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Jüdische Rundschau · 1917-09-21 · Heft 38 (21.9.1917) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXII (1917)
Issue
Heft 38 (21.9.1917)
Date
1917-09-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
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7/6;/ ,j j 'נ \ /., ל ע ו V_ Redaktion und Verlag Jüdische Rundschau, Berlin W, 15, SSÄm.Ae StraS0'8.׳Er■ Ürn tu? ־* ״' Abonnement bei der Expedition >md bei «llen Postämtern viortitjann! mk. /,/5 in 1Jcutsc]1Ianut in Oe8terr<51ch«Uag׳arn [Cr. 5״׳— im Anmlaiiü Mk.4,־־־— **,®^'**^^ H 11 11 וו■«■!*■ י■ י im 1 ,ו Nummer 38 | Berlin, den 21• September 1917 ——»1«4aa toAmtxt£33׳ygrso; v. .■a:5sr־״»y>! ג. --3S 1: Tel״-׳!mn! Amt Uhlrad C45. C *6. PostaÄetLkento! Berlin Nr. 17392, Für Oesterreich t 1| K, K, Por;l'>p!1rlte“senan1t ScheeUkento Nr. 156030, Anrtlftn die *rdnje»p*ltei1• Petit*•!) seile ed׳!r deren Re׳״!\ ff) Pf. Teueriingszuschlag 15״/״, Re«r*kti»n»r.d!!ul Dienstag n#An». ״Der Zionismus erstrebt i'Sr dis j die Schaffung einer ßf,'c1'ilich־rccld"c!1 £c Heimtliile in Palfitifna." Soicler Prt\rr 11i\ 5G7S XXII. Jahrgang ¬י־1,!•,ז Kj yf >. \<A 'יי!.-!".•! ** ' Der Vemichtungslinnipf gegen die luden r-4 * in «umunien r^V ׳ cvon Mlff russischen Presse als Unwahrheit nachgewie« ßffl Wlddc. *NSiydcr bekannten russischen Zeitung ״Birshe- 8ץ.%/W j e d o m os t i“ veröffentlichte erst vor kurj/onr; Anfang August, der Berichterstatter des Blattes im rumänischen Hauptquartier B r e sc h k o - B r e s eh - kowski ein Gespräch, das er mit Herrn Bratiano Die Not der Evakuierten Die Lage der Evakuierten in Palästina hat sich in letzter Zeit erheblich verschlimmert. Den ums vorliegenden Berichten vom Ende Juli und Anfang August entnehmen wir folgende Einzel־ heiten: ln Tiberias befanden sich 287 Evakuiertenfamilien mit 1000 Seelen, von denen 180 jsefardisehe Familien mit 613 Personen 1und 72 aschcnasischc Familien mit 241 Seelen unterstützungsbedürftig waren. Es waren also nur 35 Familien imstande, sich selbst Unterhalt zu verschaffen. Am ׳Kranken• haus in Tiberias wurden vom 18. April bis 211m 1. Juli 40 Kranke an 380 ,Krankheitstagen behandelt, von denen 5 Stadien, während 35 ׳wieder hergestellt wurden. Die hauptsächlichsten Krankheiten waren Flecktyphus und Rückfall ficbcr. In der kurzen Zeit vom 21. Juni bis zum 1. Juli •wurden in Tiberias ambulatorisch 277, im Hause weitere 5C> Kranke behandelt, von denen ein großer Teil (107 Personen) an Malaria litt, daneben kamen besonders zahlreiche Erkrankungen an Bauch- 4yp 11 ׳us,Flecktyphus und Rückfallfieber vor. Anfang August brach die Cholera aus und forderte in wenigen Tagen 29 Erkrankungen, Idie eine kostspielige Behandlung, ausgedehnte Quaran- Itäne und die Ucberfüliruiig vieler Evakuierten nach Haifa erforderlich machten. Nach Safed sind, wie wir seinerzeit in der ״Jüdischen Rundschau“ berichteten, eine grolle An• zahl kranker Evakuierter aus anderen Orten, beson• ders aus Untergaliläa überführt worden. Sic kamen zum Teil völlig erschöpft an. Der sie behandelnde Arzt führte eine regelmäßige Chininprophylaxe durch und konnte aucn eine Erhöhung 11er Brotration erreichen. Die Evakuierten wurden auf ungefähr 60 Häuser verteilt. Durch Verabreichung von Milch war cs möglich, der Ibis dahin stark krassiciciiden Dyscntherie Herr zu werden, während der sonst in *der Stadt kaum vorkommendc Typhus sich unter den Evakuierten noch tzahl* reich findet. Sind doch einzelne Evakuierte!mitten im Krankheitsstadium nach Safed überführt worden, Die Typhuskranken wurden ins städtische Kranken• hau:! überführt. Die Chininprophylaxe, die Erhöhung kfer ,Brotration und die Milchverteilung haben im Zusammenwirken mit dem guten, gesunden Klima und in guten!Wohnungen eine bc* deutende Besserung in den gesundheitlichen Vcrhältiiissen der Evakuierten bewirkt. Ende Tatnmns aber pflegt es in Safed kalt |z)u!werden sind!dann ist Zu befürchten, daß die Evakuierten durch den Mangel an Wäsche, Kleidern und Decken sehr zu leiden haben werden. An anderen Orten ist der Gesundheitszustand der Evakuierten sehr bedenklich. Vor allem findet sich die Malaria, an der z. J3. in Bet 110־ an 15, im Krankenhaus des R. Me'ir Baalnc (l 27 Personen erkrankt waren, ln letzter Zeit hat sich auch in Judäa die Lage der Evakuierten verschlimmert, vor allem in Kfar-Saba und in Pctach-Tikwah, wo gleich zu Beginn der Evakuierungen einige Fieberfälle vorkamen und heute die Malaria sehr stark verbreitet ׳ist. Besonders schlimm aber liegen die Verhält* nisue in Jerusalem, wo Krank 11 eiten, Hunge r und Cholera in erschreckender Weise!unter der Bevölkerung krassicren. Diese Nachrichten zeigen erneut, daß das Hilfswerk für Palästina mit allen Kräften fortgeführt werden muß. Wenn auch alle pcrüchtc über drohende weitere Evakuierungen sich nicht bestätigt 'haben, so ist doch andererseits keine Hoffnung vorhanden, daß den aus Gaza tund!Jaffa evakuierten Juden die Rückkehr gestattet werden wird. Alle Berichte aus Palästina stimmen über darin überein, daß die Regenzeit, wenn sie die Evakuierten in ihren jetzigen Unterkunfls• und Qesundheitsverhäitnissen antreffen sollte, geradezu verhängnisvoll werden müßte. Gedenket des Hilfswerks für Palästina! Gedenket der Evakuierten J (Petersburger Bericht) Die Lage der Juden in Rumänien war stets trostlos. Ungeachtet dessen, daß die rumänischen Juden alle Bürgerpflichten, zivile wie militärische, tragen muß״ ten, galten sic als ״Fremde“. Die rumänische Re* gieruug hat es verstanden, den von ihr Unterzeichneten, durch die europäischen Mächte garantierten ״Bcrli* 11er Vertrag von 1878“ in praxi zu umgehen und die Juden außerhalb dieses Vertrages zu stellen, Jahrzehntelang wurde gegen diesen tmcrliörlen Treubrucli der rumänische״ Regierung in der gesamten öffentliehen Meinung in Europa und Amerika ein Kampf geführt. Das alles hinderte die Regierung nicht, immer wieder neue Gesetze gegen die Juden zu erlassen, die ihnen das Leben verbittern mußten. Sofort als Rumänien in den Krieg eintrat, ist die rumänische Judcnhcit von jedem Verkehr mit den Juden in Rußland, mit denen sic stets in Berührung gestanden hatte, abgesperrt worden. Die Miiitiirzensur hat dafür gesorgt, daß nichts von den Vorgängen im jüdischen Leben Rumäniens in die Außenwelt dringen konnte. Und doch gelang es ab und zu, Nachrichten nach Rußland zu übermitteln. Die Nachrichten waren schrecklich. Täglich erhielten jüdische Gemeinden Süd* rtißlands Hiobsposten über (Ins Schicksal ihrer rumäni* sehen Brüder. An die jüdische Gemeinde in Odessa sind Nachrichten gelangt, daß die rumänische Regie* rimg, mit Herrn Bratiano an der Spitze, gegen die Juden einen förmlichen Vernichtungskampf führt. Schreckliche Dinge wurden über das Schicksal der jtidi* sehen Soldaten in der rumänischen Armee berichtet. Die jüdischen Ocmeinden in Rußland standen aber diesen Schreckensbotschaften machtlos gegenüber in einer Zeit, da sic selbst unter dem zarischen Regime zu dulden batten, Als die russische Revolution ausbrach, drang auch für die Juden in Rumänien ein Hoffnungs* strahl durch. Allgemein glaubte man, daß die rumänische Regierung nunmehr mit Rücksicht auf die russische Demokratie, die zur Macht gelangt war, ihre Juden- Politik ändern werde. Statt dessen kamen neue Schreckensnachrichten nach Rußland. Wehe dem rumänischen Juden, der seiner Sympathie für die russische Revolution Ausdruck gab. Für solche Kundgebuiigcn sind zahlreiche Juden verhaftet worden mul man hat Strafprozesse gegen sie wegen rcpubli* kanisch-rcvoliitiouärer Kundgebungen cingeleitct, Auf Vorstellung angesehener jüdischer Persönlichkeilen in Rußland unternahm die Provisorische Regierung Schritte, um Genaueres über das Schicksal der rumänischen Juden zu erfahren. Der damalige russische Minister des Addieren Mlljukow erhielt von dem russischen Bolschofter in Jassy Poklcwsky* Koseil den lakonischen Bericht, daß Ausschreitungen gegen die Juden in großem Maße zwar nicht vorgekommen seien, daß aber, namentlich in den Rückzugs* tagen der rumänischen Armee, Ausschreitungen gegen eine grolle Anzahl von einzelnen riimiiiiischcn Juden vorgcfallcn seien. Fast die gesamte russische Presse beschäftigte sich mit di äsen un• erhörten Judenverfolgungen 1 auch der Arbeiter - und Soldaten rat nahm dazu Stellung. Anlaß dazu war der flammende Protest des berühmten russischen Volksdichters Korolcnko, der in Südrußland lebt und über die Greuel taten gegen die rumänischen Juden authentische Nachrichten erhalten hatte. Koro* lenko erfuhr z. B. von einigen russischen Offizieren, daß 31 jüdische Soldaten in Bacau auf Urteil des Feldgerichtes gehängt werden sollten. Sic waren der Fahnenflucht angeklagt. In Wirklichkeit waren diese Soldaten, die von einem vernichteten Regiment übriggeblieben waren, solange umhergeirrt, bis sie das nächste Militärquartier erreicht hatten. Ibrcit Angaben wurden aber nicht geglaubt und sie wurden verdächtigt, sich freiwillig in die Gefangenschaft begeben zu haben und jetzt als Spione von Deutschland nach Rumänien geschickt worden zu sein. Korolcnko ging ans Werk, um den unglücklichen Juden das Leben zu retten. Er appellierte an die Oeffentlichkcit, der rumänischen Sol» dateska, die sich noch in der Schule des alten zarisehen Regimes befinde und nach Sündenböcken für ihre Niederlage suche, das Handwerk zu legen, crliiclt aber schließlich den Bescheid, daß alle seine Bcmiihuii* gen vergebens waren. Unter den zahlreichen Erschossenen befinden sich auch sieben aktive jüdische Sozialdemokraten, dar* unter der angesehene Sozialist Dr. Wechsler, der bei der Befreiung des bekannten Sozialisten Dr. Rakowski durch russische Soldaten aus dem Gclängnis am 1. Mai beteiligt gewesen sein soll, was übrigens wegen der Judenverfolgungen hatte. Herr Bratiano erklärte die Hinrichtungen der jüdischen Soldaten für gerechtfertigt und bestritt die Zahl der Getöteten. Im ganzen seien 14 Juden gehängt worden unter etwa 100 Nichtjuden, von denen die meisten allerdings nicht rumänische, sondern feindliche Soldaten waren. ln welcher Weise die rumänische Regierung auf die öffentliche Meinung in Rußland überhaupt reagiert, geht aus der folgenden bemerkenswerten Tatsache hervor. Als der bekannte belgische Sozialistcnführcr Vandervclde kürzlich die rumänische Front besuchte, benutzte er die Gelegenheit, die rumänischen Machthaber auf die Stimmung in Rußland gegen die rumänisehen Judenverfolgungen hinzuweisen. Sofort nach der Rückreise Vandcrvcklcs veröffentlichte die rumänisehe Militärmacht am 15. Juni folgendes K 0 in - muniquö: ״Der Militärmacht ist zur Kenntnis ge• langt, daß in der Stadt Personen vorhanden sind, die bei unseren Verbündeten falsche Nachrichten über die politische Lage in Rumänien verbreiten. Die betreffen* den Personen werden vor ein Militärgericht gestellt werden.“ Anfang Juni begab sich eine jüdische Deputation in Bcssarahicn, mit Rabbiner• R c w c 1 s k i an der Spitze, zu dem Obcrstkommaiidierciideii in Odessa, General Marx, mit der Bitte, einige jüdische Vertreter nach Rumänien abziikomniaiidieren. Nur zwei Personen wurde gestattet, die Moldau zu besuchen. Der Bericht, der nun der jüdischen Oeffentlichkcit vorliegt, ist von der russischen Judcnhcit mit einem Schrei des Entsetzens aufgciiomincn worden. Wenn, diesem Bericht zufolge, das Leben der rumänischen Juden in Fricdenszciten eine dauernde Qual war, so war cs doch eine Eldorado im Vergleich zu dem Sch recke nsregiment, unter dem die rumäni-, sehe Judcnhcit seit Kricgsbeginn seufzt. Die j ü d i ־ sehe S!1 rache ist nicht nur in der Schrift ver* boten worden, auch für den Gebraut 11 dieser Sprache überhaupt wurden die schwersten Strafen auferlegt. Als der Krieg aiisbrach und die Juden sich massenhaft als Freiwillige in die Armee meldeten, kam sofort der Befehl, daß nucli flir die freiwilligen jiidisehen Soldaten jedes Avancement unzulässig sei. Die Behandlung der jüdischen Soldaten in der Armee ist brutal und zahlreiche jüdische Sol* daten verlangten in die russische Armee versetzt zu werden, wobei sic ausdrücklich erklärten, gerade in die Todcsbatailions eingetragen zu werden. Schon ein solches Vorhaben wird als Desertion betrachtet und die unglücklichen Soldaten, die den Antisemitismus ihrer Vorgesetzten nicht mehr ertragen können, werden als Deserteure in Gefängnisse ge* sperrt. Zahlreich meldeten sich jüdische Frauen und Miid* chcn, um flir das Rote Kreuz zu arbeiten. Als die ersten Arbeiten fertig waren und andere Kräfte herangezogen wurden (darunter auch österreichische Frauen), wurde cs verboten, Juden in das Rote Kreuz aufzu nehmen und die bereits vorhnndenen Jüdinnen wurden entfernt. Als die Nie* dcrlagen der nimänisclicii Armee begannen, brachen schwere Tage für die Juden herein. Jeder Rückzug der rumänischen Truppen kostete einer großen Anzahl rumänischer Juden aller Klassen das Leben. Die angesehensten Juden, Vertreter der Gemeinden, Vorsteher wurden ohne jeden Grund ins Gefängnis gesteckt. Der bekannte Bankier Max Rubcrt stein in Oalatz, im Ehrenamt norwegischer Konsul, ein bekannter Philanthrop, einer der angesehensten Bürger der Stadt, konnte die schimpfliche Beleidigung, daß man ihn der Spionage verdächtigt hatte, nicht ertragen und beging im Gefängnis Selbstmord. Ais man mit der Regelung der Lebensrnittel begann, ,erhielten alle Präfekten den Befehl, zunächst die rumänische Bevölkerung zu versorgen; die ״Freinden“, d. 11, die Juden sollen erst nachher berücksichtigt werden! Die Folge davon war, daß die jüdischen Einwohner ohne Lebensmittel bliebcn. Eine Reihe von jüdischen Krankenhäusern, Alterevcreorgungsheiincn und sonstigen Wohltätigkcitsanstalten mußte geschlossen werden und dies zu einer Zeit, da die iiichtjüdisclicn öffentlichen Anstalten von den Behörden mit Lebensmitteln reich lieft versorgt warden. Schreckliche Szenen spielten sich vor den öffentliehen Lebcnsmittellokafcn ab. Hunderte von jüdischen Frauen und Mädchen wurden von den Läden vertrieben, trotzdem in den Lokalen reichlich Lebensmittel zum freien Verkauf vorbanden waren. In einer Reihe von Städten konnten die Juden überhaupt keine Lebensmittet« *

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