Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIII (1918)
- Issue
- Heft 3 (18.1.1918)
- Date
- 1918-01-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Jahrgang Sch’bat 5078 ''1ד«זדדז»5יי/ז3." r rtraRtß *.ur.1*׳ pi Nach der deutschen Erklärung Die Erklärungen der liirkisclien und der detit* sclien Regierung bezüglich der zionistische» Bedrebunge» haben iin der d e u ts c 11 - j ü d i s c Si 0 » Presse große Beachtung und /־.ustinunemle Alterkennung gefunden. Vor allem sind es die zionistisehen timl die dem Zionismus nahcsSelieiulen Zeitimgen, die. die Erklärung der beiden Regierungen׳ warm begrüßt haben. Die ״H a m b u r g e r J ii d i s e 11 c n N a c h r i c 11־ teil“ schreiben: ״Der zeitliche Hintergrund beider Kundgebungen verbietet uns die überschwengliche Aeußerung eines Cilüeksgefühls. Dennoch muß die Wärme in beiden Erklärungen;mit aufrichtiger Cieimghmiig begrüßt werden. Zur rechten Zeit hat die Türkei sieh von neuem zu ihrer alten Ueberliefe! 1111g des Wohlwollens gegenüber den Juden bekannt, das sich jahrhundertelang von manchen Nationen vorteilhaft abhob, die Träger der enro-, päiseheit Zivilisation sein wollten, l-äßt auch die Behutsamkeit der Zusagen an einigen Punkten den Wunsch nach einer weitherzigen Auslegung solcher Begriffe aufkommen, die in Zukunft in der Vcrwallungspraxis streitig werden könnten, so Italien wir und, wie wir hoffen, mit uns die gesamte auf die Erhöhung der kulturellen Geltung des Juden- Urins bedachte Judeiiheit, vor allem aber alle Paläsiin,:!freunde, allen Anlaß, der Türkei von gnu/eni) Herzen Dank zu wissen, und dafür zu sorgen, daß mit dem letzten Rest des Mißtrauens auch die lei i lemnniiig schwinden möge, die eine wahrhaft autonome Siedlung int Lande der Väter hindert.“ Das orthoclox-zionislischc ״P r a 11 k f tt r t c r I sracli tische Fa!11 i 1 i e 11 b 1 a 11 und die konservalive Wochenschrift ״Die Jüdische Presse“ nehmen in einem gleichlautenden Artikel zu den Erklärungen der Zenlralrcgierungen Stellung. Sie versichern, daß das ganze jüdische Volk die Tat- Sache, daß die türkische Regierung sich für die historischen Paläsliualmffnimgeii der Juden ausgesprachen hat, mit aufrichtiger Freude zur Kenntnis; nehmen wird, da sie ihm die Möglichkeit gibt, die Bahn aufrichtiger Verbundenheit mit der Türkei( und der unbedingten loyalen Gesinnung ihr gegenüber auch weiterhin unbeirrt zu beschreiten. ״Mit Hoffnung■ und Zuversicht“, so heißt es hier, ,,schaut das Judentum auf die weitere Entwickelung diese; Stadiums und ist überzeugt, daß, was Talaat Pascha i!1 so schönen Wollen gesagt hat, nunmehr auch durch Taten und positive Maßnahmen der türkischen Regierung bekräftigt und bestätigt werden wird. Audi luiisichtlich der deut- :;dien Regierungserklärung wird anerkannt, daß sic innerhalb des jüdischen Volkes die stärkste Befiiediguiig ntislösen wird, ״das mit Dankbarkeit fesistelieii wird, daß Dcutsdiland Verständnis und Y/olihvollen für seine Wünsche und Hoffnungen 1» -it. t und bereit ist, ihre Verwirklichung zu uutcr.4iitz.e11. Die Gefahr, die nach der englisdieu Erklärung darin bestand, daß das jüdische I Volk von seiner bisherigen neutralen Haituug j gegenüber den Mächtegruppen abgebracht werden! komiic, sei miamdir endgültig beseitigt. ״Es ist klar“, fährt der Aufsatz fort, ״daß von der deutsehen Erklärung dasselbe gilt wie von der türkischen, daß auch sie ■einen Anfang darstcllt und weitere positive Bekräftigungen dieser Erklärung zu erwarten und z.u erhoffen sind.“ Auch die niehl-nationale deutsch-jüdische Presse hat die Erklärungen der beiden Mächte mit Wohlwollen und Anerkennung aufgenommen. So schreibt der ״Israelit“, das Frankfurter Organ der deutschen Orthodoxie: ״Namentlich 'die gc- .setzestreuen Kreise der Judenbeit im ganzen deinet der Mittelmächte werden cs als eine wahrhafte Beruhigung betrachte», daß nunmehr die bisher von türkischer Seile der freien Entfaltung der ju- . disc'hcn Einwanderung .entgegengesetzten Minderiiisse beseitigt zu sein scheinen und werden um so lebhafter bemüht sein, bei der kommenden; Neuordnung der Dinge ihren .moralischen Einfluß dafür in die Wagschale Zu werfen, daß das alte Land im Rahmen des osmanischen Reiches als idealer Mittelpunkt des Gesamtjudentums seine alte Stellung behält.“ Das ״Hamburger Isracli tisch'■c Familienblatt“, dessen prinzipiellc Stellung zur Palästinafrage wir in der letzten. ״Der Zionismus die Scb.iffunjJ zltu.r CffcnlJfch-r Heinnt.'dlc in P.ilJsfSnn," irebt für de» Jütlitclic Voll* cailieh gesicherte» '׳.-«cler frojiramm. Nummer mitgcteilt haben, kommentiert die deutsehe Regierungserklärung mit den folgenden Worteil: ״Mit dieser Erklärung bat sich die dcutsch'a Reiclioregii-ning im Gegensatz zu den leeren Versprednmgc» der Entente erfreulicherweise statt auf ein spezifisch zionistisches Programm in den bcrührten Fragen auf ein von der gesamten Judenheit von jeher gebilligtes und gefördertes verpflichtet.“ Diese einseitige Deutung der deutschen Erklärung darf nicht unwidersprochen bleiben. Scheinbar ist es dem ״Hamburger Israelitischen Familienblatt“ entgangen, daß einerseits iiulerdeutsclicu Erklärung von den ״von der JtuienliciR insbesondere von den Zionisten verfolgten Bestrebungen“ in Palästina die Rede ist, und daß andererseits auch Bnlfours Brief an Jjord Rothschild ausdnicklieh von den j ii d i s c 11 -z i o 11 i s t i s ch e n Be« Strebungen spricht. Der von diesem Blatt schon mehrfach gemachte Versuch, /.wischen zionistischen und nielilzionistisdiCH Bestrebungen in Palästina einen Gegensatz zu konstruieren und auf Grund eines solchen Gegensatzes eine eigene Palästina- Politik atifbatien zu wollen, muß als auf Voraus- Setzungen, die der Wirklichkeit nicht entsprechen, gestützt mit Entschiedenheit zurückgewiesen werden. Von .den jüdischen Zeitungen des Auslandes liegt vorerst nur die Aeußerung der 11״ az.c f i ra“, des in Warschau erscheinenden offiziellen Organs der polnischen Zionisten vor. Die ״Hnzcfirn“ schreibt unter anderem: ״Die Erklärungen von seiten der Palästina beherrschenden *und der an de«• Fuitz״ der Zentralinädilc sollenden Macht sind äußerst bedeutsam, sowohl hinsichtlich ihres In-!falls durch die in ihnen erklärten Rechte, als auch durch ihre Formulierung, die eine Bekundung des freundschaftlichen Wohlwollens den Juden gegenüber und die Anerkennung ihrer fruchtbaren Arbeit in Palästina darstellt. Diese Erklärungen werden zweifellos auf die jüdische Weit einen großen Eindruck machen und ihre Wirkung auf die Stärkung der palästinensischen Bewegung wird groß sein.“ Das Blatt, das gewisse Bedenken über die Deuhuigsfähigkeit des Begriffs der ״Aufnahmefähigkeit des Landes“ und der nicht näher bestimmten Selbstverwaltung äußert, schließt seine Ausführungen: ״Der Großwesir versprach am Schluß des Interviews, daß vdie türkische Regieruug den Juden wohlgeneigt ist und daß sie bereit ist, alle sie betreffenden Fragen mit ihrem stets bewährten Wohlwollen zu behandeln“. Dieses Versprechen gibt der Zionistischen Leitung die Möglichkeit, alle ihre Forderungen der türkischen Regierung, die sic wohlwollend erwägen wird, vorzulegen, und cs stellt zu hoffen, daß schließlieh ״die Juden .'Ule ihre gerechten Wünsche in Palästina erreichen werden.“. Aeußemugen der deutschen Presse, die fast ausnahmslos die beiden Regierungserklärungen veröffentlich! hat, liegen bis jetzt nur j.n geringer Zahl vor. Die wichtigste bis jetzt laut gewordene1 den Ische Stimme ist der Aufsatz von Maximilian Harden in der ״Zukunft“ vom 12. Januar, über den wir im folgenden Artikel ausführlich rcferiert haben. Aus den sonstigen bis1 jetzt vorliegenden deutscheu Pressestimmen heben ,wir die Stellungnahme der Chemnitzer ״Volksstimme“ zur türkischen und deutschen Erklärung hervor. Das sozialistisehe Organ erklärt, daß die beiden Regierungs״׳ äußernngcn erkennen lassen, ״daß die Regierungen der Mittelmächte allmählich die Bedeutung des zionistischen Problems über den engeren Kreis des! Judentums hinaus zu Verstehen beginnen, und auch’ eiusehon, daß nur ,weitherziges Entgegenkommen an die zionistischen Wünsche den wahren Interessen der Türkei und des nicht nur für die Erhaltung, sondern auch für die Aufwärtsentwicke- Jung der Türkei sich jeinsetzenden deutschen Reichs) gerecht werden können. An diese Feststellung knüpft die ״Volksstimme“ noch Betrachtungen über die Wahl des Zeitpunktes, Zu dem die Zentralmächtcrcgicmngcn ihren Sympathien für den Zionismus Ausdruck gaben •und (äußert die Befurchtung, daß ״die türkische und mit ihr die deutsche Regierung mit der Anerkennung der zionistischen Wünsche so lange Zarüekgehalten haben, daß cs nun fast den Anschein hat, als gewähren sie nur, ,׳was sic ja doch nicht inehr verweigern zu können glaubten“. Trotz dieses Bedenkens erklärt die ^Volksslitnmc“, daß sie die Stellungnahme der maßgebenden Instanzen für außerordentlich erfrcuiieli halte und• auf diese ausdrückliche Fest- Stellung Wert lege. Zu diesen Ausführungen möchten wir bemerken, daß die von der ״Volksstimme“ geäußerte Befürchtung, daß der Zeitpunkt der Abgäbe der türkischen und deutschen Erklärungen ihre Wirkung abschwiichcn könnte, im Vergleich zu der großen Bedeutung des Inhalts der Erklärungcii in den Hintergrund tritt und daß das Wesentliche an diesen Erklärungen doch in der Tatsache zu suchen ist, daß beide Regierungen ihrer Zustimmung zu den zionistischen Besirebungcii in einer offiziellen Form Ausdruck gegeben hüben. * Der in der letzten Nummer der ״Jüdischen Rundschau“ erschienene Leitartikel, der zur deutsehen Regierungserklärung Stellung nimmt, irt durch das Wolf fsche Telcgraphcnbüro im Auszug Verbreitet und von den großen Tages- Zeitungen veröffentlicht worden. Die ״Norddeutsche Allgemeine Zeitung“ bringt in ihrer Nummer vom 13. Januar unter dem Titel ״Die zio 11 is tisclie Frage“ folgende Mitteiluiig: ״Berlin, 12. Januar. In der Erklärung des Auswärtigen Amts vom 5. Januar ist die Absicht der Kaiserlich Osmanischen Regierung begrüßt worden, die aufblühende j ii d is c 11 e S icd- 111 n g in Palästina durch Gewährung von freier FimY;ü,׳b,n>ng und Niederlavi'ng, von Art- Ücher Selbstverwaltung und freier Entwicklung ihrer kiilturellcn Eigenart zu fördern. Die ״Jüdische Rundschau“ bezeichnet diesen Schritt als ö f f c n 11 i c h e Z 11 s t i m m u 11 g d e r d c 1t t s c h c n Regierung zu den zionistischen Bcs t r e b 1111 g e if 11ml ist überzeugt, daß diese Kundgcbuiig in den weitesten jüdischen Kreisen freudigen Widerhall wecken wird. Im Zusammenhang mit den Acußcntngcn des Grafen Czernin, daß die österreichische Regierung den zionistischen Bestrebungen mit Wohlwollen gegenüberstehe und sie zu fördern bereit sei, und der amtlichen Auslass tut g des Großwesirs Talaat Pascha kann nunmehr von einer einheitlichen Stellungnahme der Zentrahnäichte zugunsten der zionistischen Frage gesprochen werden.“ Harden über den Zionismus Maximilian Harden vom 12. Januar anläßlich hat in seiner ״Zukunft“ der deutschen Regicnmgscrklärting über den Zionismus einen Aufsatz geschrieben. Mit großer Genugtuung können wir konstatieren, daß Herr Harden sich in seinem Aufsatz, den er ,,Zwischen zwei Weiten“ nennt, und dessen erster Teil ״Ncu-Jerusalem“ sich ausschließlich und in wohlinformierten Ausführungen mit den! Zionismus befaßt, in sehr günstigen; Sinne für den Zionismus und seine Verwirklidumgsmögliclikeiteii ausgesprochen hat. Harden beginnt mit der bekannten Erklärung Ba!־ fuors und konstatiert, daß aus dem Telegramm, das das Kopenhagener Büro der Zionistischen Organisation an die Leiter der englischen Föderation anläßlich dieser Erklärung gesandt hat, ״nicht übersclnvingende Emphase“ spricht. ״Für Millionen armer, für Flunderttauscmle im Besitzfecht vorgerückter Juden hatte Balfours Ankiindigimg den hellen Klang lange erharrter Messiasbotschaft; bleibt der Tag ein aus der Weltgeschichte nie mehr zu tilgender, der Großhritaniens Entschluß hörte, die ganze Reichsinacht für die Judensadhe ein zusetzen.“ Ein längeres Zitat, das Harden aus dem Aufsatz der ״Jüdischen Rundschau“ folgen läßt, der sich '1^ Jerusalems beschäftigt, und die berechtigten jüdischen Ansprache auf Palästina formuliert, begleitet er mit dem kurzen Satz: ״Darin ist kauin ein Wort widerlegbar.“ Haidens Aufsatz, befaßt sicli mit der wichtigen 1 rage, ob für die zionistischen Bestrebungen die Zu- Stimmung aller Völl!cr crlangbar sei, ein Ziel, das sich bekanntlich die zionistische Politik gesetzt hat. Es gereicht uns zu großer Genugtuung, daß Harden diese Zustimmung aller Völker zu den zionistischen Fordenu!- gen für durchaus möglich hält. ״Gewiß ist die (Zu- Stimmung) der Vereinigten Staaten, die stolz auf die Förderung jedes Versuches sind, die Bäche und Ströme