Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIII (1918)
- Issue
- Heft 8 (22.2.1918)
- Date
- 1918-02-22
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2651273-2652077-2652085--11473-2669000- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
’ i-tj e.. i! ־ ף־;׳» ן—t \*׳־ C fi t! 1 I i 1 'XI »• r / / .. ׳־׳-;־ ^י*י»% j B י• * Ä3»1r״-:PÄ-rSÄ«1ry:SÄ/K ״דן- •ד■■sr. י •ד Kctiaküom vod Vcrlny Jüdische Eimtkchnu, Berlin W. 15, S;.t m ,eint wodientl. am Freitag, Abonnement bei der I'ipediiioa mit ׳/ " . , ..:r CI...יג £r^& wjxszsvszsfz 77z-7:x2t~: e.i;;d;e ■Si bei »1111•!1 vi«.״to!jährI. Mk.3,25 in Deutschland, in Ocstcrreicii-Ungcrn Kr, 5,50 im Au;.i. rarr-w«t^tg:aj^r■.«^?, » -י.*-. r.-et-w -♦* iät, , Kcsmmcr 8 | Berlin, den 22. Februar 1 fi'i Po: »« n 8, Er- I iimtern Mk. 5,— *. '..■sää“: r Ti 10n; Am*: Uhtaud fFtS. 8t6. .... l’ofit-.clieAkoiito: Berlin Nr. 17392. Für Oestexrc-.d K. Kf, l’01t*1;1ftrltansenamt Scheckkonto Nr. 156030. Anzeigen dies *edisgespnlten# Ftüi eil׳! oder deren Raum 40 Pf. Teucrungsxusdilag 20" ״, RedakUentüehlu& Dienstag bjk4» 10. Adar 5678 ^•׳^'*”״5«יג'*י^מיי ׳*־•ז׳יעזג־עןך■,״••';-״ . - —»•---*-ז— - ־־־־•- XXII!.Jahrgang «י. ״.״ י V3S־־־?'’ ־ Jene Auseinandersetzung mit dem Zionismus I I I i «•-* nicht/ionisüschcn jüdischen Parivien in; iöi ni־ diiinid beginnen sich mit dem Zionismus neu j HiM.’immdcv/.usvt/.en. Bereits in Nummer גי׳ und <> tier ,.Jtulu-vclicit Rumlsd1;fü" konnten wir auf die;ms dem!orthodoxen Lager!vernehmbaren *iimmen aufmerksam machen, die die bisherige | Haltung der deutschen Orthodoxie zu den uatiöj iiaüii Frngen des jüdischen Volkes und iiisbcso- «leie /um Zionismus einer gründlichen Revision uiiter/ogen wissen wollen. Die in der orthodoxen Monatsschrift ״Jesdiurim“ und in den ״Agiuias Ji$rocl“-DläUcn1 be- ״onnenc Diskussion über das nationaljüdischc Problern nimmt ihren Fortgang־. Rabbiner Dr. J. W o h I - geinuth, der Herausgeber des ״J c sc 1111 r 11 n“ beginnt im neuesten (Januar-Febrnar-Hcft) seiner Zeitschrift die Veröffentlichung einer längeren Abiiandlutig, die das Thema ״Zionism 11 s, Nation a I j 11 d e 11111 in und gesetzestreu cs Ju- «len tu in“ behandelt. Rabbiner Wohlgemuth ״eht dabei von einer Diskussion aus, die vor etwa fünfundzwanzig Jahren in dem studentischen Vorein der Hörer des Rabbinerseminars ״Dibbtik- Chawerim“ /wischen ihm und Professor Heinrich Löwe, an dessen Seite damals noch Rabbiner Hirsch Hildesheimer (und Willy Bambus standen, sich über den Zionismus entspann. Fs kann heute noch nicht unsere Aufgabe sein, zu den eingehenden, ein gründliches Studium der einseid eggen Literatur verratenden [Darlegungen Rabbiner Wohlgenuiths Stellung zu nehmen. Das kann erst geschehen, wenn diese Arbeit, die sich noch über einige Hefte des ״Jeschunin“ erstreitkeil wird, in vollem Umfange vorlicgt. Trotzdem scheint es am Platze, schon heute einige Hinweise und Bemerkungen der ■Einleitung zu dieser Abhandlung hiTVor/uheben, da aus ihnen hervorgellt, daß der Verfasser sich /.War die Ausführungen von Rabbiner Dr. Unna im Novemberheft des ״jeschunin“ nicht vollinhaltliich zu eigen macht, trotzdem aber ebenfalls für eine stärkere Betonung des nationalen Moments innerhalb der Orthodoxie eiu/utrcTen!gedenkt;Rabbiner Wohlgemuth erklärt, daß er zu dieser veränderten Uebcrzetigung nicht deshalb gelangt sei, weil er sich von den Erfolgen des Zionismus habe umstimincii lassen, Er fügt aber sofort hinzu: ״Das wäre an sich keine Schande. Denn es ist nicht erfreulich, wenn es von einem heißt, inan habe nichts vergessen und nichts gelernt. Inzwischen haben sieh ja ein paar Kleinigkeiten begeben, wie der Weltkrieg und der völlige Zusammenbruch der größten kontinenta* len Macht, die die Welt je gischen. Und wie skeptisch man auch die Erklärungen der englischen Regierung, die Stellung der Entente und der neutralen Staaten, die Kundgebungen der Mittelmächte in der Frage der Schaffung der öffentlich-rechtlichgisicherten Heimstätte für das jüdische Volk beurteilen mag, wie vier, die wir damals miteinander stritten, haben cs!uns wahrlich nicht träumen lassen, daß in einer nach dem Masstab geschieht־ liehe!־ Umwälzungen so kurzen Spanne eine« Vierteljahrhuudeils ein solcher Riesenschritt in der Richtung des Zieles durchmesscu werden würde. Oder wird einer der Meinung sein, daß diese Kundgebtmgen der Regierungen von immerhin weltgcscliicütlicher Bedeutung erfolgt wären, wenn es nicht eine zionistische!Bewegung gegeben und wenn sie nicht diesen Umfang aiigciioimncij hätte?“ Schon aus diesem kurzen Urteil, in dem Rabbiner Wohlgemuth der Bedeutung det Zionismus gerecht zu werden sieh bemüht, geht hervor, daß er zu der für die historische Aufgabe des Zionismus gänzlich verständnislosen Politik der Vcrtreter der deutschen Orthodoxie in Polen eine mißbilligende Haltung cinnchmcn muß. Es entsprang gewiß einem tief empfundenen Bedürfnis, daß Rabbiner Wohlgemuth die Ablehnung gewisser Teile des Memorandums von Rabbiner Dr. Pinchas Kolm über die ]Klinischen Juden in einer besonderen Anmerkung seinem Aufsatz vorausschicken zu müssen glaubte, obwohl eine ausführliche Stellungnahme zu dieser Frage erst in einem der späteren Teile seine-. Aufsatzes folgen wird. Rabbiner Wollige- ויחיith sagt: ״Auf die politische Tätigkeit der Vor- ,,Der /,ionUtnn* cnü'cht für das jf;c!f»;;be Volk die •SihWW.sit ePicr GiwniHr.li-reehlikh {p-stcherlen Ueimd.lrt.: in!'«latliua.״ U.uctcr ProgrAmm. trete!־ der ״Aguilax Jisrocl“ in Polen ■kommen wir noch ausführlich zu sprechen. Entsdik'dci! Prolest müssen wir aber dagegen cinlcgcn, daß das ge.setzestreue Judentum für den angegriffenen Passiis in dem bekannten Memorandum des Herrn Rabbiner Dr. Pinchas Kolm verantwortlich gemacht wird.“ (icmeiut ist das von der gesamten jüdiedien Oeffentlichkcit gcbrandtuarkle denunziatori- •sehe Urteil Rabbiner Kolms über die litauischen Juden. ״Unsere Zeitschrift“, sagt der Verfasser, ״in der ein großer Teil des gesetzestreuen Judentunis in Deutschland seine Anschauung vertreten findet, hat jedenfalls nie einen Zweifel daran gelassen, daß sie jedes verallgemeinernde absprechcmle Urteil über irgend «in Zentrum des Kl ul Jisrocl für ein Unrecht hält“. Und cs ist äußerst charakteristisch für die Art der Kölnischen Poliiik, daß Rabbiner Wohlgemut!! die litauischen Juden gegen die Insinuationen Kolms durch Hinweise auf die große Bedeutung der litauischen Juden für die Erhaltung dos religiösen Judentums in Schutz nehmen muß. Die misrachistischc Auffassung über das Verhältnis der Orthodoxie zum Zionismus vertritt im gleichen Heft des ״Jcschurun“ Obeilehrer Dr. Armin Blau. Oberlehrer Blau setzt sich von seinem misracliistischen Standpunkte aus mit den Aissfiihruiigen Abulia di Samuels auseinander, in denen dieser im Dezemberheft des vorigen Jahrgangs des ״jcschurun“ als Erwiderung auf Rabbiner Unnas Aufsatz den Anschluß der Orthodoxie an den Zionisimis für nicht wünschenswert erklärte, da der Zionismus als religiös neutrale Bewegung der primiireu Bedeutung der jüdischen Religion nicht gerecht werden könne. Dieser Auffassung üitt Oberlehrer Blau entgegen, indem er nasführt; ״Der• Zionismus müßte keine Volksbewegung sein, wenn er die Zugehörigkeit .seiner Mitglieder von einem religiösen Partcibekcnninis abhängig machen wollte.- Kein positiv denkender Mensch, Jude öden־ Nichtjude wird Bedenken tragen, sich der Sozialistenpartei anzuschlicßcn, nur weil einer der Programmpunkte der Sozialdemokratie Religion als Privaisache erklärt. Gegen den Zionismus helfen keine Wnrmmgsrufe der Rcligionsängstlichen und keine Lockrufe der Assiiuilanten.“ Oberlehrer Blau weist mit Recht darauf hin, daß, die Ausschaltung des religiösen!Moments aus dem offiziellen Programm der Zionistischen Organisation kein Argument gegen die Grundidee des Zionismus, die Erneuei'ung des jüdischen Volkstums, sein kann. ״Indem für die gesetzestreueil Juden das Gottesgebot der Thora die Zentralidee seiner Weltanschauung bleibt, einerlei welcher politischen, Bewegung seines Volkstunis er sich anschließt, bedeutet für ihn der Eintritt in die zionistische Bewegung keineswegs ein Zugeständnis eines thorafreien jüdischen Nationalismus — für ihn besteht durchaus kein prinzipieller Gegensatz zwischen gesetzesireuem fudentum und Nationalismus —, noch viel weniger bedeutet ein -solcher Beitritt gar einen ״Trcubruch gegen das Gottesgesetz" . . . Wem! unsere Propheten, wenn wir selbst in heißem Gebet die Rückkehr nach Zion zu erflehen nicht müde werden, tun wir das nicht bloß, weil wir um größere Betätiffimgsficihcit für die Ucbung der Gesetze beten - diese fehlt uns im Golus keineswegs —, sondem wir flehen ׳tun den Boden zur nationalen Betätigung . . . Für den thoratreuen Zionisten stellt sich die Frage nicht, ob Religion, ob Nation, wcldies primär, welches sekundär, sondern eines ist die untrennbare Ergänzung des anderen, ist Historisch-Geworden'cs, Gottgewolltes, ist Kern und Schale mit einem Male. Für ihn hat die jüdische Gemeinschaft nie aufgehört, nationale Volkseinheit Zu bilden.“ Nirgends, so argumentiert Blau, sind die Weisen Israels so engherzig, die Zusammenarbeit an einem sozialen Werk von der Bedeutung des Zionismus mit einem Gesetzesuntreuen zu verbieten. Solche Gcdankengänge sind an sich keineswegs neu. Neu und begrüßenswert aber ist es, daß der Diskussion darüber in der führenden Monatsschrift der d :111;dien Ortliodoxic ein breiter Raum gtwährt wird. Audi Anmerkung kengängen gewähren Nicht bleiben, dal eine Res'iln erkennt cs der l lerausgcber in einer 11s Pflidit an, misrarhisiisci!en Getlanfreundliche Aufnahme Hu in seinem Organ unerwähnt ß im Fink iou stellt, soll ang bei dieser Gelegenheit mit solchen Meinungen 1)1 welche der I) e 1 e g i c r t c!1 ■ t a g d e 1' S c 11 w e i / e r La n d e so 1 g .1 ״ i s a t i o h der ״Ag iulas Jisrocl‘ am ■27 Januar in Oltm faßte, in der ,,mir aufrichtiger (jemituimg die in letzter Zeit durch die Aeußeningrii \ cr.whiedciicr Staatsmänner geweckten 1 lofl'uimgcn hinsichtlich Palästinas begrüßt und vertrauensvoll erwartet wird, daß sämtliche Regierungen des Recht des jüdischen Volkes auf freie Einwanderung und freie Wirtschaftliehe und kulturelle Entwicklung iin Lande seiner Väter anerkennen werden.“ Auch auf Seite einer anderen jüdischen Partei scheint sich das Bedürfnis zir regen, die bisherige Stellung zmn Zionismus einer gewissen Revision zu unterziehen. Wenigstens tritt Rabbiner Dr. Cäsar Selig m a n n ,;der Redakteur des Organs der Vereinigung für das liberale Judeatum in Deutschland ״Liberales Judentum“ in dem soeben erscheinenden Jamiar-l'ebruarheft seines Blattes für den Gedanken ein, daß der nicht zu leugnende Gegensatz zwischen den Idealen des nationalen und liberalen Judentums nicht zü einer gegenseitigen Bekämpfung der beiden Richtungen führen müsse. Er glaubt, daß das Gemeinsame der beiden Parteien größer als das Trennende sei. Freilich verliert diese Feststellung Rabbiner Di־. Scligmamis dadurch sehr an Wert, als er es unterläßt, im einzelnen darzulegcn, inwiefern und inwieweit das liberale Judentum mit dem nationalen Berührungspunkte hat. Denn die Formulierung Dr. Seliginaniis, daß beide Richtungen der Erhaltung des Judentums dienen, ist zu allgemein und daher unbefriedigend. Etwas deutlicher vvirjti ein Artikel des Herrn Rabbiner Dr. Ijrmio Lange, der in dem glcieben Heft der Zeitschrift ebenfalls einer Betonung des Einigenden zwischen liberalem und zionistischem Judentum das Wort redet. Rabbiner Dr. Lange knüpft an die letzte Sitzung der Vertreter der liberalcn Vereinigung vom 2Ö. Oktober des letzten Jahres an, bei der Rabbiner Seligmann bereits für eine Einstellung des Kampfes gegen den Zionismuß cingetretcn war. Dr. Länge bezeichnet die ״Wortgefechte“ die das liberale Judentum mit Orthodoxic und Zionismus früher auszutragen hätte, als ״unerfreulich“. Er bekennt: ״AVer; den Schallen trug, waren wir allein, da wir einer bereits festgeschlossenen Machtgruppe einerseits und einer durch die Tradition zweier Jahrtausende festverbiindeten und überzeugten Gemeinde andererseits gegenüberetanden . , . Der Liberalismus, wie er vor dem Kriege an der Arbeit war, war zu sehr ein Kampfliberalisimis, der sich erschöpfte in Angriffen oder Abwehrmitteln gegen seine vermeintliche« Hauptgegner, Zionismus und Orthodoxie.“ So interessant und wertvoll uns diese Einsicht der Nutzlosigkeit des bisherigen Kampfes gegen den Zionismus ist, so wenig können wir uns mit der Gnuidlagc einverstanden erklären, auf der Rabbiner Lauge eine Annäherung des liberalen Judentunis an den Zionismus für möglich hält. Rabbiner Lange ist nämlich in dem Irrtum befangen, «laß der Zionismus nicht nationale, sondern mir religiös-kulturelle Ziele verfolge. Er hat erst vor kurzem in der ״M a gd ebu rgi sch c n Zeitung“ (vom 7. Februar) der deutschen Ocffentüchkeit die Meinung beibringeii wollen, daß die politische Auffassung des Zionismus in Deutsch-!and mir vereinzelte, Vertreter zählt und daß der Zionismus ״nichts weiter als ein religiöses Bekenntnis ist, zu dem jeder religiöse Jude sich ebenso bekennen muß wie ein Katholik zu den Uhren seiner Kirche“. Dieser ״Kulturzionismus“ so konstruiert Lange Weiter, sehe sein Ideal in der Erfüllung der religiösen Idee, ״die zum Teile auch dein Christentum und dem Islam zu gründe liegt '* Jede Politik sei diesem Zionismus fremd, sogar wcsensentgegengesetzt. Der politische Zionismus eines Hcrzl und Nord au, eines Brandes und Buber, so versächcrt Lange, sei eine Utopie. Er ist aber auch gegen c.cn ״politischen Zionismus, weil diese Ansch«1wMn£ ״unser inneres Leben an einen! Zcntralpunkte acr-!;1}'! I i 11 1׳ 'p| * :i| » 'ift 1 ןיי־ I 1 fi!־ I liH 1 |L 1 ikT I J15׳;