Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXII (1917)
- Issue
- Heft 48 (30.11.1917)
- Date
- 1917-11-30
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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r ר ׳u 0 ׳; 5 v הי j \ ן! 'i ן 1'; 1 ui.. - ־■ . ,/ : .-י נר.,..-.,5» c״. . O V.״Ä Redaktion und Verlag Jüdische Rundschau, Berlin W, 15, Sächsisch» Straße 8, Er* »cheintjiröchentl. am Deila״. Abonnement bei der Eipedition und bei allen Postümtera viertoljnlirl. Mk. 2,5ל in Deutschland, in Oesterreich-Ungarn K r. 5,— im Ausland Mit. 4,— ,Nammer^8W''|^^l,״Beri|lln7"dcn''3071^ovembcr 1917 an! Am’ 1 'lilaad 845, K46. Postscheckkonto! Berlin Nr. 17392. Für Oesterreich t ' .pnrxr״.enumt Sihedckonto Nr, 156030. Anzeigen die lecliiigespaUcn» Petit* cila oder de!Mim 40 Pf. Tcucrunj»87.uschlr.£ 15°/n. RedaktiontsdiSuß Dienstag nodiiäa. 15. 578 k | XXli. Jahrgang ........ a! Zufall oder System? Das Departement für Religions- und Bikliingsangclegenheitcn in Polen hat drei jüdische Sach* verständige: einen Referenten für jüdisches Schul* .wesen, einen für jüdische Gemeinde- und Kultusangelegcnheitcn und einen als Expert für die jiidisdien Ueineindc- und Kultusangelegcnlieitcn er* n.iimt. Diese drei Sachverständigen, in deren Hiindc jetzt Uns Schicksal der jüdischen Schulen, Gemeinde* Verwaltungen und religiösen Institute gelegt worden ist, sind, wie die jüdische Presse Warschaus kon* stafiert, in jüdischen Dingen vollkommene Ignoranteil, denen kaum das jüdische Alphabet vertraut ist. Der eine war Sekretär der assimilatorischen Geineindesdiulen in Warschau, an denen keiner der jüdischen Lelirgegenstände unterrichtet, nicht einmal Religionsunterricht erteilt wird und in deren Lehrerkollegium sich selbst Täuflinge befinden. Der zweite, der für Geineindewescn und Religion mailgebend sein soll, ist ein gänzlich unbekannter junger Assiinilant, der bisher mit den Fragen der jüdischen CMfciitlieiikeit und den Quellen der jüdischen Rc* ligion nichts zu tun halte. Der dritte, der diesem als Sachverständiger zur Seite stehen soll, ist kein anderer als der berüchtigte Herr Wasserzug, einer der extremen assimilatorischen PublizHen, der sich die Bekämpfung der jüdischen Eigenart zur Lebensaufgabe macht und sich bekanntlich nicht gescheut hat, die jüdische Religion in der niehtjtidischeii Ocffeutlichkcit als barbarisch zu verleumden und den Kampf gegen sie zu unter* stützen, wie wir das noch aus der Warschauer Ennv-Affäre lebendig im Gedächtnis haben. Wer hat sieh diesen Spaß mit den Juden zu treiben erlaubt? Wer ist der Urheber der sonderbaren Idee, als Sachverständige für diese wicht gen Kiiiliiriiistilutiouen des Judentums Männer zu ernennen, die den Kampf gegen diese Institutionen als ihre Aufgabe betrachten? Wer hat diesen Herren die Attestierung erteilt? An wen wurde die Frage nach ihrer Kompetenz und Autorität gestellt? Die Presse, die das Departement in Schutz nehmen will, hat inilgeteilt, dal! diese Ernennung auf I üispraehe des Herrn Professor Dick st ei 11 statlgefiunlcii hat, der dein Departement als einzig maligcbcnde Person in allen Fragen der Juden und des Judentums gilt. Aber warum hat sieh das Departement gerade Herrn Dickstein als Autorität in Sachen der Juden ausgesucht? War denn den leitenden M in* nern Polens die Stellung der gesamten jüdischen Oelfeullichkeit innerhalb und aulk'iiialb ihres Landes diesem extremen jüdischen Assiniilmiten gegenüber völlig unbekannt? War er es doch, der selbst den Rest der jüdischen Traditionen der Assimilanten von sich abtat und in überspanntem assimilatorischen!Eifer sich den Antisemiten auslieferte, um mit ihnen gemeinsam gegen die eieuieiita rsteii jüdischen Rechte aufzutreten. War er cs doch, der zur Zeit der ulten russischen Herrschalt nach Petersburg pilgerle, um die zairische Regierung für Judenbesehräiiknngen in Polen zn gewinnen, Oder sollte gerade diese ״Tat" des Flen n Dickstein ein gewichtiger Grund sein, weshalb er in den Augen des Departements so viel Ansehen gemellt und zur einzig maiigebendeii Person in jüdischen Angelegenheiten »userselien wurde? Erst vor kurzem ist ja der Genosse des Herrn Dickstein, der sieh mit ilun in den Ruhm dieser einzigartigen Wallfahrt teilt, von den Polen zun! einzigen jüdischen Vertreter des polnischen Staatsrates er- Hamit lind von den Regierungen der Zentralmächtc worden. Welcher Wert bei solchen Ernennungen 1111.1 Be* stiitigungeii auf die Sympathien oder Antipathien der jüdische» Bevölkerung Polens gelegt wird, zeigt deutlich ein Ereignis der letzten Tage, Nachdem der vom ]Klinischen Regentschaftsrat zum?.weiten Male in Vorschlag gebrachte Graf T a r - liowski von den verbündeten Regierungen abge- Jehut worden war, habe» diese Regierungen den vom Regenüschaftsrat präsentierten Prof. Jan Ku* charzewski bestätigt. Hat sich einer der maßgebenden politischen Faktoren um die Stellung der ״Der ZtonUmai crsf.r.bt Fir tl~׳> $Z-'Uzho Voll! die Schaffung einer CKc״Ufch-rcc'״iU'a?;;sltbcrSca Hclmilüiie in Pol!:sllna." Baictcr Programm. bestätigt z.wei Millionen polnischen Juden za dieser in der polilischen Oeffentlidikeit nicht unbekannten Kandidaiur gekümmert? Stand doch noch kurz vor Aus- Imieli des Krieges der gegenwärtige polnische Mint.sk'rpn'iskiciil im Zentrum eines politischen Kampfes. der die gesamte polnische Ocffeutlichkcit in Aufruhr versetzte und auch weit außerhalb der Grenzen Polens noch in frischem Gedächtnis steht. Herr Kuchar/cwski konnte es im' Jahre 1012 während der Warschauer Wahlen zur vierten russischen Reiclisduma nicht über sich gewinnen, seinen Wäldern zu versprechen, daß er für die bürgerliche Gleichberechtigung der Juden — von nationalen Rechten war damals nicht die Rede — eintrcten werde, worauf die Warschauer Jiideuheit sich gezwungen'sah, ihre Stimmen einem anderen polnischen Kandidanten alizugebcn, trotzdem dieser seinen!sozial istischcn Ueber/eugungen nach den meisten jüdischen Wäldern nur wenig entsprach. Wurde dieses traurige Kapitel der politischen Vcrgniigcnluit des Kandidaten bei seiner Ernennung mul Bestätigung irgend!^« in Erwägung gezogen? Oder war es gar ein Motiv mehr'für seine Enten* innig .und Bestätigung? Prinz Rnd/.iwill voraichte in der ״Vossisclien Zeitung“ vom 24. No* vcnilnT in der Wiedergabe seines Gesprächs mit Professor Ludwig Stein den Ministerpräsidenten in Schulz zu nehmen und versicherte, daß die Gründe seiner ehemaligen Steilung zur Jiidcufrage inz.wim־Ii־׳!«-nv:!i erledigt hätten und demgemäß auch' : .ic Stellung־ sieh geändert habe, Wir Wollen hier u:: .׳'..•gtauoutc, die Prinz!■!:1d׳iv.׳i!l zur VrrGidigun׳• des (ehemaligen Antisemitismus seines Schützlings auführt •— es wäre viel dagegen 7.U sagen —, beiseite lassen. Kennzeichnend ist es, daß der Pre• miemiinister seihst es in keiner seiner Bespreehtnigeii bis jetzt für notig hielt, auch nur mit einer Silbe auf diese Episode zimiekzukoiimien und zur Beruhigung der jüdischen Geffentlichkeit irgend* eine Erklärung über seine Sinnesänderung zu verraten, gleich als ob die bedeutendste nationale Minorität des Landes eine quantite negligcahle wäre, deren Stimmung und Mißstimmung den Staatsleiter völlig kalt lassen darf.. Die nächste Zukunft wird zeigen, wie weit diese Sinnesänderung, von der Prinz Rad/iwill die Oeffcnlliclikcit zu überzeugen «lieht, in die Tiefe geht. Die bisherigen Nachrichten .sind nicht geeignet, beruhigend zu wirken. Wie die Presse.mitteilt, soll der künftige polnische Staatsrat, der aus 1(10 Personen bestellen wird, nur fünf jüdische Mitglieder haben, von denen nur eines den Nichtassimilanten angehört. Ucber die fünf jüdischen Kandidaten soll bereits unter der! polnischen Parteien der Aktivisten und Pazifisten eine Einigung erreicht worden sein. So reihen sieh die Tatsachen aneinander. Ein Volk, das M ״.'« der Ges.'iuifcbevölkening ausmaclit, wird in einem Staatsrat ׳ von 100 Personen durch fünf Sitze repräsentiert, von denen vier einem kleinen Häuflein i 11 rem Volke entfremdeter, ihr Volkstum hassender Notabeln gehören. Ein Mann, der noch vor nicht langer Zeit sich als Gegner der jüdischen Rechte bekannte, wird zum Leiter des Landes erii.'innt, ohne entsprechende Erklärungen über seine viTäiKlerte Stellung zu den Juden abgegeben z'u haben. Eine Persönlichkeit, deren Name im gesamten Judentum zum Synonym des Voiksverratcs winde, wird von einem Laiulesdcparteineut als Gis. einzige Autorität in jüdischen Angelegenheiten ausersehen. Und extremste Assimilanten, die die jiidiselie Schule bekämpfen, von jüdischer Religion keine Ahnung!iahen, den! jüdischen Gemeinde- W1_.se 11 .seinen Lebensinhalt nclimen und cs za nichtjüdischen Zwecken mißbrauchen, werden za ״Sachverständigen“ und ״Referenten“ für jüdische Sei!ul-, Religioiis- und Cjcineiudeaiigelegenlieiten ernannt. Sind all diese Täte,aclie», die in Ihrer Gesamtlicit eine Verhöhnung des Willens und der Gefühle eines ganzen Volkes darsfellcii, nur Zufälle, die auf Uiiiiiforinicrtlic: vielmehr Symbole Df. Hanlkes beim Grafen Czernin Die üsterrcicliusdK'ii Tageszeitungen vom 19. November veröffentlichten nachstehende Mitteilung: Der Minister des Acußcrn, Graf Czernin, hat Samstag das Mitglied des Zionistischen Ak- ־ tionskoniitees, Dr. Arthur H antke, zur längeren Besprechung empfangen. In der Unterredung zeigte sieh der Minister sehr befriedigt von den politischen Aufklärungen Dr. Hautkcs und sagte ihm die Unterstützung der österreichisch-ungarischen Regierung für die zionistischen Bcstre- 1buugen bei der Türkei zu. Die Erklärung des Grafen Czernin dürfte in der gesamten jüdischen Oeffentlidikeit grolle Gentigtuimg nuslöscn. Ihre Bedeutung ist um so höher anzusclilagen, als sie kurz nach der Erklärung der englischen Regierung erfolgt. (Durch die Erklärung der österreichisch - ungarisclie» Regicrimg ist auch von Seite der Zentralmädite ein Sciiritt auf den! Weg zur Verwirklichung der zionistischen Bestrebungen getan, für deren Durchführung die Zustimimuig aller Mächte wünsehenswert ist. Brandeis von Wilson mit Vorbereitenden zur Friedenskonferenz beauftragt Laut telegraphischer Mitteilung des Kopcn«׳ h a g c n c r Büros der Zionistischen O r gnnisatiou meldet ״Jewish Advocate“ (Boston) aus Washington; Buiidcsoberrichtcr Louis Brandeis ist von Präsident Wiison bestimmt worden, zusammen mit Oberst House die Materialien zu sammeln, die nach Beendigung des Krieges die Grundlage für die Friedcnsunterliand* Hingen Amerikas sein sollen. Oberst House wird die Informationen sammeln, die Westeuropa betreffen, Br and eis diejenigen, Welche Fra* gen des 11 allen Orients behandeln. Diese Bestimmung Wilsons wird dahin gedeutet, daß der Präsident beabsichtigt, Amerika bei der Fric* dcnskoufereiiz durch diese beiden Persönlichkeiten vertreten zu lassen, Die Aufnahme der Erklärung im Ausland Am 18. November hnd ein feierlicher Empfangs• abend der Eiiglish 7 ionist Federation statt, wobei Lord Rothschi ld die Föderation offiziell von der Erklärung der englischen Regierung in Kenntnis setzte. Hunderte von Glückwunschtelegrammen, die aus allen Teilen der Welt ciiigetroffen waren, gclanglcn zur Verlesung und erweckte» stürmische Begeisterung. Die Herren Dr. Weizmann, Sokotow, Dr. T s c 111 c n o w, Lord Rothschild und James Rothscliild feierten das historische Ereignis im Lehen des Jüdischen Volkes in festlichen Ansprache«. * Der bei g i sch c Z i o 11 i s t e 11 v c r b and hat an• lälilieli der Erklärung ll.illotirs ,׳m den englischen Zio■ uistcnvcihaiid das folgende Telegramm gerichtet: ״Der.Belgische Zioiiistciivcrbnnd, zeitweise im Haag nnsüliig, kt voll Begeisterung über die Erklärung, welche die englische Regierung dem jüdischen Volke abgegeben hat, Er fühlt sich von Dankbarkeit erfüllt gegenüber der großmütigen Regierung Seiner Majestät des Königs von Großbritannien für die Anerkennung der legitimen na• tiomden Rechte des jüdischen Volkes auf Palästina und wünscht Ihnen herzlich Glück zu dem günstigen Ergebnis das Ihre zionistische Arbeit krönt. ’ Wollen Sie diesen Beweis der Dankbarkeit der britischen Regierung übermitteln.■ gez, Dr. Ladislas Herz, Präsident“ :ruh1:.׳? Oder sind es nicht eines wohlüberlegten Systems? Kalfours Fjfdiinmg an Lord Rothschild hat auch In der holländischen Presse lebhaften Widerbail gefuiidcn. Von besonderem Interesse ist ein längerer Amsaz, der am 14. November im ״Dagblad voor ur Ir ״״ ״,״ , ,־d, ’"1,cr T*td ״Vom lde.1t zur Wirklichkeit erschienen ist. Dieser Aufsatz nemit die Zusage der britischen Regierung ״ein sehr bedeutendes Ereignis in der Geschichte des ältesten Kultur* vol1.es. ״Wenn ein Vcrständigungsfricde“, «0 lieillt c* *'1j-'h ״zustande kommt und bei dieser Gelegenheit die Stimme der Vernunft und des Rechtes nur einigermaßen gehört wird, dann besteht für die Wiede raufrichtung Palästinas als jüdisches Land eine große Chance. Vernünftig wäre die Wiedcraufrichtung, weil gerade dort, wo Palästina liegt, ein Staat nötig wäre, der neu*