Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXII (1917)
- Issue
- Heft 50 (14.12.1917)
- Date
- 1917-12-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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ו ז ז! I! f 1 U n 11 O / Redaktion und Vertag Jüdische Kur.dschr.״, B־r!in V/. 15, Str.־.'’•■• idieiat wodientL am Freitag. Abonnement bei der Expedition und bei :dien |’״s »iertoljihrl. Mk.3,25 in Deutschland,'in Oestcrrcich-Ungara ICr. 5,50 im Ausland i! Nummer Du!1 De Er- ■lern 114 J} t., 14. 517 /! 4\ ü.\ Te!״.־.hon: Am* Pitland S846 .55׳. Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392. Für Oestenrahh* K. iv. Postr.jmnsosssnamt Scheekkonto Nr. 156030. Anzeige!» die *echsgespalteu• Petit- .. -3__ t ... _ tn! ..._. vf f\ tj £ *V .m,•.*mm.*«••«. «11} — mm D/A f i ׳ T? m« m m m1.1,. H I"A 1 4e F ■t :r n m 1 od :r deren Raum *50 Pf. Teucrungszuschlägf 20״/,,. Redaktionsschluß Dienstag nach». 29. Klslew 5G78 XXII. Jahrgang יו r 0 0 if p 0 i | I 1 1 ו I ו i i Jerusalem Die Eroberung Jerusalems-. Wiederum, wie schon so oft in elcn Jahrtausenden iitrer Geschichte, sind die Augen der Völker auf die heiligt' Stadt gerichtet, Wiederum hat die Hand eines Erobereis sieh nach ihr ausgestreckt, wiederum hat das Ringen der Nationen zum Kampf um die uralte Stätte geführt, von der• die Losungsworte der Menschheit erklangen sind. Es ist als sei Jerusalem, die Friedensstadt, selbst dem Schicksal dieser Menschheit verwandt, de sich seit Adams Tagen nach Glück und Ruhe, nach Frie- <ie1r selmt und dennoch immer aufs neue Haß und Streit erzeugen muß. 580 Jahre vor der christlichen Zeitrechnung Latten die babylonischen Scharen Nebukadnvzars die ,Hauptstadt Judas zerstört, doch die kleine Schar der Rückwanderer hat sic in emsiger Liebe aufs neue gebaut. Die Stürme des hellenistischen Zeitalters gingen über sic her, bis auch der Name Griechenlands und des großen Alexander seinen Glanz verlor und die ehernen Legionen Roms vor den Mauern der Stadt erschienen. Im Jahre 70 der christlichen Zeitrechnung fiel sic als letzter Hort der jüdischen Freiheit und Titus machte Stadt und Tempel dem Erdboden gleich. Doch es war, als sei der Geist der Geschichte, dir um diese Trüliimerstätte schwebt, stärker als der Zcrstörimgs- Wille des Eroberers. Die Römer seihst bauten die Stadt wieder auf, Kaiser Hadrian stellte sie im Jahre 130 als Aelia CapitoÜnu wieder her, als eine hekliiische Stadt, die dann durch Konstantin im Jahre 327 zur christlichen geweiht wurde. Doch neue Nationen drangen aus der östlichen Völkerwiege erobernd vor und im Jahre 637 eroberten die Araber die Stadt, um sie für lange Zeit zu j behaupten. Inzwischen wuchs im Westen das Christliehe Europa empor und bald neckte es seinen Arm gen Osten, wiederum nach Jerusalem, der heiligen Stadt, dem Symbol der Religionen und ihres Kampfes, 1111 Jahre 1000 wurde sie von den Kreuzfahrern erobert, doch schon 1187 machte Stiltan Saladin dem Königreich Jerusalem ein Ende. Von nun an blieb die Stadt in den Händen islamischcr Völker. 1382 errichteten die Mamelucken dort ihre Herrschaft und im Jahre 1517 fiel sic in die Hände der Osmancn. Genau vierhundert Jahre haben die Türken Jerusalem behauptet. Nun ist es wiederum von' einer christlichen Macht erobert worden: In der Nacht vom 8. zum 9. Dezeniher 1917, am 24. Kislev, einen Tag vor dem Fest der Lichterweihe, hat der englische General Allenby von Jerusalem Besitz ergriffen. Jerusalem ist uns Juden, was cs dem zivilisierten Erdkreis ist: Die heilige Stadt, von der der Glaube unserer Vater ausging und Zu der er immer wieder zurückkehrt, das unvergängliche Symbol un* ser׳a religiösen Besitzes. Darum achten wir die Empfindungen der christlichen und der islamischen Völker, deren religiöse Uebcrliefcrung sich um den Namen Jerusalems schlingt, die gleich uns auf den Höllen des juiliiisdien Berglandes die Stätten verehren, von denen ihnen ihr Giauliekain, Und dennoch ist uns Jerusalem mehr als ihnen. In dieser Stunde, da wiederum die Menschheit nach Jerusalem blickt, da wiederum der Streit um den dauernden Beaitzder Stadt anhebt, wollen wir aussprechen, welcher Art unser besonderer Anspruch ist und was wir von dieser Menschheit für, uns fordern. Die christliche wie die Islamische Uebcriicfefung knüpft an die jüdische an. Es ist hier nicht der Raum, die tiefe Abhängigkeit der christlichen wie der islamischen Religion vom Judentum zu zeigen. Ein jeder kennt sie, ein jeder weiß, daß diese Religionen ohne das Judentum nicht denkbar sind. Eben ans dieser Abhängigkeit, aus diesem ■ örtlichen, .zeitlichen und gedanklichen Zusar.mi cnhang mit dem Judentum geht ja der Anspruch hervor, den die christlichen und mohammedanischen Völker auf die heiligen Stätten Palästinas, auf 'die erinncrungsschweren Höhen, Wege und Plätze Jerusalcms erheben. Doch in dieser Stunde treten wir neben diese Völker nicht nur als die ältesten und daher ztunindest gleichberechtigten Erben religiöser Ideen, die einst von Zion ausgingen. Wir treten vor sie ־»Is ״l?ar Ztc:׳-:־:!v»» erstreb* ilt d1׳» j"״*!*xNe Vo','4 c!*e Cct.r.ä'xu:; clr.tr;iZch-1-ccldL'c!» 1*.e:!c!'.cr!ea llzlzivAZüa In iAIti Ei;,ב." Sajefer 1-V־^r«nm. alleinige Nachkommen und. Erben der Nation, die Jerusalem schuf. Wir ehren ihren Anspruch auf die Symbole, die sie gleich uns in den Gräbern, Steinen und von Erinnerung geweihten Stätteil Jerusalems erblicken. Doch uns gebührt der erste Anspruch auf die Erde Palästinas, auf den mütterlichen Boden, der unsere _ Väter nährte, auf das Land, in dem unser Volk in Freiheit groß wurde. Ideen gehören der ganzen Menschheit•—: so haben die Ideen des Judentums die Weit durdidrungen, das Sinnen und Fühlen aller Völker befruchtet, haben sich im Christentum und Islam mit uns fremden Ideen verbunden, die dem Genius anderer Völker und Zeiten entstammen. Wenn diese anderen Völker sich jetzt ehrfürchtig vor den Mauern Jerusalems neigen, so möge ihre Dankbarkeit für das, was sie vom Judentum empfingen, ihnen die Tat der Gerechtigkeit erleichtern, die wir von ihnen fordern. Sic möge:1׳erwägen, daß uns .Jerusalem noch etwas, anderes ist, als eine rcligiöse Eiiiiiierimg.sstättc, noch etwas anderes als ein aus ferner Vergangenheit in unsere Gegenwart Imieinragendcs Symbol: das cs uns einst war, was ihnen heute ihre eigene Heimat, die wirkliehe Heimat ihres Volkes bedeutet: die Stätte uuseref nationalen Freiheit und unserer nationalen Grolle. Was das jüdische Volk der Welt gegeben hat, ist aus seiner nationalen Kraft in Palästina erzeugt worden, Ans den! kleinen, von Höhen mul 'I iUeni durchzogenen Lande am Ostrande des Mittelaieei'c:; hat das jüdische Volk die zeit- und rauuUorien Ideen in die Welt gesandt, die das Antlitz der Menschheit verwandelt haben. .Möge diese Menschheit, wenn sie die hochgebaute Stadt betritt, von der diese Ideen ausgingeu, des jiidisehen Volkes gedenken und Ihm wiederum geben, was ilun einst von Unrecht und Gewalttat entrissen wurde: die Heimat, die cs verloren, auf die cs aber nie verzichtet hat, um die cs sich seit vierzig Jahren wiederum mit seinem Schweiße müht. Das jüdische Volk will nach Palästina zurilckkeliren, um von neuem das Land seiner Väter zu besteh len, um zu arbeiten und zu schaffen. Die drei Religionen — die drei Ringe der Fabel, von denen ein jeder dem Besitzer als der echte gilt — werden, wenn der Lärm dieses Krieges vorüber ist, in der Friedensstadt friedlich nebeneinander bcstehen. Dann wird das jüdische Volk in seine Heimat zurüekkciiren, nicht mit. dem Schwerte in der Hand, sondern mit dein Buch, das seinen Weg seit zweitausend 'Jahren begleitet hat, und mit dem Pflug, der den Boden der Heimat neu beleben soll. Mit Zustimmung aller Völker, frei von allem Trachten nach äußerer Macht und Gewalt, will das jüdische Volk in Palästina einen neuen Abschnitt seiner Geschichte bcginnen, Große Erinnerungen weisen ihm den Weg;־oBe Leistungen wird cs vollbringen müssen, u. .lieser Erinnerungen würdig ׳zu sein. Vielleie.il wird es den anderen Völkern der Erde für die Anerkennung der Forderung, die es heute erhebt, einst durch die Worte und Lehren danken können, die wiederum von Zion ausgehen werden. Zur £fuI5rt1n2 der englischen Cejjieruaf» Der Skandinavische Zjonistcnvcrbond sandte an das Foreign Office in London folgende« Telegramm: ״Wir nahmen mit tiefer Befriedigung und großer Freude von der edlen Erklärung der englischen Regiert!!!״ über die Wiederherstellung einer nationalen Heimstätte des jüdischen Volkes in Palästina Kenntnis). Wir hoffen auf die nahe Verwirklichung dieses Ziele», das ganz Israel Olück bringen und eine Wohltat für die Kuliurwcit sein wird. Unser wärmstet Dank wird ihnen für immer sicher sein.“ Der Skandinavische Zionistenverband candtc folgendes Telegramm a« die English Zionist Federation: ״Die Skandinavischen Zionisten begrüßen mit Freude und Enthusiasmus die Erklärung der britischen Regierung über die Wiederherstellung einer nationalen 1 Icimsäiite für das jüdische Volle ln Palästina. ’ Wir hoffen auf die baldige Erfüllung unsere« ewigen Ideals und beglückwünschen Sie her/lichst zu dein Erfolge, der durch Ihre unermüdlichen Bemühungen erreicht wurde.“ ‘ : J .:äl Die Norwegische Z i 0 n i s t c n v e r e i n ig u 11 g sandte an die English Zionist Federation folgendes Telegramm: ״Die zionistische Judcnhcit Norwegens beglückwünscht Sie zusammen mit den älteren zionistischen Verbänden der ganzen Welt herzlichst zu dem großen Erfolge, den die Erklärung •\\r. Halfours über die Bercitwilligkcit der britischen Regierung, sich mit ganzer Kraft für die Verwirklichung unserer Palnstinahoffnung cinzusctzcn, darsteßt. Wir begrüßen voll Freude diesen - wesentlichen Schritt vorwärts, der in Zeiten der Vcrwirrung doppelt willkommen ist, und vcitrauen darauf, daß alle Ihre Bemühungen auch in der Zukunft von Erfolg gekrönt sein werden. Norske Zionistforeningen * Dsenscisky.“ 1 ׳ Die schwedischen Zionisten veranstalteten am 27. Nov. eine große öffentliche Versa mm• lung in Stockholm, in der das Mitglied des Landesverbandes Herr F. Grüngard den Vorsitz führte. Der Oherrabbincr von Stockholm, Dr. M. Ehrenpreis, der am Erscheinen verhindert war, batte citj Negriißungstclegramin gesandt. Ansprachen hielten im Namen des Skandinavischen Zioiiistenverhandes die Herren l)r. S. Fink eist ei 11 und Dr. R. Lurie; im Namen der poalc-zionistischcn Delegation bei der Stockholmer Konferenz die Herren L. C11 a s a n owitsch und B. Locke r. Nachstehende Resolution wurde einstimmig an• genommen: ״Die Versammlung begrüßt mit größter Genugtuung die Erklärung der englischen Regierung, mit alten Kräften zu helfen an der Verwirklichung des Stre• bens des jüdischer! Volkes, sich eine nationale Heimstatte in Palästina zu schaffen. Die Wiedcraufricldung des Zentrums für das jüdische Volk in Palästina stellt in vollkommener Uebcreiiistimnnmg mit den Interessen aller Völker. Die Versammlung erwartet daher, daß beim kommenden Friedenskongreß das jüdische Volk von allen Völkern unterstützt werden wird, besonder# von der Demokratie der ganzen Welt. Die Versamtnlung begrüßt mit Freude die Initiative der Delegierten in den neutralen Ländern bei der sozialistischen Friedenskonferenz, die in ihrem Manifest internationale Regulicrung der jüdischen Fragen in Uebercinsiinimtmg mit den jüdisch-nationalen Forderungen in der Diaspora und in Palästina verlangt. Die Anwesenden verpflichten sich, alte ihre Kräfte cinmsctzen, um in diesem historischen Augenblick die würdige nationale Zukunft des jüdisehen Volkes zu sichern." Die gesamte Tagespresse Stockholms berichtete übet den Verlauf der Versammlung. Rückkehr der Ito zusi Zionismus London, 2t. November (Telegramm). Auf der heutigen Sitzung des' Exccutivkomitees der Ito (Jüdi• sehe T e r r i t ס r i a 11 s 11 s c 11 e Organisation) wurde einstimmig eine Resolution angenommen, in weicher die Erklärung der englischen Regierung auf da« Wärmste begrüßt wird. Es wurde beschlossen, nunmehr zusammen mit den Zionisten für die Verwirklichung des Zionistische■ Programms zu arbeiten, Die Aufualinie der englischen Deklaration in RuCland Am 22. November erhielten die zionistischen Zcitungen die telegraphische Nachricht ihrer Londoner Berichterstattet über die Erklärung Balfours. Gleichzeitig «ח hielt auch die englische Botschaft in Petersburg ein« offizielle Radiotepcschc, die die Mitteilung der Kor. respoiidenten der jüdischen Zeitungen bestätigte. Das Zentralkomitee der Zionistischen Organisation in Rußland übermittelte sofort den Inhalt dieser Depeschen an die Rayonskomitees der Organisation. Erst a1nlt./24 November traf der volle Wortlaut der Erklärung ein. Da! Zentralkomitee der Zionistischen Organisation in Ruß. ItUiii veröffentlichte (13r3uflun in der jüdischen Presse cir uM גn 1 fest an d<3s jüdische Voik״, in dem untci anderem folgendes gesagt wird: ״GroßesGst:geschehen. Aus dem Dunkel und Graue! der blutigen Ereignisse geht hell für das Judentum Ruß latids und der gesamten Welt die Morgenröte des iu tionalcn Glückes und der Freiheit auf. , ^as *las das Judentum sehnsüchtig• seit Vcrlusi seiner politischen Selbständigkeit, seit.dem ersten Schrft seines zweitausend jährigen Wanderlebens erstrebt hat das Ziel, für dessen Erreichung eine ganze Generation or׳ gamsicrt und bewußt tätig war — das Recht des jüdi raen Volkes auf Palästina — ■wird jetzt aus e*״ Traum in eine mögliche und erreichbare Sache wandelt,“ ץ