Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIII (1918)
- Issue
- Heft 9 (1.3.1918)
- Date
- 1918-03-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2651273-2652077-2652086--11484-2669012- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 0 j U ü D1 S C HE!Ui K!1B C HAU Seite 67 >:r m m ie ec :b Kl Olt Oh It, 11• h. tu 1IT :11 0bt s, :11 T- .‘i. tl- 11• il :11 re 111 r- Ib 21' :11 K> :11 cs- 11׳ :11 tf ie :11 :11 nt Je ccs ß•!e- :rt cs :i• te 11n- :1• 11, li- >11 tic tl : l tur ׳ 1:׳- iscs cf!1d lie er lie :1? nd ־111 va 211 eien 11t J? UZ ־11 11* all 1 s ־11 iir 11t;u- [li• Kkla;;t, daß da!» politische Interesse für den Zionismus nocii immer nicht groß genug ist. Nach dem Kriege würde die Türkei noch ungleich mehr au Menschen־, niangcl leiden als vorher. Endres nimmt zwar an, daß die deutsche Regierung der zionistischen Fra,ge sympathisch gogeniiberstcht, vermißt aber doch ein energisches Eintreten. Seither ist die bekannte Erklär 1111R des Auswärtigen Amtes vom 5. Januar 1918 zugunsten des Zionismus ertrügt. Sic ist 'von Endres au anderer Stelle als unzureichend und U11R1.11־ kritisier( worden. Daß sic gerade ihm nicht genügen konnte, ergibt sich׳ aus seiner Beurteilung aller für den Zionismus in Betracht kommenden Mo• mente, insbesondere daraus, dal! er es für besser hielte, wenn die verantwortlichen deutschen Stellen den I 111־*- ken ohne ,111׳/ugro(!e Rücksichtnahme auf Emptiiidlich• keilen den Weg zur praktischen Forderung der zionistischen Wünsche zeigten. Schließlich verzeichnet Endres auch die Motive, die der Entwicklung des Zionismus und der Sympathie für denselben in Deutschland hemmend gegenüberstelicu. Endres zählt als Hemmnis die eventuellen Befürehtungcii der katholischen Kirche und den Antisemitismus auf, dein er für die nächste Zeit eine gewaltige Steige, ruiig voraussngt. Und endlich weiß er, daß der Ind i f fc re n t i s m us jüdischer Kreise, ebenso wie direkt antizionistisehe Richtungen sehr stören, l'mlrcs kommt hierauf zu dem Schluß: ״Uns geniigt die Fesstelhmg, daß der Zionismus als eine extreme, ungemein tatkräftige und leistungsfähige Richtung des lmioutums zweifellos unendlich viel gesunde Gedanken in sieh vereint, daß er Großes geleistet hat und voraussichtlich noch Größeres leisten wird, und daß er teils durch eigene Leistung, teils durch den Gang der Weltcreignissc zu einem nicht mehr ablcugbareu Faktor der Weltpolitik europäischer Großstaaten geworden ist.“ Es gab bisher noch kein Werk eines deutschen Politikers, welches sich mit der Wertung des Zionismus unter dem Gesichtspunkte der Wcltpolitik so systcmatiseli befaßt hätte. Das Buch von Endres wird deshalb umso größere Bedeutung bekommen. Und ן es wird sein Teil dazu beitragen, in deutschen Kreisen Verständnis und Sympathie für die zionistischen Be- Strebungen zu verbreiten. Es ist eine politische Schrift, der zu wirken vergönnt sein wird. H. Die Jüdische Kongrcßdcmonstration in Holland Am 17. Februar fand im Konzcrigcbäudc Amstcrdams die Jüdische Kongrcßdcmonstration Hollands statt. Mehr als 2000׳ Personen wohnten der Demonstration bei. Auf der Estrade hatten die Mitglieder des Koiigreßkomitecs Platz genommen, das aus Delegierten der Vorstände der holländischen Abteihingen der Alliance, der lto und der Zion ist is e 11 e 11 O 1׳ g a 11 i s a t i o 11 bestand. In einem weiten Kreise um dieses Komitee saßen die Mitglieder der E h r c n k o m 111 i s s i o 11, die mehr als hundert jiidisehe Würdenträger umfaßte. Die Rabbiner, Kultusvor- Steher, Senatoren und viele andere angesehene Mitglieder der jüdischen Gesellschaft Hollands waren in sie eingetreten. Die beiden Kultusgcnossenschaften, die portugicsischc und askenasische hatten f>0 Vertreter gesandt. Die drei Organisationen, die die Versammlung cinberufen hatten, hatten cbensovicle Delegierte wie auf ihren cigcneu Park'itsgmigen, zusammen etwa 550. 1ÖI andere jüdische Vereine und Verbände waren durch 310 Delegierte vertreten. Als Ehrenvorsitzender eröffnete Herr Jacobus II. Kann die Versammlung. Er wies auf die latsache hin, daß sich zum erstenmal die verschiedenen Gruppen des holländischen Judentums, die sich bisher bekämpft hatten, zu gemeinsamer Arbeit verbündet haben. Man müss<‘ einen Beweis der politischen Reifheit des jüdischen Volkes darin erblicken, daß cs hier und in anderen Ländern den entschlossenen Willen bekunde, sein Schicksal selbst zu schmieden. Das jüdische Volk lehnt die Assimilation ab. Die jüdische Bewegung in ihren verschiedenen Formen und Abstufungen hat alle Schichten des jüdischen Volkes erfaßt. Die Stunde hat geschlagen, wo cs gilt, bereit zu sein. Die jüdische Politik stellt vor großen Aufgaben. Die Stunde fordert Einigkeit, den Zusammenschluß aller Gruppen zu gcineinsamer Tat. Und in dieser Tagung bekundet das Judentum Hollands seinen Willen zur Einigkeit. Die holländischen Juden fordern Freiheit, durch nichts geschmälerte Freiheit für das jüdische Volk. In warmer Weise dankte der Redner der hol Hindi sch en Regierung und vor allein dem Minister für auswärtige Angelegenheiten, Freiherrn von Loudon, der wiederholt im Laufe des Krieges cingegriifeii habe, um im in- und Ausland zur Linderung der jiidisehen Kriegsnot beizuirageu. Nach jacobus Kanu ergriff der Ehrenvorsitzende der holländischen Alliance, Oberrabbiner A. S. 011 derwyzer das Won. Er gab einen historischen Ueberblick über die Bewegungen, die in den verschiedenen. Ländern zur Emanzipation der Juden führten und selb!- dertc Werden, Entwicklung und Bedeutung der Alliance, Jetzt ist .für das Judentum der psychologische Augenblick gekommen, wo der Gedanke das jüdische Volk ergreift: Jetzt oder nie! Versäumen wir heute, unsere Pflicht zu erfüllen, dann werden die kommenden Geschlechter uns den Vorwurf machen, daß wir in schändlieber Selbstsucht durch schmähliches Stillschweigen die Ehre unseres Volkes bcsukielt' haben. In brüderlicher Eintracht müssen wir heute vor die Welt hintreten und fordern, was unser gutes Recht ist. A «Ls* Sa Zinn Zeichen der dauernden Erinnerung an unseren in der Fülle der Arbeit, an der Schwelle der Verwirklichung daliingcgnngcrcu Führer Dr. E. W. Tfidiienow hat das Aktionskomitee der Zionistischen Organisation den Bc.sclilur.s gefasst, in Palästina eine Kolonie zu gründen, die im Lande unserer Zukunft für Tschlenows Namen ciuo uicliibaro Stätte sein wird. Bio IIoIsQie Dr• Tcdilenows wird die crelo sein, die nach der Wiederkehr friedlicher Zeit auf Initiative der Zionistischen Organisation, und im Zusammenwirken des gesamten Judentums in Palästina erstehen wird, erbaut und vollendet nach den Grundsätze», in denen wir die großzügige Arbeit der Zukunft planen. Wir!iahe» dcinjikllrfchon Naliotinlfond den Auftrag gegeben, die Kolonie Tschtenows zu errichten. Wir verlangen Im Einvernehmen mit dem Jüdischen Nationalfond von der gesamten Zionistischen Organisation die. Aufbringung von eines* r.'lIlionT Francs im Rehmen der Naclilah-AMion zum Erwerb de« notwendigen Bodens. Der Grund und Boden der Tschlcnow-Kolonic bleibt wie aller Grund und Boden, den der Jüdische Nationalfond erwirbt, für "ewige Zeiten Gcmcinschaflseigenlum, Eigentum des jüdischen Volkes. Wir haben den jüdischen Nationalfond beauftragt, der Oeffentlichkcit bekanntzugeben, welche Einzelheiten bei der Aktion für die Errichtung der Kolonie zu beachten sein werden.‘: Wir fordern nunmehr alle unsere Verbände auf, sich mit voller Kraft für dio Sammlung für die Tsclilcnow - Kolonie einzusetzen. Jede Einzel-Aktion einer Gruppe für die Ehrung des Andenkens Dr. Tschlenows, die nicht dem grossen Zweck der Sicherung der Tichlcnow-Kolonie gilt, soll unterbleiben, damit die Einheitlichkeit und Grosszügigkeit der Arbeit nicht gestört wird. In kurzer Zeit muss der Fond gesammelt werden, der notwendig ist, um Tschlenows Andenken in Erez-Israel ein ewiges Denkmal zu setzen. Das E»go1־e 'Aktionskomitee der׳ Zionistischen Organisation Warburg Jacobson Hautke. Das Mitglied des internationalen Rates der lto, H. 1. Kisch gab seiner Genugtuung Ausdruck, daß die Kongreßdemonstration Wirklichkeit werden konnte. Schon vor dein Krieg hatte die lto an dem Plane eines Parlaments, eines Synhcdriums der jüdischen Organisationen gearbeitet. Die lto verfolgt mit gespannter Aufmerksamkeit die Entwicklung der Ereignisse. Wird, was näher denn je scheint, die Konzentration des jüdischen Volkes in Palästina Wahrheit, dann wird die lto eines schönen Todes gestorben sein. Das Territorium ״par e.xccllencc“ wird dann erworben sein. Der Redner verteidigte dann das Recht der Juden auf nationale Autonomie in allen Ländern jüdischer Masseusicdlung. Auch der Westen ist an der Durchsel/.ting dieser Forderung interessiert. Die Emanzipation hat im Westen zur Assimilation geführt. Wenn das Judentum liier nicht immer wieder durch jüdische Kräfte aus dem Osten aufgefrischt worden wäre, wären wir längst verschwunden. Die holländische Regierung interveniert nicht zum erstenmal in! Interesse des Judentums. Schon 1745 schrill sic für die böhmischen, 1753 für die polnischen Juden ein. Ihre nunmehrige Intervention wird nur eine Fortsetzung alter Traditionen sein. Kein Jude darf sich heute fernhalten. Wer dadurch, wie Trotzki, die Tatsache, daß er Jude ist, aus der Welt zu schaffen vermeint, irrt. Wenn Braunstein etwas erreichen wird, dann wird er in der Geschichte als der große Russe Trotzki fortlebeii, wenn er Schiffbrttch erleiden wird, dann wird er sicher der Jude Braunstein heißen, und unsere ganze Nation wird mit ihrem Blute für ihn bezahlen müssen. Das Mitglied des Zionistischen Zentralkomitees Prof. Dr. L. S. Or ns teil! :ms Utrecht hielt dann ein Referat über die ״nationale Konzentration des jüd ischcn Volkes in Pa 1 ä81111 a״. Er bczcichnetc es als eine bedeutsame Förderung der zionistischcu Bewegung, daß .die Oberrabbiner Hollands durch ihren Eintritt in das Komitee ihre Zustimmung dazu gaben, daß die Kongrelldemonslralioit das zionistische Programm als eine jüdische Forderung der Regierung mittelic. Als Theodor Her/.l vor 20 Jahren mit seinem Traum, der nur eine Bcrcchnung der Wirklichkeit war, zu den Juden kam, konnten Bankiers mit ihrer Kritik eines ״gesunden Verstandes“ ihn als einen Phantasten abtun und ihren Klienten russische Staatspapicre als solide Anlage empfehlen. Aber die Möglichkeiten, für die er damals um ,Vertrauen warb, stellen heute vor ihrer Verwirklichung. Mit goldenem Klang und wie aus Erz gehauen sagt Herzls Programm: ״Der Zionismus erstrebt die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte für «las jüdische Volk in Palästina“, Herzl war cs, der als erster den Gedanken nusspraeli, daß völlige Erna!!- zipafion der Juden in den Diasporaländern unmöglich ist. in Ländern, wo die Juden in einer auch nur einigermaßen bedeutenden Anzahl wohnen, empfinden die Völker sie, sobald ihr Einfluß im öffentlichen Leben, in Handel, Industrie, Wissenschaft oder Kunst etwa» mehr in den Vordergrund tritt, n!9 ein fremdes Element. Und so entsteht der Antisemitismus, der auch bei formeller Rechtsgleichheit Wege findet, um die Juden zu unterdrücken. Wie groß auch der Wert der politischen Gleichheit für den Einzelnen sein mag, die Tatsache, daß die Souderart der Juden sic von ihren Mitbürgern scheidet, diesen Keim einer Reaktion, vermag sic nicht aus der Welt zu schaffen. Der zweite Grund, warum Recht und Freiheit des einzelnen Juden nicht die endgültige Lösung der Judenfrage bedeuten kann, ist andrer Art. Hie Entwicklung der Welt erfolgt durch die Zusamineinvirkuiig von Gruppen, die organische Einheiten sind. Die Juden haben in der Reihe der Völker durch die Macht ihres Geistes, die Tiefe ihres Gemütes, ihre seelische Eigenart eine Stellung erworben, die ihnen das Recht gibt, nunmehr als Volk das einfache Wort zu sprechen: cogito ergo stim. Durch den Zionismus ist das jüdische Volk eine politische Einheit geworden, mit der gerechnet wird. Balfours Wort enthält ein Gelübde. Es ist noch mehr, es ist ein Schuldbekenntnis, ein Bekenntnis von Schuld ob der 20 Jahrhunderte von Martern, Schmach und Unterdrückung, die das jüdische Volk zu erdulden hatte. Ein Schuldbekenntnis, weil durch das Wort Balfours stolz und offen anerkannt wird, daß wir, nur wir Recht haben auf Palästina, unser Land, ״in Euren Händen, Juden der Welt, und zum Teile in Eurer Hand“, endigte der Redner, ״liegt cs, daß es Wirklichkeit werde, daß im Osten Eue*־ Staat wieder erstehe, Eure Sprache wieder gesprochen werde und Euer Volk frei werden soll. Euer Zeugnis in dieser Stunde und Euer Appell an unsere Regierung wird der erste Ruf unseres unterdrückten Volkes sein, der um Freiheit im weitesten Sinn ertönt.“ das Jvongreßkomitce ausgearbeitet hatte. Sic״laute־ ״,ln! Hinblick auf die von den organisiert! in der gegenwärtigen politischen Konstellation geaiwo k Forderungen bezüglich der Emanzipation der Jude! der Gewährung von nationalen Rechten in National tatenstaaten und der nationalen Konzentration des jikl scheu Volkes in Palästina, den überall geäußerte Wunsch, daß beim Frieden allen Völkern Recht widei fahre, spricht die Versammlung von in Holland wolu haften Juden, die durch ein Komitee ad hoc aus de hol ländischen Abteilungen der ״Alliance Israeiite Un verseile“, der Zionistischen Weltorganisation und dt ״Jewisli Territorial Organisation“ cinberufen wurde, * Ihre Forderung aus: daß für immer ein Ende gemacht werde mit 1k Zurücksetzung und Unterdrückung, der die Juden for dauernd ausgesetzt sind, und dem Unrecht, das durc Jahrhunderte au ihnen geübt wurde. Sic beschließt, bei der holländischen Regierung d&lii ztt wirken, daß sic, ihren Jahrhunderte alten Traditioae getreu, zugunsten der Juden interveniere und sic dafür einsetzc, daß die Judenfrage bei einer Frieden* koiifcrenz, zumindest beim Abschluß des Friedens, nac Anhörung der befugten Vertreter der organisierten Jude! im vollen Umfange gelöst und diese Regelung] 11!i kräftigen Bürgschaften versehen werde. Sie appelliert an alle Juden in Holland, in diese! historischen Augenblick ihre Solidarität zu bezeugen“. Nach der Verlesung der Resolution wurde einig kurze Erklärungen abgegeben. Efrie Debatte uml d! Einbringung von Abänderungsvorschlägen waren nid gestaltet. Die Delegierten durften mir in wenigen Sätze dire Haltung gegenüber der Resolution begründen, wen ihre Organisation sie beauftragte und sie ihre Erklärun einige Tage vor der Versammlung schriftlich dem Komik mitteiiten. Ein Vertreter des A gu d a t h -1 s r a e I Vereins ln Sc h e v en ln ge 11 protestierte unter 1«1 haftem Widerspruch der Versammlung gegen die Rest lution, weil 8ic die jüdische Tradition nicht zum Am gangspunkte halte und seine Gruppe sich für politisch Ziele nicht mißliraudien lassen wolle. Der Vertret« der Haager Jüdischen G e 111 e i n d e erklärte, m deswegen für die Resolution stimmen zu wollen we sic nur Recht für das jüdische Volk, aber nicht’eine Stant ohne Hiora fordere. Der Rabbiner Rudcishcim erklärte namens dt l״;׳?ftr?.1lc.n..°r8a"isi»tio» zur moralische für Iti״ i!A!°rC״ ,Hcl>unff der Juden“, daß 1 für d e Resolution stimmen werde, weil sic Solidariti " bekunde. Allerdings anerkenne < nicht, daß lediglich die drei nunmehr Zusammenarbeit^ den Organisationen die befugten Vertreter der Jude! ncit seien. ׳־ Auch der Delegierte des ״Jüdischen literar scheu Klubs“ in Rotterdam erklärte, daß < sich der Abstimmung ^ntlialten werde. ין: ח I! 11 i| til i L-!•:; i ־ H, t :1 1 t .1 ■ t 1 1 it : I ו