Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXII (1917)
- Issue
- Heft 37 (14.9.1917)
- Date
- 1917-09-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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/ ,.i ן I. I i ■I .. ו .» ו I I i 1 1 i /) נ׳ ' t ■ ' n.y״ C—^ \ \ \ * *J \ V\ j V_3 RecJaktioo und Verl׳״־■ Jüdische Rundschau, BcrlinW*.15ל SihhÄd« .Straße. 8, Ertclicmt Wodieiitl. em h mUg. Abonnement bei der Expedition und bei niien Postämtern »lerUijanri. Mk. I,/5 in Deutschland, in Oesterreich-Ungarn Kr. 5,— im Ausland Mk. 4,— Nummer 37 Berlin, den 14. September 1917 liOIl Po־■ 27. Elul 5077 XXII. Jahrgang / '1 V Amt Ultlend 845.846, Po־tsc’-.c<kkont©l Berlin Nr. 17392. Für Oesterreichi rkneeenamt Scheckkonto Nr, 156030. Anzeigen die scchsgetpaUeu• Petit* cn Kaum 40 Pf. Teuerung«Zuschlag 15®/0, RedaktionxschluQ Dienstag nechra. Zionismus und deutsche Politik Von Major Franz Carl Endrcs Die Vermengung außenpolitischer Fragen mit solchen 4er inneren Politik oder selbst mit per* sönlichcn Sympathien und Antipathien ist in Deutschland leider noch sehr verbreitet und macht naturgemäß sachliches politisches Denken und HanJ dein nahezu unmöglich. Zumal im gegenwärtigen Augenblick, wo cs darauf ankommt, die neuen Grundlagen deutscher Weltpolitik zu schaffen, ist cs geradezu gefährlich, wenn außenpolitische Fragen nicht mit der sachlichen Nüchternheit aufge* faßt werden, die allein den Weg zum Erkennen führt. Es wäre reizvoll, all׳ den braven Unsinn hier zusajnmenzusteiien, den blinder Antisemitismus schon über das Judentum und besonders über die zionistische Bewegung veröffentlicht hat. Die Frage, ob wir antisemitisch oder nicht antisemitisch sind, muß aJs ,eine Frage innerpolitischer Natur ga,!1z .lussclt alten bei der Beurteilung des Zionismus und Palästinas als des Landes, in dem der Zionistrnts seine Ideale verwirklichen will und zum Teil unter den größten Schwierigkeiten schon verwirklicht hat. Wer zionistische Koionisationsarbcit in Palästina gesehen und studiert hat, muß, ganz gleichgültig, wie er persönlich dem Judentum gegenüberstellt, ־zugeben, d'a,ß in diesen zionistischen Kolonieii blühende Kulturoasen in einer kulturlosen Wüste ׳entstanden sind. *) Bei einiger Kenntnis der Gcsajnttürkei kann diesem Urtcit aber noch beigefügt werden, daß es im ureigensten Interesse der Türkei hegen muß-, die kulturelle Entwicklung Palästinas durch die Juden nicht nur zuzulassen, sondern durch vernünftige Maßnahmen zu fördern und zu unterstützen, Denn jüdische Kolonisation( allein vermag Palästina zu einem leistungsfähigen Lande zu machen. Esverrät eine ganz erstaunliche Kurzsichtigkeit, wenn, in pantürkistischen Kreisen die zionistische Bewegung als eine gefährliche be* zeichnet wird, und cs ist gerade im J 11t eres sc der Türkei bedauerlich, wem! im Widerspruch Zu •den bestehenden Verträgen mit den Zcntrajinüchten einflußreiche Kreise cs durchzusetzen vennochteil, daß den Juden (auch denen osmanischer Nationajität) neuerdings Landankauf in Palästina vorboten ist. Da,s Judentum hat ln Palästina wie anderswo selbst das größte Interesse daran, durch Loyalität der Regierung gegenüber sich die Existenzinöglichkeit ־zu sichern. Palästina ist und ,bleibt da,s Zukunftsland der Juden. Aber kein Jude denkt daran, aus Palästina einen selbständigen Staat zu machen. Es handelt sich bei den politischen Wi'tnsehen lediglich um kulturelle Autonomie, die, wie die Verhältnisse liegen, durchaus berechtigt sind. Die deutschen Ansiedlungen sind ja musterhaft zu nennen, aber sie haben, nachdem die Kapitulationen gekündigt sind, keine weiteren Entwickl'ungsmöglichkeitcn. Die Schikane eines einzigen höheren Beamten kann sic ־zum Tode verurteilen. Ohne weitestgehende Staatsgarantien, die noch keineswegs vorhanden sind, ist bei der Ab• Schaffung der Kapitulationen einerseits und den pantürkistischen Uebcrtreibungcn andererseits an eine deutsche Besiedelung Palästinas (ebenso wie Anatoliens) nicht mehr zu denken. Etwas ganz anderes aber ist cs mit den Juden. Die suchen eine Heimat, nehmen osmanischc Staatsangehörigkeit an, finden einen bereits vorhandenen Rahmen — ich möchte sagen — kulturell und kommunal organisierter Volksgenossen und bringen eine unvcrkcimbar höhere Anpassungsfähigkeit an oriental!• sehe Verhältnisse mit, als das bei rein germani• sehen Elementen der Fall ist. Wenn in einzelnen türkischen Kreisen in der Besiedelung Palästinas durch die Juden eine Gefahr erblickt wird, so ist in erster Linie Unkcnntnis der zionistischen Pläne daran schuld. Das -! jי!!־־ |>*g •) Lesern, die sich eingehender mit der Frage be• schattigen wollen, empfehlen wir die sehr gut gcschricbetten Bücher: Dr. Curt Nawratzki, ״Die jiddische Kolonisation Palästinas‘‘ München, 1914 bei L. Reinha reit, - Dr. A. Ruppin, ״Syrien als Wirtschaftsgc* bict“ Berlin, 1917, Kolonialwirtschaftliches Komitee ~ ferner die Broschüre ״Zionistische Kolonisationspohtik vom gleichen Verfasser, im jüdischen Verlag, Berlin, 1914. ״Der Zionismus erstrebt £ä? das jhdJ;c';3 Voll* die Schaffung einer ßffcatllch-rcihllkb;ictldicrtcn Heimstätte in Palästina.“ D:.:etcr Programm. Baseler Programm des Zionismus ist von jeder politischen Lostrcnntmg Palästinas von der Türkei abgekontmen. Sein Grundsatz lautet: ״Der Zionisintis erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina.“ ln ganz gleicher Weise äußerte sich Dr. Tschlonow auf der großen, am 6. Juni in Petersburg einberufenen Delegiertenkonferenz der russischen Zio« nisten. Er sagte: ״Fassen wir konkret und klar unsere Wünsche zusammen. Wir halten cs für unbedingt notwendig, daß׳ die Völker, die berufen sind, die Grundlagen des künftigen national-politi* sehen Lebens festzulcgcn, mit dem unzweideutig ausgesprochenen Willen des jüdischen Volkes, Palästina als ein nationales Heim zu besiedeln, rechnen. Wir halten ferner die Beseitigung aller Hemmutigen und di׳c Schaffung der Garantien, die eine ungestörte und erfolgreiche Entwicklung und Tätigtkeit im Lände sichern, für unbedingt erforderlich.“ Tschlcnow hat damit die Ansicht des gesamten, zionistisch orientierten Judentums der ,Welt, also einer zweifellos starken Machtgruppe, ausgespro« eben. Merkwürdigerweise sind gerade deutsche Ju■׳ den sich über diese Fragen zum Teil noch recht wenig klar und daher auch noch keineswegs so einig, wie cs dieser für das Gcsamtjudcntum unendlich wichtigen Frage entsprechen dürfte. Polltisch klug haben Amerika und England den zioni* Mischen Gedanken sofort in das Programm des Krieges gestellt. Amerika1 hat, allerdings in erster Linie aus Parfciintcrcsscn, nämlich zur kräftigen Erhaltung des bei der letzten Wahl sich als wirksam erweisenden ״jevvish vote“ (national-jüdischen Stirnmen) eine Pnlästinakommission eingesetzt mild zum Studium der Verhältnisse, ״damit die jüdischen Wünsche in betreff der Zukunft Palästinas berücksichtigt werden“, nach Aegypten gesandt. England benützt die Unterstützung der Juden, wie cs klugerweise jede Unterstützung benützt, die sich ihm bietet, schätzt die Bedeutung Palästinas als eines Teils der Lnindverbindtuig Aegypten—In* dien richtig ein ׳und beabsichtigt, dein von ihm zu begründemden, arabischen Kalifat ein jüdisches Palästina an die Seite zu stellen. Beide natürlich unter englischer ״Kontrolle". Daß dieser Plan für die Juden der ganzen Welt zunächst etwas Anziclicttdes 11 at, kann jedem, der die Geschichte des Judentums in England kennt, klar sein. Es scheint aber in Deutschland noch nicht allen Leuten klar zu sein, welche Gefahr darin liegt, daß England auf dem Wege ist, der Protektor des Judentums der Welt zu werden. 'Sonst könnte nicht die ״■Germania“ die ganze Zionismusfrage ahlchncii, nur aus dem Grunde, weil sie unter jüdischer Herrschaft in Palästina, die rein Staatlieh ja gar nicht beabsichtigt ist, eine geringere Duldsamkeit gegenüber den, Katholiken an den heiiigen Stätte״ fürchtet. Was ist das für eine Hausdachpoiitik! Die ״Gcrmafiia“ hätte da etwas beim Papste in die Schule gelten sollen, jedenfalls aber nicht päpstlicher als Se. Heiligkeit selbst sich benehmen dürfen.. Erst vor ganz kurzer Zeit erläuterte ein Vertreter zionistischer Organisation dem) Papste die zionistischen Ziele und betonte, wie das ganz selbstverständlich ist, den Respekt, mit dem die heiligen Stätten der Christen auch von den Juden behandelt werden würden. Der Papst sprach sei 11 c Sympathie für den Zionismus aus und schloß das Interview mit den unendlich klugen ׳Worten: ״Wir werden gute Nachbarn sein.“ Die ״Germania“ möge sich also beruhigen. Die römische Kirche wird in Palästina auch unter ״jüdischer Herrschaft“ nicht!untergeben. Sie wird sich vielleicht sogar freier bewegen können als jetzt, wo die russische Kirche ihr größere Schwio rigkeiten in Form von Faustkämpfen an den hciligen Stätten' macht, als die J uden es je tun werden, Die Regehing der katholischen, Fragen an den hcili״ gen Stätten kann und soll dem Papste überlassen bleiben. Der wird schon, Ordnung schaffen und bedarf des ängstlichen Geschreis nicht. Genau dieselbe politische Kurzsichtigkeit, die wir bei einzelnen türkischen Kreisen fcstgcstcllt haben, finden wir also auch in deutschen Kreisen. Es wird beiderseits vergessen, daß die zionistische Frage, einmal vom angelsächsischen Kreise aufge• griffen, zu einer politischen Machtfrage wird, und daß Deutschland und die Türkei einfach das Nach* 6chen haben, werden, wenn sie nicht Stellung zu der Frage nehmen,. Die Stellung kann bei der ge- י Bchichtlichcn Entwicklung des Zionismus nur für diesen sein* Deutschland wird sich durch entsprechende Aufklärung widerstrebender türkischer Kreise und durch entsprechende ProgrammaufStellung für die Fricdcnsvcrhandlungen den nicht zu unterschätzen• den Dank und die noch weniger ־zu unterschätzenden Sympathien aller Juden der ,Welt erwerben. Dieser Dank!und diese Sympathien werden unvergleichlich größer sein, als sic beute Amerika und England gegeben werden, von denen die Juden klar erkennett, daß das Interesse am Zionismus beiin einen Wahlpolitik, beim anderen ureigenstes, impcrialistisches Orientintercsse ist. Wenn aber in Deutschland noch immer An- Bichtcn zu hören und Presscerzcugnisse zu lesen sind, aus denen hervorgeht, daß man nur deshalb den Zionismus begünstigen könne, damit alle deutschen Juden endlich nach Palästina auswandern, so ist das «in Zeichen hochgradiger poli* tischcr Kindlichkeit. Mit solchen, Leuten, die ihren Antisemitismus als eine weltbewegende Errungen• schuft betrachten und, von ihm ausgehend, Weltpolitik treiben wollen, ist ebensowenig anzitfangen, wie etwa mit Menschen, die, weil sic orthodox• protestantisch sind, jede politische Arbeit im Verein mit der römischen Kirche von, der Hand weisen würden. All diese Privatneigungen oder Abneigütigen 11'abcn doch mit der Politik nichts zu tun, die ihre Mittel verwenden soll, tun einem großen Zweck zu dienen. (Münchener Neueste Nadirichtcn) Das türkische Judentum und die angeblichen Palästina-Pläne Amerikas Wie den Lesern der ״Jikl. Rundschau“ bekannt ist, sind durch die ganze Presse Nachrichten über, «ine jüdische Kommission gegangen, die, aus den Herren Morgcnthau, Lew in-Epstein und Frankfurter bestehend, in irgendwelcher Weise in Europa für die Verw irklichung der zionistischen Wünsche tätig sein sollte. Nach manchen Berichten sollte die Aufgabe der Kommission darin bestellen, bei den Entente- Regierungen für die zionistische Lösung des Palästina- Problems zu wirken. Nach anderen illättermcldungen sollte die Kommission sich nach Aegypten begeben und von dort aus mit der türkischen Regierung in Verhandlungen cintrelcn. Genaueres ließ sich bisher nicht ermitteln. Doch steht fest, daß die Kommission nicht nach Aegypten gereist ist und daß auch alle anderen Gerüchte, die sich an die Entsendung der Kominission knüpften, bisher durchaus keine Bestätigung gc* funden haben, in den amerikanischen Tageszeitungen war zu lesen, daß die Kommission von dem ״Jo'int Distribution Committee“ Vollmacht erhalten habe, für die notleidende jüdische Bevölkerung I'aliisti* nas jeden erforderlichen Betrag zur Verfügung zii steU len. Politische Aufgaben irgendwelcher Art hatte die Kommission nach Darstellung der amerikanischen Blätter nicht. Jüdische Journalisten, die sich um Aiffkliirung an die amerikanisch« Regierung in Washington wandten, erhielten dort die Antwort, daß von den in manchen Zeitun gen erwähnten Gerüchten über irgend welche politisehen Aufträge der Kommission nichts bekannt sei. Angesichts der Unklarheit der vorliegenden Nachrichten war cs begreiflich,daII innerhalb der türkischen Judenheit eine gewisse Beunruhigung entstand, die zu der Abgabe nachstehend Veröffentlichter Erklärungc n durch den türkischen Großrabbincr und die jüdischen Org anisationen in der Türkei führte. Audi deutsche Zeitungen haben neuerdings Meder die Entsendung dieser amerikanischen Kommission zum Anlaß genommen, die erwähnten Gerüchte zu verbreiten. So schreibt Dr. Freiherr v. Madcay in der ״Magdeburger Zeitung“ vom 28. August in einem Artikel, welcher sich ״Der Kampf um Zion“ betitelt, Wilson habe die Herren Eckstein (soll heißem Epstein), Frankfurter und Morgenihau nach Syrien zur Untersuchung der Frage, wie das gelobte Land am besten von der türkischen Tyrannei zu befreien sei, entsandt. Es liegt im höchsten Interesse der zionistischen Bewegung, daß nicht durch derartige Gerüchte die ernst«