Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIII (1918)
- Issue
- Heft 4 (25.1.1918)
- Date
- 1918-01-25
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Tr1K-rt111״a*11r>d1l»s?0" , RedaVtitmmidiluß üietuta״ narlua. ז,»«־,־*?■•"' ■>rrw3sz:v׳s*\‘■■ >■•״׳ »״*״*:, ■.*?־««*nwwkV'.*■*•.עיש*;׳,־«» ״■ ־־• .*יי י■*?.־■א־י״־ז'« 12. Sch’bat 5078 | XXIII.jalir^ang .,,*•י ־', ־ ־.־י■ ־ ** ׳׳ ־; ס*!י ־- ־ ־״ * « ,, ,, ....r .. *׳ ''>:מ*'י'<י*"יי'*.>6ייהן׳ ״ Wadi der deutschen Erklärung ס Wieder ist in der deutschen Presse eine Reihe von Aufsätzen erschienen, die sieh mit der zibnidi- •scheu Frage belassen «ml zum Teil Meinungen vertreten, die nicht unwidersprochen bleiben dürfen. ln der Berliner ״D e 111 s c 11 cn Z c i 111 n g׳• vom 10. Januar schreibt der aus seiner Broschüre ״Die O.stjudenfrage, Zionismus und Gren/schluß“ bekannte üeii. Regierungsrat G 001׳! 2־ritz über ״l>e 11 bclie Bedingungen für den Zionstnat und völkische Sclbctvciwaliung der GMjtsden“. Fritz wiederholt in diesem Aufsatz im \ve: entliehen die Au. eliamuigeii, die er bereits in seiner Broschüre geäußert hat und zu denen wir seinerzeit bereits au>iühiiieii Steünug genuuinien haben. Uegienings• rat briiz ist für die Förderung des Zionismus seiicus der deutschen Regierung, weil er sich aus ihr eine Abwendung der ״Gefahr“ einer ostjüdischcn Einwanderung nach Deutschland verspricht. Aus dem gleichen Grunde ist er für eine Besserung der jüdischen Lage in Polen, Rußland, der Ukraine und Rumänien, nicht nur durch Verleihung der biirgerlichcn Gleichberechtigung, sondern durch eine ״völkische Autonomie“, durch Handelsfrei* lieh ■und Freizügigkeit der Juden in diesen hin- ן dem. Das Eintreten Fritz’ für den Zionisj!סו!•:, und (iie Lösung der Osljudcufragc durch nalionale Autonomie ist nicht das Resultat irgend welcher prinzipieller Lrwägimgen über das Selbstbesinnnumgsrecht der Völker, sondern eine lediglieh vom Standpunkt der deutschen Interessen uiktieric Stellungnahme. Dementsprechend knüpft ITitz. die Unterstützung des Zionismus durch die deui- *sehe Regierung an Bedingungen, die seiner Meiiwtug nach erst erfüllt sein müssen, bevor Deutschfand der Gründung eines jüdischen Staates in Pulü- »iin.n seine Zustimmung erteilen könne. Er sagt: ״Zu Ioniern sind auch die zionistischen, ruf die “Tirriditinig eines der türkischen Oberhoheit uutcislcütcu!'ihlisciien Staalswesens in Palästina. Voraussetzung hierfür ist aber die Wieiicreroberung Palästinas. Denn aus den oben angeführten Gründen können wir ciiieu Zion- Staat vintcr britischer Oberliobeit oder Kontrolle nicht dulden; auch kein der Aufsicht der Mittelmächte entzog lies, von der internationalen Judenhcit abhängiges Palästina, das in unmittelbarer Nähe der wichtigsten Straße des Weltverkehrs zu einem Herde von Madienschäften und feindlichen Verschwörungen gegen unsere weit- und handelspolitischen Interessen sieh entwickeln würde. Unsere Bedingung intili lauten: Der Zionstaat wird vmter der türkischen Oberhoheit und unter der Aufsicht der Mittelmächte stehen oder er wird nicht ins Dasein treten.“ In dieser Formulierung wird also anerkannt, daß die Unterstützung der ־zionistischen Bestiebangen den deutschen Interessen entspricht. Daß Deutschlands Politiker dabei danach streben müssag Palästina der Türkei zu erhalten, ist eine sehr verständliche Forderung. Trotzdem ־wäre cs aber verfehlt, anzuneliincn, daß bei einem etwaigen Nichteintreten der Bedingungen, w׳ie sic Fritz fordert — •und diese Möglichkeit muß doch immerhin auch in Erwägung gezogen werden — das dcut- Interesse an einer konzentrierten jüdischen Siedittng in Palästina völlig erloschen sei. Gerade vom Standpunkt der deutschen politischen und wirtsciiaftliclicn Interessen aus darf die Erwägung, ob Deutschland nickt in jedem Falle die jüdische Einwanderung nach Palästina fördern soll, nicht so apodiktisch abgclchut werden, wie Fritz es tut. Hat doch schon vor kurzem Moritz Heim an n in der ״Neuen Rundschau“ die Meinung ausgcsprochen, daß selbst im Falle eines Gelingens des englisch-amerikanischen Planes für das deutsche politische Interesse die jüdische Kolonisation in Palästina ein Vorteil sei. Die Anschauungen, die Regierungsrat Fritz bei seinen Erörterungen über den kulturellen Stand der Ostjiulcn und 'die Frage ihrer Fcnihaltung von Deutschlands Grenzen äußert, haben wir bereits bei Besprechung seiner Broschüre gebührend zurückgewiesen. Auch gegen seine Auffassung, daß das Bekenntnis zum Zionismus das Recht der Juden auf bürgerliche Gleichberechtigung in Frage stelle und daß diese ״volksfremden und international gebuitdcncn, den deutschen Staatsbelangen also nicht unbefangen gcgcnüberstchcndcn“ Einwohner einem besonderen Staatsbürgerrecht unterstellt werden sollen, müssen wir aufs heftigste protestieren. Es ist immer wieder von uns betont worden, daß der Zionismus in keiner .Weise die Frage der ״Der Zbiniiiiiu» erstrebt für da» Jiitiitchc Voll! die Sc.•־״!.Tunri ctr.cr öffentlich-rechtlich Welcherlei» Hcfintißife Sa 1'af.iilhm." Baseler Programm. bürgerlichen Gleichberechtigung der Juden in den Landern der Zerstreuung berühre und dies ist auch von jüdischer nielitzionislisclier wie von nichtjüdischer Seite oft genug hervorgehoben worden. Als deutlichster Beweis dafür können wir von jüdischer Seile die Programme der allgemein-jüdischen Kon-;;resse .־iimiltren, die jetzt in vielen europäischen t:ml iiiciUean.päisc'e.eii iüar.ien in Vorbereitung sind und die alle die Forderung der bürgerlichen Gleichbercchligung der Juden und zugleich die der nntio- •!;!len Kun/cntricnmg der Juden in Palästina auf* stellen. Und daß diese Aufassuiig auch von nicht• jüdischer Beite geteilt wird, zeigt deutlich die Erkläning der englischen Regierung, die bei ihrer Umer.düi/’ung der zionistischen Bestrebungen es als scUrsiw rsi,südlich betrachtet, daß durch die Errichtung einer nationalen Heimstätte in Palästina; der bürgerlichen Gleichberechtigung der Juden in; den anileren Ländern kein Abbruch getan werde. 1 Es wäre wohl an der Zeit, daß diese Argumentation I nun endlich ans der Palästinadebatte verschwinden | und dort abgelegt werde, woher sie stammt: in der 1 Rumpelkammer des unentwegten Antisemitismus. I ״Gegen den jüdischen Staat“ schreibt in der , ״Deut seit cn Montagszeitung“ vom 21. I Januar i>r. Friedrich Stern thal in einem : offenen Brief an Dr. Manfred Georg, der bekannt*! lieh in dieser Zeitung bereits mehrfach über den Zionismus und seine Ziele informiert hat. Dr. Sternthals Ausführungen zerfallen in einen theoretischen■ und einen praktischen Teil. 1111 theoretischen Teil versucht uer Verfasser den Beweis zu liefern, daß den Juden die stuatsbildeiukn Fähigkeiten fehlen, D is bei den Juden besonders ausgeprägte Faini* lieugcliini treibe den Mann in seinem Streben, für;.eine Familie zu sorgen, einem einseitigen Erwerbs* drang■ in die Arme, wodurch der moralische Ein* fluÜ der Frau in Erzichungsfragen vorwiege. Dienein Fiufhiß der Frau aber schreibt es Sterntlfäl zu, daß den Juden die politisch-schöpferische Fällig- Reit fehlt, Diskussionen dieser Art scheinen uns angesichts der realen Forderungen der jiidisehen Gegenwart belang- und wertlos. Das scheint übrigens auch' der Verfasser gefühlt zu haben, denn im zweiten Teil seiner Ausführungen geht" er selbst von der Voraussetzung aus, daß die Verwirklichung des Zionismus zu einer nicht mehr zu leugnenden Tatsache geworden ist. Auch in diesem Teil ergeht sich Sternthal in sehr vagen Kalkulationen über die Lösungsmög- Iiclikeitcu der Palästinnfrage. Nach weitsciiwcifigen Erörterungen verlangt er, gleich Fritz, den Grenzschluß gegen die ostjüdische Einwanderung, will aber wenigstens eine Einwanderung der Ostjaden nach Südamerika uml den deutschen Koloiiien konzedieren. Bezüglich Palästinas tritt er für die Annahme der türkischen Vorschläge ein lind befürwortet eine ״Rationierung der jüdischen Ein- Wanderung nach Palästina“. Zu den Erklärungen der deutschen und der türkischen Regierung nimmt in den ״M ünciiencr Neuesten א ac 11 riehten“ vom lö. Januar Major Franz Carl End res in sehr bedeutsamen Ausführungen Stellung. Major Emlres weist ein- Rangs noch einmal auf die große Bedeutung hin, die die briefliche Erklärung Balfours an Lord Roth- Schild für die Juden der ganzen Welt hat. Er sagt: ״Es ist selbstverständlich, daß die Zionisteil, die seit Jahrzehnten um Anerkennung ringen, diese Entwicklung mit Freude begrüßten und nun vielleicht sogar von dir Hilfe Englands mehr erwarten, als England zu geben die Absicht hat“, ln diesem Zusammenhang wiederholt Major Endres sein schon mehrfach geäußertes Bedenken, daß ein Palästina •unter englischer Oberhoheit die Erwartungen der Zionisten in kultureller Hinsicht enttäuschen könnte. Es bestehe die Gefahr, daß die Juden Palästinas einer — englischen — Assimi- Union erliegen werden, der sic in Europa bewußt entfliehen wollen. Zu der dem Zionismus freundliehen ,Haltung Amerikas übergehend, bezeichnet cs Major Endres als einen ״pfiffigen“ Gedanken Wilsons, ״den Zionistenführer BrandcU miun Bevollmächtigten Amerikas bete Friedenskongreß zu ernennen und ihn mit den infsrniatorisclien Vorarbeiten schon jetzt zu betrauen. Wilson erreicht damit ein Doppeltes: die größte Dankbarkeit der Juden (die in Amerika in der gro* Ileti Mehrzahl zionistisch gesiiul sind) und — kräitigstc Vertretung Amerikas in allen üricnlfrageu bei (len Friedensvcrhandlungeu“. Zur 1 Erklärung der M i t te 1 m ä c h te - Re - gic rangen nimmt dann Major Endres in der folgenden Weise Stellung; ״Geueitiibcr dieser energischen Aufnahme der danisüsiäwn Wünsche auf *eiten der Fntentc (ganz, gleich*!׳iiliig, welches die inneren Motive waren) konnten die Mittvunädite nicht in ihrem Schweigen verharren. AU <׳r;.ter sprach sich Graf Czernin wohlwollend und fiir die ZionFten aussichtsreich *m. Ihm folgte d»e deutsche Reichsleitimg mit einer von Unterst,־mtssekr•* tiir von dem 11 ns sehe geäußerten, ebenfalls vvohf* wollenden Ansicht. Und trotzdem hat die Aeußerunj von dein liussches etwas enttäuschend gewirkt. 1 *!;'ißt sich alles und wieder nichts aus ihr herauslese#, Sie ist ein diplomatisch-dialektisches Meisterstück. ,Aber unsere Zeit will ein Ja! Ja! und Nein! *Nein! und was darüber ist, ist von liebe!. Fort mit allen Redensarten! Programme, kurz und bündig und so klar, da» jeder Kommentar überflüssig ist, da* sei die politische Sprache 11er Gegenwart. Freilich, wir dürfen eines nicht vergessen. Die deutsche Regierung findet mit ihrer den Zionisten freundlichen Politik einstweilen noch die größten Schwierigkeiten an den pan türkistischen Str»- mungcii in der Türkei, die in grenzenloser _ liebet- Schlitzung' des rein osmanisrhen Elementes i!n tür• kisehen Volk sich allem l'retndeit, was es auch sei und woher cs auch komme•, mit erbittertem 1 laß!׳cgeiiüherstellen. Solange diese Strömungen von politischer Macht sind, tut sich ein Freund der Türkei, der vernünftiggemäßigte Anschauungen hat und sich frei von Größen- Wahnsinn hält, viel schwerer als ein Feind, wie z. B. England, das ohne Rücksicht tut, was ihm zu tun beliebt. Es ist daher der deutschen Regierung doch von den Zionisten zu danken, daß sie wenigstens so weit in ihrer Anerkenntnis des Zionismus als politischen Faktors gegangen ist, um sich überhaupt offiziell ־zur Sache zu äußern.“ Die Erklärung des türkisches GroBweslr» charakterisiert Major Endres mit den folgenden Worten: ״Als HaiiptbeteiliRter sprach sich dann in den letzten Tagen des Dezember der türkische Großwesir Talaat Pascha sehr zurückhaltend, sehr diplomatisch in einer Unterredung mit Dr, Julius Becker über die zionistische Frage aus“. Den Inhalt der türkischen Erklärung rekapitulierend[, schließt Endres mit dem Ausdruck der UeberzcKgung, daß ״die cndgüliigc Lösung der Frage wie so vieler anderen, die das Leben Fremder in der Türkei betreffen, davon abhängen wird, ob es ver* nünftigen Elementen in Zukunft gelingen wird, de« Pantürkisnius ausztischalten oder nicht.“ Endres fährt dann fort: ״Wenn wir allerdings die Aussprüche Talaat• «ntf denen Djemal Paschas vor etwa einem halben Jahr vergleichen, können wir einen diametralen Gegensatz fcststellen. Djemal Pascha, ein ausgesprochener Pa*- türkist (All-Türke) und wilder Feind des Zionismus — Talaat ein verbindlicher Staatsmann, mit politischer Ei*- sicht und dem Streben nach Schaffung erträglicher Zu*. Stände. Klarer noch als Talaat sprach sich Achmed Nessimy Iky, der türkische Minister, aus. Er tagt*».׳ ״Nach Friedeusschluß werden solche Juden, die vom derselben Gesinnung getragen um! belebt sind, wie wir sie in unseren eigenen Juden kennen und schätze* gelernt haben, willkommene Aufnahme im türkiselten Reiche finden.“ Die Zionisten können zufrieden sein, wenn sie •uck in ihren Erwartungen nicht übertrieben sein sollen. Sie haben selbst in der Resolution vom 24. Dezember, *lic den Abschluß der großen Tagung des Zentralkomitees der Zionistischen Vereinigung für Deutschland bildete, einen Beweis _ politischer Klugheit gegeben, der sie die Schwierigkeit, die in dem Gegensalz: deutscher Staatsangeböriger und jüdischer Nationalist liegt, überwinde* ließ. Die wichtigsten Sätze, die allgemeine Beachtung verdienen, sind im 3. Absatz der Resolution enthalt«* und lauten: ,Die Zionistische Vereiniiping für Deutschland erklart feierlich, daß die zionistische Bewegung nach de* Worten Tneodor Uerzls von dem Wohlwollen «Her Machte und aller Völker getragen werden muß. Die zionistische Bewegung widerspricht keinem Interesse irgend enter Macht oder׳ irgend eines Volkes, sonder*?ic,..H,cnt durch ihr friedliches Kolonisationswerk iu alustma den Interessen der gesamten Kuiturmenscliiieit. a'i 1■ 1lf Heben der Hoffnung Ausdruck, daß e* »lern Aktionskomitee gelingen wird, die Zustimmung aller Großmächte und insbesondere der Türkei zur Durchfulmmg der zionistischen Bewegung erlangen‘.“ Und Endres schließt seine Ausführungen wlt \* l n m₪L ״ — . ® den Worten: Piis’um* dc.r §roß5n die eine Besiedelung Palästinas durch die Zionisten für die wirtschaftliche« Verbindungen Deutschlands mit dem Orient hat, vertticnt das I roblcm de» Zionismus guda fernerhi« <ie Beachtung deutscher Politiker.“