Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXII (1917)
- Issue
- Heft 11 (16.3.1917)
- Date
- 1917-03-16
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Die Exekutixe beschloß, zwei Delegierte von Win- 11/peg zu entsenden, die die Konferenz, der West- C a 11 a d i s c 11 e 11 Jutleii zu vertreten haben werden, zwei Delegierte, die die T o r o 111 o Organisationen, ,mul zwei, die eien <'. a n a d i s c 11 - J ii (lischt• 11 D c - I e g i e r t c 11 A u s seli 11 li vertreten sollen. Der KongrelS in Canada wird wnhrselieinlitli etwas später als der amerikanisch-jüdische Kongreß abgchalten werden. Auf dem K o 11 g r e ß p r og r a m in der Oanadisehen Juden stellen: eine Nationale Anleihe, Palästina als I leimstiitte für die jüdische Nation, politische, bürgerliche und nationale Rechte für die Juden aller Länder, die Bildung einer Kommission, die zu untersuchen haben xvird, welchen Beistand die Cunadisclie Regierung der Förderung der Jüdischen Imniigration mul der Jüdischen Kolonisation in Canada gewähren kann. Bericht des Joint Distribution Committee Die folgenden Beträge wurden im Laufe des Monats Dezember 1010 vom Joint Distribution Commit t ec in die verschiedenen Länder gesandt: Für die rumänischen Juden Doll. 10 000,00 Ftir die Juden in Tunis und Algier tl ■I 000,00 Für die Volksküche von Nathan SIimus, Jerusalem ft 2 000,(Ni 1111־ liifkisclie Juden (Flüchtlinge in Spanien tt I 000,011 Zur Hilfe nach Bulgarien 6 11011,(1:1 Monatlicher Beitrag für die Juden in der Türkei (außerhalb Palästinas) 000,00 ג Monatlicher Beitrag für die Volksküchen von Frl. Drevfuß in Jerusalem »» 1 000,00 Monatlicher Beitrag ftir Wohnung, Kleidüng und Nahrung notleidender Juden in Palästina 30 000,00 Zur Hilfe in Polen und Ulanen M 2 SO 000,00 Mazzoflt für Alexandrien durch U. S. A.- Schiff ״Caesar" ז* 1 332,00 Zucker und Reis für Syrien durch U. S. A.-Schiff ״Caesar" 1 210,01) Insgesamt 1)011. •112 012,00׳ Offener Brief an einen f ״guten Zionisten“ Wir veröffentlichen den folgenden ״nlfenen Brief" unseres geschützten Mitarbeiters, wenn wir auch nicht in allen Punkten dem Verfasser zustiiumen. Besonders glauben wir nicht, daß es Zioiiisteil gibt, die aus Gründen der Unzufriedenheit die Feistling zioiiislischcr Steuern verweigern. Mein Lieber I Als ich neulich den Aufruf der ״Zionistischen Vereitiiguiig für I )rutsclilaml" erhielt, der um die Entliehhing tles vom I h’legierteiilage beschlossenen /weilen ״Kriegsbeitrages“ ersuchte, nahm ich mir in einer freien halben Stunde die Ausweise vor, die die ״Jüdische Rundschau“ über den ersten Kriegsbeitrag gebracht hatte. Das war ein wenig erfreuliches Studium! Vor allem darum, weil ich da manchen Namen fand von Freunden und Gesinnungsgenossen, yon denen wir leider den zweiten Kricgsbcitrng nicht mehr erwarten können. Denn inzwischen hat das grause Geschick des Krieges sie ereilt. Sie ruhen bereits in Frieden. Wir dürfen und werden cs ihnen nie vergessen, wie treu sie zti unserer Sache gehalten und wie die Mühsal und die Strapazen des Feldes sie nicht gehindert haben, auch diu daneben wirklich kleinen materiellen Opfer zu bringen, die unsere Organisation von den in ihr Geeinten fordert. Sie haben sich nicht gedrückt, in keiner Beziehung, Was das Studium jener I Isten jedoch nneli uner• freulichor, unaugeiiduiier machte, war, daß ilnrin so viele Namen von (icsiiiiniiigsgctiosseii fehlen, die sich selbst für ״gute Zionisten'' halten und als solche an* gesehen zu werden beanspruchen. Auch Deinen Namen, mein Lieber, fand ich dort nicht verzeichnet. Erinnerst Du Dich vielleicht noch, wie fein Freund Blumenfeld über de« Begriff ״guter Jude“ zu spötteln pflegt, jener Kategorie von Staminesgenossen, die sieh seihst unter diese Bezeichnung rubrizieren, — die zu nichts verpflichtet, die so wenig kostet? Sei mir nicht böse, wenn ich Dir gestehe, daß ich unwillkürlich daran dachte, als Du Dich neulich einmal als ״guten Zionisten" bczcichnctest, allerdings mit einem anhängemlen ״aber . . .“ Ja ja, ich weiß, lieber Freund, Dir gefällt so manches nicht, wie es unsere jetzige Leitung macht. Du gehörst zu denen, die sich jetzt in einer Opposition befinden. Du würdest es anders und gewiß besser m.iclien, und Durch einunddreissig Kriegsmonate ist es gelungen, die zionistische Arbeit in Deutschland auf rech tzuerhalten, unsere Idee in der allgemeinen Ocffcntlichkeit immer stärker zu propagieren und neue Friunde unserer Sache zu gewinne!.. Der Ausserordentliche Delegiertentag in Berlin war ein treues Abbilr d ir starken Energien, die trotz aller äusseren Schwierigkeiten im deutschen Zionismus lebendig geb) >.£ en sind. Wir alle fühlen dir. Verpflichtung, die Arbeit für den Zionismus auch in allen kommenden Krie«;י• monaten mit gleicher Kraft und Entschiedenheit fortzuführen. Der Krlegabeitrag, den wir vor i',a Jahren eingehoben haben, hat uns die Möglichkeit zur Arbeit gegeben. Unsere Mittel sind vollkommen erschöpft. Ausser unseren laufenden Einnahmen an Landesbeiträgen und für den Propag:! .dafond ist eine nochmalige Einziehung des Kriegsbeitrages unumgänglich notwendig. Der Ausserordentliche Delegiertentag hat daher einstimmig folgenden Beschluss gefaßt: ״Ei wird beschlossen» für das Jahr 1917 wiederum einen Kriegsbeitrag zu erheben.14 In Ausführung dieses Beschlusses bitten wir Sie, uns auch diesmal Ihre Beihilfe nicht zu versagen und uns den Kriegsbeitrag einzusenden. Die Mindesthöhe ist auf 6.— M. festgesetzt, wir müssen aber darauf rechnen, dass diejenigen unserer Freunde, denen des möglich ist, einen erhöhten Beitrag einsenden, um so einen Ausgleich für die zu schaffen, die heute trotz besten Willens nicht in der Lage sind, Beiträge zu leisten. Zionistische Vereinigung für Deutschland Berlin W. 15, Sächsische Straße 8 Der Vorsitzende: Dr. Hantke darum stellst Du auf dem Standpunkt, — ja gib cs nur ruhig zu, Du stehst auf diesem Standpunkt, denn Du handelst danach: diese Regierung nicht finanziell zu unterstützen. Du bist, was man so nennt, ein Steuerverweigerer. Und Du glaubst natürlich, damit sehr gescheit zu handeln. Nun willst I>11 doch gewiß, daß sich einmal unser Ideal verwirklich!; nicht wahr? Wie nber, wenn daun dort, in 1 rez Jisniel, was doch gewiß Vorkommen kann, einmal eine Leitung׳ ist, die mich nicht Deiner Einsicht entsprechend handelt? Wirst Du dann in Konsequenz Deines jci/ige» I Inmlelns ihr auch die Steuern verwei• gern? Du hist ja stets so konsequent in I)einem Tun. Denk mal ein wenig darüber nach und bringe• cs in Beziehung zu der Konsequenz, mit der Du Dich zu der mm einmal jetzt herrschenden Leitung unserer Bcwegung verhältst, besonders, wenn sic materielle Anforderiingeii stellt, mögen sie nuu Kriegsbeitrag heißen oder Mischmar oder Zentralfond oder nur Landcsbci* trag oder gar Nationalfond, der doch eigentlich über den Parteien stellt . . . Und wie wäre cs, gehörtest Du zur Leitung, handelte sie nach Deinem Willen und die Andersdenkenden alimlen Dir, wie Du jetzt bist, nach? Oder täusche ich 111 ich und hältst Du nur deshalb mit Deinem Geld zurück, weil Du jetzt ״bei den Fallneu“ hist, d. h. in einer Garnison? Gewiß, Du kannst Deinem Beruf jetzt nicht naehgeheii und Imst jetzt wenig oder gar keine Einnahmen. Natürlich muß Dich das jetzt von iiiiincheii Ausgaben zurilekhaltcii, die Du sonst Dir gestaltetest. Aber ich weiß doch, Du warst vor dem Kriege in Deinen zionistischen Ausgaben tutr.lt etwas sagen wir zurückhaltend, Uml daun: ln Theater und Konzert seid Ihr nicht selten (recht habt Ihr damit!), - und Ihr seht auch noch ganz, wohlgenährt aus, trotz Mnrkcii und Teuerung , . , Spars,linken scheint also wohl nicht das Motiv /tt sein . . , Die Freunde im Felde erfüllen Ihre Pflicht, tun mehr als *lies, das lehrt jeder NF-Auswcis, das zeigt sieh beim Mischmar und das sah man heiווו ersten Kriegsbeitrag. Und sic sind doch wirklich aus allem horausgerisseit, müssen so viel erleiden, so viel Opfer bringen, ganz iitulcfs als z, B. Du in der Garnison, Allerdings linst Du Recht, wenn Du vielleicht einwendest, daß jetzt in erster Reihe die heran müssen, die noch ihren» Erwerb, ihrem Beruf iiachgehcti können, die in ihren vier Wänden sitzen und vielleicht sogar trotz (oder auch wegen) des Krieges ebensoviel eitler mehr gar verdienen als in Friedenszeiten. Vielleicht kannst Du sogar nicht ganz mit Unrecht konstatieren, daß von diesen manche, viele ihre Pflicht gegen die Organisation nicht oder ungenügend erfüllen, Kann aber eine solche l'flrlitvorgessenheit, eine solche Unverunt* Wörtlichkeit für Dich, den ״guten /.iotihteit“, ein Mall• slah oder eine Entschuldigung sein? Du hist dnelt einer von denen, tletien es wirklich ernst um unsere Idee ist, der für den Zionismus zu urhcileu sich steh bemüht hat. Aber kann alle sonstige Betätigung für den Zio• nismus von dem selbstverständlichen Gebot befreien, daß man ihm auch mit seinem ״ganzen Vermögen“ dienen muß, daß matt ihm die materiellen Mittel gewährt, die er zur i lcrbcifülmmg seiner Ziele doch nun einmal braucht? Es gibt Gesinnungsgenossen, die dem Zionismus treu ergeben sind, für ihn mit dem Wort stets eintreten, aber ihr Geld? Dafür kaufen sic Kupfer• stielte, Porzellane, Bronzen, Vasen, Briefmarken . . . Und der Zionismus kommt erst weit, weit nach alledem. Oh sie wohl über die Ausgabe״ Buch führen und die Aufwendungen einmal vergleichen? Was hilft «lies Eintreten für die ״Idee", was alle Propaganda, wenn mau der Idee nicht die Mittel gibt, die sie braucht, um zu leben? Jeder weiß, wie teuer jetzt das tägliche Leben ist, wie viel teurer als in Friedenszcitcii. Das gilt doch nicht nur für den Einzelnen, — aber wo bleibt die Konsequenz? Müßte nicht jetzt jeder mindestens in dem Verhältnis mehr für die Organisation hergeben, als er in seinem Haushalt gegen früher mehr verbrauclrt? Statt dessen selten wir, daß manche, die früher schon wenig gaben, jetzt noch weniger geben. Gibt es doch Namen in unserer Mitte, die jeder von uns kennt, die mim tue zu lesen bekommt, wenn 1111111 die Ausweise über unsere Sammlungen muh nneli so eingehend studiert . , , Sicherlich, es gibt 11110־ Menschen, die nicht wollen, daß ihr Name genannt wmle, wenn es sielt um ״Geben" handelt. Weit geht cs etwas an, so sagen sie, wie• viel ich ״gebe“. . . Jawohl, das sehr Merkwürdige ist nur, daß man in unserit Ausweisen, und tinscrn Bilanzen diese anonymen Gaben nicht findet. Nicht einmal in den Ausweisen für den NF finden sich ihre Büchsen so geschwellt. Und doch könnten sie ihnen ja ganz, ruhig etwas zukommen lassen, -־ sic würden sogar große Scheine aufnehmen —• ohne in den schrecklichen Verdacht zu geraten, sie wollten mit den Zahlen imponieren. Es könnte ja auch ein anderer das viele Geld hineingetan haben. Aber diese Büchsen führen trotz der großen zionistische« Betätigung ihrer Herren ein so still beschauliches Dasein, aus dem alle halbe Jahr vom Leerer geweckt, sie weniger, weit weniger ergelten, als die vinz-Ziouisteii , ״Das alles, das weil! ich“, wirst Du, mein Lieber, mir auf meine Kapuziiiiide antworten wollen, Demi ich weiß, Du siehst die Dinge mit offenen Augen an. Das alles uml noch viel mehr läßt sich hierzu sagen. Alter nicht als Entschuldigung ftir Dielt und Deines• gleichen. Nur um einmal mis/uspredien, daß es ho nicht xvi-itergeht: es muß anders werden um die Opfer, die vir Zionisten unserer Sache It ringen, litt jeder aus unseren Reihen sollle sich genau prüfen, wie groß seine Pflichtvergessenheit nach dieser Richtung bisher gewesen und wie hoch das Versäumte. Alle Arbeit ftir unsere Sache ist vergebens, hat man für sie schließlich mir Worte, sein Geld aber für ״Luxus, überflüssigen Tand und Kram“, — gewährt man dem Ideal nicht die Mittel, die cs zu seiner Bctiitigung, zu seiner Verwirklichung braucht. Wir haben ‘in unserer Organisation zwar wenig Kommerzienräte, aber genug Justiz•, Sanitäts- und sogar Kriegsgerichtsrate. Wir halten nicht die größten Vermögen und hochsteil Einkommen bei iiusern Freunden, jedoch ganz ansehnliche Vermögen nttil ganz respektable Einkommen. Scliwesterbiiclisen beim poscluüen Pro- Das weiß matt, ganisation tritt aber geschehen, uttts einpacken, Also bitte•, an! Denk an Weihers: der indes bei den Finanzen cs nicht in Erscheinung. Sonst körnten wir mit unserer Or- Das müßte miseriti idcalismein Lieber, Du »,guter Zionist", fang das gut gemachte Bild des englischen I leerfnlircr, dessen Auge jeden Vorübergeltenden verfolgt, uml der ihm zuruft: Du fehlst uns noch; nur auf Dich warten wir noch! . . . Das gilt wirklich Dir, gilt jedem atis unseren Reihen, er stehe auf der Stufenleiter noch so hoch oder noch so niedrig, — er leiste sonst für den Zionismus viel oder wenig: in materieller Beziehung war cs zu wenig. Der außerordentliche Kriegsbeitrag sei ihm erster Anlaß, ein Außerordentliches naclizultolcn, Mischmar und Zentralfond, Nationalfond und Landspende mögen bald nachfolgen. Aber wirklich bald, che Du cs vergißt. Sei ein wirklich ״guter Zionist“! Der sagt nicht ״aber", sondern ״oiso“. . . In alter Freundschaft Dein * D i b a r t i.