Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXII (1917)
- Issue
- Heft 7 (16.2.1917)
- Date
- 1917-02-16
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 7 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 63 der 1 ־1 d u ־ICH ¬ח■* Cs ס für um ■lg*' ' 11!!rin *e 07 öti 80 TH m 84 1■ 80 0 JO?4 47 14 W 82 *i 80 .25 .70 .50 .41 70,׳ U. »j. ,60 »0 'I ־11») Die Jahresversammlung der Anglo Jewisli Association in London Die Eröffnungsrede des Präsidenten der A. J. A. Claude Montcfiorc mit' der Jahresversammlung vom '1. Dezember war hauptsächlich der politischen Tätigkeit der (iesellschaft gewidmet. Er schilderte;uisfiilir• Iteli die traurige politische Lage der Juden in Rußland und versicherte, dal! die Gesellschaft alles zu tun ver• snehen wird, um die russische Jiulciitrage vor den Ver• trete('״ der Wichte aid/iirollen. Als im ersten Jahre des Kneues, zurzeit der Verratslcgendc und der Spionageatfiiren, den rnssiselien Juden die (id.ilir von Pogromeii gedroht liahe, sei es der (iesellschaft durch Interveulion der englischen Rcgieruugskivise gelungen, die• ses lInheil ahzuwemten. Während die Vertreter der Ententemächte ihre wirtschaftliche Konferenz in Paris aKhieltcn, habe die (iesellschaft der englischen Regle• niwg ein ausführliches Memorandum ühcrreicht, das die Bitte enthielt, die Beschränkungen der jiidenrechte in Rußland, inshesondere diejenigen, die die Rechte der eng• list'h-jiuiisehen Kaiilleiitc betrefleu, auf/uheheii. Die Vertreter der (iesellschaft hcsuchU'it auch die Abge• ordneten der russischen Diima w.älireud ihres Aufeiithalts in 1.01111011 und erhielten von l’rotopopow, 11er damals noch Vi/evorsit/cnder der Duma war, die besten Versprechungen. Leider - scliloll der Präsidciit kann die (iesellschaft aus Mangel an (icldmittclu keine allzu grolle Tätigkeit enllalleii. Die JCA, mit der die A. J. A. verbunden ist, erlitt während des Krieges grolle Verluste, und die jüdische ()Öffentlichkeit Irlich indifferent. lieber die traurige materielle Lage der (iesellschaff und das mangelhafte Interesse der Londoner Judeiilieit sprach auch Rabbiner l)r. (last er, der aber die Schuld in der Isolienmgspolitik der Leitung seihst erblickt. Die politische 'Lätigkeit der (iesellschaft gelte doch nicht nur den englischen Juden, sondern lumptsachlich dem Ostiudentum; daher müsse auch die Meiiiung der rimiiiiiselieii und russischen Juden berücksirfitifd werden. Der Redner sprach dann über die Tätigkeit der zionistischen Partei und ihre Politik. Ob• gleich die Zionisten eine besondere Partei im Judentum sind, die ihre innere Lreiheit des Handelns nicht umgeben können, sind sie trotzdem stets bereit, ihre 'lätigkeit Her Arbeit der anderen jüdischen Körperschafteil und Institutionen zu koordinieren. Um dem jüdischen Auftreten Kraft zu verleihen, muH eine Vereinigung der gesamten jüdischen Kräfte vorangelicn. Der vor kurzem aus Amerika z.iiriickgekehrte Dr. Elkaii Adler stellte die Vereinigung des ameiikauiselien Judentums als vorbildlich bin und gab seiner l1( borzcugiing Ausdruck, dal! mir eine gemeinsame ■ pobl seit!• Tätigkeit der Nicht-Zionisten mit den Zionisteil bei den gegenwärtigen Verhältnissen aussichtsreich werden kann. Das vom Komitee vorgescblageue Budget wurde nach einer scharfen Kritik über die unzulängliche Tätigkeit der (lesellsehait angenommen. In seiner Schlußrede versprach der Vorsitzende Claude Montcfiorc dafür Sorge zu tragen, dal! eine Arhcitskoordinicrnng mit der zionistischen Partei zustande kommt. Jahresversammlung des ״Order of Ancicnt Maccabeans“ in Manchester Die Jahresversammlung des ,,Order of ancicnt Maccabeans“ wurde am 24. und 25. Dezember 1916 in Manchester abgehalten. An Stelle des am Ersdtcinen verhinderten Präsidenten Herbert Bc nt Wie 11 führte Herr Sol Co he 11 den Vorsitz. Delegierte aller Vereine waren erschienen. Nach der Eröffnungsrede des Herrn N. I. Adler gelangte das Begrüßungsschreiben des Kopcnhngcncr Büros der Zionistischen Organisation zur Verlesung, in dem der Arbeit des Ordens und besonders seinen Bemühungen für den Palästina-Hilfs-Fonds volle Ancrkenmmg gezollt wird. ')ie geschäftlichen Berichte wurden angenommen, und cs wurde fcstgestellt. dal! der Krieg die zionistische Arbeit des Ordens zwar gebindert, die Mitgliedern!!! ungünstig becinfltillf, jetloch die finanzielle Lage des Ordens in keiner Weise berührt hat. j Folgende Resolutionen wurden einstimmig an- I genommen: ״Der Orden begrüßt die von den Leitern 1 der nationalen Bewegung in Auicrika unternommene | Aktion zur Einberufung eines Kongresses, der sich mit j den jüdischen Lebensfragen, die sieh aus der gegen- | witrfigen Weltkrise ergeben, zu beschäftigen hat, und I drückt die Hoffnung aus, dal! die Verhandlungen des I Kongresses in aktiven Maßnahmen resultieren werden, | die die Errichtung einer nationalen Heimstätte für | Juden in Palästina garantiere« werden“. 1 ״Der Orden versichert aufs neue seine Treue zmn zionistischen Programm, wie es Von Kongreß zu Kongreß bestätigt wird, nämlich: ״die Schaffung einer ,öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte für das jü-;1 discltc Volk in Palästina", Und spricht die Hoffnung aus, daß die Zeit nicht mehr weit sein möge, wo unseren Brüdern in der ganzen Welt volle bürgerliche , und politische Gleichberechtigung gewährt werden wird. Der Orden wird mit denjenigen Körperschaften, die nach' den genannten Zielen streben, Zusammenarbeiten“. ״Die einzelnen Abteilungen des Ordens sollen überall an den Gemeinde-Geschäften und den Institutio* neu tcihicliiiieii und dadurch die öffentliche Meinung und die Anschauungen innerhalb der Gemeinden im jüdisch-nationalen Geiste beeinflussen“. Die sehr gut besuchte Jahresversammlung scliloll mit einer öffentlichen Versammlung, in der die Herren Sol Colu■ u als Vorsitzender, M, S a g a r s k v , E. (i o 1 d m a 11 und I. Wassilcwsky Ansprachen hielten. Rechtsanwalt Dr. Albert Theilheimer Zu den vielen Verlusten, welche die Zionistische Organisation durch den Krieg erlitt, ist nun auch der Tod des Rechtsanwalts Dr. Albert Theilheimer in München Umzugetreteii. ScIkhi als junger Student lintte ihn, dessen Seele allem Schönen und Idealen /.ugetan war, der zionistische Gedanke■ in seiner ganzen ürölic erfaßt und seitdem war und blieb er ein treuer Anhänger der Zionistischen Organisation und als Mitglied der zionistische(( Ortsgruppe München allen dortigen Zionisten besonders lieb und wert. Auch während Her lau• gen Zeit, während welcher er im Westen und zuletzt im Osten vor dem Feinde stand, war ihm das Wirke!) für die zionistische Idee I lerzenssachc; er biiatigü sieh auch im I t'lck, wo immer sich die Möglichkeit hierzu bot, für die Ausbreitung des zionistischen Gedankens. Wie innig er mit dem Zionismus während seines leider zu früh beendeten Lebens verbunden war, bewies er noch dadurch, daß er in seinem im Felde gesehmlK'iieu Testament let/twillig des Jüdischen Nationalfoml gedachte. Am 21. Dezember 1916 mußte er sein blühendes Lehen auf dem rumänischen Kriegsschauplatz hingeheu. Ein Jude von ganzem Herzen, ein Zionist von ganzer Seele, ein wahrhaft guter Mensch und allen ihm Nahestehenden der treueste Freund und Berater ist mit ihm dahingegangeu, München, den 5. Februar Ü)17. Rechtsanwalt Dr, Lco!told Ambrunn. Zionistische Bewegung Amerika. Dr. Emanuel Edelsteln-Gedächtnis-Stiltiing Die Freunde des kürzlich verstorbenen Dr. Emanuel Edelstein wenden sieb mit dem folgenden Aufruf an*die jüdische ()Öffentlichkeit: Noch immer stehen wir tief erschüttert durch den plötzlichen Tod unseres allheliehten Dr. Emanuel Edelstein, der am 21. Januar seiner Familie, seinen Freunden, seiner Gemeinde und noch vielen aiiilcrn, die den Arzt und Menschenfreund in ihm verehrten, durch ein tragisches Schicksal allzu früh entrissen wurde. Sein Leichenbegängnis legte erhebendes Zeugnis;111 für die Verehrung, die er genoß. Wir, seine Freunde, aber haben beschlossen, diesem ausgezeichneten Manne in einer D r. Emanuel Edels t e i n •<i ed;icht 11 i s-S t i f 1 u n g ein dauerndes Denkmal zu errichten. Diese Stiftung soll vor allem das Gedächtnis an den selbstlosen Arzt und den begeisterten Juden eihalten, wie• er noch heule lebendig vor uns stellt. Es soll eine Stiftung werden, deren Zinsen armen kranken jüdischen Kindern zugute kommen soll, mul zwar nach folgenden Gesichtspunkten: Jedermann weiß, mit welcher Liehe unser l)r. Edelstein an seiner Gemeinde hing, mit der er fast von frühester Jugend an durch ntannigfachstc Bande Her Freundschaft verknüpft gewesen ist. jeder weiß aber auch, mit wcldi lebendigem und hegeisterten( Interesse der Verstorbene das Aufblühen des jungen Palästinas verfolgte und wie sehr ihm gerade hier die tätige Anteilnahme innigste Herzenssache war. Dm mm diesen zwei Seiten seines Wesens — gilt cs doch, das Andenken an ihn ganz so z.u erhalten, wie er in seinem reichen Lehen war — voll gerecht zu werden, sollen Hie Zinsen der Stiftung zu gleichen •Teilen all- ■ jährlich an seinem Jahrzeittage einerseits an crholungsbedürftige kranke jüdische Kinder der Synagogcngcnteiude Bonn umi andererseits an kranke jüdische Kinder in Palästina verteilt werden. Schon hat sein engster Freundeskreis eine hohe Stimme zusantmcngcbracht. Wir möchten jedoch, dal! das Kapital erst eine bestimmte Höhe erreiche, vor allem aber, dal! keiner Von allen, die ihn gekannt und geliebt haben und ihm ein bißchen Dankbarkeit übers Grab hinaus bewahren wollen, von diesem Werke treuer Anhänglichkeit ausgeschlossen sei. Darum bitten wir jeden, seine Gabe, sei sie groß oder klein, betzutrngen — den Armen, zum Wolde, dem Judentum zur Ehre, vor allem aber ihm, der den Armen immerdar ein guter Helfer, dem Judentum der treuesten Söhne einer war, zum dauernden Gedächtnis. Herr Rabbiner Dr. Emil Cohn, Bonn, hat die weitere Führung der Angelegenheit übernommen. Bonn, Ende Januar 1917. Rabbiner Dr. C oh n. Rechtsanwalt Dr. Max Cohn. Louis David. Max Gold re ich. Rechtsanwalt Dr. Herr man ns, Max H ersehe). Dr. Ernst Ober- I ä n d e r, Elberfeld. Rechtsanwalt Dr. Klee, Berlin. Max S eh atz. Geldspenden sind zu richten an die Zionistische Vercinigung für Deutschland, Berlin W. 15, Sächsische Straße S. In San Franziska wurde ein zionistisches Büro füt die׳ Pacificküste errichtet. Das Büro steht unter der Leitung von Herrn Martin Löwen thal. Das Büro veranstaltet unter anderem eine Agitatioasrcisc von Herrn l)r. M o s s i 11 s o h n durch die im Westen ge- Icia'imi größeren jüdischen Gemeinden. Auf dieser Tournee bemhrt Herr Dr. Mossinsohn auch verschiedene kanadische Urte. . .. , (V o tu ״M i s r a e 11 i") Die Organisation ״Misrachi“ in den Vereinig-, ten Staaten von Amerika umfaßt jetzt 125 Zweiggesell-, schäften und Synagogen, darunter eine große Anzahl, von Jiigendgruppeu mul Fraucuvcrcincn. Der Verband hat im ״H.iibri“ sein eigentliches offizielles Organ., Die Zahl seiner Schekel ist in ständigem Wachstum begriffen, i ür die große Arbeit, die der ״Misrachi" leistet, spricht schon die Tatsache, daß er ein Jahres- Budget von 20000 Dollar besitzt, das er ohne Subventioii allein aiifbringt. Dieses Budget erstreckt sich, nicht nur auf Büro/.wecke und ähnliche Unkosten, sondem auch auf die״ Aufrcchlerliafünig eines I.chrermstilutes, das es siel) /tun Zwecke gemacht hat, jüdische Lehrer in den Tendenzen des ״Misraelii" großzu/icheii. England. Unter dem Vorsitz von Prof. CI». Weizinann (and am 27, Januar ein guthesuehter zionistischer Abend i statt, au dem Boris Goldberg über den Zionism 11 s in Rußland sprach. Holland. Von Herrn Lion G c r / o 11 in Amsterdam wurde innerhalb des Nationalfomls eine Stiftung für Arb e 11 e r wo!1 f f a h r t begründet und als erste Rate der Betrag von Fl. '1000 eingezahlt. Galizien. (Vom Zionistischen 1.0 k a 1 k o m i t c e in L e m b e r g) Am LI. Januar fand hier die Sitzung des weiteren Lokal-Komitees der Zionistischen Organisation statt. Zu Beginn der Sitzung wurde das ׳Andenken des verstorbenen Leiters des ״jüdischen Tageblattes“ Dr. Zwi Bickels gedacht, dann erstattete Herr Dr. Ringel als Vorsitzender Bericht über die Konferenz mit den Leitern der Krakauer Zionistischen Organisation, Rabbiner Dr. Thon, Dr. Lcldblum u. .1״ wobei die Richtlinien der Arbeit in Galizien festgesetzt 1 wurden. Iin Anschluß daran entspann sich eine Ausspräche über die evtl. Einberufung eines zionistischen P a r t e i t .1 g c s 11 a c 11 Kr a k a u und vielleicht eines allgemeinen g a I i z i s e 11 c n j u d e n t a g e s. Es wurde ferner zur Kenntnis genommen, dal! Herr Dr. Ringel die Leitung der Redaktion des ״Jüdischen Tageblattcs“ übernommen lud und sein Redaktions- Programm für das Jahr P>17 gebilligt. Dann folgten Referate des Sekretärs Herrn Weinstock über die Sehekelarbeit und des Herrn Jacob Freund über die Jugendarbeit in Galizien. Im Anschluß daran wurde der Beschluß gefaßt, die Jugendarbeit tatkräftig zu unterstützen und insbesondere die Anlegung von Vcrcinshibliothcken zu ermöglichen. Dann wurde tlie Frage der Heran/ielvung der Frau und der Schaffung einer Frauen- Organisation durch ein Referat von Frau Rosa; P o tu e r a n 7 M c 1 z c r besprochen. Ein wichtiger Ihmkt der weiteren Erörterung war weiterhin die Herstellung eines engen Konnexes mit , den Gesinnungsgenossen im Felde. Man beschloß, eine besondere In f orm a f i o u s sch r i f f herauszugeben, die diesen Aufgaben dienen sollte. Dann wurden Wahlen zur Vervollständigung eines Ausschusses vorgenommen, deren Resultate darin bestanden, daß die Herren Dr. Rosenkranz, Dr. S. IVrombcrg und Dir. Orange zu Stellvertretern des, Vorsitzenden gewählt wurden. Am 16. Januar wurden die Büros des zionistischen Lokal-Komitees und der Kommission des Jüdischen Nationalfonds in» eigenen Lokal (Spitalnagassc 1) eröffnet. Der Sekretär des Lokal-Komitees, Herr Arjch Weinstock, amtiert jeden Donnerstag und Sonntag vort 12 -1 vormittag und sonst jeden Tag, außer Sonnabend, von 5 7 nachmittag. Polen. Anläßlich des 15 jährigen Gründlings - Jubiläums ' des Jüdischen Nationalfomls veranstaltete der Verein ״Schaarc Zion" in Wlozlawek am 15. Schwat eine Propaganda-Versammlung, die gut besucht war. Es sprachen die Herren Rabbiner J. L. KowaTski und stiul. ing. Radzieiewskv über ״Ziele und Wesen des Jüdischen Nationalfomls“ 1 tna richteten an die Versammlung einen Appell, den Jüdischen Nationalfomi eifriger zu unterstützen. Herr Rotbiatt widniete dein verstorbenen Dr. Kotzencbohn einige Worte in hebräischer Sprache. Aus aller Welt Aus Amerika. (Die Amerikanisch- Jüdische Hilfsaktion) Die Gesamtsumme der beim Joint Distribution Committee für die notleidende jüdische Bevölkerung eingegatigenen Gelder betrug am 8. Dezember 1916: Dollars 0 389 422.40. Aus England. (Nationale Union für Jüdische Rechte) Die Londoner ״National Union f or |c w i sh Rights“ hat in ihrer Generalversammlung Anfang Januar Herrn Oberrabbiner Dr. Gaster zu ihrem Präsidenten gewählt. ’ 00־ ilf:« TW G M9 k!