Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIII (1918)
- Issue
- Heft 1 (4.1.1918)
- Date
- 1918-01-04
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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./׳ ר־־׳ז V.:. c. 7 1; j /■ Redaktion and Verlag Jüütcchc Ruatischau, Berlin W. 15, S»"<5:,i5.0׳,׳ glr,,!;::ö »diemt woclitntl. am Freitag. Abonnement bei der F.ipaditioa u:!ü׳ bei alkn Po:•:'.' vieridjährl. Mk.3,25 iu Deutschland, in Oe;.tcrreich-U3j,־arn Itr. 5,50 i:;•, A'.ute.nd 55 .15,55־'), iJc:.l5:־: ..',!.onto: Berlin i'*r. 1/332. 1׳ fir Ocjic.a ■׳.. -•t ,3.־, t״c.V!׳.<.nti» »■!.135050 ,־. Aar,ci;;c2. die st :!;ד,־־mpsllctio Bt ..*•! Bl, '15.!זr.;•;5.'..״ J rj 20״/״. Rcd,!!.*i:nr.־cJ:lüö Die:1r,*בל . •.׳■נ1 ~.״, Kummer 1 Berlin, den 4. j:au:ar 1911 JL t׳ . ~1 -״ v IC7J XXIII. jahrt Der Zionismus oratroMfdv das JLdI3c!10 Veile c*,30 Ccha* -.1rte:3 la Pc’ScIIbr. ״EnscJoyPrejjjraoa“ 4׳ v■' ir־־־. as—m—bsm—^mmbss— ^jrs o® f'i״! p׳״״־׳ c) 0 -־׳J // »ן־ן ך״־־>י>ץך^^ 1׳ •f* ך? iTte/te ,Ba itfc 1 “'■*wX׳ lieL * * c y *~* Ab* An* '*»■-. - A". tl fl MX/<.׳•/ ♦!־ X £־' ' 5 t< ״־ ן 1 ' f 3'vxCx 4 .!!»»*ו «t . 4יזד* ..... bciiaan: k-asckia tf״ i Dr. Julius Decker, der sich auf Ein■ iadung der türkischen Regierung nach der Türkei ־ begeben hat, um als Mitglied einer jüdischen Kommisssion nach Palästina zu reisen, wurde von Seiner iloheil dem Gro.'Jwcsir lalaat Pascha in besonderer Audienz empfangen und berichtet hierüber in der Abendausgabe der ״Vossischeu Zeitung'‘ vom 31. Dezember balgendes; Konstantinopel, im Dezember 1017. Bei der Neuordnung Europas, ja der ganzen Welt nach dem Kriege verlangt naturgemäß auch ein Problem seine Erledigung, bei dessen Erörterung man sieh früher gern mit einigen Redensarten aus der Verlegenheit geholfen hat, das jüdisdtc Problem. Audi in der deutschen Presse hat die Behandlung der zionistischen Bestrebungen in Palästina in letzter Zeit breiten Raum gewonnen, und es wurde besonders die Frage aufgeworfen, wie sidt;die türkisdtc ׳,Regierung eigentlich zu diesen Bestrebungen verhalte. Jdi hielt es deshalb für arigezeigt, midi bei der kompetentesten Stelle, dem Leiter der türkisdien Regierung selbst, über die Stellung der Kaiserlich oüomanisdun Regierung zu dieser Frage zu erkundigen, Durdi die liebenswürdige Vermittlung unseres hiesigen Botsdiafters, des GrafcnOernstorf fs, der ja aus seiner langjährigen amerikanischen Tätigkeit!her einen groben Teil des jüdischen Problems aus eigensl־.׳r Anschauung kennt, wurde es mir möglich, Seine Hoheit den Orofhvesir Talaat Pascha über die für die jüdischen PaULstinabcstrebuiigcu wichtigsten Punkte zu befragen. Den wesentlichen Teil dieser Unterredung gehe idi hier wieder, und ich darf darauf hinweisen, daß die türkisdic Regierung während des' Krieges hier zum ersten Male sich zu den gerade jetzt so aktuell gewordenen zionistisdien Zielen äußert. Aus diesem Grunde dürfkn die Erklärungen Talaat Pasdias jetzt nadf dem Briefe Balfoursj und 'der zionislonfreundlidien Acußerung des Grafen Czcrnin, die er jüngst dem Berliner Zionistcnführer Dr, Hantlcc gegenüber getan hat, besonderem Interesse begegnen. Das Gespräch mit dem Großwesir, der midi in seinem Arbeitszimmer in der Hoben Pforte in Gegcnwart des Scheich ul Islam auf das Hebenswürdigste empfing, verlief prn einzelnen folgendermaßen: ״Eure Hoheit waren so liebenswürdig, mir auf Empfehlung des Grafen Bernstorff diese Unicrrcdüng zu gewähren und sind wahrscheinlich auch über den Zweck meines Bcsudics unterriditct. Ich halte die Absicht, mich auf Grund der freundliclien Einladung der ottomanischen Regierung nach Palästina zu begeben, um midi an Ort und Stelle über die Luge der Dinge zu unterrichten. Meine Reise ist nun leider durch die militärischen Erägnissc unmöglidi geworden, und ich wäre sehr dankbar, wenn Eure Hoheit mir Ihre Ansicht darüber mitteilen wollten, welche Haltung die Kaiserliche Regierung in Zukunft gegenüber den jüdisdicn!Bestrebungen (in Palästina einelvmen Wird.“ ״Wir waren stets von den besten Gefühlen für unsere jüdisdicn Mitbürger beseelt, und die Juden unseres Rcidies waren uns immer ebenso lieb wie unsere anderen Bürger. Die Türkei ist ja das einzige Land, das nie eine antisemitische ,Bewegung gekannt hat, wie Sie sie iu allen anderen Ländern finden. Bei uns hat cs nie judenfeindliche Regungen gegeben, die auf die Politik unseres Laudes hätten .Einfluß gewinnen können.“ ״Das ist mir wohlbekannt, und es wäre eben ' gerade in der gegenwärtigen, politischen Situation interessant, wenn die türkisdie Regierung erklären; .würde, daß sie die kolonisatorische Bewegung der Juden in Palästina Wohlwollend betrachtet.“ ״Diese Bewegung besitzt das Wohlwollen der Regierung bereite, den» sonst wäre ja GERMANIA JUDAICÄ. Kölner Biö'ioinek m Qaschiuutt des deuLcheo Judentum• 73־־ die Entstehung und das 0;י!!״־!'־- deinen der beute bfilhenden jüdisdicn Kolonien in Palästina bisher ,cdion unmöglich gewesen. Frcilidi stehen wir auf dem Standpunkt, daß wir den Juden keine Vorrechte vor unseren anderen Bürgern ci [träumen können.“ ״Eure Hoheit haben zweifellos den Brief Mister Baifours an Lord Rotlndiild gelesen, in dem der der englisdic Minister im Namen seiner Regierung eine nationale Heimstätte in Palitetiua verspricht.“ Hier unterbradi •midi der Großwesir und warf ein: ״Mais c'cst une blague!“ ״Wohl möglich, Hoheit, aber dieser Brief liat dennodi einen großen Eirulaidc auf die öffcntlidici Meinung der ganzen Weit hervorgerufen.“ ״Ich bin fest überzeugt, daß!linier diesen Verspreclumgen nicht einmal!ernste Absichten stecken- 1England schreibt an pord Roüssdiild, wie cs an den Sdieriff Hussein geschrieben hat, und am Ende wird es nichts geben, weder Hussein, nodi den Juden. Sein einziger Zweck ist, Sympathien Zu gewinnen und die Juden der ganzen ,Welt für die Ziele der Entente einzufangen.“ ״Darf idi Eure Hoheit darauf aufmerksam!tudien, daß iu derb Brief Baifours kein Wort gegen die türkisdie Regierung enthalten ist? Idi habe Grund, aimindnncn, daß dieser auffällige Umstand ..inf den Fiufi'iÜ der e:5׳,ii׳-.'!cn /.’!׳.ote teil zurückzuführen ist, die also, obwohl gute Engländer, sich doch ab Zionisten durchuua loyal gegenüber der ottomanischen Regierung verhalten.“ ״Gewiß, das habe idi bemerkt, und Ich Habe cs and! der Loyalität der Zlonisten Zugeschrieben. Uebrigens ist cs nur klug von den Zionisten, wenn eie sich uiu.f von der Entente 1113 Sdileppiau nehmen lass:“.!״ ״Wäre'es nun nicht in "glich, ,daß die Türkei den jüdischen JKoio»Ea(!onr/;,*elrcbungen (in Paliir.tina iu weiterem Umfange ab bisher entgegenkäme? Bis jetzt' haben doch gewisse admiiiistralive Beschränkungen bestanden, die sich vielfach der Ausbreitung der Kolonisation liindcrlidv erwiesen. Könnten diese nicht in Zukunft iu Wegfall kommen?“ ״Wenn die ottomantechc Regierung bisher zu gewissen Einschränkungen!gezwungen ׳war, so hatte das seinen Grund darin, daß die Juden, 'die nach Palästina erwanderten und zum größten Teil aus Rußland kamen, infolge den .Widerstandes ihrer Regierung notgedrungen ihre rttssbeha Staatsangeliurigkeit beibehielten. Daraus ergab sieh dar ganz anormale und für uns natürlich sehr uncr* wiinsclite Zustand, daß ein großer Teil der Bevölkenmg nidit olteuinnicekc Staaiaangcliörige v/arcn. Besonders lästig wurde dieser Zustand aber dadurch, daß unter der־ Herrschaft der Kapilulationen und der Konruilargc ric1!tebarkait die fremden Untertanen der * C. V. der türkisdien! Gerichte entzog Cni V/fcliv'II Ui»u eich bei jeder Oelegenheit hinter ihren Kon - «X ״tu vcr.״chanztcn. Die Konsuln ihrerse fs suchten di׳ wc* Situation aus zubeuten, um ihre Stellung zu xli ahoi, Und die folge waren immer 11 eue Konti;! tC zw Lehen ihrer Regierung und tlei türkir.rhen Be Iiörds'ti. Es ist klar, daß solche Verl! ilidaae uns nie lit befriedigen konnten, und daran 5 erklärt ei cif riiandie Maßnahme zur Beschränk!!!! g der jndteej ICO Kolonisation. Nachdem jetzt gliicl;!Id;cr\vc:':o 11 a Tili!:ci von dein Alp der Kapiiu;Konen rot i d r mit auch der Konsulargeriditebar!;eit bat. it ixt? 1״x (1 \v1r xlr.o cuc« WiedcrbiOhmg d iC..'Ci 1« ■־ 1:׳'' _ ,. c 0;.n Vorirommnisse nicht mehr zu -v/ird es mög , ־׳. lieh sein, v •>־ ־: :: d i co; L- 0 a cu rö nIran gen ab zu s ehe 11. -raur.:,etn:ug da'־ V ג. für immer, daß t ■:0 J'.i'Kn, d' b -n.r.le dauernd nicderlarsen wo 1 - . r * ■ * ן -■■־■ 1 * - * u ״' ׳'sr.iigehörig- י keit aufgeben, V X 5 h) k ■ «:.! 151: .gl״'"S V, . ' ■ *Zu den und alle Pflichten zu erfüllen, die mit di«tfer Staatsangehörigkeit verknüpft sind.“ ״Würden Eure Hoheit nun noch vielleicht die Liebenswürdigkeit haben, sich zu den wichtigsten Punkten, die die Zionisten für ihre Arbeit in Palästina erstreben, im pitw reinen zu äußern, vor allem zu der Frage der freien Einwanderung und der ungestörten wirtschaftlidtea Entwicklung?“ ״Was die Frage der freien Einwanderung aalangt, so sind meine eben abgegebenen Erklärungen ja schon die Antwort darauf. Es versteht sich von selbst, daß jede Einwanderung sieh in den natürliehen Grenzen der derzeitigen Aufnahmefähigkeit des Landes halten muß, und cs wäre unmöglich, wenn etwa mit einem Male Hunderttausende isadi Palästina einwandern wollten. Diese׳ könnte Das Land ja heute gar nicht ernähren, ln ihrer wirtschaftlichcn Entwicklungsfreiheit haben wir die Jui den in Palästina niemals beschränkt. Im Gegenteil, wir wissen das, was in Palästina von den Jacka auf wirtschaftlichem Gebiete geleistet worden *st, sehr wohl zu schätzen.“ ״Es käme weiter in Betracht die Frage der freien Betätigung der Juden auf geistigem Und fortturellem Gebiete.“ ״In dieser Beziehung haben sich die Juden schon bisher nie über uns zu beklagen gehabt. Sie haben in den Städten sowolil wie וזי der. Kolonien ihre eigenen Kindergärten und Schulen gehabt, Und sogar in der Begründung eigener hollerer Schulen haben wir ihnen niemals Schwierigkeiten gemacht^ Ich glaube, daß die Juden in keinen» anderen Lande sich auf diesem Gebiete so frei bewegen konnten wie bei tms. Sie haben in allen ihren Schulen völlige Freiheit genossen, in ihrer eigenen hebräischen Sprache zu unterrichten;und siel» dieser Sprache auch sonst zu bedienen,;wo sie nur wölb ten. Ebern» ist ihnen niemals in der Verbreitung ihrer Zeitungen und ihrer Literatur ein Hindernis in den Weg gelegt worden. Und was die freie 'Aus- Übung ihrer Religion anbclangt, so werden die ju« den, wie in der Vergangenheit, so auch in der Zukunft, niemals belästigt werden, was übrigens bei unserer bekannten Toleranz gegenüber allen nidit muselmanischen Bekenntnissen . 6clbKtvcrstia1dlidi ist.“ . ״Glauben Eure Hoheit sdilicßlich, daß e® tr.'Gglieh sein wird, den Juden in Palästina eine gewisse Selbständigkeit in der örtlichen Vor׳־ waltung zu geben?“ ״Da muß ich zunächst wiederholen, wa3 ich schon vorher sagte, nämlich, daß es Uns unmöglich’ ist, den Juden ärgcndweldie Vorrechte zu geben. Sie können rmr dieselben Redite genießen wie alle unsere anderen 'Staatsbürger. Aber wir haben ja bereite in unserer jetzigen Gesetzgebung ein ziem• lieh w'citgclienden Sclbstverwaltinigsreciit der Gemeinden, und in einem neuen' Gesetzentwurf, den wir eben jetzt im Parlament vorlegen, beabsidttigen wir, hierin noch weiter zu gehen. Die örtliehen 'Gemeinden und Vilajets (Provinzen) sollen! noch ■mehr Selbständigkeit erhalten a!s sie bisher schon haben, ln diesem Rahmen werden meines Eraditcns auch alle berechtigten Wünsche der Juden in Palästina ihre Erfüllung finden können.“ ״Würde die türkisdie Regierung bereit sein, die Sclbstvcrwaltungsrcchte der Juden in Palästina durdi eine entsprcdiende Einteilung der (Verwah tungr.bezirke zu fördern?“ ״Nach dem neuen Gesetz werden alle Gemeinden von 5000 Einwohnern und darüber das Recht der Selbstverwaltung haben, und audi die kleineren jüdischen Gemeinden können stets auf das Wohlwollen der ottomanischen Regierung rechnen. Im! allgemeinen kann idi Ihnen die Versicherung geben, daß miser# Regierung den Juden wohlgeneigt ist, Angofertlgt Im Auftrag des ElgenlOmer» gemäB den Bestimmungen der §§ S3,54 UrhQ vom 0.0.1065 Manufactured on Cuatomar'a Demand Produotlon aur demande