Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXII (1917)
- Issue
- Heft 49 (7.12.1917)
- Date
- 1917-12-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Redaktion und Verlag Jüdische Rundschau, Berlin V. 15, Sächsische Straße 8. Er- •d«eiat_wöchcBtl. am Freitag. Abonnement bei der Gxpeditiea «ad bei allen P0fltr~15.cn• «i<rtoljährl. Mk.3,25 in Deutschland, in Oaaterreidi-Uayarn St 5,50 ia Aiulud l'ö. צ,— Berlin, den 7. Dezember 1917 Nummer 49 ־"hon: Amt Uhhcsd 015. 816. Pastedv ה, 1״-t on to: Barlin Nr. 17392. Für Oeaterreich!! X. K,?cr;'.:pnr!:rs,־,cnatnt Scherlikonto Nr. 156C30. Anzeigen die sedisgespaltea« Petit* ‘ :'.:'!ני c;!er derenRaum 40l’f.Teucrungszuschlaj» 20'VU, RedaktionsschluBDienstag ntthai« י * * An unsere Freunde im Felde! Die uns durch die Verhältnisse aufcrlegte äullcrstc Sparsamkeit im I'apicrvcrhrauch verbietet es uns leider, unserem Branche gemäß auch in diesem Jahre für unsere Freunde im Felde eine Chanukka-Sondernummer erscheinen zu lassen. ׳ Die Redaktion. Modin Modin war die Heimat der Makkabäer. Von dem jmläischen Dorf ging der heldenhafte Kampf des Mattathias und seiner Söhne aus. Die Befreiung des Landes von fremder Zwingherrschaft und die Wiederaufrichtung des nationalen Lebens war das Ziel, Unbeugsames Oericiit über die Treulosen, die fremden Sitten fröhnten, und Zerstörung der Götzen-Altäre waren des greisen Vaters erste Taten. Seine Söhne vollendeten das Werk. Feldherr nach Feldherr der fremden Macht besieglen, vertrieben, töteten sic. Heer auf Heer, das zu ihrer Unterjochung entsandt war, rieben sic auf — eine kleine Schar gegen Zehntausende geübter Söldner. Die Wiedereiinveihuiig des geschändeten Tempels war das erste große Symbol der vviedererlangtcn Freiheit, Die Vereinigung der politischen Führerscliaft mit dem liohcpricstcrauit führte Juda Mak kabi zum Zeuith des Ruhms und der Größe. Die Aufrichtung des alten Königtums war der höchste Triumph des hasmonäischen Freihcitsideals, In Modin, ihrer lleini.'d, wurden Mattathias und alle seine Söhne begraben. Das imdurclidringliche Dunkel der folgenden zweilnuseiidjährigeii Nacht zerriß nur selten und nur für kurze Augenblicke ein weithin leuchtender Meteor, Her Makkabäer Höhe und Glück erreichte keiner mehr. Ls war, als hätte das Volk Modin vergessen Die Erinnerung;m die heroischen Taten jenes Geschlechts wich der Wuiulerlegende des ״Licht׳ fosts“. Das gewaltige politische Drama der natianalen Erhebung schrumpfte im Bewußtsein des . Volkes zur religiösen ״Tempclvveihe“ zusammen. Das Verständnis für die elementare Gewalt des Verw irklichiingsstrehens, das die Hasmoniiergcneration beherrschte, schien erloschen. Zweitausend Jahre lagen Modin.s Gräber in tiefem Todesscliimtimer. Blutige Kämpfe fremder Nationen rasten im Laufe der Jahrhunderte über sic weg. Sie konnten den großen Toten nicht zum Tröste werden. Es war, als hätten die Nationen vergessen, daß das jüdische Volk ein Modin hatte. Erst in unseren Tagen ist der Sinn für Modins hinreißendes Vermächtnis erwacht. Das junge jüdische Geschlecht in Palästina wallfahrtet nach den Gräbern des letzten jüdischen Königshauses und das gesamte Volk hat Modin zum neuen Sinnbild in sich aufgerichtet. Das Blut der Helden ward auf Palästinas Erde nicht umsonst vergossen. Wird das neue jüdische Geschlecht die Toten zu trösten vermögen? Wird seine Glut und sein l.rlösimgswille stark genug sein, das große Werk der neuen jüdischen Freiheit aufz.urichten und so dem erhabenen Erbe der Makkabäer sich würdig z.u erweisen? Das im Herzen des Volkes neuerwachtc Verstäiidnis für Modin* Weckruf ist uns und den Na- Gonen der Welt eine Gewähr. M. M. Die Lage der jüdischen Kolonien in Sidpslättina Kopenhagen, 4. Dezember 1017. (rdegramm.) Von zionistischer Seite in London erhält das Ko pe 11 Jt a g e 11 e r Büro der Zion i s t i s c heu Organisatio n eine Mitteilung über die Lage der jüdischen Kolonien in dem von der türkischen Armee geräumten.und von der englöschen Armee besetzten Gebiet Palästinas. In diesem Telegramm wird bestätigt, daß die türkische Armee bei ihrem Rückzuge die Einwohner unbelästigt zurückgelassen hat und daß die Gebäude unbeschädigt zurückgeblieben sind, so daß die Lage der jüdischen Kolonien sehr beruhigend ist. Es wurden nur Vorräte und Arbeitstiere mitgenommen. Es herr־׳*ht keine Hungersnot. 22. lös!er/ 5Ö78 | XXII. Japans ״Der ZIoaftr.13* eriL'cht tu? «!na Esc'ao Voüli de Scbaffsa!) eines• C.'E'.'.üch-rccidl'cb CecSc.herfc» Hckntiäii« in!,«däiltacj.“ ßaaclcr Fre£r*mnt. Ein zentrales jüdisches Wirtschaftsamt h Polen Das j ii d i s c 11 e P r e ß b ü r o i n S t o c k h o I in berichtet: Das!Aktionskomitee der Z i o u i s t i ־ sehen Organisation errichtete in Warschau ein ze 1! trales jüdisches Wirtschaftsamt für Polen. Die Aufgabe dieses Amtes ist die Sammlung von Material über die Wirkungen des Krieges auf das wirtschaftliche Leben der polnischen judenheit. Es werden zu diesem Zweck Erhebungen und Untersuchungen aller Art veranstaltet werden. Es wird beabsichtigt, der Exekutive des J ü - dischen Kongresses i ir Amerika sowie der Exekutive des Jüdischen Kongresses in Rußland einen umfassenden Plan für den ökonomischen Wiederaufbau in Polen zu unter- I) reiten. Die verschiedenen Richtungen' der polnischen JiKlenhciti namentlich auch die jüdischen Arbeiter, werden zur Mitarbeit an diesem großen Unternehmen hcrangezogen werden. Neue Stimmen des Auslandes Die bekannte Stockholmer Tageszeitung ״Svciiika Dagbladct" bringt in der Nummer vom 11. Noveniher folgende Bemerkungen von ״autoritativer jüdi• .scher Seite“: ״Die soeben durch Reuter misgcsandte ITkIliriiiig «10r englischen Regierung betreffs der jüdischen Paliistiiia-Desfrclniiigcii ist (mich mit neutralen Augen ge• sehen) ein wichtiges Iiistnrisehes Dnkumcnt, das al';:cmeine Aufmerksamkeit verdient. Obwohl das Judentum als solches ganz neutral ist und sein muß - ■ «iemi die Realisierung unserer gemeinsamen Wünnche hingt von■ dem wohlwollenden Entgegenkommen aller interessierte.11 Mächte (auch der Türkei) »b so müssen wir doch die Bedeutung der englischen Proklamation dankbar an• erkennen. ״Im Namen des Königs und der Regierung“ erklärt die englische Regierung, daß sie ,,der Errichtung einer nationalen Heimstätte für das jüdische! Volk in Palü• stina günstig gesinnt ist und ihre besten Bemühungen für die Verwirklichung dieses Zieles ciiisctzcn wird“. Dadurch wird zum ersten Male von einer europäischen Großmacht anerkannt, daß die Gründung einer jüdischen Heimstätte in Palästina erwünscht 11ml daß sie durch• fühlbar ist. Die in der Erklärung gemachte Einschran■׳ kling betreffs ״der bürgerlichen und religiösen Rechte“ in Palästina (womit die Unverletzlichkeit der heiligen Stätten und die Rechte der arabischen Bevölkerung gemeint sind) sieht im vollsten Einklang mit von jüdischer Seite wiederholt gemachten Erklärungen. Besonders bemerkenswert ist der letzte Passus der Erklärung, wonach die Gründung einer jüdischen Heim* statte in Palästina keineswegs ״den Rechten und der politischen Stellung, die die Juden in anderen Länder» gerne (feit“ sei laden könnte. Durch diese Bemerkung, die ganz, und gar mit der oft dargelcgteii Auffassung der Zionistischen Organisatio״ üherciiistiumil, soll jedes Mißverständnis beseitigt und sollen auch die Bedenken beruhigt werden, die gewifte jüdische Kreise gegen da» Palästinaprojekt — als eine Gefahr für ihre biirger• liehe Stellung — gehegt haben. Wie immer die militärischen Operationen an der Siiinifroul sich entwickeln mögen, so wird doch dieses Dokument von greifbarer Bedeutung für die weitere Entwicklung der!Tage sein. Das Palästina-Problem ist dadurch in die Reihe der aktuellen wcll-politisciteu Probleme gerückt und dies ist augenblicklich das Aller• wichtigste an dieser Erklärung" ... Im Stockholmer ״S o c i n 1 d c 111 o k r .11 e n“ vom 17, November veröffentlicht Herr Leo C11 a s a 11 o witsch, Delegierter des jüdischen A, fencrhatidcs ״Poalc-Zion“ zur Stockholmer Konteren,., unter der Ucbcrschrift ״Der Zionismus“ eine» Artikel, in dem cs heißt: ״Der Schrill der Regierung findet in England .׳tilge• meine Zustimmung. Seit einigen Monaten trieb die ganze engl'sclic Presse eine lebhafte Propaganda für den Zionismus. Die reaktionäre Londoner Zeitung ״Times“ wetteiferte darin mit den liberalen Zeitungen ״Daily News“, ״Manchester Guardian" ctc. Bekanntlich äußerte sich auch die britische Arbeiterpartei entschieden lüt den Zionismus. Sie forderte in ihrem F -enspro• granun: ״Die Verwandlung Palästinas in einen unaS»• hängigen Staat unter internationalen Garantien, wohin diejenigen aus dem jüdischen Volke, die cs wünschen, misw!uidcrn können und wo sic in ihrer Weise ohne Einmischung von fremden Rassen und Religionen für die Befreiung ihres Volkes arbeiten können“ ... Obwohl Dalfour die Erklärung im Namen der engli* sehe» Regierung abgab, muß doch angenommen werden, daß man siel« erst mit den Kabinetts in Washington, Paris und Rom verständigt liat. Besonders Wilson arbeitet energisch für die Schaffung eines politischen Zentrums für das jüdische Volk in Palästina. Eine Menge einflußreicher Zeitungen in Amerika agitieren lebhaft für eine jüdische Republik in Palästina . . . Zahlreiche Sozialisten• und Arbcitcrvcrsamrnluuge« Italien sich einmütig für die Juden ausgesprochen und fordern, indem sie den internationalen Charakter der jüdischen Frage anerkennen, ihre Regelung durch die Friedenskonferenz. Besonders wichtig ist in dieser Be• ziclumg das Manifest des HolläiuUsch-skamlinaviüchen Komitees, in welchem gefordert wird: ״eine intcruatio• nationale Lösung der Judenfrage und Pcrsoiialautono• mie in den Gegenden von Rußland, Oesterreich, Ru• uüüiien und Pole», wo Juden in großen Massen zusatu* men wohnen, sowie Schutz der jüdischen Kolonisation in Palästina“, Ls besteht große Hoffnung, daß eine grolle Mehrzahl der Internationale sich diesem Stand• punkte des liollüiulisch-skamlinavischcn Komitees anschließen wird ... Wie sich die Zentralmächte zur Erklärung der englischeu Regierung stellen werden, muß noch abgewartet werden. Auch in Deutschland haben indessen ein flufireichc Zeitungen von verschiedener politischer Ritli• luitg sich für ein jüdisches Palästina ausgesprochen Besonderes Aufsehen erregte in dieser Beziehung ein Artikel der konservativen Berliner Zeitung, des ״Reichs• boten", in welchem die Verwandlung Palästinas in eine jüdische Republik verlangt wurdb, um die englische^ Plane bezüglich Palästinas und des Suczkanals zu hin• deru ... Indem der Verfasser dann die materiellen Bedingtingmi einer Kolonisation Palästinas durch die Juden erörtert, führt er folgendes aus: ״Bekanntlich ist eine auf Ackerbau fußende Kokmi• srüioii besonders kostspielig. Zur Verwirklichung der zionistischen Pläne, d. h, um ein jüdisches ökommiisclu’s, kulturelles und politisches Zentrum in Palästina zu schaffen, sind mehrere Milliarde« nötig. Ein solches in der Geschichte einzig dastehendes Werk setzt eine großartige Opferfreudig• keit seitens des ganzen jüdischen Volkes voraus. Wa» aber eben die Opferfreudigkeit der jüdischen Massen bctriffl, kann kein Zweifel bestehen. Was bisher i* Palästina geschaffen wurde, isi - abgesehen von ein• Zeinen Ausnahmen — ein Werk des ärmsten Lkmenle« unsere» Volkes.“ Der Artikel schließt mit den Worten: ״Die Verwirklichung der unerhört großen Aufgabe die sich das jüdische Volk seihst in der Form des Zionii* mus gestellt hat, muß das eigene Werk des Volke« sein. Von den andern Völkern wünschen wir aber Wohlwollen und die Aufhebung der zahlreichen Hi■- dernisse, die sa sehr die Kolonisation in Palästina erschweren. Vom kommenden Frieden erwartet das jüdi* sehe Volk günstige Bedingungen für jüdische Kolonisation und Konzentration in Palästina." Die dänische Zeitung ״I v n s V e 11 s t r e b l a d“ vom P), November 1917 bringt ein Interview mit drin Führer der dänischen judenheit, Prof.!>. Siiito«- seit, der tt. a. folgendes ansliihrt: ״Uebcrali wo cs Juden gibt, die noch für die Zu• kimü der Judenheit Interesse haben, wird der Brief der englischen Regierung mit dem allergrößten Interesse gelesen werden. Alle iicr/en warm empfindender Juden sind noch heule mit dem I!eiligen Lande verknüpft , . . Jetzt hat /um ersten ,Male eine Großmacht durch die Zionisten die Juden hören lassen, daß man die Er• kenntnis ge voimrn hat, daß die Juden ein besondere• Recht auf eine nationale 1 lemistatte in Palästina bähen, wo sie frei leben und wirken können, yline daß da• ' durch die bürgerliche Stellung oelvr die religiösen Sitten der übrigen Einwohner des Landes noch die Rechte def Juden in nmleren Länder״ beeinträchtigt werden sollen Und — ganz abgesehen von der Politik — ist €S ganz natürlich, daß Eng!and zuerst gesprochen hat. Von allen christlichen Ländern ist England das Land der größten Verbreitung der Bibel; noch kbt *fort die Vor• ' Stellung, daß die ältesten Bewohner Großbritanniens von Israel stammen, und noch heute wird der englische König auf einem Steine aus dem Heiligen Lande 1?e• krönt. *־ Aber England ist ja noch nicht Herr in Palästina Mag cs die I ürkei bleiben, mag es England werden oder ircend eine internationale Institution, die die Herrschaft gewinnt Das ist alles vom weiteren Gange des Kriege» abhängig und von der Friedenskonferenz, Daß Frank• reich, Italien (zusammen mit dem Papste) und ganz besonders Amerika das Recht der Juden, in Palästina frei zu wohnen und sich dort zu entwickeln, anerket!- ncn, kann mit völliger Sicherheit angenommen werde» und wahrscheinlich werden die Zentralmächte und 1!.;