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Jüdische Rundschau · 1918-02-01 · Heft 5 (1.2.1918) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIII (1918)
Issue
Heft 5 (1.2.1918)
Date
1918-02-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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r gr» ׳•— / 1) thij \ י ־״ I ל/. Rrdftktioa t1״d Verlag Jüdische Rundschau, ücrlln W. iS, SiUSsir;«. scheint wochenti• am Freila^, Abonnement bei der Kxpaditiom und bei vicrtoljäbrl. hxk. 3,25 in!)־■׳iitsdijlind, inOciitcrroUlj-Uii^arn Er. 5,50 im An «SS.».,sm»K?»i1rÄ:ÄaEa.(־s-ü1־^K־־t.»WÄaw,-n«1stö*^a»n*.s2rw»caa^«־.»•־־* ״״ r;5«״׳t■»: Nummer 5 | Berlin, den 1. Februar at r •.!'>־׳ H, cn!*<,'.! Ui 1>״ ML r.rtern 5,- «s;״־n j 1I 13«®» IrpUo n j K. PiKll!Io oder Amt ־;;»am deren .2*׳״«״• ». ..... .. ״sjer.־s*׳a •’.ל4\יי x11׳XJüj«r4.<r“״״®־׳Äa«£1s: Uiiiaisd r,45. S46, r״*lsd4e׳!;konto: Berlin Nr. 17392. Für Ossterrcid, - )•s’.cii&mt JvSrdckonto Nr. 156030. Anzeigen dio *ec!>-.״cs|>alte*• Pt*«»• Raum 401‘f.Tc1erunf»-/.u«rj.kg 20׳'׳,.. Rr׳mktmr1-s*.cl11t12 Dirnstej nsdi® 19. Scli’bat 5öl8 XXIII. ja’nr׳׳ jMEse&Märm f~? Orthodoxie und Zionismus | Die ״Freie Vereinigung■ für die Interesse« den j orthodoxen Judentums“ 11 at die orthodoexea Org.mLsaüonen im Gebiete der Mittelmächte!und der von dienen besetz,len L.uuksteile auf׳ Ende Januar m einer allgemeinen Beratung nach Frank- Furt a. M. cingeladen, uin gemäß der von der ״Agudas Jisroel“ gegebenen Anregung die Fordenagen und Wünsche der gcselzc.strcuen jüdischen Bevölkerung angesichts der beim Friedensifchluß bevorstehenden Neuordnung der irincrpolilischcii Verhältnisse zu formulieren. Soweit bis jetzt darüber Näheres bekannt geworden ist, werden an dieser Beratung Delegierte aus Deutsch- Und, Oesterreich, Polen!und Litaue» teilnehmcn und cs kann als sicber angenommen werden, daß sich die Bcratung auch mit den nationalen Forderungen der : Juden iu den Ländern, in denen sie in geschlossenen Massen wohnen,!und in Palästina beschäftigen wird. Besonders werden nach den Belichten, die hiis Warschau kommen, die Delegierten aus den | besetzten Gebieten aiuf eine Stellungnähme der Orthodoxie zur Palästina- :rage hinwirken. Auch die Vertreter der : österreichischen Orthodoxie w׳cr•! .den, uach einem Bericht der ״Jüdischen Zeitung“; über eine Mitte Januar in Wien abgchaltenc Konferenz der orthodoxen Juden Galiziens und der Bukowina zu schließen, die Palästinafragc und die nationalen Forderungen des jüdischen Volkes; auf die Tagesordnung der Frankfurter Beratung zu setzen versuchen. Der von einem galiz.ischen Teilnehmer der ,Wiener Konferenz, gemachte Vorschlag der Ernennung von drei Kommissionen, die r . si Ji mil der Frage der jüdischen Selbstverwaltung , in Palästina, der nationalen Autonomie in üalizien •und des Wiederaufbaus Galiziens befassen »ollen, ׳und die seitens vieler iX'ligicrter betonte Mei- 111mg, daß ein Zusammengehen mit den nationalen! Organisationen in der Pnlasliiiafrage und im Kampf , um die nationalen Rechte unbedingt erforderlich sei, i; zeigeu jedenfalls, daß auch von dieser Seite sich starke Strömungen geltend machen, die vom ortho- : י iJoxcn Standpunkt aus die nationalen Forderungen des jüdischen Volkes nicht nur billigen, sondern auch andern Kampf um sie aktiv leiliicluue» wollen. Auch in Deutschland sind in den letzten Mo-! naten aus dem orthodoxen Lager Stimmen laut i; geworden, die offen die bisherige ablehnende, ja! feindliche Haltung der deutsche» Orthodoxie ge- »enüber den nationalen Organisationen bedauern und die Aufnahme der nationalen Forderungen in das orthodoxe Programm geradezu als eine im 1 Lcbensintercssc der Orthodoxie gelegene Notwen• digkeit bezeichnen. Wir geben uns vorerst keinen allzu grollen Hoffnungen über die Wirkungen diesei׳ in Deutschland noch vereinzelten Stimmen der Mahnung hin und bezweifeln vor allem, ob diese Strömung innerhalb der deutschen Orthodoxie auf eien Gang der Frankfurter Beratung einen nennenswerten Einfluß auszuüben vermag. Trotzdem sclieineu «ns diese Ausführungen deutscher Orthodoxen wichtig genug, um auf sic die allgemeine Aufmerksrmkeit zu lenken. Im Novcinberheft der von Rabbiner Dr. J. Wohl ge muth herausgegebenen Monatsschrift ״j esc 11« r u n“ hat der Mannheimer Rabbiner Dr. isak Unna an!eilender Stelle einen Aufsdtz ״U c - her nationale Erziehung“ veröffentlicht, in des! er es als einen schweren Felder seitens der Orthodoxie bezeichnet, daß sie sielt der a-ufkei* ' tuenden nationalen Bewegung nicht an geschlossen hat. Rabbiner Unna konstatiert zu Beginn seiner Ausführungen, daß ״das Aufhören des jüdischen Nationalbewußtseius oder vielmehr die* Leugnung j der jüdischen Nationalität erst vom Anfang des; vorigen Jahrhunderts, vom Beginn der ReformbcvA'gung datiert“ sind daß ״die Tendenz, alle 11a- | h(malen Elemente aus dem Judentum auszuschei-! den, das Judentum zu einer bloßen Konfession umzubildcn, eins der charakteristischen Merkmale der Reform ist.“ Obwohl der Verfasser der Ansicht ist, daß ein extremer Nationalismus ein gefährlicher Feind des religiösen Judentums ist, glaubt er den- ״odt, daß ״die nationale Idee für das überlieferte ״Der ZiunUmut crslrcul ihr £: % j.. Clidic Voll! <llc SchrJiun«; einer öffentlich-rechtlich c;׳: :!ditrica litimsi.'üle ia Baseler XV«grarnai. Judentum von großem Werte sein könnte". Rab- Inner Unna spricht von einer gegenseitigem Befruchtung de* nationalen und .religiösen Judentums, die dann cinlreteu könnte. Er sagt: ״Der Misrachi war innerhalb des Zionismus nur eine kleine Mioderlieit, und, was noch wichtiger ist, cs fehlte ihm an modern gebildeten westeuropäischen Führern, die den religionsfciudliclien Elementen mit Erfolg iiütten entgegentreten können. Wenn die Orthodoxic sich in grollen Massen dem Zionismus angeschlossen hätte," so wäre ihr Einfluß* ein ganz anderer gewesen; denn die Hcrzlschc Richtung war dem religiösen Judentum nicht abgeneigt. Und so hätte der von religiösen Ideen befruchtete Nation«- lisinus seinerseits wieder ein Moment der Belebung für das überlieferte Judentum abgeben können. Denn über die Tatsache, daß die Orthodoxie in den westeuropäischen Ländern mehr und mehr zurückgeht, wird sich wohl kaum irgend jemand einer Täuschung lihigcbcii. Die Ursachen liegen auf verscliicdeiien Gebieten, eine aber scheint mir das Fehlen eines nationalen Einschlags in der Erziehung zu sein". Einen Aufsatz Acliad Haanis über nationale׳ Erziehung für seine Ausführungen heranz.iehcn(^ kommt Rabbiner Unna zu folgenden Feststcllungen: ״Bei unsere» Kindern — wenn wir die Sache auf Deutschland anwenden — ruht׳ die Erziehung, weiche die Schule vermittelt, auf germanischer, ge-!inner auf christlich-germanischer Grundlage. 13er ganze Lehrplan ist dem Ziele angepaßt, in den den Schülern christlich-germanisches Empfinden zir wecken «:nt zu stärken. Daß diese Einflüsse in vielen Punkten dem jüdischen Empfinden nicht entsprechen, ja ihm geradezu entgegengesetzt sind, bedarf wohl keiner Erörterung.“ Selbst in den von der Orthodoxie gegründetem jüdischen Schulen, sagt der Verfasser, wird, in den Kindern, da der Lehr- ])!an dem der übrigen Schulen angepaßt sein muß, vorherrschend germanisches Empfinden gepflegt, wenn auch Jas christliche Element zurücktritt. So kommt Rabbiner Unna zu dem Schlüsse, daß ״ein kraftvoll jüdisches Empfinden nur durch die Betonung des jüdisch-nationalen Moments erreicht werden kann.“ ״Man wende nicht ein", sagt der. Verfasser, ״daß ja, das Judentum au sich in seinen religiösen Aeusscrungeii schon eine Fülle nationaler Momente enthalte ׳und daß cs der erwähnten Hilfsmittel, die ja doch nur als ein notdürftiger Ersatz für. eine nationale Erziehung im eigentlichen Sinuc gelten können, gar nicht bedürfe. Gewiß sind im Judentum Religion und Nationalität unlösbar miteinander verbunden. Unsere Feste sind zugleich nationale Gedenktage, bei den Geboten Irden uns auf Schritt und Tritt historische Anknüpfungen entgegen, unsere Gebote wecken immer und immer wieder die Erinnerung au die Vergangenheit, die Hoffnung auf die Zukunft. Aber es wird dies alles viel zu wenig betont, cs tritt im Gegenteil auch in unseren Kreisen vielfach das Bestreben hervor, den nationalen Inhalt der Religion als etwas Ncbcnsächliebes zu behandeln und ihr einen .rein konfessionellen Charakter zu 1 geben. Deshalb müßte die jüdische Schule und bis zu einem gcw'issen Grade auch die Rcligionsschule bestrebt sein, diese nationalen Momente zu pflegen und dadurch eine größere Begeisterung für das Judentum in den jugendlichen Gemütern ־zu wecken. Demi daß gerade das nationale Moment in hollem Maße geeignet ist, solche Bestrebungen zu fördern, lehrt die Erfahrung." Rabbiner Unna verkennt dabei nicht die großen Schwierigkeiten, die die Verwirklichung eines sol* dien Programms mit sich bringt. Ganz anders lic* gen nach seiner Meinung die Dinge im Osten, wo die Emanzipation jetzt erst beginnt, wo das Judentum in die geschichtliche Periode cintritt, deren Anfang bereits 100 Jahre hinter dem Westen liegt. Der Verfasser vertritt die Meinung, daß cs im Osten Aufgabe der maßgebenden Faktoren sein wird, aus der Geschichte zu lernen und die Fehler zu vermeiden, die dem westeuropäischen Judentum so verhängnisvoll geworden sind. ״Im Osten bildeten d-0 Juden bis jetzt eine in sich geschlosseneM.ri*c, sic führten tatsächlich eine besondere nationale Existenz. Erst jetzt wird ein engerer geistiger Zasanimcnhang ׳/.wischen den jüdischen Massen esil den Nationalitäten, in deren Mitte sie lchea, sich herausbildcn. Und wenn sie sich nun dort ebenfalls auf!einer konfessioneller Grundlage konstituiere», so droht die Gefahr, daß dieselbe Lage entstehen wird wie bei uns. Die Jugend wird dann ebenfalls ia Schulen erzogen werden, iu welchen da* Poluisehe oder das Russische die Unterrichtssprache ist, sie wird ihre ßilduiigscicmcnte aus diesen Sprachen und aus ihrer Literatur empfangen, und das jüdische Fühlen wird bei der großen Menge *dir bali von den nationalen Momenten, die aus der umgebenden Welt auf sie wirken, verdrängt und aufgelöst werden. Daran wird auch die Errichtung jüdischer Cliadnrirn und Schulen nicht viel ändern können. Sie werden im besten Falle dasselbe leisten wie die deutschen jüdischen Schulen.... Das Jüdischewird dann zu einer Nci>c»sache herabsinken, es wird l>ci uns seit 100 Jahren beobachten können und der Assimilationsprozcß cintretcn, den wir bei uns seit 100 Jahren beobachten können und der im Lauf der Jahrzehnte an Einfluß in fortschreitendem Maße zugenomnien hat. Ganz *11dem, wenn die Juden sich als Nation konstituieren, wenn sic nicht bloß rein religiös, sondern auch kulturell von der umgebender» Bevölkerung geschieden sind." Der Verfasser fordert daher eine Verständigung ,ZwisdH-'n allen jüdischen Richtiuigen des Ostens, ־״welche das nationale Empfinden als einen wesentlichen Bestandteil des jüdischen Lebern; betrachten“ und er glaubt, daß ״die Orthodoxic alle Ursache hat, auch ihrerseits auf diese Verständigung hinzuarbeiten." Die jüdisch-nationalen Forderungen zu verwerfen, nur weil die na- Uoiialen Parteien sich, wie der Verfasser glaubt, zur jüdischen Religion, indifferent verhalte« oder gar sich mit den Vertretern der Assimilation verbinden, würde eine bewußte oder unbewußte Förderung der Assimilation, d. 11. des nationalen Selbstniords bedeuten. Es braucht wohl nicht erst besonders betont zu werden, daß die Zionisten eine Entwicklung, wie sie Rabbiner Unna vom Standpunkt der Orthodoxic aus für wünschenswert, ja notwendig hält, begrüßen würden. Die •Zionisten hatten von jeher die Uebcrzeugung, daß cs ein schwerer Mißgriff der Orthodoxie war, die nationalen Grundlagen des Judentums zu bestreiten und die Teilnahme am Kampf 11׳ in die nationalen Forderungen ■baulehnen. Es war stets die Meinung der Zionisten, dal eine Orthodoxie, die die nationalen Rechte der Juden anerkennt und die Bestrebungen zur Schaffung einer nationalen Heimstätte in Palästina zu unterstützen bereit ist, innerhalb der Zionistischen Organisation Raum für eine fruchtbare Wirksamkeit hat. 13* ist daher vom zionistischen Standpunkt au* erfreulieh zu sehen, daß diese Erkenntnis nunmehr auch in der Orthodoxie, die bisher einen anderen Stand- Punkt vertrat, Wurzel zu schlagen scheint. Daß cs sich dabei nicht ׳um eine g.ana vereinzelte Actißcruug handelt, zeigt ein Aufsatz, der *u gleicher Zeit an leitender Stelle ia de« ״Blättern desGruppcn verbände» der Agu das Jisroel undderAgudasJUrocl- Jugendorganisation“ (November 1017), aus der Feder des Privatdozenteii Dr. A. Fraenkcl erschienen ist. Dr. Fracnkel, .der schon vor längerer Zeit in einem Aufsatz die Ueberzeugim* ausgesprochen hatte, daß cs jüdische Tätigkeitsgc’- biete gibt, auf denen ein Zusammengehen der Orthodoxic mit dein Zionismus wünschenswert «i, vertieft nunmehr in den Agudoh-Blättern diese *eine Auffassung. Zunächst kommt es Dr. Fraenkcl darauf an, das in orthodoxen Kreisen eingebürgerte Vorurteil, daß der Zionismus eine antireligiöse Bewegung darstcllc, zu zerstreuen. Er konstatiert: ״Die Zionistische Organisation als solche stellt zwar I Gedenket 1 des I Hilfswerks für Palästina! 1 Gedenket der Evakuierten!

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