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Jüdische Rundschau · 1917-02-09 · Heft 6 (9.2.1917) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXII (1917)
Issue
Heft 6 (9.2.1917)
Date
1917-02-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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0 ץ ץ*יךף7# /1 יץ r —־־ז ri t :3 C 1t׳■ ייי ך"**׳?■ יי< v L_ ..3 v זר Redaktion und Verlag Jüdische Uuoc!0c!»״,f?, Berlin W, 15, Sächsisch׳: *.’tr.-.׳!a 8. Erscheint wöchentl. am Freitag. Abonnement bei der Expedition und bei allen Postämtern vierteljahrl, Mk. 2,25 in Deutschland, in Oesterreich-Ungarn Mk. 2,50, im Ausland Mk. 3,— Nummer 6 Berlin,'den 9. Februar lu!V Telephon: Amt Uhland 845. 8‘16. Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392. Für Oesterreich: K. (C Postsparkassenamt Scheckkonto Nr. 156030. Anzeigen die sechsgespaltene Pct’.tseil« oder deren Raum 40Pf, Tmicrungszusdilng 15״/״. Rcd.iktionssclihiß Dienstag nachm. 17. Sch’bat 5677 XXU. Jahrgang Im Zentralverein Der Tagesordnung der Hauptversammlung, die der ״Zc ntr a I ver c i n Deutscher Staats• b ii r g e r J ii d i s c 11 e n (11 a tt b e n s“ vor einigen Tagen abhielt, sali man es äußerlich kaum an, daii sie eine wenn auch den! Burgfriede» angepaßte — Fortset/ung der lei/leii Hauptversammlung vor dem Kriege werden würde. Freilich lag es nahe, da 15 ein Verein, dessen letzte Hauptversanimlung in erster Linie der Bekämpfung des Zionismus galt, seine jüngste Vergangenheit nicht so bald würde verleugnen können. Zwar schien es einen Augenblick, als ob wirk• lieh — über die formale Einhaltung des Burgfriedens hinaus ein gewisses Malt von Versühnungswii• len vorhanden sei. Aus den Worten der Eröffnung:»• rede, es müsse anerkannt werden, da Ii die Zionisten ״während des Krieges sieh nicht nur als nationale Jude» bewahrt hätten, sondern auch ihrer vaterländischen Pflicht getreulich iiachgekoinmeii seien‘*, klang ein ehrliches Eingeständnis, dali man den Zionisten auf der letzten Hauptversammlung, indem man ihr Pflichtgefühl zu verdächtigen suchte, bitter unrecht getan hat. Und auch die Hoffnung, die Herr Justizrat Horwitz in seiner Eröffnungsrede aus• sprach, ilniS ״auch nach dem Kriege eine Haltung eingenommen werde, die eine Einigkeit znt* Tat werden killt“, schien darauf hinzudeuten, dali die alte blimic Gegnerschaft einer besseren Einsicht gewichen sei. Und wenn Justizrat Horwitz hinzufügte, daß es (hei einer Versöhnung) am Zentralverein nicht liegen werde, so sollte das gewiß keinen Zweifel an dem guten Willen der Zionisten bedeuten, so»• der», schien eine allerdings unbestimmte Anktindi• gung’ eines gewissen Kurswechsels innerhalb des . Zentralvereins zu sein. ״Der Zionismus criE-cTi £är da» Jüdisch® Volk die Schaffung einer fi.'cnlllch-rccläflfch ffccicherfen Eiclmithtie in Pulälüna." Baseler Programm. Freilich kam es gleich ganz anders. Der stell• vertretende Vorsitzende Geheinirut Eugen 1'ne 11s fornnilierte die Aufgaben des Vereins als den Kampf gegen den Antisemitismus einerseits und die Schaffung einer Synthese zwischen Deutschtum und Judentum andererseits. Wenn er durch diese Eornntlienuig der /.weiten Aufgabe auch zugestellt, dal! für ihn ־ im Gegensatz zu Hermann Cohen ~ eine solche Synthese nicht naturgegeben, sondern eine Aufgabe ist, so bedeutet diese scheinbar positive Forderung für ihn in Uebereiiistimmung mit Cohen doch in erster Linie die Pfliciit der Be• känipfinig der ״gefährlichen nationalistischen Be• wegung, die sieh im Zionismus verkörpert“. Diese ״Aufgabe“, die der zweite Vorsitzende dem Zen• tralverei» /uweist, durchkreuzt bedenklich die Ver- «öhimugstondcnz des ersten Vorsitzenden, wenn sie sie nicht ganz illusorisch macht. Bei dieser Un* cinlieilliehkeit in der Auffassung des zukünftigen Programms des Vereins erscheint cs allerdings zweifelhaft, ob und wie weit der Verein entschlossen ist, von seinem bisherigen Kampf gegen den Zi״• nisiutis abzulasseu und einer gerechtere« Mcurtci• Jung der jüdisch-nationalen Idee Raum zu geben. Wir hätten keinen Anlall gehabt, uns mit dieser Versammlung des Zentralveivins kritisch zu befas- '.»eil, wenn sie nichts weiter zutage gefördert hätte als diese Gedaukeugäiige und diese unbestimmte Andeutung einer inneren Umkehr, deren geringe ideelle und praktische Bedeutung ja noch auf der der Tagung seihst klar zum Ausdruck kam, Viel wichtiger als diese Stellungnahme zum Zu• nisinns sind für uns die Urteile, die,über die Ar• beit und Wirksamkeit der Zionisten gefällt wurden. Herr Rabbiner Gold in a n n führte mit der glvi• dien'Offenheit wie vor kurzem Ludwig Geiger be• wegliehe Klage darüber, daß in allen füllremle» Zeitschriften die Jtideufrage-nur vom jüdischnationalen Standpunkt aus behandelt wird. ״Auch in der allgemeinen Parteipresse stoßen wir auf die gleiche Erscheinung . , . Die Ideale von bä Pro• zent der Judcnheit treten nieht deutlich genug her• vor . . . Heute ist der Zentralverein eine große , Organisation, aber nur in unserem Kreise, Draußen keimt man nur das Nationaljudentum ... Unser Mangel an politischem Sinn zeigt sich deutlich in der Frage der Jugenderziehung . . . Die akademi sehe Jugend wird von zionistischer Seite mit großem Eifer bearbeitet . . . Die national-jüdische Bewegung kann eitlen außerordentlichen Zuwachs er• langen.“ Diese Anerkennung des Erfolges unserer Ar• beit ergänzte Geheimrat Fuchs noch, indem er die Arbeitsmethoden der Zionisten als mustergültig und nachahnumgswiirdig bczcichnctc. ״Viele Nichtzionisten glauben, daß es außer den Zionisten gar keine anderen Juden mehr gibt. Der deutsche Botschafter in Amerika, Graf von Bcrnstnrff zum Beispiel, kennt keine anderen Juden als die Zionisten. Wir müssen es den Zionisten nachmachen . . . Die zionistischen Studenten betreiben ihre Agitation mit großer ,Geschicklichkeit. Sie agitieren ohne Uebertreibung und ohne Aufdringlichkeit, Ich wünschte, daß wir solche Leute hätten.“ Wir haben sicher Anlaß, diese Zeugnisse, die scharfe Gegner dem Zionismus in der Oeffent• liehkeit einer Hauptversammlung ausstellten, zu verzeichnen und wir haben die Empfindung, daß in der Tat unsere Aufklärungsarbeit auch während die• sei־ Kriegsjahre große Fortschritte gemacht hat. Die jüdische und nichtjüdischc ()Öffentlichkeit hat ein richtiges Bild von der Größe und praktischen Durchführharkeit unseres Strebens nach Zion erhalten. Sie ist nicht mir von der Unantastbarkeit und Verwirklidmiigsmöglichlicit unseres Ideals überzeugt worden, wir haben unserer Sache auch viele Freunde geworben. Das jüdische Volk und seine uralte Sehnsucht sind im Bewußtsein der Kulturmcnschhcit reale Faktoren geworden. Aber nichts ist irreführender als die Meinung der Leiter des Zentral Vereins, daß das Geheimnis unserer Erfolge in der Methode liege. Im Gegenteil. Unsen־ Methoden waren nicht immer die glückliebsten und sind noch sehr vcrbcssvruiigsfähig. I )io Erfolge unserer Arbeit sind in der Wahrheit unserer Idee begründet. Sie ist es, die die Jugend begeistert und ■zu fruehtbarer Arbeit führt. Sie ist es auch, die unserer Bewegung ein mächtiges natürliches Wachstum gewährleistet. Wenn heute schon die junge Bewegung nach dem Eingeständnis ihrer Gegner die Sympathie und moralische Unterstützung des geistigen und politischen Deutschlands genießt, was wird geschehen, wenn sie - und diese Hoff• mmg ist nicht übertrieben — sich verdoppelt, verdreifacht haben wird? Hier eröffnen sich uns und unserer Bewegung unabsehbare Möglichkeiten sowohl für unsere kolonisatorischen Bestrebungen in 'alästina als auch für die Vertiefung unseres jüdisehen Kulturbewufltseius. Es ist Selbsttäuschung, wenn die Führer des Zeiitralveieins glauben, daß es nur der Verbesserung ihrer Agitation und PropagandnmiUel bedürfe, um den Erfolg unserer Arbeit zu paralysieren. Warmes, pulsierendes, wahres Lehen läßt sieh fortpflanzeii und vermehren. Leblose Begriffe, die die falsche Situation einer älteren Generation retten sollen, sind zur Unfruchtbarkeit verdammt. Wenn der Zentralverein in einer Synthese von Deutschtum und Juden• tum das höchste ideal und das letzte Ziel der deutsch-jüdischen Jugend sieht, so gibt er der nach Eigenleben strebende» modernen jüdischen Jugend eine Aufgabe, an der sieh kein wahres, inneres!.eben entzünden läßt. Er oktroyiert der Jugend eine Mission, die sieh eine ältere Generation zurecht gemacht hat, um der Tragik des jüdischen Zwitterdaseins in den Uiimleni der Zerstreuung atiszuweichen, ln dem fatschen Ideal, das der Zentralverein der Jugend geben will, liegen seine Miller* folge und die aller niehtnutioiialeii Organisationen auf dem Gebiete der Jugenderziehung begründet. Nicht die Verbesserung der Methoden kann liier helfen, sondern nur die Erneuerung der alten Ideale des jüdischen Volkes, die große innere Rcvolutionierung der jugendlichen Seele, ihre Umkehr und Rückkein־ zu den Urgründen der eigenen Lebens- und Volksgemeinschaft. Dort findet sie ihren natürlichen Boden, dort kann sie wachsen und gedeihen und dort wird sie auch jene schöpferische Kraft wiedererlangen, die dem jüdischen Namen unter den Völkern einen ganz anderen Khing zu geben vermag als den falschen der heutigen Assimilation. M. M. Die Landarbeiterfrage in Palästina Die jüdische Einwanderung nach Palästina ist das Spiegelbild der beruflichen Gliederung und der ökonomische■ Lage der Juden in der Diaspora und speziell in Osteuropa. Beruflich sind die Juden hier zum allergrößten Teile im Handel und in einigen Handwerken tätig; nach der Vermögenslage gehört nur ein kleiner Teil von ihnen zu den Wohlhabenden, die grolle Masse ist mittellos. Demgemäß stammen auch die meisten Einwanderer — von den Ghalukka-jtulcn ganz abgesehen - aus Handcl und Handwerk und kommen so gut wie ohne Mittel in Palästina au. Hier bietet der seit langem überfüllte I landelsberuf für mittellose Einwanderer kaum noch irgendwelche Erwerbsaussichten. Audi unter den Handwerkern sind es nur noch wenige, die in ihrem Berufe in Palästina eine Existenz finden können. Die Fahrikiiulustrie in Palästina ist bisher so wenig entwickelt, daß sie überhaupt nur wenig Arbeiter beschädigt. Es ergibt sich daraus, daß für die Mehrzahl der einwamlernden mittellosen Juden fast nur die Arbeit in der Landwirtschaft als Beruf übrig bleibt. Diesem Berufe wenden sie sich deshalb zu, zumal die landwirtschaftliche Arbeit auf die Einwanderer, soweit sic aus zionistisehen Motiven nach Palästina kotnuicu, eine besondere Anziehung aiisubt. Denn seit den An* fangen der zionistischen Bewegung hat die landwirtschaftliehe Kolonisation als die Basis jeder zionistischen Tätigkeit in Palästina gegolten. Die Einwanderer, die auf tliese Weise in die jüdischen landwirtschaftlichen Kolonien einströmen, stoßcn hier im Existenzkampf auf große Schwierigkeiten, unter denen folgende hervorzuheben sind: 1. das ungewohnte Klima mit seiner starken soiunicrlicheii Hitze und seinen epidemischen Krankheiten, besonders der Malaria, wirken in de״ ersten Jahren auf viele Einwanderer erschlaffend lind schwächend und machen sie während kürzerer oder längerer Perioden arbeitsunfähig. 2. die angespannte körperliche Arbeit ist den Einwanderern, die ja meistens aus der Schule oder aus I.ädeu und Schreibstuben kommen, ungewolmt; ein Teil der Einwanderer paßt sich schließlich, nicht ohne Sclnvierigkeiten, dun neuen :Milieu au, einem amlercn Teil ist die Anpassung mtmögücli, und er mnß schließlich in die stiidlischen Berufe eintreten oder überhaupt das Land verlassen. 3. die absolute Unkenntnis ries lamhvirtschaftiichei» Berufs macht es dem Arbeiter sehr schwer, eine Arheilsstelle zu finden, da seine Arbeit bei weitem nicht so viel wert ist, als die Arbeit eines Arbeiters mit langjähriger Praxis. 4. selbst, wenn cs dem Arbeiter schließlich gehingen ist, Arbeit zu finden und sich an die Arbeit anzupasscu und Erfahrungen zu erwerben, so bestellt noch immer die Schwierigkeit, daß er gegen die Konklirren/ des arabischen Arbeiters in der Regel nicht nufkoiinncn kann. Die arabischen Bauern, sowie ihre I 'rauen und Kinder sind von Jugend auf in der I andwiiiscliaft zu Hause mul haben außerdem vor dein jüdischen Arbeiter zwei große Vorteile voraus: a) Sie haben die Gnmdlage ihrer Existenz in ihrer eigenen Wirtschaft und dasjenige, was sie durch Ausmit/img ihrer freien Arbeitszeit bei dein jüdischen Ko• lonisten verdienen, spielt in den meisten Fällen nur die Rolle eines Nebenverdienstes, während der jüdische Arbeiter aus seinem Lohn all seinen I.i-beusbediif, nicht nur Kleidung und Nahrung, sondern auch Wobnung, ärztliche Hilfe und auch gewisse ihm uiieiitbetuliche geistige Bedürfnisse (Lektüre, Korrespondenz) bestreiten muß. b) Sogar wenn der arabische Ailteiler nicht -- wie dies in den meisten Fällen zulriflt in seinem Dorfe sein eigenes I lauschen und seine eigene Wittschalt hat, so ist seine Konkurrenz »loch eine außerordentlich scharfe, weil seine Ansprache an das Leben ungeheuer gering sind. Er und seine Kinder knien nicht Schreiben und Lesen, benutzen wetler Arzt noch Apotheke, haben keinerlei geistigen Bedürfnisse, tun nichts für die Körperhygiene und können kraft ihrer guten Körperkonstitutum und iltrer Angcpaltthcit au das Klima und die laiuhvirtsehafllnlu׳ Arbeit mit einem Minimum an Nahrung, »las aus Brot, Wei/cngrüt/e, Käse mul Oliven bestellt, attskomineit. Der jüdische Arbeiter hingegen, wie sehr er auch seine Lebetisan- Sprüche henmtersehraubt, kann »loch nicht gänzlich mit der Tatsache brechen, daß er ein Kulturmensch ist. Er muß in Krankheitsfällen Arzt und Apotheke in An* Spruch nehmen, eine Zeitung lesen und Briefe schreibeit, er muß, wenn er verheiratet ist, seine Kimlcf in die Schule schicken und kann sie nicht, wie der Araber es tut, schon von früher Kindheit an arbeiten lassen. Er muß schließlich in bezug auf Kleidung, Körperhygiene und Nahrung einen gewissen Standard cinhalten, ohne den ihm das Leben als unkulturell und unwürdig erscheinen würde. Eine besondere Schwierig* keit bildet hierbei die Wohnungsfrage. Der Arbeiter muß, um gesund zu bleiben und um sich gegen fort*

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