscher, Russen und Tartaren ganz abgesehen. Es ist ein vollkommen ׳unverständlicher und unhaltbarer Ansprach, eine dieser Nationen, wie die Litauer, mit׳ allen Privilegien einer herrschenden Staatsnation auszustatten und ihnen die Lebcnsrcchte der anderen Völker 711111 Opfer zu bringen. Muß bewicsen werden, daß sie dieses Vorrechts’ unmöglich werden froh werden können? 111 all den anderen Völkern lebt so viel Eigenkraft, daß sie sich, wem! es nicht anders geht, durch1 die Verhältjjisse selbst zu einem Kampf block werden zfp־־ sammcnschmicdcn lassen müssen, dem die Litauer nicht gewachsen sein können. Es ist ein Danaergeschenk, das die Litauer entgegennehmen, wenn sie nicht zur Einsicht gelangen, welches Schicksal sie hcraufheschwören. Und für Deutschland, welches die Litauer vielleicht mit starker Hand •in den Sattel setzen will, würde sich; über kurz licrausstellcn, daß die Rechnung, falsch war. Die Juden, die etwa 15°/« der ücsamtbcrölkcrung ausmachen, erheben wie die; iWeißr futhenen und wie. die Polen den Anspruch, daß* man ihnen die Möglichkeit lallt, ein nationales Leben zu führen und die politischen Formen Ir erfür uu schaffen. •Bisher ist diesem Anspruch nicht ״Der Zionhnnu wsIrcUt iür das jutPielie Volts die Sd.ftfiunj} einer Cfl'ct'.fiich-rechilkh!,.cskticrlca SicUndüttc in Paltstiiia." Baseler Programm. Genüge getan worden. Das Recht, über das Schicksal des Landes nach dem Prinzip der Selbslbesümmung /a entscheiden, ist einem Landesrat zucrknnut worden, welcher ausschließlich aus Litauern besteht. Den anderen drei großen Völkerschaften des Landes wurden zusammen fünf Sitze in diesem Landesrat versprochen, ׳und dazu verlangten noch die Litauen־ Was Recht, die von den anderen Nalionc» bestimmten Delegierten zu bestätigen oder ab/ulelmeii. Es ist ohne weiteres klar, daß keine der drei Nationen sich.auf solche Weise abfinden lassen will. Die Methode, mit der so die Litauer gegen die übrige Bevölkerung ausgespielt werden, zeitigt naliirlieh sofort eine üble Wirkung. Schon glauben die Litauer, die früher mit den Juden in einem guten Verhältnis standen, die Wünsche der Juden als Landesverrat verfolgen zu müssen, und schon erhebt sich eine antisemitische Metze, welche den Juden schlimme Aussichten für die Zukunft zeigt, falls sie cs nicht durchsetzen sollten, sich die Freiheit ihres nationalen Lebens zu sichern, um sich so aus selbsteigener Kraft die wirtschaftlichen und kulturellen Voraussetzungen und Mittel •der Selbstbehauptung zu schaffen. Darum werden die litauischen Juden sich mit aller Energie dafür eiiisetzeu, was sic als ihr imveräußerliches Recht betrachten. Jetzt verlangen sic zunächst, *laß ihnen die Abhaltung einer Konferenz ermöglicht wird, welche allein berechtigt wäre, namens dos litauischen Judentums zu spredien. Dem litauischen Judentum steht die tatkriiftige Unterstützung des gesamten jüdischen Volkes sicher zur Seite, Das jüdische Volk kann und' \ ill סס!•! ve• geWucht .,i.i't »1...1 au,, cm.! litauischui Judentum seit jeher erwachsen ist und daß es schlimmste Selbstverstümmelung wäre, die litauischen Brüder allein zu lassen. Audi' das deutsche Judentum hat seine Pflicht erkannt und wird ihr nadikommen. Man kann mit■ Bestimmtheit darauf rechnen, daß cs sich geschlossen für die von den litauischen Juden geforderte Konfercuz eiiisetzeu wird, damit endlich das Judentum Litauens autoritativ sagen kann, was cs will. Deutschland will in Litauen ein Gebilde schaffen, welchem eine ruhige Entwicklung bcschicden ist. Ls hofft, von' dieser Entwicklung Sicherung und Vorteile für sich selbst. Die deutsche Politik muß zu der Einsicht kommen, daß die Hoffnung auf eine solche Zukunft eitel ist, wenn nicht ii.1 Litauen die Nationen die Rechte erhalten, wie sic die ukrainische Volksrepublik ihren Nationen einsichtig und bereitwillig gewährte. Das ukrainische Beispiel muß denen immer wieder vorgehalten werden, die nicht glauben wollen, daß cs auch' ohne Vergewaltigung nationaler Minoritäten geht und daß es nur so dort geht, wo eine Majoritätsnaiiou überhaupt nicht vorhanden ist. ln Polen •und Litauen hat Deutschland der Lage der Dinge nach auch nach dem Vertrag von Brest-Litowsk!und gerade nach ihm mitzusprechen. Hier ist also noch’ nichts verloren, liier kann sich das jüdische Volk mit seinen An- Sprüchen noch Geltung verschaffen. Einen anderen Charakter als( in Brest-Litowsk tragen die Verhandlungen in Bukarest. Ist der Fricdensvcrtrag mit Rumänien geschlossen und gefertigt, 11abeii die Vertreter der Zentraimächte den Verbandl-imgstisch verlassen, so kann und wird sich kaum in! Rumänien die Lage der rumänischen Juden noch ändern. Wird doch gerade daun die rumänische Politik der Judeiibedriickung den klaren Beweis bekommen haben, daß sic von keiner Macht einen, Einspruch zu befürchten hat. Groß ist darum die Verantwortung der Zentraimächte und groß ist die Verantwortung, Deutschlands, wenn cs die Gelegenheit nicht Wahrnimmt, Rumänien, zur Erfiillung der Bedingung nt veranlassen, welche cs 1 S7c für die Anerkennung seiner Unabhängigkeit auf sich genommen und seither in unerhörtester Form unaufhörlich verletzt hat. Das deutsche Judentum tritt heute geschlossen für die nimänisclien Brüder ein und fordert, daß Deutschland mit seinen Verbfcndetaii dafür •orge, daß ilinen 11ns Recht werde, auf welches sic Anspruch haben. Kann Deutschland darauf hinweisen wollen, daß cs sich io die inneren Verhältnisse Rumäniens nicht eiimiisclien will? Fühlt es nicht die Verpfliclituug, als Signatarmacht des Berliner Vertrages für die Erfüllung der Bedingungen cinzutreten, dies Rumänien übernommen hat? Will es die Energie, die ihm zu Gebote steht, gerade für eine solche Forderung nicht einset/en, die das Gerechligkcitsgefühl der gesamten Kulturarbeit unterstützt? Gibt cs hier nichts zu verlieren und zu gewinnen? Die deutsche Presse scheint unseren Standpunkt vertreten zu wollen. In Anknüpfung a;1 die Sitzimg des Hatiptaiuschiisses des Reichstages, in der Abgeordnete verschiedener Parteien die Berücksiclitigung der im Interesse der rumäiiisclien Juden gestellten Forderungen verlangten, gibt das ״Berliner Tageblatt“ vom 6. März seiner Ucbcr- I raschung Ausdruck, daß der Vertreter des Au*- I wärtigen Amts einer klaren Erklärung rmsgewi- | eilen ist. Vorläufig sei es ja möglich, daß diese j Zurückhaltung des Herrn von dem Busseln! mir als ein Symptom der Vorsicht zu deuten ist, die er vielleicht im Interesse der Vcrimiidlungen für erforderlich!halt, welche der Staatssekretär t. Kühlmann in Bukarest führt. Es erscheine vorläufig nicht glaublich, daß Deutschland in einem Augenblick, wo es dies vermag, für die Durchführung des Artikels 44 des Berliner Vertrages nicht ein tritt. Auch wir sind durchaus der Ansicht, daß ■Deutschlands Vertreter dir Wünsche׳ nicht in den Wind schlagen werden, die das deutsche Judentum im Interesse der rumänischen Juden und namens der verletzten Gerechtigkeit iibermitlelt. Die ״Vor.sische Zeitung“ vom 6. März stellt cs als die Aufgabe der deutschen Unterhändler hin,!ungeachtet der Hoffnung auf eine stark© demokratische Entwicklung Rumäniens, auch ihrerseits dafür •zu sorgen, daß der Gedanke des Rechts, des formalen, wie des natürlichen, zun» zum Durchbruch kommt. Es handle sich dabei' nicht etwa ■um eine Einmischung in rmnüiiisclic Angelegenheiten, sondern!tun eine int ernationale Vcrtragspflidit, als deren Hüter das Deutsche Reich eine ebenso würdige wie in jeder Beziehung dankbare Rolle zu spielen berufen sei. Bukarest wird beweisen, was von Brest-Eitowsk ku erhoffeu ist. Für die rumänischea Juden Eine Kundgebung des Engeren Aktionskomitees Das Engere Aktionskomitee der Zionistischen Organisation erhebt als Leitung der Zionistischen Organisation im Namen des jüdischen Volkes die Forderung, daß beim bevorstehenden Fricdensschluß mit Rumänien die vollständige und restlose staatsbürgerliche und politische G 1 c i c 11 b e r c c h t i g u n g d er r u m n nisclien Juden durcligcführt wird, die bereits im Artikel •11 des Berliner Vertrages von 1378 festgelegt worden ist. Die rumänische Regierung hat die Bestimmungen dieses Vertrages durch ein System von Auslegungen und Umgehungen außer Kraft gesetzt, den rumänischen Juden als ״Fremden“ das ihnen zustehende Recht vorenthaltcn und sic außerdem dauernd entrechtet und unterdrückt. Rumänien ist der einzige europäische Staat, in dem die Juden nicht als gleichberechtigte Bürger anerkannt sind. Deutschland und Oesterreich als Unterzeichner ׳und Garanten des Berliner Vcrtrages haben das Recht und die Pflicht, für die wirkliche Durchführung des Artikels 41 Sorge 7m tragen •und durch die Aufnahme bindender Bcstimmutigen in den Friedensvertrag die Verwirklichung des Artikels 44 sicherzuslcllcn. Das gesamte jüdische Volk würde cs als1 eine Verletzung Her elementarsten Grundlagen der Gercchtigkcit empfinden, wenn bei der gegenwärtigen Neuordnung der rumänischen Verhältnisse nicht das jahrzehntelange furchtbare Unrecht, das an den rumänischen Juden begangen worden ist und für das die gesamte Kultunveit die Vcrantwortutig trägt, wieder gut gemacht wird. Das jiidisehe Volk verlangt auch, daß das ru 111 änisclic Jkckntum neben der vollständigen bürgerlichen und

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.