Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXII (1917)
- Issue
- Heft 42 (19.10.1917)
- Date
- 1917-10-19
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 42 JUEDLiCM E RüMDSCHAU Seite 341 Von den Waisenkindern sind: ohne Vater und Mutter 48$ ohne Vater 1563 ohne Mutter, verlassen vom Vater 220 verlassen von Vater und Mutter 12t unbestimmt K>6 Zusammen: 2501) Es ist zu bemerken, daß die Mädchen aus frommen Kreisen keine Schulen besuchen. Auch die Kinder un• ter 5 Jahren und zwischen 16 und 18 besuchen keine Schulen, sondern betteln gewöhn lieh. Viele besuchen keine Schulen, weil sie infolge ansteckender Krankheiten nicht aufgenommen werden können. Viele hausieren auf den Straßen. * Das amerikanische Komitee, das in der letzten Periode seine Arbeit aufgenommen hat, sucht die Not dieser Kinder zum Teil zu lindern, indem es llrot verabreicht, gelegentlich auch gekochte Speisen. Dabei bleibt aber die Fürsorge für diese Kinder noch recht be• schränkt. Durchgreifende Hilfe konnte nur durch Einrichtung von Asylen geschaffen werden, in denen sie volle Verpflegung und auch erziehliche lieaufsichtigung bekämen. Die Fürsorge in diesem Umfang verlangt aber bedeutende Mittel, im Durchschnitt wohl 15 bis 20 Frcs. per Kind :monatlich, ein Betrag, der bei weitem über das Verhältnis hinausgeht, welches durch die gegenwärtigen für Jerusalem vorhandenen Hilfsmittel bestimmt ist. Es kann aber unseres Erachtens keine lohnendere Wohltätigkcitspfiege geben, als die Rettung der beranwachscmkn Generation vor körperlichem und moralischem Untergang. . Zionistische Bewegung IpolUik; wurde Organisation; Presse. B. Boro c h o w gezurückgckelirt ist. Rußland. (Konferenz der südrussischen Zionisten) Hundert und fünfzig Vertreter zionistischer Ortsvereine nahmen rm der RayonkoiUerenz der südrussisehen Zionisten teil, die am 28. August/11, Scptbr. in Odessa eröffnet wurde. Zum Vorsitzenden wurde M. M, Ussisehkin gewählt, der einen eingehenden Vortrag über ,die gegenwärtige Lage der Juden in Palästina hielt. Agronom Sußinann hielt ein Reierat über die Bildung von jüdischen Landwirtschaft ten in Siidrulilaiitl zwecks Kultivierung der Produkte und Pilanzimgen Palästinas und Vorbereitung jüdischer Landarbeiter für Palästina, Schwarz berichtete über die Organisations- und Agitatianstätigkeit im Rayon, Lebhafte Debatten erregten die Vorträge über die aktuellpolitischen Aufgaben: Rechtsanwalt Triwus sprach über die Politik der Zionisten während der Wahlen zu den Stadtverwaltungen und zur Konstituante, N. P i n c s über die Schulpolitik in der Diaspora, Fischer über die jüdische Politik in der Ukraina und P e n über die Gemcindewahlcn, Unter anderem wurden folgende Resolutionen gefaßt: I. Bezüglich der Palästinatfitigkeit: 1. Vorbereitung von Pionieren (״Hcchaluz“) für landwirtschaftliche Arbeit in Palästina; 2. Vorbereitung von Farmen für den ״Hcchaluz.“ in Rußland und Palästina zwecks Ausbildung der Arbcitskräftc (Gärtnerei, Bienenzucht etc.); 3. Vorläufige Unterbringung der ״Chaluzim“ auf den Gülern der Krim; I, Vorbereitung von Handwerkern für Arbeiten in den Städten Palästinas; 5. Förderung der Privatinitiative durch eine ausgedehnte Informationstätigkeit über Palästina, II. Bezüglich der politischen Tätigkeit in Rußland: 1. Beteiligung aii den Gcmcindcwahlcn uiul den Wahlen zur jüdischen und rußläudischen Gründlings- Versammlung; 2. Eingehung von Blocks mit Parteien, die mit den zionistischen H.mplpriiizipien einverstanden sind: 1. Organisierung der Gemeinde auf demokratischer Grundlage; I. Nichtloslösung der Kultusa11gc|cgenhcit«nvonder Gemeinde, Die Konferenz wurde vom Zionistischen Zentralkomitee, von den jüdischen Soldaten an der Front, von den ״Chowewc-Zion“ etc. begrüßt. Zum Redakteur des zionistischen Organs des Ra* vons, ״J c w r e j s k a j a M y s l“, wurde S. B. Schwarz gewählt. (Kongreß-Jubiläum) Aus einer Reihe von Städten Rußlands wird über die Abhaltung von großen zionistischen Versammlungen anläßlich der 20. Wiederkehr des Eröffnungstages des eisten Kongresses berichtet, (Rayon-Konfcrenzcn) Anfangs September fand in Kiew eine Beratung der Vertreter der zionistischen Organisation des Kiewer Rayons statt. ’ Am 26 August wurde In Hornel eine Konferenz der ״Z ei re-Zion" des Homler und Minsker Rayons eröffnet, an der 56 Delegierte teilnahmcn, (Der Parteitag der russischen Poale-Zlon) Am 26 August (7. September) wurde in Kiew der drifte Parteitag der Poalc-Zion in Rußland — der erste nach der Revolution — eröffnet. An der Tagung beteiligten sich 160 Delegierte, darunter auch Abgeordnete der entlegensten Gebiete von Sibirien und des Kaukasus. Auf der Tagesordnung standen folgende Punkte: Der politische Augenblick; Die national« Autonorme; Die ukrainische Frage; Die Konstituante; Die professionelle Bewegung; Die palästinensische Tätigkeit und die Stellung zur zionistischen Organisation; Genicimlewahlcn; Setuil Zum Ehrenvorsitzenden wählt, der ans New York Holland. (״Feldzug") Im vergangenen Jahre hat ,:um cixlen Mai eine große zionistische Propagandatounicc durch die meisten holländischen Städte mit einer bemerkenswerten Anzahl jüdisclicr Einwohner slattgcfunücn. Der Erfolg dieses ״Feldzugs" ist in ideeller und materieller Hinsicht sehr befriedigend gewesen, in diesem Jahre wurde wiederum — wenn auch in kleinerem Mailstabe — ein Feldzug veranstaltet, und zwar wurden lucptsiichlieh kleinere, zum Teil entlegene Ortschaften besucht, wo teilweise früher niemals eine zionistische Versammlung stattgefunden hat. Die Propagandisten gehörten zumeist der akademischen und Kaufmiimüsdien Jugend an und neben holländischen wirkten mit besonderem Erfolg ostjiidischc Zionisten mit. Es wurden Hausbesuche ge* macht und am Aheud in öffentlichen Versammlungen Ansprachen gehalten, Debatten geführt, rezitiert und jü■ disehe Lieder vorg einigen, Die jm ״J 00(1 sehen Wächter" veröffentlichten Berichte der einzelnen Gruppen zeigen, daß die Aufnahme der Feldzug-teilnchnter fast überall eine herzliche gewesen ist, und oft herrschte große Begeisterung unter (len Zuhörern. Währcud im vorigen Jahre mehrere tausend Quldcn für den Jüd. NationaSfonu aufgebracht wurden, war der Ertrag der Sammlungen beim diesjährigen Feldzug für die Evakuierten in Palästina bestimmt. Zentralstelle für den Bücherbedarf der jüdisehen Gefangenen in Deutschland ln der letzten Nummer der ״Jüdischen Rundschau* haben wir miigeteilt, dais fielt einigen Monaten in ' Berlin eine Zenlroistclle für 40a Eücberbcdarf der Jüdischen Gcfans'oaon In Dcsule cliland besteht, die den Zweck hat, die nach Zchntausenden zahlenden jüdischen Kriegsgefangenen In Deutschland mit guten hebräischen und jidischen Büchern zu versorgen- Groß ist die Nachfrage der jüdischen Kric " igefangenen nach geeigneter hebräischer und jidlscher Lektüre. Aber vielen Lagern Ist es aus finanziellen und anderen Gründen sehr erschwert, die jüdischen kulturellen Bedürfnisse zu befriedigen. Oft gibt es in den Lagern Bibliotheken in russischer Sprache, während solche in hebriiischer und jidischez Sprache entweder gXnzlich fehlen oder nur unvollkommen sind. Die Zentralstelle, die bereits ein größeres Lager hebräischer und jidlscher Bücher anjeschafft hat, wendet sich nunmehr an die öffentlichen und privaten Kreise des deutschen Judentums, das Los der jüdischen Kriegsgefangenen dadurch etwas erleichtern zu helfen, dass ihnen die Möglichkeit gegeben wird, sich seelisch und geistig an unserer klassischen und neueren Literatur aufzurichten und aus ihr in schwerer Zeit Trost zu schöpfen. Wir hoffen, daß unser Appell nicht ungehört bleibt. Es gilt, eine Pflicht menschlicher Liehe und ein Werk geistiger Fürsorge durchzuführen. Anfragen, auf die wir gerne zu antworten bereit sind, und Zuwendungen In Form von Geld oder Büchern bitten wir zu richten an die Zentralstelle fl1־ den Etdierbedörf der jüdischen Gofan״oaoa In Deutschland! Berlin W. 15, Sädisiedia Straße 3, Aua aller Welt Aus Deutschland. Am 13. Oktober starb der Vorsitzende des ״Verbandes der Deutschen Juden" und 2. Vorsitzende des Zentr.ilvcreiiis deutscher Staatsbürger 'jüdischen Glau- Ihiis lierr Justizrat Dr. Maximilian Horwitz an einer schweren Krankheit. Aus England, (Ausschreitungen gegen russische Juden) 111 London ist cs zu Ausschreitungen gegen russische Juden gekommen. Russische luden, selbst jüdische Soldatcn wurden vom Pöbel und englischen Soldaten vtrprügelt und mit Steinen beworfen. In den Stadtvierteln, wo viele russische Juden wohnen, sammelten sich Menschenhaufen an, die lärmende Kundgebungen ver- .־!»Staketen, die Juden beschimpften und die Fensterscheiben jüdischer Häuser cinsciihigcn. Nur dem energischen Eingreifen der Polizei gelang cs, die Ordnung wiederherzusteüen. Northcliffblättcr verbreiteten das Gerücht, daß die russischen Juden durch Vcrprügclung und Verhöhnung englischer Soldaten die Ausschreitungen verursacht hatten und hetzen aus diesem Anlaß gegen die russischen Juden. Dieses Gerücht enthelirt den jüdischen Blättern Londons zufolge jeder Grundlage, Aus ftuBlani Der Poüle-Zkmist Ruthenberg wurde zum Gehiiieu des Oberstkommandierenden des Petrogmdcr Militärbczirks, Zivilabteilung, ernannt. IC.j. V. B פ r a n 0 w i t s c h i: Zusammenkünfte leitet jetzt Fehlt!nternrzt Powitzer, dessen Adresse im Nachtrag z. Adresscn-Verzeichnis steht. B r e s t - L i t o w.s k: Oberarzt Dr. Wunderlich (Kr.- Lazarett) bittet um Besuch von ßundesbriidern. Buzau: Fcldiintcrarzt Walter Cohn (Uarnisontaz.) bittet um Besuch von Bmuleshriukrii, C h a r l e v i 11 c: Nächste Zusammenkunft Sonntag, 4. November, nachm. 2 Uhr, Rue du petit bois 19 Unteroffiziersheim. Lilie: Jeden ersten Sonntag im Monat, nachm. 3 Uhr, Hotel Royal. Metz: Jeden ersten und dritten Sonntag im Monat, nachm. V3׳-־ Uhr, Cafe Astoria, Körnerailee. Durchreisende Bundesbrüder wenden sich an Dr. Wechselmann, Balmhofstr. 8. Wilna: Nach Wilna kommende Bundesbrüder melden sich bei Alfred Rosenthal, jjcorgstr. 7, I. Nachrichten * Berlin. Unser Gesinnungsgenosse Isi H epp 11 er (Jüdischer Turnverein, Posen) hat das Eiserne Kreuz, Jos. Pieperberg (Haschachar Köln) die Tapferkcitsmednillc erhalten. Dr. Ad. J acobsoli ii-Lüncbürg wurde zum Leutnant befördert. N. G e r l i c h (I laschachar Köln) wurde verwundet. Berlin. ״Makkabi“, Jüdischer Jugendbund, Dienstag, den '23. Oktober er., findet ein Vortrag von' ßundesbruder Silber mann über ״Moses Mendelssohn" statt. Beginn: 8>/1 Uhr. Berlin. Donnerstag, den 25־. Oktober, 8 Vs Uhr , abends, veranstaltet der hebräische ״B c t h - W a a d" anläßlich der Wiederkehr des hundertsten Geburtstages von Grätz einen Vortragsabend, an dem Herr S. Ru baschow sprechen wird. Thema: ״Grätz’ Erbe", Lokal: Zionistisches Z.cntralbiiro, Sächsische Str. 8. Berlin. Ani Dienstag, dem 9. Oktober er. veranstaltete der ״Jiicl. Jugendbund Makkabi" für seine Mitglieder und jugendlichen Gäste eine S i m eh a 111 - T 11 o ra Feier. Es war das erste Mal, daß sich die vor kurzer Zeit ins Lehen gerufenen Gruppen der vveibl, Mitglieder eifrig betätigten. Besonders hervorragend war die Aufführung der Humoreske ״Die musikalische Kochschule“, bei der Frl. Cliarl. Walker Vorzügliches leistete. Es gelangte noch der Einakter >׳Das Gänschen vom Lande" zur Aufführung, der auf das Simchath-THorazugescimitten war. Zu erwähnen wären noch die Herren S c h a p i r o und B. P i!1 s k o y, die durch das Vortragen mehrerer Jargonliedcr allgemein gefielen. Den Schluß bildete eine Tombola. Der Abend nahm einen dem Feste entsprechenden Verlauf. Die Leitung lag in den Händen der f lerrcn Laug 11 a s und R o s c n b e r g. Berlin, Wie im vergangenen Jahre feierte der J ildisclte Kinderhort, Augiiststr. 17, eine Einnchtuug der Jüdisch-Nationale 11 Fraucnver* einig 1111g, am •1, Oktober nachmittags die Sukkoihfeier in der Sukkali der Synagoge, Heidcrcutcrgasse. Frl. Eifriede Bambus, die den größeren Kindern durcii den Oartcubauuuterricht in Neu-Babclsbcrg bckannt war, erzählte von der Bedeutung des Festes und seinen Gebräuchen und wußte die Kinder besonders durch die Schilderung ihrer persönlichen Eindrücke in Palästina zu fesseln. •Herr Kantor Beer hafte sich für die Feier freiimlliclist zur Verfügung gestellt. Der Nachmittag verging unter vergnügten Gesellscliaftsspielen und die reichliche Bewirtung, die Gönner des Hortes gespendet hatten, trug nicht wenig zur Freude der Kinder bei. Frankfurt a. M. in einer außerordentlich stark besuchten Mitgliederversammlung sprach am Mittwoch abend in der Zionistischen Vereinigung Herr Nalium Go Id manu aus Berlin über ״Die politische Lage und die Aussichten des Zio- 11 i s m u s" in einem fast zweistündigen Vorträge, Der Redner gab ein erschöpfendes Bild über die nullen« politische Seite des Zionismus, wie sie sicli z. Zt, soyvohl bei den Entcntcstaatcn wie auch bei den Zentral- *machten darstcllt. Eine besondere Bedeutung legte der Redner der russischen Revolution bei, über deren Aus- Wirkung ja sonst mir so außerordentlich spärliche Nachrichten hierher dringen, üoldmaims Rede war von einem warmen Optimismus für die Zukunft des jtklisehen Volkes getragen, ohne allzu große Erwartungen an die Versprechungen und Auslassungen, die von verschicdcncn Großmächten abgegeben worden sind, zu knüpfen; denn die Errettung und die Erhaltung des jüdischen Volkes aus seiner Notlage werde nur dann sich vollziehen, wenn das jüdische Volk gewillt sei, sein Geschick selbst in die Hand zu nehmen. Erfreuliche Anfänge dazu seien in den jüdischen Kongreßbewegung(« zu erblicken, die schon in vielen Staaten in der Ent- Stellung begriffen sind. Der überaus große Beitfall, der der Rede folgte, zeigte die Einmütigkeit, mit der die stark besuchte Versammlung die Ausführungen Goldmanns aufgenommen hat. Wi, Königsberg. Für den Mapu- Grabstein sind nachträglich noch cingcgangcn: Mk. 20.— von M. Lewit, Berlin; Mk. 6.— von Dr. Rueck, im Fckle; Mk, 5.— von Erich Jacubowitz, Berlin, S. L. Fuchs, Leipzig, R.-A. IV. J. Jacobi; Mk. 3.— von J. Priliizki, Berlin; — Mk. 44.—. Insgesamt sind cincegangen: Mk. 736.90. ׳ Sambursky. Rotterdam. Der Verein ״Haschachar" der eine lebhafte zionistische Tätigkeit unter den Ostjuden in Rotterdam entfaltet, veranstaltete am 4. Oidaber einen wohlgciiingeiR״ Propaga.ndaabcnd. Herr F. Ffonmann aus dem Hang behandelte das Thema ״Zwanzig Jahre jüdische Renaissance- Bewegung" Auf den Vortrag folgte eine Reihe vokalischer und musikalischer Darbietungen Den Höhepuukt des Abends bildete die Aufführung des hebrälsehen Theaientücks ״Hannah und ihre sichen Söhne". Ein lebendes Bild, ״Die Auswanderer'* war eine natur* getreue Darstellung der Wirklichkeit. Auch ein Km« derchor verdient lobend« Erwähnung. Wien. Dem soeben durch den administrativen Leiter, K. k, Rcichsratsrnlisor Rudolf Taussig, zur Versendung gelangenden XXVII. Tätigkeitsberichte des Armen-Antpulatoriums des Zionistischen Zentralkomitees,