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Jüdische Rundschau · 1918-02-08 · Heft 6 (8.2.1918) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIII (1918)
Issue
Heft 6 (8.2.1918)
Date
1918-02-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
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*»4s/ ■יך״״י:» ס,;;r^« ן־׳״ו W. I i V \ \ י » r•. ן.־ y 2Ärs«saa , : Redaktion und Verlag Jüdische Rundschau, Berlin W, 15, Sächsische Straße S, Eri eclieint wöcheull. am I'rcita^. Abonnement bei der Expedition und hei is'irn t'1• ׳Hintern | vicrteljShrl. Mk. 3,25 in Deutschland, in Oesterreich-Ungarn Kr V50 •״ Au M'*. S,— a Kummer 6 Berlin, den 8. Februar 1918 c*r. _ iji. .. . "״׳־ .'״״״־ t״״^ . .j^rrirasrrs■ ~,jr— ׳ist,גדr׳־ ־־-r־ %^Tm*״t*rcTS»r. 4 ־a Telephon: Amt Uhknd 815. 816. Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392, Für Oesterreich« '1 K. g, Poatspancasscnamt Srlicckkonto Nr. 156030. Anxeijfen die »eci»s)fe«paUea• Petit׳ zeile oder deren Raum 40 Pf,Te1H:run|rsz11sddaj׳'20 ׳ Rcdaktionaschluß Dienst»? n*eL0»> 1י’׳»?^זדד.*י,*יד־דז גד 26. Sch’bat 5678?;«*■» vT., v ״* - | XXIII.Jahrgang Der Zioniesia* arotrobt för da• JSdiasi»• Volk, dl« Sch aff!sag* cinar Cr?eatllel»*rcc!׳.׳.’,c2* jj0'.jc!4srtÄ» QeSraaUiifc• I® Pal&«tia«. ״Baatlar Pr#|r*a»M* r | ז ■"«ין ד" f 1 1' t 1 © £ךך 4י~ף I | f** אירי;%יץץ W; I Zionisten! j ן T*cl11c110w ist gestorben.; 1 Mit niederschmetternder Wucht trifft die- }. j scr Schlag die Zionistische Organisation, das tir j jüdische Volk. f 1 Seit dem XI. Kongreß war Dr. E W. f j Tsehlcnow der zweite Vorsitzende des En- '׳ | geren Aktionskomitees unserer Organi- I « sation. Das uneingeschränkte Vertrauen ן i der Uesamtorganisation hat den Führer des I j russischen Zionismus auf diesen Posten l>crufen. Es galt, die Leitung der zionistischen I | Arbeit zu bestimmen, die Organisation macht- [ * voll zu entfalten, der Palüstinaarbeit neuem I 1 kräftigen Aufschwung zu geben, die politi• ן 'i sehe Arbeit in einer der welthistorischen Be- ן dcutung entsprechenden Großzügigkeit aus- [ zubauen. Dr, E. W. Tscldcnow, dessen uncr- | miidiieher, planvoller Arbeit der russische Zio- | nistnus seine stärksten Erfolge mit zu ver- | danken hatte, folgte dem Rufe der Gesamtt | Organisation schweren Herzens und voll des ן Bewußtseins außerordentlicher Verantwortung.; 4 Auf dem neuen Posten erfüllte er die huch- '[ 1 gespannten Erwartungen — bis der Krieg aus- | brach und ihn nach Rußland zurückführte. | Mitten im großen Geschehen des Krieges, | inmitten der Ereignisse, die für das russische | Judentum *lic Umstürzendsten Wandlungen f brachten, führte Tsehlcnow klug und stark J j das Steuer der Zionistischen Organisation und ן der nationalen Bewegung. Unter seiner Füll- ן i rang hat da« russische Judentum den Sieg l j im Kampf um sein nationales Lebensrecht erj rangen, Keiner Führung hat der russische Zio- | nlsinus die beherrschende Stellung innerhalb! der jüdischen Bewegung in Rußland zu verj danken, seiner Führung aber auch die Zionistij, sehe üesamtorganisation die Erhaltung ihrer I ungeschmälerten Einheitlichkeit und Gcschlos- | senheit sowie den machtvollen Aufschwung } und den historischen Erfolg der politischen { Aktbä, \ Und wieder führte der Ruf der Zionisti- I : sehen Organisation Dr. Tsehlcnow zu neuen, | größeren Aufgaben. Kaum vom Krankenbette | 1 auf gestanden, verließ er Rußland, seine Kraft f in den Dienst drängender Aufgaben zu stellen.!; Und tr stand auf seinem Posten, bis ihn der | | Tod abrief. ‘ .Tsehlcnow hat die Erfüllung nicht erlebt, | dio unser aller Sehnsucht ist. Es war ihm 1 nicht gegönnt, mit eigenen Augen das neue | Leben im Land unserer Hoffnung zu schauen, | i für das er mit angespannter Bereitschaft ge- [ 1 arbeitet hat. f Auch ihn hat das tragische Schicksal der i Großen unsere» Volkes getroffen, nur aus I der Feme das Land der Verheißung zu er- | blicken. I lu tiefstem Schmerz und in heißer Dank- ן barkeit »teilt mit der Zionistischen Organi- I sation da» ganze jüdische Volk an seinem f Gra!>4 | j Echiel Tsehlcnow 1 Du gingst von uns f i im Anbruch der Morgenröte. Möge unsere | I Zukunft von Deiner Arbeit gesegnet sein! ן J Daß Engere Aktion skomitcc der ן I Zionistischen Organisation I j Wärbwrg Jacobson Hantke Unser Tsehlcnow Die erschütternde Kunde des Ablebens unseres Dr. Tsehlcnow׳ durcheilte vor wenigen Tagen die ganze Weit wie ein Lauffeuer. Wiederum ist uns einer der Treuesten und Größten entrissen worden, einer!unserer wenigeil wirklich führenden Männer, nach Herzl und Wolffsolm jetzt Tsehlcnow. Wie kaum ein anderer hat er von Bcginn an in!unserer Bewegung gewirkt, sein Name ist aufs innigste mit ihr verknüpft; denn wenn Tsehlcnow auch dem ersten Kongreß im Jahre 1S97 noch nicht beigewohnt hat, so war er doch damals schon seit weit mehr als einem Jahrzehnt in der Palästinaarbeit re;re tätig gewesen, hat er doch an der Chowcwe Zion - Bewegung in Rußland schon seit seiner Studentenzeit führenden Anteil genominell. Als aber der Verlauf des ersten Kongresses ihm gezeigt hatte, daß es sich bei der neuen Organisation um etwas Ernstes und Zukunftsreiches handelte, schloß er sich mit der ganzen ihm iimev, nluiendcn Energie der neuen Bewegung an. Schon am zweiten Kongreß nahm er als Delegierter teil, und bereits auf dem dritten Kongreß wurde er in das damals neu eingerichtete Große Aküoiiskomitee gewühlt, dem er seitdem ständig angeiiörte. Auch wurde er stets auf den Kongrossen zu einem der Vizepräsidenten gewählt. Wenn Tsehlcnow erst seit dem letzten Kongreß, im Jahre 1913, dem Engeren Aktiouskomitee angehört, so lag dies nur daran, daß er sich vorher stets geweigert hatte, einen so verantwortungsvollen Posten zu bekleiden, ohne in der Lage zu sein, seinen Wohnsitz an dem Sitz der Zentrale aufzuschiagen. Erst auf dem elften Kongreß gelang es seinen Freunden, ihn von der Unerläßlichkeit seines Eintritts in die oberste Leitung zu überzeugen; daraufhin entschloß er sich, sieh im Interesse der ihm so heiligen Sache von seinem Beruf als überaus ,geschätzter Arzt in. Moskau sowie von seiner dort zuliickbleibenden Familie zu trennen und nach Berlin, dem Sitz der Zionistischen Zentrale, zu übersiedeln. Erst der Krieg machte seinein Aufenthalt in Berlin ein plötzliches Ende, *und er siedelte nach kurzem Aufenthalt in Kopenhagen, London und Paris, wieder nach Moskau über. Zweifellos lag cs Im Interesse der Gesamtbewegtuig, daß während der Kriegszeit eine einseitige Verteilung der Mitgiieder des Engeren Aktionskomitees mögliehst vermieden wurde. In Rußland fand Tsehlcnow dann in der Tat wieder wie früher ein großes Arbeitsfeld. Daß die russischen Zionisten trotz der harten Prüfungen während des Krieges so leistungsfähig blieben und die Organisation dort auch in den schlimmsten Zeiten der zaristischen Bedrükkimg niemals versagte, ist großenteils sein Verdienst. Als dann im Frühling des vergangenen Jahres die neue Acra in Rußland anbracli und dem Zionismus freien Spielraum cröffnete, aber auch gewaltige Anforderungen an die Führung dieser Bewegung stellte, zeigte cs sich, daß Tsehlcnow der richtige Mann am richtigen־ Orte war. Man kann wohl sagen, daß die Junikonferenz der russischen Zionisten in Petersburg den Höhe- und Glanzpunkt seines Wirkens bildete. Ohgleich schon seit Jahren ein kranker Mann, der sich sogar vor nicht langer Zeit in Rußland einer ernsten Operation hatte tuiterzichen müssen, ließ er sich doch nicht nehmen, die schwierige ׳und nicht ungefährliche Reise nach England anzutreten, als sich ihm dort die Möglichkeit bot, unmittelbar für die Erfüllung unseres hohen Ideales wirken zu können. Es war im Sommer ,des vergangenen Jahres, als uns Kollegen int Engeren Aktion»- komitee das ülück zuteil wurde, mit Tschicnow zusammen in Kopenhagen eine mehrtägige Sitzung ablialtcn zu können; wenn er sicli auch noch schonen und strenge Diät hal* len mußte, so machte er doch einen so fri• sehen und innerlich durch die Entwicklung der Dinge so gehobenen Eindruck, daß wir ihn mit den besten Hoffnungen auf ein frohes Wiedersehen verlassen konnten. Es war da» letzte Mal, daß wir ihm dort in seine treuen Augen sahen. Auch nach unserer Abreise blieb er noch längere Zeit in Skandinavien. Im Oktober 1917 fuhr er dann wiederum nach Loadon. Von dort trifft uns nun plötzlich, wie ein Blitz aus heiterem Himmel, die Traucrkuntle. Noch stehen wir zu unmittelbar unter dem Eindruck dieses furchtbaren Verluste», noch übermannt!uns der Schmerz um den lieben, von vielen fast vergötterten Dahingeschiedenen allzusehr, um die richtige Hai• tung der dadurch geschaffenen Lage gegen■ über finden, geschweige denn sein Lebenswerk so würdigen zu können, wie cs uns und ihm gebührt Erst ganz allmählich wird eia richtiges Bild entstehen dessen, was er unscrer Bewegung gewesen ist; viele unserer Ge• sinnungsgenossen werden dazu beitragen, die cs uns erst ermöglichen werden, ein einigermaßen vollständiges Bild seines Lebens und Wirkens zu entwerfen. Aber sein Bild ak Mensch steht doch schon jetzt fest und tinverrückbar vor uns, dazu sind die Linien seines Charakters iukI seiner Lebensführung ca einfach, klar und eindeutig. Wenn wir alle die vielen Züge seines Seins in zwei Worte zusammenfassen wollen, so genügt cs zu sagen: sein Leben war beherrscht von Ucbc und von Treue. Liebe im weitesten Sinne des Wortes war der G rund zu g seines Charakters. Er liebte die Menschheit, aber nicht nur im allgemeinen, sondern auch in jeder Erscheinung»- form, die sich ihm darbot Daß ein solchei Mann echten -Familiensinn besaß und seine Familie liebte wie nur einer, braucht wohl kaum erwähnt zu werden. Ebenso zeigte sich diese seine Nächstenliebe auch in seinem ärztliehen Beruf, in dem liebevollen Eindringen in die Leiden seiner Patienten. Wieviel Kranken hat er schon durch seine sichere, ruhige, wahrhaft menschliche Art Trost «und Zuversicht cingeflößt! Er war nicht nur ihr ärztlicher Berater, sondern auch ihr Freund und Vertrauter, sie hingen an ihm und brachten ihm ungcmcssencs Vertrauen entgegen. Vor allem aber umfaßte er das ganze Judentum mit seiner Liebe. Die Hebung seines Volkes in jeder Beziehung war ihm das höchste Ziel seines Lebens. Er hatte in Rußland genug Gelegenheit, das jüdische Leben ״i dt . ■Md . ׳. I 4 1 | '4 i

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